Zum Museumsinhalt
MythaneumDas Museum der Mythologien

Ort

Duat: Wie Bilder einen Jenseitsraum ordnen

Eine letzte Nachtstunde, ein anders angeordneter Sarkophag und Naunys ungewöhnlicher Papyrus erschließen den Duat-Bezug an einzelnen Zeugnissen.

4–5 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Ein benannter Raum ist noch keine Landkarte

Duat wird hier als Jenseitsraum benannter ägyptischer Text- und Bildzeugnisse erschlossen. Besonders deutlich ist die Verbindung im Titel von Naunys Papyrus 30.3.32: Der Katalog übersetzt seine Beischrift mit Buch dessen, was in der Duat ist. Der Name bezeichnet keine heute begehbare Landschaft, für die wir einen Punkt auf einer Weltkarte setzen könnten.

Auch der deutsche Ausdruck Unterwelt darf die Untersuchung nicht vorwegnehmen. Entscheidend ist, wie ein bestimmter Text oder ein Bild den Übergang, die Beteiligten und die Erneuerung ordnet. Eine reale Grabkammer und ein dargestellter Jenseitsraum sind verschiedene Ortsarten.

Eine letzte Nachtstunde führt zum Morgen

Shepeset-heryts Papyrus im Museo Egizio bewahrt eine vollständige Darstellung der zwölften Amduat-Stunde. Der Katalog beschreibt die Register, die Nachtbarke, eine lebensspendende Schlange und Chepris Erscheinen am Morgen. Schutz, Gefahr und Verjüngung wirken darin zusammen; die regenerative Schlange wird nicht mit dem Gegner Apophis verwechselt.

Die einzelne Stunde eröffnet einen klaren Ausschnitt. Sie liefert aber nicht von selbst alle Räume und Wesen des ganzen Amduat. Auch ihre Register sind keine maßstäbliche Draufsicht auf eine unterirdische Stadt. Wir lesen eine Bild- und Textordnung, deren Funktionen in der Nachtfahrt liegen.

Der Bildträger verändert die räumliche Ordnung

Zwei grosse dunkle Steinobjekte in einer Museumsgalerie: links der rechteckige Sarkophagkasten, rechts der abgenommene schwere Deckel.
Sarkophag des Priesters Wereshnefer aus Saqqara, Kasten und abgenommener Deckel, etwa 380-300 v. Chr., The Met 14.7.1a,b, Public Domain / CC0. Die Gesamtaufnahme zeigt Groesse und getrennte Oberflaechen; die feinen Amduat-Szenen sind darin nicht einzeln lesbar und werden nach dem Met-Katalog erschlossen. Bildnachweis Bildlizenz

Wereshnefers Sarkophag ist ein anderer Gegenstand. Laut Met verteilen sich die Stunden eins bis sieben an seiner Außenseite, neun bis zwölf im Inneren; die achte fehlt an diesem Objekt. Daraus folgt nicht, dass das Amduat als Werk nur elf Stunden gehabt hätte.

Auf der Gesamtaufnahme lässt sich der Sarkophag als körperlicher Bildträger betrachten. Die feinen Szenen werden daraus nicht neu entziffert; ihre Zuordnung folgt dem Katalog. Innen und außen gehören zu diesem bestimmten Objekt. Das ist etwas anderes als die Behauptung, dieselbe Verteilung beschreibe die Geografie der Duat.

Nicht jede Duat-Beschriftung zeigt denselben Weg

Lange Papyrusrolle mit einer Reihe stehender, mumienförmiger Gestalten, abwechselnd mit menschlichen und anderen Köpfen; darüber Zeichenkolumnen. Am rechten Rand steht eine gesonderte Schriftzeile.
Nauny zugeschriebener funerärer Papyrus, The Met 30.3.32, 21. Dynastie, ca. 1051–1002 v. Chr. Laut Katalog als Buch dessen, was in der Duat ist, beschriftet; die Komposition wird zugleich als eine Litanei des Re eingeordnet. Katalogdeutung und eigene Bildbeobachtung bleiben getrennt. Unverändertes Museumsfoto, Public Domain / CC0; Webfassungen nur proportional verkleinert. Bildnachweis

