Ein Titel verbindet verschiedene Einzelstücke
Der Name Totenbuch lässt leicht an ein festes Buch mit immer denselben Kapiteln denken. Die hier erschlossenen Zeugen zeigen etwas anderes. Allens Spruch 25 beruht auf der als Ca bezeichneten Handschrift; für Spruch 89 ist Ani der Hauptzeuge, für Spruch 100 Nu. Das sind keine drei Kapitel aus derselben vollständig erhaltenen Rolle.
Eine Handschrift besitzt einen bestimmten Träger und eine eigene Zusammenstellung. Ein Textzusammenhang kann dagegen in mehreren Handschriften vorkommen. Und eine moderne Ausgabe macht diese verstreute Überlieferung lesbar, indem sie Grundtexte, Ergänzungen und Varianten zusammenführt. Diese drei Ebenen sollte man beim Wechsel zwischen den Stationen auseinanderhalten.
Die Nummer allein identifiziert noch keinen Papyrus
Die Spruchnummer ist eine praktische Orientierung. Sie ersetzt weder eine Museumsnummer noch eine Zeilenstelle. Ein besonders anschaulicher Fall steht in Allens Fußnote zu 100: Er behandelt die später unterschiedlich nummerierten Sprüche 100 und 129 als ursprünglich zusammengehörig. Bereits eine scheinbar einfache Zahl kann also eine Entscheidung über die Überlieferung verdecken.
Frage bei einer Quellenangabe deshalb nicht nur nach Spruch 100, sondern auch nach der benutzten Fassung, der Ausgabe und dem Textzeugen. Nur so wird verständlich, weshalb zwei Übersetzungen ähnliche Gedanken enthalten können, ohne in jedem Satz dieselbe Vorlage zu bieten.
Auch ein flüssiger Lesetext hat Nähte
In der Station zu Nu werden Sprechtext und Bildanweisungen getrennt erläutert. Allens weitere Absätze T4–6 stammen aus der in Allens Fußnote als TB 9 bezeichneten weiteren Vorlage; eine Variante gehört zu einem anderen Zeugen. Bei 89 sind die abschließenden Zusätze T2–3 wiederum einem ptolemäischen Text entnommen. Eine fortlaufend gedruckte Seite bedeutet nicht, dass all ihre Wörter auf Ani oder Nu erhalten wären.
Diese Unterschiede sind kein bloßes Hindernis. Sie machen sichtbar, wie Texte weiterverwendet und verändert wurden. Eine gute Lesehilfe glättet die Nähte nicht weg. Sie zeigt, wann wir einer einzelnen Vorlage folgen und wann wir zum Vergleich eine andere hinzunehmen.
Eine konkrete Bild-Text-Komposition

Naunys Totenbuch 30.3.31 bietet einen anderen Zugang: Im Zentrum der hier untersuchten Vignette steht die Beurteilung des Herzens. Für ihre Figurenrollen wird die Met-Beschreibung herangezogen. Das ist keine neue Übersetzung aller Zeichen auf der Rolle und auch kein Bildbeleg für jedes Detail der Texte Anis oder Nus.
Die Abbildung gehört zu einem identifizierten Objekt. Eine ähnliche Waage auf einer anderen Rolle müsste erneut nach Besitzer, Bildfolge und Textbezug gefragt werden. Gemeinsame Motive machen einzelne Handschriften nicht austauschbar.
Sogar ein antiker Titel lässt die Einordnung offen

Ein weiterer Nauny zugeschriebener Papyrus trägt die Nummer 30.3.32. Der Met-Katalog gibt seine Randbeischrift als Buch dessen, was in der Duat ist, wieder. Zugleich erklärt er, die Reihe lasse sich als eine Litanei des Re verstehen und unterscheide sich von den meisten Amduat-Papyri. Ein Titel und eine heutige Einordnung können unterschiedliche Aspekte desselben Gegenstands erfassen.
Im Bild stehen mumienförmige Gestalten nebeneinander. Die Anzahl vierzig stammt aus dem Katalog; sie wird hier nicht zu einer Liste vierzig neuer Gottheiten. Auch die Deutung einzelner Beischriften und der Nauny-Darstellung folgt dessen Angaben. Die Aufnahme ist keine selbst entzifferte vollständige Edition.
