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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Nergal: Wie ein Gast zum Herrscher wird

Ein verweigerter Gruß führt Nergal in die Unterwelt. Hilfe, Täuschung, Gewalt und Verbindung mit Ereškigal verändern dort seine Stellung – je nach Fassung auf unterschiedliche Weise.

3–4 Minuten Lesezeit

Die Unterwelt ist kein gewöhnlicher Besuchsort

Nergals Weigerung, dem Vertreter Ereškigals den erwarteten Respekt zu erweisen, hat Folgen. In der standardbabylonischen Fassung hilft Ea bei der Vorbereitung der Reise: Aus ausgewählten Hölzern entsteht ein Thron; Nergal erhält außerdem genaue Warnungen für seinen Aufenthalt. Er soll die angebotenen Dinge nicht annehmen und sich nicht mit der Herrscherin verbinden.

Der erste Aufenthalt hält sich zunächst an diese Vorgaben. Später kommt es dennoch zur Verbindung. Nergal verlässt die schlafende Ereškigal und beruft sich am Tor auf einen vermeintlichen Auftrag. Zurück bei den Göttern wird sein Aussehen durch Eas Hilfe verändert. Die Suche Namtars nach ihm macht Erkennen und Verbergen zu wichtigen Teilen der Handlung.

Zwei Abstiege sind nicht ein und dieselbe Geschichte

Die längere Fassung führt über Nergals Rückkehr und eine erneut gewaltsam beginnende Begegnung zur dauerhaften Verbindung mit Ereškigal. In den erhaltenen Teilen des Schlusses lässt Anu über Kakka ausrichten, der gesandte Gott solle für immer bei ihr bleiben. Die beschädigten Übergänge werden nicht mit frei erfundenen Zwischenszenen ergänzt.

Die kürzere Amarna-Fassung erzählt stattdessen, wie Nergal die Tore durch seine Begleiter sichern lässt, Namtar überwältigt und Ereškigal am Thron bedroht. Erst ihre Bitte um Schonung und ihr Angebot gemeinsamer Herrschaft beenden den Angriff. Vierzehn Tore gehören zu dieser Fassung; die sieben der längeren Version werden damit nicht zu einer einzigen allgemeinen Unterweltskarte verrechnet.

Wann heißt Nergal auch Erra?

Der standardbabylonische Lesetext nennt den Besucher an mehreren Stellen Erra, obwohl derselbe Erzählzusammenhang auch Nergal sagt. Ruth Horry beschreibt in ihrem Fachprofil eine historisch gewachsene enge Verbindung beider Götter und weist genau auf diesen Textfall hin. Das ist ein konkreter Namensbeleg, kein Grund, jede Erra- und Nergal-Nennung aller Epochen ungeprüft zusammenzulegen.

Horry verbindet Erra mit Krieg und zerstörerischen Wirkungen und erläutert die umstrittene Gewichtung von Seuche und Hunger. Die eBL-Einleitung charakterisiert Nergal im Horizont von Seuche und gewaltsamem Tod. Diese Fachbeschreibungen werden von den einzelnen Handlungen des Besuchers unterschieden. Das gesonderte Erra-Profil folgt seiner Stimme im eigenen Epos; es erweitert Nergals Besuch nicht rückwirkend um alle dortigen Taten.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Getrennte Fassungen und bezeichnete Erra-Lesefenster
Fassungs-, Editions- und Subjektunterschiede bleiben im Profil ausdrücklich sichtbar.

Verweise auf gemeinsam erschlossene sumerische Rollen und Varianten
Eigener bestehender Handlungsbogen erhalten; neue Gruppen öffnen konkrete Neben-, Geburts- und Vermittlungsrollen. Keine neue globale Aliasidentität.

Fassungsbezogener Tor-, Begleit- und Haushaltszugang
Konkrete benannte oder nur referierte Rolle erhalten; keine Verschmelzung der14- und7-stelligen Folgen oder unterschiedlicher Diensterollen.

Belegte Beziehungen

  • Nergal/Erra im standardbabylonischen Besuchstext: ErraBelege [1] [3] : Nergal und Ereškigal, SB c+22 und c+40; Divine genealogy and syncretisms bei Ruth Horry

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Nergal und Ereškigal: standardbabylonische Fassung

Längere, lückenhafte Überlieferung als Grundlage der ersten Nacherzählung.

