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MythaneumDas Museum der Mythologien

Wesen und Gruppen

Nergal: Tore, Begleiter und Haushalt

Die beiden Fassungen erzählen unterschiedliche Wege durch die Unterwelt. Vierzehn Begleiter der Amarna-Fassung stehen neben einer siebenstelligen Torfolge und verschiedenen Diensten der längeren Fassung.

4–5 Minuten Lesezeit

Zwei Fassungen, zwei Zugänge

Die eBL-Werkeinleitung unterscheidet eine kürzere Amarna-Fassung und eine längere, in Abschriften des ersten Jahrtausends erhaltene Erzählung. Die hier benutzten Übersetzungen bieten für die kürzere Fassung einen deutschen, für die längere einen englischen Zugang mit sichtbaren Ergänzungen und Lücken.

Der Botenweg ist nicht überall gleich benannt. In der längeren Eröffnung sendet Anu Kakka zu Ereškigal, damit ihr Anteil am Festmahl über einen Boten abgeholt werden kann. Die kürzere Fassung beginnt mit einer unbenannten Botschaft und Ereškigals Entsendung Namtars. Kakka wird dort nicht nachträglich in den fehlenden Text eingesetzt.

Vierzehn Begleiter an vierzehn Toren

In der kürzeren Fassung verspricht Ea Nergal sieben und sieben Wächter. Beim späteren Eintritt verteilt Nergal Begleiter auf vierzehn Tore. Die ersten beiden Benennungen fehlen im gelieferten Übersetzungszugang beziehungsweise stehen nur als Platzhalter für einen Gottheitsnamen. Sie erhalten keine erfundenen Namen.

An den folgenden Stellen nennt die deutsche Übersetzung den Blitzdämon und Šarabdû, dann den Lauerer, den Treiber und den Windstoß. Es folgen Epilepsie, Schwindel, Fall, Herr des Dachs, Fieber, Fleckfieber und Schüttelfrost. Das sind die Bezeichnungen dieses Übersetzungszugangs, teilweise ergänzt. Sie werden als begleitende und an Toren aufgestellte Mächte der Geschichte erschlossen, nicht als verlässliche moderne Krankheitsdiagnosen.

Nergal überwältigt im Hof Namtar und befiehlt seinen Truppen, die Tore offen zu halten. Die Begleiter gehören damit zum gewaltsamen Zugriff auf Ereškigals Herrschaft. Sie sind keine aus der längeren Fassung übernommenen sieben namentlich gleichen Torfiguren.

Sieben Namen in der längeren Torfolge

Die längere Übersetzung reiht beim Einlass sieben Tore und sieben Namen aneinander: Pituh, Enkishar, Endashurimma, Nerulla, Enurubanda, Endukuga und Ennugigi. Die Eintrittszeilen sind knapp und teilweise elliptisch. Der Gruppenzugang hält jeweils die benannte Torposition fest und erfindet für die Namen keine zusätzlichen Lebensläufe.

Beim späteren erneuten Eintritt nennt die beschädigte Passage Torhüter vom ersten bis zum siebten Tor, die ihn nicht passieren lassen wollen. Ihre vollständigen Handlungen sind nicht erhalten. Dieser Teil wird weder zu vierzehn ausdrücklich genannten Toren erweitert noch mit den Krankheits- und Wirkungsnamen der Amarna-Fassung aufgefüllt.

Speise, Trank und Reinigung haben eigene Beteiligte

Ea warnt Nergal vor der angebotenen Sitzgelegenheit, Brot, Fleisch, Bier und Fußwasser. In der Anleitung nennt die Übersetzung Bäcker, Fleischer und Brauer. Beim ausgeführten Empfang nennt sie wiederum Bäcker und Fleischer, beim Bier aber einen Mundschenk und beim Wasser einen Fußwäscher.

Diese Dienste werden mit ihren Bezeichnungen erhalten. Brauer und Mundschenk sind hier nicht automatisch dieselbe identifizierte Person. Auch das Bringen eines Sitzes verlangt keinen zusätzlich erfundenen Gott. Die Unterweltsgesellschaft tritt durch Speisezubereitung, Darreichung und Reinigung in Erscheinung, während Nergals Verzicht die Warnung zunächst befolgt.

Zwei angeforderte Töchter bleiben ohne Eigennamen

Nach Nergals Fortgehen ordnet Ereškigal die Vorbereitung von Räumen und Bewirtung an. Eine beschädigte Zeile fordert zwei Töchter an und nennt dabei Lamaštu und Enmeshar. Auch ihre vorgesehenen Dienste stehen teilweise in Ergänzungsklammern. Der Auftrag ist erhalten, eine vollständige anschließende Ausführung durch die beiden wird hier nicht erzählt.

Die Töchter erhalten daher eine gemeinsame, quellennah bezeichnete Rolle ohne erfundene Eigennamen. Die Namens- und Elternbeziehung dieser knappen Stelle wird nicht zu einem ausgebauten, überall gültigen Stammbaum Lamaštus oder Enmeshars. Für Lamaštu bleibt ihr sonstiger Amulett- und Bedrohungskontext gesondert lesbar.

Grußfragen, Erkennen und Drohen sind verschiedene Handlungen

Ereškigal fragt Kakka nach Anu, Enlil und Ea, nach Nammu und Nanše sowie nach Ninurta. Die Antwort wiederholt die Grüße. Genannt wird auch ein unbenannter Gatte der Herrin des Himmels. Aus dieser Höflichkeitsrede entsteht keine zusätzliche Szene, in der alle genannten Gottheiten selbst in die Unterwelt reisen.

