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MythaneumDas Museum der Mythologien

Exponat

Die tägliche Reise der Sonne

Shepeset-heryts Papyrus zeigt die zwölfte Stunde einer nächtlichen Sonnenfahrt: Re gelangt in einer Barke durch die Unterwelt, wird erneuert und erscheint als Chepri am Morgen. Ein viel späterer Sarkophag ordnet dieselbe Texttradition für einen anderen Toten neu an. Beide Zeugnisse zeigen Hoffnung auf Wiederkehr, aber keine einheitliche Bilderzählung aller Ägypterinnen und Ägypter.

4–5 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Am Ende der Nacht beginnt ein neuer Weg

Auf dem Papyrus der Shepeset-heryt im Museo Egizio ist nicht die gesamte Reise erhalten, sondern eine vollständige Darstellung ihrer zwölften Stunde. Das Amduat gliedert die nächtliche Fahrt des Sonnengottes in Stunden. Hier ist die letzte Strecke erreicht: Re fährt in widderköpfiger Nachtgestalt auf einer Barke durch die Unterwelt, bevor die Sonne am Morgen erneut erscheint.

Der Papyrus gehörte einer namentlich genannten Frau, einer Musikerin des Amun. Ihr Name steht auf der Rückseite. Das Bild der kosmischen Erneuerung ist damit auch Teil eines individuellen Bestattungskontextes. Die folgende Beschreibung beruht auf dem wissenschaftlichen Turiner Katalog, nicht auf einer eigenen Übersetzung seiner Hieroglyphen.

Die Fahrt als heutige Bildidee

Heutige Gouache-Illustration: eine Sonnenbarke mit widderkoepfiger Gestalt faehrt durch eine dunkle Landschaft; getrennte Schlangen und ein kleiner Skarabaeus markieren Gefahr und Morgen.
Heutige KI-Interpretation der naechtlichen Sonnenfahrt. Die Barke, der widderkoepfige Re, eine ferne Bedrohung und Chepri am Morgen sind Motive aus der kuratorisch beschriebenen zwoelften Amduat-Stunde der Shepeset-heryt. Landschaft, Begleiter, Formen der Schlangen und ihre Positionen sind frei komponiert; keine antike Abbildung oder exakte Rekonstruktion von Cat. 1783 bzw. Wereshnefers Sarkophag.

Drei Bildstreifen, verschiedene Aufgaben

Der Turiner Katalog beschreibt drei waagerechte Register. In der Mitte wird die Barke durch den Körper einer lebensspendenden Schlange gezogen; darin vollzieht sich Res Verjüngung. Oben treten Göttinnen und Verehrende auf, unten weitere göttliche Begleiter und die Gestalt des Osiris. Diese Figuren sind nicht bloß Landschaft am Rand einer Fahrroute: Die Anordnung gibt der Verwandlung eine göttliche Gemeinschaft und eine Ordnung.

Auch Gefahr gehört dazu. Der Katalog nennt Apophis als Gegner Res; schützende Gottheiten wehren ihn ab. Die regenerative Schlange, durch die die Barke fährt, hat eine andere Rolle. Wer beide Schlangen gleichsetzt, verliert gerade den Unterschied zwischen Bedrohung und Erneuerung. Unsere Illustration zeigt diese Motive frei komponiert und bildet die drei antiken Register nicht nach.

Chepri erreicht das Morgenlicht

Am rechten Ende der beschriebenen Szene erscheint der Skarabäus Chepri als erneuerte Form des Sonnengottes. Er gelangt durch die ausgestreckten Arme des Luftgottes Schu zum Sonnenaufgang. Das ist ein konkret verorteter Bildschluss der zwölften Stunde auf diesem Papyrus, kein Beweis dafür, dass jedes altägyptische Sonnenbild genau dieselbe Abfolge zeigt.

