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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Chepri: Skarabäus und Wiederkehr der Sonne

Ein kleines Papyrusfragment zeigt laut Met-Katalog Chepri mit vier weiteren Gottheiten in einer Sonnenbarke. Auf Shepeset-heryts Amduat-Papyrus erscheint er als Skarabäus am Ende der Nachtfahrt. Beide Bilder verbinden ihn mit der erneuerten Sonne, gehören aber zu unterschiedlichen Text- und Bestattungskontexten.

5–6 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Eine Barke auf sechzehn Zentimetern Papyrus

Das Fragment The Met 31.3.130 ist nur etwa 16 Zentimeter lang und 5,6 Zentimeter hoch. Schwarze Linien formen eine schmale Barke, darin sitzen fünf Gestalten eng beieinander. Das Blatt wurde in einem Gefäß einer Einbalsamierungsdeponierung bei Theben gefunden; der Katalog erwägt, dass es als Amulett bei einer Mumie liegen sollte. Das ist eine mögliche Funktion, keine beobachtete Lage am Körper.

Der Met-Katalog nennt die Gestalten Chepri, Schu, Tefnut, Thot und Isis. Die Zeichnung ist sichtbar, ihre Einzelidentifikationen sind aus dem kleinen Foto allein nicht sicher abzulesen. Hier trägt der Museumskatalog die Namenszuordnung.

Das erhaltene Fragment

Schmales Papyrusfragment mit schwarzer Tuschezeichnung einer langgezogenen Barke und fuenf dicht sitzenden Gestalten.
Papyrusfragment mit Chepri, Schu, Tefnut, Thot und Isis in einer Sonnenbarke, 664 v. Chr. oder spaeter, The Met 31.3.130, Public Domain / CC0. Die Namen und die Verbindung zu den Totenbuchspruechen 100/129 folgen dem Museumskatalog; das kleine Fragment ist keine Amduat-Szene. Bildnachweis Bildlizenz

Eine Barke ist noch keine Amduat-Stunde

Der Katalog verbindet die Illustration mit den Totenbuch-Sprüchen 100 und 129: Ein verstorbener Mensch soll zur Barke des Re und ihrer göttlichen Begleitung gelangen können. Das Fragment überliefert hier keine vollständige Abschrift dieser Sprüche. Wir lesen daher weder einen geschlossenen Dialog der fünf Sitzenden noch eine genaue Stunde ihrer Fahrt aus der Zeichnung heraus.

Für Chepri ist die Szene dennoch aussagekräftig. Er steht nach der kuratorischen Benennung in der Barke des Sonnengottes, zusammen mit anderen Mächten. Die Sonne wird hier als göttliche Fahrt im Bestattungskontext vergegenwärtigt. Das Bild darf aber nicht bloß wegen der Barke als Szene des Amduat umetikettiert werden.

Ein anderer Papyrus zeigt die letzte Nachtstunde

Der Papyrus der Shepeset-heryt im Museo Egizio, Cat. 1783, zeigt nach der Katalogbeschreibung die zwölfte Stunde des Amduat in drei Registern. Re fährt zunächst in widderköpfiger Nachtgestalt. Die Barke wird durch eine Schlange gezogen, die der Katalog als Ort der Verjüngung deutet. Am rechten Ende erscheint ein Skarabäus: Chepri als erneuerte Form der Sonne. Durch Schus ausgebreitete Arme führt die Darstellung zum Sonnenaufgang.

Shepeset-heryt war Musikerin des Amun; ihr Name steht auf der Rückseite. Dieser Papyrus ist ein eigenständiges Bestattungszeugnis. Seine Beschreibung liefert einen konkreten Übergang von nächtlichem Re zu Chepri. Sie macht das Met-Fragment weder zur fehlenden Vorderseite desselben Textes noch jede Skarabäusfigur zu einer vollständigen Amduat-Erzählung. Die Museumsabbildung aus Turin wird hier mangels geprüfter Nachhost-Lizenz nur auf der offiziellen Objektseite verlinkt.