Zeugen des ersten Jahrtausends v. Chr.; Erstkomposition hier nicht datiert.

Sprache: Akkadisch

Überlieferter Text

Nergal und Ereškigal: mittelbabylonische Amarna-Fassung

Getrennter Vergleich mit vierzehn Toren und erzwungenem Angebot.

Amarna-Überlieferung des 14. Jahrhunderts v. Chr. nach eBL.

Sprache: Akkadisch

Benutzte Ausgabe

eBL Nergal/Ereškigal SB, englischer Zugang

Foster-Übersetzung; Mitto-Edition und benannte Revisionen. Alle gelieferten englischen Zeilen gelesen.

Erstpublikationsfeld 19.03.2025; Abruf 26.09.2026.

Sprache: Englisch

Benutzte Ausgabe

eBL Nergal/Ereškigal MB, deutscher Zugang

Mitto-Übersetzung und Edition; alle gelieferten deutschen Zeilen gelesen.

Erstpublikationsfeld 19.03.2025; Abruf 26.09.2026.

Sprache: Deutsch

Überlieferter Text

Erra und Išum (Erra-Epos)

Werk in fünf Tafeln; erste Tafel nach eBL, weitere Abschnitte nach der älteren Übersetzung Bottéros mit sichtbaren Lücken und Editionsentscheidungen.

Entstehungszeit umstritten; Frahm 2010 bevorzugt das 9. Jahrhundert v. Chr., hier nicht als sicheres Datum geführt.

Sprache: Akkadisch

Benutzte Ausgabe

eBL / Enrique Jiménez: Erra und Išum, Tafel I

191 englische Übersetzungsfelder tatsächlich gelesen; Kapitel II–V beim Abruf leer. Keine vollständige digitale Gesamtausgabe behauptet.

2023, abgerufener Stand 26.09.2026.

Sprache: Englisch

Benutzte Ausgabe

Bottéro 1978: Erra-Übersetzung, gelesener Fortgang

Gelesen: Ende I, erhaltene Fragmente II–III, IV–V auf Druckseiten 118–135; Einleitung 107–108. Ergänztes Erra und parenthetisches Išum nicht als sicherer Wortlaut übernommen.

1978.

Sprache: Französisch

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Die beiden getrennten Nergal/Ereškigal-Fassungen; Erra als Name im standardbabylonischen Lesetext und die historisch erläuterte Namensverbindung im bezeichneten Fachprofil.
Verwendeter Ausschnitt
Vorhandene eBL-Lesetexte vom 26. September 2026 sowie genau bezeichnete Seiten Bottéros und Noegels; keine eigene Kollation oder neue Gesamtedition.
  1. eBL: Nergal and Ereškigal – Standard Babylonian

    Tonio D. N. Mitto; englische Übersetzung Benjamin R. Foster; Revision Aino Hätinen, Enrique Jiménez, Geraldina Rozzi, Zsombor J. Földi · Erstpublikationsfeld 19.03.2025; laufender Stand 26.09.2026

    Sämtliche 332 gelieferten englischen Übersetzungszeilen unter 333 Zeileneinträgen einschließlich Lücken und Ergänzungsmarkierungen gelesen; Übersetzer-, Revisions- und Manuskriptmetadaten geprüft.

    Laufende Edition; keine eigene Keilschriftübersetzung oder Autopsie. Einzelzeugenzuordnung nur aus Metadaten, kein vollständiger Variantenvergleich. Textlücken nicht selbst ergänzt. Abgerufen am 2026-09-26.

  2. eBL: Nergal and Ereškigal – Middle Babylonian

    Tonio D. N. Mitto; deutsche Übersetzung Tonio D. N. Mitto; Revision Aino Hätinen, Enrique Jiménez, Geraldina Rozzi, Zsombor J. Földi · Erstpublikationsfeld 19.03.2025; laufender Stand 26.09.2026

    Sämtliche 83 gelieferten deutschen Übersetzungszeilen unter 87 Zeileneinträgen einschließlich Lücken und Ergänzungsmarkierungen gelesen; Übersetzer-, Revisions- und Manuskriptmetadaten geprüft.