Mit einer Frage zur Quelle zurückgehen
Wähle eine Station und prüfe drei Dinge: Welcher bestimmte Textträger wird benutzt? Welche Passage oder Bildzone ist gemeint? Und was stammt aus der modernen Vermittlung? Bei einer übersetzten Formel, einer Katalogbeschreibung und einer heutigen Lesegrafik fallen die Antworten verschieden aus.
Diese Bibliothek führt zu den tatsächlich erschlossenen Beispielen. Sie bietet keine vollständige Neuübersetzung sämtlicher Totenbuchhandschriften und keinen für alle Epochen verbindlichen Kanon. Gerade die benannte Auswahl ermöglicht überprüfbare Vergleiche.
Texte und ihre Zugänge
Werke, Fassungen und verwendete Zugänge
Überlieferter Text
Totenbuchspruch 25: Erinnern des eigenen Namens
Ausgewählter Spruch mit ausdrücklich benannter Textbasis und abgetrennten Varianten.
Moderne Nummer eines überlieferten Spruchzusammenhangs; kein Datum der Erstkomposition.
Sprache: Altägyptisch
Erhaltener Textzeuge
Allens Zeuge Ca zu Spruch 25
Zeugenmetadaten der modernen Ausgabe; keine neue Kollation des Originals.
Ca: Papyrus des Ms-m-ntr aus Theben, in Allens Tabelle18. Dynastie; im Louvre, dem Kairoer Museum gehörend laut Ausgabe1974.
Sprache: Altägyptisch, über die englische Edition erschlossen
Benutzte Ausgabe
Allen, SAOC 37, Spruch 25
Ca: Papyrus des Ms-m-ntr aus Theben, in Allens Tabelle18. Dynastie; im Louvre, dem Kairoer Museum gehörend laut Ausgabe1974.
Chicago 1974; begrenzte Neulektüre17. Oktober 2026.
Sprache: Englische Übersetzung altägyptischer Texte
Überlieferter Text
Totenbuchspruch 89: Rückkehr des Ba zum Körper
Ausgewählter Spruch mit ausdrücklich benannter Textbasis und abgetrennten Varianten.
Moderne Nummer eines überlieferten Spruchzusammenhangs; kein Datum der Erstkomposition.
Sprache: Altägyptisch
Erhaltener Textzeuge
Allens Zeuge Eb (Ani) zu Spruch 89
Zeugenmetadaten der modernen Ausgabe; keine neue Kollation des Originals.
Eb: Papyrus des Ani, British Museum 10470; Allens historische Datierung18./19. Dynastie. Zusätze T2–3 aus einem anderen ptolemäischen Zeugen.
Sprache: Altägyptisch, über die englische Edition erschlossen
Benutzte Ausgabe
Allen, SAOC 37, Spruch 89
Eb: Papyrus des Ani, British Museum 10470; Allens historische Datierung18./19. Dynastie. Zusätze T2–3 aus einem anderen ptolemäischen Zeugen.
Chicago 1974; begrenzte Neulektüre17. Oktober 2026.
Sprache: Englische Übersetzung altägyptischer Texte
Überlieferter Text
Totenbuchspruch 100: Mitfahrt in der Sonnenbarke
Ausgewählter Spruch mit ausdrücklich benannter Textbasis und abgetrennten Varianten.
Moderne Nummer eines überlieferten Spruchzusammenhangs; kein Datum der Erstkomposition.
Sprache: Altägyptisch
Erhaltener Textzeuge
Allens Zeuge Ea (Nu) zu Spruch 100
Zeugenmetadaten der modernen Ausgabe; keine neue Kollation des Originals.
Ea: Papyrus des Nu, British Museum 10477,18. Dynastie nach Allen. T4–6 aus TB9; Variante T5 aus Ba. Keine Gleichsetzung dieser Zusätze mit Nus Papyrus.
Sprache: Altägyptisch, über die englische Edition erschlossen
Benutzte Ausgabe
Allen, SAOC 37, Spruch 100
Ea: Papyrus des Nu, British Museum 10477,18. Dynastie nach Allen. T4–6 aus TB9; Variante T5 aus Ba. Keine Gleichsetzung dieser Zusätze mit Nus Papyrus.
Chicago 1974; begrenzte Neulektüre17. Oktober 2026.