Was ein älterer Skarabäus noch nicht sagt

Auf dem älteren Innensarg Henettawys beschreibt das Met einen großen Skarabäus, der im Brustschmuck eine Sonnenscheibe nach oben schiebt. Er macht die aufgehende Sonne im Bild sichtbar. Der Katalog nennt an dieser Stelle aber nicht ausdrücklich den Namen Chepri. Für das Profil ist der Sarg deshalb ein Vergleich der Bildform, kein neuer Beweis, dass jedes Käferbild ohne weitere Inschrift dieselbe namentlich festgelegte Figur zeigt.

Die Verbindung von Skarabäus und Sonnenaufgang wird am Turiner Papyrus durch die kuratorische Benennung Chepris enger. So kann man einen Bildtyp wiedererkennen und zugleich offenhalten, was ein einzelnes Objekt selbst bezeugt.

Welche Aussage trägt welches Bild?

Im Met-Fragment kannst du die Barke und fünf sitzende Gestalten selbst sehen. Ihre Namen erfährst du aus dem Katalog. Im Turiner Papyrus benennt die fachliche Beschreibung den Skarabäus am Ende einer bestimmten Nachtstunde als Chepri. Henettawys Sarg zeigt einen Sonnenkäfer, ohne an der verglichenen Stelle den Namen zu liefern.

Welcher dieser drei Befunde zeigt eine Form, welcher nennt eine Figur, und welcher ordnet sie einer Erzählfolge zu? Erst wenn diese Fragen getrennt bleiben, wird Chepris Bildgestalt mehr als ein pauschales Symbol des Sonnenaufgangs.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

In einer Totenbuch-nahen Sonnenbarke
Katalogische Identifikation im Papyrusfragment The Met 31.3.130, 664 v. Chr. oder spaeter.

Erneuerte Sonne am Ende der Nacht
Khepri als Skarabaeus am Ende der zwoelften Amduat-Stunde auf Shepeset-heryts Papyrus.

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Aegyptisches Totenbuch (Spruchsammlung)

Keine einheitliche lineare Erzaehlung. Der Met-Katalog ordnet das kleine Barkenfragment den Spruechen 100/129 zu, ohne hier deren Volltext zu edieren.

Viele Handschriften und individuelle Zusammenstellungen; hier nur ein spaetes Fragment in Beziehung zu Spruechen 100 und 129.

Sprache: Altägyptisch

Erhaltener Textzeuge

Barkenfragment The Met 31.3.130 im Umfeld der Totenbuchsprueche 100/129

Bildlicher Einzelzeuge mit fuenf vom Katalog benannten Gottheiten in einer Barke. Seine Beziehung zu Spruechen 100/129 folgt dem Museumskatalog; eine vollstaendige Textfassung ist damit nicht belegt.

664 v. Chr. oder spaeter; Fund aus Embalmers Cache D bei Theben.

Sprache: Altägyptische Tuschezeichnung auf Papyrus; kein vollstaendiger Spruchtext gelesen

Überlieferter Text

Amduat (Buch von dem, was in der Unterwelt ist)

Stundenweise gegliederte Darstellungen und Texte der naechtlichen Sonnenfahrt. Die vorliegenden Kataloge erschliessen nur konkrete spaetere Zeugnisse.

Fruehe koenigliche Grabausstattungen des Neuen Reiches; hier spaetere Objektzeugen, kein einheitliches Entstehungsjahr oder vollstaendiger Text.

Sprache: Altägyptisch

Erhaltener Textzeuge

Shepeset-heryt, Turin Cat. 1783: zwoelfte Stunde des Amduat

Konkreter Papyruszeuge mit drei Registern der zwoelften Stunde. Hier wurde die kuratorische Szenenbeschreibung und nur die abgedruckte Uebersetzung des Besitzervermerks gelesen, nicht der gesamte Amduat-Text.

21. Dynastie, Dritte Zwischenzeit; Besitzernennung auf dem Verso.

Sprache: Altägyptisch in kursiver Hieroglyphenschrift, Bild und Text

Welche Zeit ist gemeint?

