Der Abschied ist auch eine Ansprache an Lebende
Sahagúns spanischer Druck nennt Mictlantecuhtli und Mictecacihuatl im Zusammenhang mit dem Ziel Verstorbener. Die folgende Abschiedsrede spricht den Toten an; danach wenden sich tröstende Worte an die Angehörigen. Der Bericht handelt damit zugleich vom Weg des Verstorbenen und davon, wie die Hinterbliebenen weiterleben sollen.
Die Ausgabe verwendet dafür christlich geprägte Wörter wie Infierno und bezeichnet den Totenherrscher als diablo. Diese spanische Vermittlung wird hier nicht zur neutralen Beschreibung einer christlichen Strafhölle umgedeutet.
Vorbereitungen für eine schwierige Reise
Wasser und geordnete Papierbeigaben begleiten den Abschied. Die gesprochenen Erläuterungen nennen unter anderem aufeinandertreffende Berge, eine bewachte Wegstelle, mehrere Höhen und einen schneidenden Wind. Verbrannte Habe soll auf der Reise gegen Kälte und Wind helfen.
Wegbeschreibung und Fürsorge sind ineinander verschränkt: Zu einer Gefahr gehört jeweils etwas, das dem Toten mitgegeben wird. Die Textfolge wird deshalb nicht in eine scheinbar überall gültige Karte mit fest benannten neun Stationen übersetzt.
Ein Hund hilft über das Wasser
Der Bericht erklärt auch, warum ein Hund den Verstorbenen begleiten soll: Er hilft bei der Überquerung eines Flusses. In dieser Fassung werden Fellfarben unterschieden und ein rötlicher Hund hervorgehoben. Das ist eine konkrete Überlieferungsangabe, keine allgemeine zoologische Regel.
Der Text verknüpft die Reise mit wiederholten Gaben für die Toten und einem mehrjährigen Zeitraum. So wird das Fortbestehen einer Beziehung zu den Toten ebenso sichtbar wie die Grenze des Abschieds.
Ein anderer Auftrag: Knochen für neue Menschen
Die Histoyre du Mechique erzählt eine andere Bewegung: Ehecatl soll einen großen Knochen und Asche von Mictlanteutli holen, um Menschen entstehen zu lassen. Eine zunächst erteilte Erlaubnis wird widerrufen. Der Verfolgte fällt, der Knochen zerbricht, und der Bruch wirkt sich auf die Gestalt der neu entstehenden Menschen aus.
Die Leyenda-Fassung bleibt daneben stehen. Sie nennt männliche und weibliche Knochen, eine Bedingung mit einer Muschel, eine Grube und Wachteln; Quetzalcoatl stirbt und kehrt zurück. Quilachtli/Cihuacoatl übernimmt das Mahlen. Diese Handlungsteile werden nicht rückwirkend in die Histoyre eingesetzt.
Tlalocan ist ein eigenes Ziel
Unmittelbar nach dem Kapitel über den Totenweg beschreibt Sahagúns Anhang Tlalocan. Dort gehören Nahrung, Wasserbezüge und bestimmte Todesumstände zu einem anderen Zusammenhang. Beide Kapitel gemeinsam zu lesen hilft, die Verschiedenheit der Ziele zu erkennen. Aus dem spanischen Gegensatz von Infierno und Paraíso terrenal folgt noch kein einfaches System von Strafe für schlechte und Belohnung für gute Menschen.
Welche Reise liest du gerade?
Stelle zwei Fragen nebeneinander: Was wird einem Verstorbenen mitgegeben? Was soll ein lebender oder zurückkehrender Erzählakteur aus dem Totenraum herausholen? Suche die Antworten in den jeweils genannten Texten.
Ort oder Erzählraum in den Quellen
Mictlan
Texte und ihre Zugänge
Werke, Fassungen und verwendete Zugänge
Benutzte Ausgabe
Leyenda de los Soles: benannter Lesezugang
Nur die im Quellenregister dokumentierte Lektüre; keine universelle Nahua-Gesamtfassung.
1992 dritte Ausgabe des Códice Chimalpopoca; digital2019.
Sprache: Spanische Übersetzung eines Nahuatl-Textes
Benutzte Ausgabe
Histoyre du Mechique: benannter Lesezugang
Nur die im Quellenregister dokumentierte Lektüre; keine universelle Nahua-Gesamtfassung.
Druckedition1905 eines älteren Textzeugen; Haupttext und Herausgebernoten getrennt.