    Laufende Edition; keine eigene Keilschriftübersetzung oder Autopsie. Einzelzeugenzuordnung nur aus Metadaten, kein vollständiger Variantenvergleich. Textlücken nicht selbst ergänzt. Abgerufen am 2026-09-26.

  3. Erra (god)

    Ruth Horry, Ancient Mesopotamian Gods and Goddesses / Oracc · Seiten-Zitierempfehlung 2024; Abruf 26.09.2026

    Gesamter Haupttext tatsächlich gelesen; für diese Seite ausschließlich Divine genealogy and syncretisms zur Namensbeziehung Erra/Nergal verwendet.

    Nur Namensbeziehung im hier behandelten Text verwendet; keine vollständige Erra-Forschung oder Ikonografiebestimmung. Abgerufen am 2026-09-26.

  4. eBL: Nergal and Ereškigal – Werkeinleitung

    Tonio D. N. Mitto; Werkeinleitung; Revision Aino Hätinen, Enrique Jiménez, Geraldina Rozzi, Zsombor J. Földi · Erstpublikationsfeld 19.03.2025; laufender Stand 26.09.2026

    Vollständige aktuelle Werkeinleitung und Kapitelzuordnung gelesen.

    Laufende Edition; keine eigene Keilschriftübersetzung oder Autopsie. Einzelzeugenzuordnung nur aus Metadaten, kein vollständiger Variantenvergleich. Textlücken nicht selbst ergänzt. Abgerufen am 2026-09-26.

  5. Erra and Išum, Tafel I, mit Editions- und Textzeugenmetadaten

    Enrique Jiménez; eBL-Team · 2023; abgerufener Stand 26.09.2026

    Alle 191 englischen Übersetzungsfelder der Tafel I tatsächlich gelesen. Werkmetadaten und Kapitelverfügbarkeit I–V geprüft; Zeugenmetadaten des Amuletts Ist-A.153 aus Aššur gelesen.

    Nur Tafel I enthält im abgerufenen API-Stand Text. II–V liefern keine Zeilen; nicht als gelesene eBL-Ausgabe geführt. Keine eigene Tafelautopsie, keine Gesamtlektüre aller akkadischen Varianten. Amulettangaben aus dem Editionskatalog, nicht aus einer eigenen Objektuntersuchung. Abgerufen am 2026-09-26.

  6. Antiquités assyro-babyloniennes: Übersetzung und Erörterung des Erra-Epos

    Jean Bottéro · Annuaire 1977–1978, erschienen 1978, S. 107–164

    Bibliografische Titelseite; Druckseiten 107–108 und 118–136 gelesen: Ende Tafel I, erhaltene Fragmente II–III, Tafeln IV–V und Beginn der Erörterung. Druckseiten 132 und 135 zusätzlich als gerenderte PDF-Seiten 27 und 30 visuell gelesen; ergänztes <Erra> und parenthetisches Išum überprüft.

    Historische Übersetzung auf damaligem Editionsstand, nicht die neueste Gesamtrekonstruktion. Keine Lektüre des ganzen Aufsatzes. Persée-Katalog erreichbar; PDF dort HTTP 403. Gelesen wurde der öffentlich zugängliche Spiegel derselben Persée-Scanpublikation; Abrufherkunft separat archiviert. Historische Handschriftenzahl nicht als aktueller Stand übernommen. Abgerufen am 2026-09-26.

  7. „Wordplay“ in the Song of Erra, in Strings and Threads

    Scott B. Noegel · 2011

    Titel, Impressum und Inhaltsverzeichnis; Druckseiten 161–162, 168, 170–171, 181 und 186–188 gelesen. Besonders wechselnde und ungenannte Subjekte in IV 139–145 und V 43; Deutung als absichtliche Mehrdeutigkeit von Noegel unterschieden vom Textbefund.

    Keine Gesamtlektüre des Beitrags oder eigener Nachweis sämtlicher Wortspiele. Dort zitierte Cagni-, Foster- oder Machinist-Ausgaben nicht als selbst gelesen geführt. Marduk als Traumgeber bleibt Noegels Argument, keine sichere Ergänzung. Abgerufen am 2026-09-26.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-17. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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