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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Re: Sonnenfahrt, Königstitel und verbundene Götterbilder

Die letzte Nachtstunde einer Totenrolle, ein Königstitel und eine Saqqara-Stele zeigen unterschiedliche Beziehungen zu Re. Sie gehören nicht zu einer einzigen zeitlosen Götterbiografie.

3 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Re in der letzten Nachtstunde

Auf dem Papyrus der Shepeset-heryt aus der 21. Dynastie ist die zwölfte Stunde des Amduat in drei Registern dargestellt. Der Katalog des Museo Egizio beschreibt Re in der Nachtbarke mit Widderkopf. Er fährt durch eine regenerative Schlange, während Chepri als Zeichen des Morgens hervortritt. Die Feindfigur Apophis gehört zur gefährdeten Fahrt, die lebensspendende Schlange ist nicht Apophis.

Dieser Papyrus ist eine Bestattungsausstattung mit eigener Besitzerin und Überlieferungsform. Er belegt ein Bildprogramm der Nachtfahrt, keine Aussage darüber, dass Re stets als Widder dargestellt oder mit Chepri gleichgesetzt worden sei.

Heutige Lese-Illustration der Nachtfahrt

Heutige Gouache-Illustration: eine Sonnenbarke mit widderkoepfiger Gestalt faehrt durch eine dunkle Landschaft; getrennte Schlangen und ein kleiner Skarabaeus markieren Gefahr und Morgen.
Heutige KI-Interpretation der naechtlichen Sonnenfahrt. Die Barke, der widderkoepfige Re, eine ferne Bedrohung und Chepri am Morgen sind Motive aus der kuratorisch beschriebenen zwoelften Amduat-Stunde der Shepeset-heryt. Landschaft, Begleiter, Formen der Schlangen und ihre Positionen sind frei komponiert; keine antike Abbildung oder exakte Rekonstruktion von Cat. 1783 bzw. Wereshnefers Sarkophag.

Vom Gott zum Königstitel

Der Titel „Sohn des Re“ lässt sich nach der UCL-Übersicht erstmals unter Djedefre belegen. Unas setzte ihn vor seinen Geburtsnamen innerhalb der Kartusche; Meryibre Cheti schrieb ihn vor die Kartusche. Vom Mittleren Reich an stand er gewöhnlich außerhalb der Kartusche vor dem Geburtsnamen. Die Folge zeigt eine veränderte Schreibung königlicher Nähe zu Re, nicht den Anfang einer überall gleichen Sonnenreligion.

Das Grabzeugnis des Nu verlegt den Akzent: In Totenbuchspruch 100 darf der Verstorbene in Res Barke hinabsteigen und sagt, Re habe ihm die Hände gereicht. Die dortige Stimme ist die eines Totenrituals, nicht die eines Herrschertitels.

Re-Harachte auf Pays Stele

Auf einem Kalksteinfragment aus der Zeit Tutanchamuns hebt der Hofbeamte Pay seine Hände vor Re-Harachte. Der Gott trägt Falkenkopf und Sonnenscheibe. Die Verbindung von Re und dem Horizont-Horus ist hier an einem konkreten Bild zu sehen, nicht bloß an einer modern zusammengestellten Namensliste.

Weitere gefundene Fragmente derselben Stele zeigen nach dem Met-Katalog Re und wahrscheinlich Atum; der untere Teil nennt Hymnen an Re, Atum, Thot und Maat. Der genaue ursprüngliche Zusammenhang mit Pays und Raias Grab in Saqqara ist wahrscheinlich. Aus einem fragmentierten Monument lässt sich weder eine feste Rangfolge aller Gottheiten noch eine vollständige Re-Theologie rekonstruieren.

Pay vor Re-Harachte auf dem Stelenfragment

Kalksteinstele: Pay hebt links beide Hände zum falkenköpfigen Re-Harachte mit Sonnenscheibe rechts.
Pay verehrt Re-Harachte, The Met 04.2.527, ca. 1328–1318 v. Chr.; wahrscheinlich aus Pays und Raias Grab in Saqqara. Public Domain / CC0. Bildnachweis Bildlizenz

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Nachtfahrt
Shepeset-heryt, zwölfte Amduat-Stunde.