Wir zeigen die Turiner Papyrusabbildung hier nicht als lokal gespeichertes Museumsbild: Für eine eigene Nachveröffentlichung liegt keine geprüfte Freigabe vor. Die offizielle Objektseite ist über den Quellenbeleg erreichbar.

Ein späterer Sarkophag als eigener Zeuge

Zwei grosse dunkle Steinobjekte in einer Museumsgalerie: links der rechteckige Sarkophagkasten, rechts der abgenommene schwere Deckel.
Sarkophag des Priesters Wereshnefer aus Saqqara, Kasten und abgenommener Deckel, etwa 380-300 v. Chr., The Met 14.7.1a,b, Public Domain / CC0. Die Gesamtaufnahme zeigt Groesse und getrennte Oberflaechen; die feinen Amduat-Szenen sind darin nicht einzeln lesbar und werden nach dem Met-Katalog erschlossen. Bildnachweis Bildlizenz

Was Wereshnefers Sarg anders ordnet

Jahrhunderte nach Shepeset-heryts Papyrus wurde für den Priester Wereshnefer ein großer Sarkophag aus Granodiorit gefertigt. Das Originalfoto zeigt den Kasten und den abgenommenen Deckel. Die feinen Stundenbilder sind auf dieser Gesamtaufnahme nicht einzeln lesbar. Ihre Anordnung folgt deshalb der Beschreibung des Met: Die Stunden eins bis sieben liegen an der Außenseite des Kastens, neun bis zwölf an seiner Innenseite. Stunde acht fehlt an diesem Sarkophag. Das bedeutet nicht, dass das Amduat als Werk nur elf Stunden kannte.

Auf dem Deckel stehen Tageshimmel und weitere Bildfelder; am Fußende begegnen einander die Barken von Nacht und Tag. Der Katalog erklärt die Hoffnung dahinter für Wereshnefer: Wie die Sonne soll auch der Bestattete den Übergang zum neuen Leben finden. Die beiden Objekte teilen eine Text- und Bildtradition, aber weder Material noch Platzierung und Besitzer sind gleich. Shepeset-heryts letzte Stunde ist keine herausgelöste Seite von Wereshnefers Sarg.

Wie weit trägt ein Bild?

Die moderne Eingangsillustration kann die Fahrt anschaulich machen. Sie zeigt aber weder Shepeset-heryts Register noch Wereshnefers Relief exakt. Das historische Gesamtfoto zeigt den Sarkophag als Objekt, lässt die kleinen Stundenbilder jedoch kaum entziffern. Für ihre genaue Benennung brauchst du die Kataloge und schließlich eine Textedition.

Halte beim Vergleich drei Ebenen auseinander: die erzählte Nacht der Sonne, die Zeit der beiden erhaltenen Bestattungsobjekte und die heutige Erklärung ihrer Szenen. So wird aus der täglichen Wiederkehr keine erfundene einheitliche Urfassung.

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Amduat (Buch von dem, was in der Unterwelt ist)

Stundenweise gegliederte Darstellungen und Texte der naechtlichen Sonnenfahrt. Die vorliegenden Kataloge erschliessen nur konkrete spaetere Zeugnisse.

Fruehe koenigliche Grabausstattungen des Neuen Reiches; hier spaetere Objektzeugen, kein einheitliches Entstehungsjahr oder vollstaendiger Text.

Sprache: Altägyptisch

Erhaltener Textzeuge

Shepeset-heryt, Turin Cat. 1783: zwoelfte Stunde des Amduat

Konkreter Papyruszeuge mit drei Registern der zwoelften Stunde. Hier wurde die kuratorische Szenenbeschreibung und nur die abgedruckte Uebersetzung des Besitzervermerks gelesen, nicht der gesamte Amduat-Text.

21. Dynastie, Dritte Zwischenzeit; Besitzernennung auf dem Verso.

Sprache: Altägyptisch in kursiver Hieroglyphenschrift, Bild und Text

Erhaltener Textzeuge

Amduat-Szenen am Sarkophag Wereshnefers, The Met 14.7.1a,b

Amduat-Stunden auf Aussen- und Innenseite des Sarkophagkastens; nur die kuratorische Anordnung und Bildbeschreibung gelesen, nicht alle Inschriften uebersetzt.