Naunys weiterer Papyrus trägt zwar einen Duat-Titel. Seine Figurenreihe wird vom Museum zugleich als Litanei des Re eingeordnet. Die ausgewählten Katalogbeispiele unterscheiden Beischriften, Formen des Sonnengottes und die Bezeichnung Osiris Nauny. Daraus wird hier weder ein vierzigköpfiges neues Pantheon noch eine neue Familienordnung erschlossen.

Benannter Raum, Titel, Figurenreihe und heutige Gattungszuordnung sind also nicht dasselbe. Der Gegenstand lädt gerade deshalb zum Vergleich mit der Nachtstunde und dem Sarkophag ein: Was wird geordnet, für wen und auf welcher Oberfläche?

Vom Kosmos zurück zum wirklichen Objekt

Halte bei jeder Jenseitsdarstellung vier Fragen auseinander: Woher stammt der erhaltene Gegenstand? Welchen Raum stellt er dar? Welche Bewegung oder Veränderung erklärt er? Und wo befindet sich das Objekt heute? Diese Fragen verhindern, dass ein Museumsstandort, ein antiker Fundort und ein kosmischer Ort auf derselben Karte zusammenfallen.

Pernebs Grab führt zu einer tatsächlichen Architektur mit zugänglichem Kultraum und verschlossener Bestattung. Die hier verglichenen Jenseitsbilder erfüllen andere Aufgaben. Verbinde ihre Fragen, aber setze die Orte nicht gleich.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Räume werden am jeweiligen Bildträger geordnet
Zwölfte Stunde, Wereshnefers Sarkophag und Naunys anders eingeordneter Papyrus getrennt.

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Amduat (Buch von dem, was in der Unterwelt ist)

Stundenweise gegliederte Darstellungen und Texte der naechtlichen Sonnenfahrt. Die vorliegenden Kataloge erschliessen nur konkrete spaetere Zeugnisse.

Fruehe koenigliche Grabausstattungen des Neuen Reiches; hier spaetere Objektzeugen, kein einheitliches Entstehungsjahr oder vollstaendiger Text.

Sprache: Altägyptisch

Erhaltener Textzeuge

Shepeset-heryt, Turin Cat. 1783: zwoelfte Stunde des Amduat

Konkreter Papyruszeuge mit drei Registern der zwoelften Stunde. Hier wurde die kuratorische Szenenbeschreibung und nur die abgedruckte Uebersetzung des Besitzervermerks gelesen, nicht der gesamte Amduat-Text.

21. Dynastie, Dritte Zwischenzeit; Besitzernennung auf dem Verso.

Sprache: Altägyptisch in kursiver Hieroglyphenschrift, Bild und Text

Erhaltener Textzeuge

Amduat-Szenen am Sarkophag Wereshnefers, The Met 14.7.1a,b

Amduat-Stunden auf Aussen- und Innenseite des Sarkophagkastens; nur die kuratorische Anordnung und Bildbeschreibung gelesen, nicht alle Inschriften uebersetzt.

Etwa 380-300 v. Chr.; spaeter privater Objektzeuge. Stunde 8 fehlt an diesem Sarkophag.

Sprache: Altägyptische Reliefs und Inschriften

Überlieferter Text

Komposition des funerären Papyrus der Nauny 30.3.32

Laut Katalog als Buch dessen, was in der Duat ist, beschriftet und zugleich als eine Litanei des Re deutbar; die Spannweite der Einordnung bleibt erhalten.

Benannte individuelle Zusammenstellung, nicht hier als früheste Fassung eines einheitlichen Amduat angesetzt.

Sprache: Altägyptisch

Erhaltener Textzeuge

Nauny zugeschriebener Papyrus, The Met 30.3.32

Konkreter Papyrus mit Figurenreihe und rechter Randbeischrift; keine hier neu angefertigte Edition der Inschriften.