Königstitel
UCL, Geschichte des Titels Sohn des Re.

Re-Harachte-Bild
Pay-Stele der späten 18. Dynastie.

Welche Zeit ist gemeint?

  • Pays Stelenfragment wird in die Regierungszeit Tutanchamuns datiert, ca. 1328–1318 v. Chr.

Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Ägyptische Zeugnisse zu Re aus königlicher Titulatur, Grabtext und Bildkult
Verwendeter Ausschnitt
Museo Egizio Cat. 1783; UCL, Son of Re und Totenbuchspruch 100; The Met 04.2.527.
  1. Museo Egizio Cat. 1783: Papyrus of Shepeset-heryt, Amduat Twelfth Hour

    Museo Egizio, Turin, Papyrussammlung · 21. Dynastie; heutiger wissenschaftlicher Sammlungskatalog

    Katalogeintrag zu Cat. 1783 mit Besitzerin Shepeset-heryt, drei Registern der zwölften Amduat-Stunde und Beschreibung der Nachtbarke mit widderkoepfigem Re, regenerativer Schlange und Khepri am Morgen gelesen. Die vom Katalog beschriebene Rolle von Schutzgottheiten und Apophis wurde als kuratorische Deutung, nicht als eigene Textuebersetzung, notiert.

    Nur Katalogbeschreibung und Metadaten begrenzt gelesen; keine vollstaendige Uebersetzung oder eigene Hieroglyphenkollation. Die Online-Abbildung traegt keine hier gepruefte Nachhost-Lizenz und wird nicht lokal als Publikumsmedium uebernommen. Der Papyrus ist ein eigener Zeuge, keine Fortsetzung von Wereshnefers Szenenfolge. Abgerufen am 2026-09-30.

  2. Book of the Dead chapter 100, Papyrus of Nu (BM EA 10477)

    University College London, Digital Egypt for Universities · Neues Reich; UCL-Webedition, gelesen 2026-09-30

    Kapitel 100 in der Fassung des Nu nennt die Fahrt in Res Barke, die Überführung des Benu nach Osten, das Zurückweisen Aapeps und Res helfende Hände. UCL kennt keinen schriftlichen Beleg dieses Spruchs vor dem Neuen Reich; spätzeitliche und ptolemäische Handschriften wiederholen sehr ähnliche Worte auch als Kapitel 129.

    Indexnotiz der Weblektüre. UCL-Transliteration und englische Übersetzung einer benannten Version; keine eigene Kollation des BM-Papyrus und keine Datierung der Erstkomposition. Abgerufen am 2026-09-30.

  3. The son of Re

    University College London, Digital Egypt for Universities · UCL-Webfassung, gelesen 2026-09-30

    UCL belegt den Titel „Sohn des Re“ zuerst unter Djedefre; Unas setzte ihn vor den Geburtsnamen innerhalb der Kartusche. Meryibre Cheti setzte ihn in der Ersten Zwischenzeit vor die Kartusche; seit dem Mittleren Reich wurde er normalerweise außerhalb der Kartusche vor dem Geburtsnamen geschrieben.

    Indexnotiz der Weblektüre. Kurze Übersicht zur Titelgeschichte, kein vollständiger Corpus aller Königsnamen. Abgerufen am 2026-09-30.

  4. Stela fragment depicting Pay adoring Re-Harakhty, 04.2.527

    The Metropolitan Museum of Art · ca. 1328–1318 v. Chr.

    Kalksteinfragment aus der Regierungszeit Tutanchamuns: Pay verehrt den falkenköpfigen Re-Harachte mit Sonnenscheibe und Uräus. Met verortet das Stück wahrscheinlich in Pays und Raias Grab in Saqqara. Weitere Fragmente der Stele zeigen Re und wahrscheinlich Atum; unten stehen Hymnen an Re, Atum, Thot und Maat.

    Indexnotiz der Weblektüre. Objektkatalog, keine eigene Inschriftenübersetzung; Grabzuordnung und Atum-Identifikation sind wahrscheinlich, nicht sicher. Abgerufen am 2026-09-30.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-30. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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