Etwa 380-300 v. Chr.; spaeter privater Objektzeuge. Stunde 8 fehlt an diesem Sarkophag.

Sprache: Altägyptische Reliefs und Inschriften

Welche Zeit ist gemeint?

  • Die zwölfte Stunde gehört zur erzählten letzten Phase einer Nachtfahrt; sie ist keine datierbare historische Reise.
  • Shepeset-heryts Papyrus gehört in die 21. Dynastie. Er zeigt eine spätere private Verwendung einer Bildordnung, die der Turiner Katalog mit königlichen Gräbern der 18. Dynastie vergleicht.
  • Wereshnefers Granodioritsarkophag aus Saqqara wird auf etwa 380–300 v. Chr. datiert. Die frühere Entstehung der verwendeten Bildtradition lässt sich daraus nicht auf dieses Datum verkürzen.

Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Amduat in der zwölften Stunde auf Shepeset-heryts Papyrus und als spätere Stundenfolge auf Wereshnefers Sarkophag; keine Nacherzählung aller ägyptischen Jenseitsbücher
Verwendeter Ausschnitt
Museo Egizio Cat. 1783, Papyrus der Shepeset-heryt mit vollständiger zwölfter Amduat-Stunde; The Met 14.7.1a,b, Sarkophag Wereshnefers als getrenntes späteres Zeugnis.
  1. Museo Egizio Cat. 1783: Papyrus of Shepeset-heryt, Amduat Twelfth Hour

    Museo Egizio, Turin, Papyrussammlung · 21. Dynastie; heutiger wissenschaftlicher Sammlungskatalog

    Katalogeintrag zu Cat. 1783 mit Besitzerin Shepeset-heryt, drei Registern der zwölften Amduat-Stunde und Beschreibung der Nachtbarke mit widderkoepfigem Re, regenerativer Schlange und Khepri am Morgen gelesen. Die vom Katalog beschriebene Rolle von Schutzgottheiten und Apophis wurde als kuratorische Deutung, nicht als eigene Textuebersetzung, notiert.

    Nur Katalogbeschreibung und Metadaten begrenzt gelesen; keine vollstaendige Uebersetzung oder eigene Hieroglyphenkollation. Die Online-Abbildung traegt keine hier gepruefte Nachhost-Lizenz und wird nicht lokal als Publikumsmedium uebernommen. Der Papyrus ist ein eigener Zeuge, keine Fortsetzung von Wereshnefers Szenenfolge. Abgerufen am 2026-09-30.

  2. The Met 14.7.1a,b: Sarcophagus of Wereshnefer

    The Metropolitan Museum of Art · Spaetzeit, etwa 380-300 v. Chr.; heutiger Sammlungskatalog

    Met-Objektseite und API zu Wereshnefers Granodioritsarkophag gelesen: Amduat-Szenen am Kasten, Auslassung der achten Stunde in diesem Objekt, Nut und kosmographische Ringe am Kopf, Tageshimmel auf dem Deckel sowie Nutzung vormals koeniglicher funerärer Bildprogramme fuer einen privaten Priester. Datierung, Inventarnummer und Public-Domain-Status des API-Hauptbildes geprueft.

    Ein spaetes Einzelobjekt, nicht das Urbild des Amduat und kein Beleg fuer eine universelle altägyptische Himmelskarte. Die fehlende achte Stunde betrifft diesen Sarkophag. Der digitale Katalog ersetzt keine eigene Lesung aller Hieroglyphen oder ikonographischen Details. Haupt- und zugeordnetes Zusatzfoto wurden einzeln geprueft; kleine Reliefs und die Stundenbilder sind darauf nicht sicher selbst lesbar. Abgerufen am 2026-09-30.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-30. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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