  • Henettawys Innensarg mit einem sonnenhebenden Skarabäus wird auf etwa 1000–945 v. Chr. datiert; der Katalog benennt dieses Motiv hier nicht ausdrücklich Chepri.
  • Shepeset-heryts Papyrus der zwölften Amduat-Stunde gehört in die 21. Dynastie; die Katalogbeschreibung identifiziert rechts einen Skarabäus als Chepri.
  • Das kleine Barkenfragment The Met 31.3.130 wird auf 664 v. Chr. oder später datiert.

Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Chepri/Khepri in einem Totenbuch-nahen Barkenfragment der Spätzeit und in Shepeset-heryts zwölfter Amduat-Stunde; ein älterer Sarg nur als Motivvergleich
Verwendeter Ausschnitt
The Met 31.3.130 mit Bezug zu Totenbuch-Sprüchen 100/129; Museo Egizio Cat. 1783, zwölfte Amduat-Stunde; The Met 25.3.183a,b als gesonderter Skarabäus-Vergleich.
  1. The Met 31.3.130: Papyrus fragment with Khepri, Shu, Tefnut, Thoth and Isis in a solar boat

    The Metropolitan Museum of Art · Spaetzeit, 664 v. Chr. oder spaeter; heutiger Sammlungskatalog

    Objektseite und API des kleinen Papyrusfragments gelesen: die benannten Gottheiten in einer Sonnenbarke, Verbindung zu Totenbuch-Spruechen 100 und 129 sowie mutmassliche Verwendung im Bestattungskontext. Inventarnummer, Material, Datierung und Public-Domain-Hauptbild geprueft.

    Das Fragment ist keine Amduat-Szene und keine vollstaendige Kosmogonie. Die Verwendung als Mumienamulett ist laut Katalog eine Moeglichkeit, kein gesicherter Fundkontext. Die Bilddeutung stuetzt sich auf die kuratorische Benennung; die winzige Darstellung wurde nicht hieroglyphisch neu gelesen. Abgerufen am 2026-09-30.

  2. Museo Egizio Cat. 1783: Papyrus of Shepeset-heryt, Amduat Twelfth Hour

    Museo Egizio, Turin, Papyrussammlung · 21. Dynastie; heutiger wissenschaftlicher Sammlungskatalog

    Katalogeintrag zu Cat. 1783 mit Besitzerin Shepeset-heryt, drei Registern der zwölften Amduat-Stunde und Beschreibung der Nachtbarke mit widderkoepfigem Re, regenerativer Schlange und Khepri am Morgen gelesen. Die vom Katalog beschriebene Rolle von Schutzgottheiten und Apophis wurde als kuratorische Deutung, nicht als eigene Textuebersetzung, notiert.

    Nur Katalogbeschreibung und Metadaten begrenzt gelesen; keine vollstaendige Uebersetzung oder eigene Hieroglyphenkollation. Die Online-Abbildung traegt keine hier gepruefte Nachhost-Lizenz und wird nicht lokal als Publikumsmedium uebernommen. Der Papyrus ist ein eigener Zeuge, keine Fortsetzung von Wereshnefers Szenenfolge. Abgerufen am 2026-09-30.

  3. The Met 25.3.183a,b: Inner Coffin of the Chantress of Amun-Re Henettawy

    The Metropolitan Museum of Art · Dritte Zwischenzeit, etwa 1000-945 v. Chr.; heutiger Sammlungskatalog

    Met-Katalog und API zum bemalten inneren Holzsarg Henettawys gelesen: gefluegelte Nut, Skarabäus mit Sonnenscheibe und Sonnenbarke als unterschiedliche Motive einer funerären Bildordnung. Objektkennung, Material, Datierung und Public-Domain-Hauptbild geprueft.

    Der Sarg illustriert weder Wereshnefers spaeteren Sarkophag noch eine bestimmte Amduat-Stunde. Die dichten Bildfelder benoetigen vor jeder Detailbehauptung eine eindeutige Fotozuordnung; die Motive nicht aus einem kleinen Kontaktbogen allein ablesen. Keine eigene Inschriftenlesung. Abgerufen am 2026-09-30.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-30. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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