Sprache: Französischer historischer Text; deutsche eigene Vermittlung
Benutzte Ausgabe
Spanischer Druck1829: BuchIII-Anhang über Totenwege und Tlalocan
Eigenes tatsächlich gelesenes begrenztes Quellenfenster. Zwei Tlalocan-Druckseiten am Scan geprüft; kein Ersatz für das Nahuatl oder die ganze Handschrift.
Kolonialer Werkzusammenhang, hier historischer Druck1829; KapitelI–II, S.260–265.
Sprache: Spanisch
Überlieferter Text
Leyenda de los Soles
1992 dritte Ausgabe des Códice Chimalpopoca; digital2019.
Werk, Textzeuge, Druck und heutige digitale Bereitstellung haben verschiedene Daten.
Sprache: Spanische Übersetzung eines Nahuatl-Textes
Überlieferter Text
Histoyre du Mechique
Druckedition1905 eines älteren Textzeugen; Haupttext und Herausgebernoten getrennt.
Werk, Textzeuge, Druck und heutige digitale Bereitstellung haben verschiedene Daten.
Sprache: Französischer historischer Text; deutsche eigene Vermittlung
Überlieferter Text
Historia general de las cosas de Nueva España
Sahagún nennt im eigenen Vorwort indigene Auskunftgebende, Grammatikgelehrte, Schreiber, Prüfungen und Umarbeitungen. Die ausgewählten spanischen Druckfenster sind eigene Ausgabedatensätze.
Koloniales Werk mit mehreren Arbeits- und Überlieferungsstufen; die hier verwendeten Druckbände1829 sind nicht das Entstehungsdatum der erzählten Motive.
Sprache: Nahuatl und Spanisch im historischen Projekt; hier spanischer Druck gelesen
Der Weg zum Beleg
Quellen und Einordnung
- Überlieferung
- Benannte Nahua-Überlieferungen in kolonial vermittelten Texten und ihren ausgewiesenen Ausgaben.
- Verwendeter Ausschnitt
- Sahagún, spanischer Druck1829, BuchIII-AnhangI, S.260–264; daneben Histoyre du MechiqueVII in de Jonghe1905 und Leyenda de los Soles in Velázquez1992.
- Leyenda de los Soles: Velázquez’ spanischer Übersetzungszugang
Primo Feliciano Velázquez, Übersetzer; UNAM Instituto de Investigaciones Históricas · 1992, dritte Ausgabe; digital2019
Alle elf PDF-Seiten, Titel-/Rechteseite und Druckseiten 119–128 gelesen. Fußnotenziffern sichtbar; die zugehörigen externen Anmerkungen nicht gelesen.
Moderne Übersetzung, keine eigene Nahuatl-Kollation; knappe eigene Zusammenfassungen. Keine offene kommerzielle Lizenz oder Erlaubnis zur Veröffentlichung der PDF abgeleitet. Abgerufen am 2026-10-13.
- Histoyre du Mechique: getrennte lokale Erzählfassungen
Französischer kolonialer Textzeuge; Edition Édouard de Jonghe · 1905, Journal de la Société des Américanistes2, S.1–41; älterer französischer Textzeuge
Öffentliche Textansicht: Einleitung S. 1–2 und S. 26–31 mit sichtbaren Herausgebernoten vollständig gelesen; oberer Scanbereich von S. 27 betrachtet.
Begrenzte Lektüre der Textansicht, kein vollständiger Abgleich aller Seitenbilder. Texterkennung kann Namen beschädigen; Normalisierungen bleiben dem Herausgeber zugeordnet. Seine Olmos-Herkunftsthese ist keine erwiesene Autorschaft. Abgerufen am 2026-10-13.
- Sahagún: Totenwege und Tlalocan im spanischen Druck1829
Bernardino de Sahagún mit Nahua-Auskunftgebenden und Gelehrten; Druckherausgeber Carlos María de Bustamante · 1829
Historia general de las cosas de Nueva España, tomoI, México: Alejandro Valdés; spanischer historischer Druck des kolonialen Werks.
BuchIII, Anhang, KapitelI vollständig S.260–264, KapitelII vollständig S.264–265; PDF290–295 als zusammenhängendes begrenztes Fenster gelesen. Die beiden Tlalocan-Seiten264–265 zusätzlich am Scan gesehen.
Keine eigene Nahuatl-Kollation oder Ganzlektüre des Werks. Christliche Jenseitsbegriffe und historische Krankheitsbezeichnungen sind Quellenrede. Die Namen und Wegfolgen werden nicht zu einer traditionsübergreifenden Standardkarte vereinheitlicht. Druckdatum1829 ist nicht Entstehungsdatum des kolonialen Projekts. Abgerufen am 2026-10-19.
Redaktion und Bearbeitungsstand
Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-19. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.
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