Beim späteren Wiedererkennen unterscheiden sich die Zugänge erneut. Die kurze Zählszene erwähnt einen kahlen Gott, den Namtar nicht als den Gesuchten identifiziert. Die längere Fassung erklärt Nergals verändertes Aussehen durch Eas Hilfe und Wasser. Diese deutlichere Erklärung wird nicht als tatsächlich erhaltener Wortlaut der kurzen Fassung ausgegeben.

Auch Ereškigals Drohung, die Toten gegen die Lebenden aufsteigen zu lassen, bleibt eine über Namtar übermittelte Drohung. Sie beweist nicht, dass die Erzählung den angekündigten Angriff tatsächlich ausführt. Bericht, angeforderter Dienst, verweigerter Einlass und angekündigte Handlung bleiben jeweils eigene Textrollen.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Was verändert sich, wenn die Tor- und Dienstrollen jeder Fassung für sich gelesen werden?
Die beiden Fassungen erzählen unterschiedliche Wege durch die Unterwelt. Vierzehn Begleiter der Amarna-Fassung stehen neben einer siebenstelligen Torfolge und verschiedenen Diensten der längeren Fassung.

Verbundene Trauer-, Handwerks- und Gabenrollen aus Tafel VIII
Eigene bestehende Rolle erhalten; Bitte, Anrede und tatsächliche Handlung der Totenfürsorge nicht miteinander verwechselt.

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Nergal und Ereškigal: mittelbabylonische Amarna-Fassung

Getrennter Vergleich mit vierzehn Toren und erzwungenem Angebot.

Amarna-Überlieferung des 14. Jahrhunderts v. Chr. nach eBL.

Sprache: Akkadisch

Überlieferter Text

Nergal und Ereškigal: standardbabylonische Fassung

Längere, lückenhafte Überlieferung als Grundlage der ersten Nacherzählung.

Zeugen des ersten Jahrtausends v. Chr.; Erstkomposition hier nicht datiert.

Sprache: Akkadisch

Benutzte Ausgabe

eBL Nergal/Ereškigal MB, deutscher Zugang

Mitto-Übersetzung und Edition; alle gelieferten deutschen Zeilen gelesen.

Erstpublikationsfeld 19.03.2025; Abruf 26.09.2026.

Sprache: Deutsch

Benutzte Ausgabe

eBL Nergal/Ereškigal SB, englischer Zugang

Foster-Übersetzung; Mitto-Edition und benannte Revisionen. Alle gelieferten englischen Zeilen gelesen.

Erstpublikationsfeld 19.03.2025; Abruf 26.09.2026.

Sprache: Englisch

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Nergal und Ereškigal, getrennte mittelbabylonische und standardbabylonische Fassungen; Verbundene Trauer-, Handwerks- und Gabenrollen aus Tafel VIII
Verwendeter Ausschnitt
Gespeicherte eBL-Zugänge vom 26.09.2026 mit ergänzten, fehlenden oder mehrdeutigen Stellen; keine eigene Kollation oder medizinische Rekonstruktion.
  1. eBL: Nergal and Ereškigal – Werkeinleitung

    Tonio D. N. Mitto; Werkeinleitung; Revision Aino Hätinen, Enrique Jiménez, Geraldina Rozzi, Zsombor J. Földi · Erstpublikationsfeld 19.03.2025; laufender Stand 26.09.2026

    Vollständige aktuelle Werkeinleitung und Kapitelzuordnung gelesen.

    Laufende Edition; keine eigene Keilschriftübersetzung oder Autopsie. Einzelzeugenzuordnung nur aus Metadaten, kein vollständiger Variantenvergleich. Textlücken nicht selbst ergänzt. Abgerufen am 2026-09-26.

  2. eBL: Nergal and Ereškigal – Middle Babylonian

    Tonio D. N. Mitto; deutsche Übersetzung Tonio D. N. Mitto; Revision Aino Hätinen, Enrique Jiménez, Geraldina Rozzi, Zsombor J. Földi · Erstpublikationsfeld 19.03.2025; laufender Stand 26.09.2026

    Sämtliche 83 gelieferten deutschen Übersetzungszeilen unter 87 Zeileneinträgen einschließlich Lücken und Ergänzungsmarkierungen gelesen; Übersetzer-, Revisions- und Manuskriptmetadaten geprüft.

    Laufende Edition; keine eigene Keilschriftübersetzung oder Autopsie. Einzelzeugenzuordnung nur aus Metadaten, kein vollständiger Variantenvergleich. Textlücken nicht selbst ergänzt. Abgerufen am 2026-09-26.

  3. eBL: Nergal and Ereškigal – Standard Babylonian

    Tonio D. N. Mitto; englische Übersetzung Benjamin R. Foster; Revision Aino Hätinen, Enrique Jiménez, Geraldina Rozzi, Zsombor J. Földi · Erstpublikationsfeld 19.03.2025; laufender Stand 26.09.2026

    Sämtliche 332 gelieferten englischen Übersetzungszeilen unter 333 Zeileneinträgen einschließlich Lücken und Ergänzungsmarkierungen gelesen; Übersetzer-, Revisions- und Manuskriptmetadaten geprüft.

    Laufende Edition; keine eigene Keilschriftübersetzung oder Autopsie. Einzelzeugenzuordnung nur aus Metadaten, kein vollständiger Variantenvergleich. Textlücken nicht selbst ergänzt. Abgerufen am 2026-09-26.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-17. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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