Sprache: Englische Übersetzung altägyptischer Texte
Überlieferter Text
Komposition des funerären Papyrus der Nauny 30.3.32
Laut Katalog als Buch dessen, was in der Duat ist, beschriftet und zugleich als eine Litanei des Re deutbar; die Spannweite der Einordnung bleibt erhalten.
Benannte individuelle Zusammenstellung, nicht hier als früheste Fassung eines einheitlichen Amduat angesetzt.
Sprache: Altägyptisch
Erhaltener Textzeuge
Nauny zugeschriebener Papyrus, The Met 30.3.32
Konkreter Papyrus mit Figurenreihe und rechter Randbeischrift; keine hier neu angefertigte Edition der Inschriften.
21. Dynastie, ca. 1051–1002 v. Chr. nach Met; Herkunft aus Naunys Bestattung in TT358.
Sprache: Altägyptisch; über Katalogbeschreibung erschlossen
Der Weg zum Beleg
Quellen und Einordnung
- Überlieferung
- Benannte ägyptische funeräre Text- und Bildzeugnisse; Unterschiede von Werk, Textzeuge und heutiger Auslegung erhalten.
- Verwendeter Ausschnitt
- Allen1974: Sprüche25,89,100 und zugehörige Zeugenangaben; konkret katalogisierte Nauny- und Amduat-Objekte.
- Allen 1974: Name, Ba-Rückkehr und Sonnenbarke in den Sprüchen 25, 89 und 100
Thomas George Allen; Institute for the Study of Ancient Cultures, University of Chicago · 1974; antike Belege verschiedener Zeitlagen
Neu gezielt gelesen: Druckseite37, Spruch 25 und Fußnote 62; Druckseiten74–75, ganzer Spruch 89 und Fußnote 148; Druckseite82, ganzer Spruch 100 und Fußnote 166. Auf Druckseiten243–244 nur die Tabellenzeilen Ca,Ea,Eb und die für Spruch 100 genannten Vignettenzeugen Cc/Ce zugeordnet. PDF10: Abkürzung N als Name des Verstorbenen. Die sechs benötigten Seiten 47,84,85,92,253,254 gerendert und tatsächlich nativ angesehen.
Keine Gesamtlektüre der316 PDF-Seiten. Nachbarsprüche nicht als vollständig erschlossenes neues Korpus geführt. Allens Edition verbindet verschiedene Zeugen: 89 hat Zusätze aus T;100 hat Zusätze aus TB9 und eine Variante aus Ba. Bibliografisch genannte ältere Editionen nicht selbst gelesen. Englisches soul nicht ungeprüft als universale Körper-Seele-Lehre übernommen. CC BY-NC-ND4.0 der Ausgabe beachten: keine Faksimileseiten öffentlich kopieren; eigenständige begrenzte Erläuterung und Link zur Ausgabe. Abgerufen am 2026-09-30.
- Book of the Dead for the Chantress of Amun, Nauny
The Metropolitan Museum of Art, Department of Egyptian Art · undatiert; laufender Katalog
Objektdaten sowie Erläuterung der zentralen Szene zu Spruch 125; Originalabbildung tatsächlich betrachtet.
Katalogzuweisungen sind keine eigene ägyptologische Entzifferung. Keine Datierung aller ägyptischen Jenseitsvorstellungen durch dieses Einzelobjekt. Abgerufen am 2026-09-25.
- Funerary Papyrus of Nauny, The Met 30.3.32
The Metropolitan Museum of Art, Department of Egyptian Art · undatiert; laufender Katalog
Kuratorische Beschreibung und Objektdaten vollständig als Webtext gelesen. Katalogisch mitgeteilte Duat-Beschriftung und Litanei-Einordnung, vierzig Bildgestalten sowie ausgewählte Figuren4/16/25/40 beachtet. Offizielle API und ein Originalfoto erworben; Original und drei WebP-Varianten tatsächlich angesehen.
Keine eigene Übersetzung der Hieroglyphen oder Vollkollation aller vierzig Beischriften. Die Deutung und Zählung folgen dem institutionellen Katalog. Keine vierzig neuen individuellen Götteridentitäten aus den Bildern abgeleitet; keine Titelgleichsetzung mit sämtlichen Amduat-Zeugen. Abgerufen am 2026-10-17.
Redaktion und Bearbeitungsstand
Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-17. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.
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