21. Dynastie, ca. 1051–1002 v. Chr. nach Met; Herkunft aus Naunys Bestattung in TT358.

Sprache: Altägyptisch; über Katalogbeschreibung erschlossen

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Benannte ägyptische funeräre Text- und Bildzeugnisse; Unterschiede von Werk, Textzeuge und heutiger Auslegung erhalten.
Verwendeter Ausschnitt
Allen1974: Sprüche25,89,100 und zugehörige Zeugenangaben; konkret katalogisierte Nauny- und Amduat-Objekte.
  1. Museo Egizio Cat. 1783: Papyrus of Shepeset-heryt, Amduat Twelfth Hour

    Museo Egizio, Turin, Papyrussammlung · 21. Dynastie; heutiger wissenschaftlicher Sammlungskatalog

    Katalogeintrag zu Cat. 1783 mit Besitzerin Shepeset-heryt, drei Registern der zwölften Amduat-Stunde und Beschreibung der Nachtbarke mit widderkoepfigem Re, regenerativer Schlange und Khepri am Morgen gelesen. Die vom Katalog beschriebene Rolle von Schutzgottheiten und Apophis wurde als kuratorische Deutung, nicht als eigene Textuebersetzung, notiert.

    Nur Katalogbeschreibung und Metadaten begrenzt gelesen; keine vollstaendige Uebersetzung oder eigene Hieroglyphenkollation. Die Online-Abbildung traegt keine hier gepruefte Nachhost-Lizenz und wird nicht lokal als Publikumsmedium uebernommen. Der Papyrus ist ein eigener Zeuge, keine Fortsetzung von Wereshnefers Szenenfolge. Abgerufen am 2026-09-30.

  2. The Met 14.7.1a,b: Sarcophagus of Wereshnefer

    The Metropolitan Museum of Art · Spaetzeit, etwa 380-300 v. Chr.; heutiger Sammlungskatalog

    Met-Objektseite und API zu Wereshnefers Granodioritsarkophag gelesen: Amduat-Szenen am Kasten, Auslassung der achten Stunde in diesem Objekt, Nut und kosmographische Ringe am Kopf, Tageshimmel auf dem Deckel sowie Nutzung vormals koeniglicher funerärer Bildprogramme fuer einen privaten Priester. Datierung, Inventarnummer und Public-Domain-Status des API-Hauptbildes geprueft.

    Ein spaetes Einzelobjekt, nicht das Urbild des Amduat und kein Beleg fuer eine universelle altägyptische Himmelskarte. Die fehlende achte Stunde betrifft diesen Sarkophag. Der digitale Katalog ersetzt keine eigene Lesung aller Hieroglyphen oder ikonographischen Details. Haupt- und zugeordnetes Zusatzfoto wurden einzeln geprueft; kleine Reliefs und die Stundenbilder sind darauf nicht sicher selbst lesbar. Abgerufen am 2026-09-30.

  3. Funerary Papyrus of Nauny, The Met 30.3.32

    The Metropolitan Museum of Art, Department of Egyptian Art · undatiert; laufender Katalog

    Kuratorische Beschreibung und Objektdaten vollständig als Webtext gelesen. Katalogisch mitgeteilte Duat-Beschriftung und Litanei-Einordnung, vierzig Bildgestalten sowie ausgewählte Figuren4/16/25/40 beachtet. Offizielle API und ein Originalfoto erworben; Original und drei WebP-Varianten tatsächlich angesehen.

    Keine eigene Übersetzung der Hieroglyphen oder Vollkollation aller vierzig Beischriften. Die Deutung und Zählung folgen dem institutionellen Katalog. Keine vierzig neuen individuellen Götteridentitäten aus den Bildern abgeleitet; keine Titelgleichsetzung mit sämtlichen Amduat-Zeugen. Abgerufen am 2026-10-17.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-17. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

Eine Korrektur oder ein kulturelles Anliegen melden · Bitte den Titel oder die Seitenadresse nennen.