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MythaneumDas Museum der Mythologien

Quellenporträt

Totenbücher: Eine Auswahl für einen bestimmten Menschen

Nus Sonnenfahrt, Anis Ba-Rückkehr und zwei Nauny zugeschriebene Papyri zeigen, warum Titel, Zusammenstellung und Bild nicht überall dasselbe bedeuten.

5–6 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Ein Titel verbindet verschiedene Einzelstücke

Der Name Totenbuch lässt leicht an ein festes Buch mit immer denselben Kapiteln denken. Die hier erschlossenen Zeugen zeigen etwas anderes. Allens Spruch 25 beruht auf der als Ca bezeichneten Handschrift; für Spruch 89 ist Ani der Hauptzeuge, für Spruch 100 Nu. Das sind keine drei Kapitel aus derselben vollständig erhaltenen Rolle.

Eine Handschrift besitzt einen bestimmten Träger und eine eigene Zusammenstellung. Ein Textzusammenhang kann dagegen in mehreren Handschriften vorkommen. Und eine moderne Ausgabe macht diese verstreute Überlieferung lesbar, indem sie Grundtexte, Ergänzungen und Varianten zusammenführt. Diese drei Ebenen sollte man beim Wechsel zwischen den Stationen auseinanderhalten.

Die Nummer allein identifiziert noch keinen Papyrus

Die Spruchnummer ist eine praktische Orientierung. Sie ersetzt weder eine Museumsnummer noch eine Zeilenstelle. Ein besonders anschaulicher Fall steht in Allens Fußnote zu 100: Er behandelt die später unterschiedlich nummerierten Sprüche 100 und 129 als ursprünglich zusammengehörig. Bereits eine scheinbar einfache Zahl kann also eine Entscheidung über die Überlieferung verdecken.

Frage bei einer Quellenangabe deshalb nicht nur nach Spruch 100, sondern auch nach der benutzten Fassung, der Ausgabe und dem Textzeugen. Nur so wird verständlich, weshalb zwei Übersetzungen ähnliche Gedanken enthalten können, ohne in jedem Satz dieselbe Vorlage zu bieten.

Auch ein flüssiger Lesetext hat Nähte

In der Station zu Nu werden Sprechtext und Bildanweisungen getrennt erläutert. Allens weitere Absätze T4–6 stammen aus der in Allens Fußnote als TB 9 bezeichneten weiteren Vorlage; eine Variante gehört zu einem anderen Zeugen. Bei 89 sind die abschließenden Zusätze T2–3 wiederum einem ptolemäischen Text entnommen. Eine fortlaufend gedruckte Seite bedeutet nicht, dass all ihre Wörter auf Ani oder Nu erhalten wären.

Diese Unterschiede sind kein bloßes Hindernis. Sie machen sichtbar, wie Texte weiterverwendet und verändert wurden. Eine gute Lesehilfe glättet die Nähte nicht weg. Sie zeigt, wann wir einer einzelnen Vorlage folgen und wann wir zum Vergleich eine andere hinzunehmen.

Eine konkrete Bild-Text-Komposition

Bemalter Papyrus: zwei Frauen links, eine Waage mit Tierkopfgestalt in der Mitte und eine thronende Gestalt rechts.
Historische Reproduktion: Totengericht im Totenbuch der Nauny, um 1050 v. Chr. Detail der Rolle, The Met, 30.3.31. Public Domain / CC0. Bildnachweis Bildlizenz

Naunys Totenbuch 30.3.31 bietet einen anderen Zugang: Im Zentrum der hier untersuchten Vignette steht die Beurteilung des Herzens. Für ihre Figurenrollen wird die Met-Beschreibung herangezogen. Das ist keine neue Übersetzung aller Zeichen auf der Rolle und auch kein Bildbeleg für jedes Detail der Texte Anis oder Nus.

Die Abbildung gehört zu einem identifizierten Objekt. Eine ähnliche Waage auf einer anderen Rolle müsste erneut nach Besitzer, Bildfolge und Textbezug gefragt werden. Gemeinsame Motive machen einzelne Handschriften nicht austauschbar.

Sogar ein antiker Titel lässt die Einordnung offen

Lange Papyrusrolle mit einer Reihe stehender, mumienförmiger Gestalten, abwechselnd mit menschlichen und anderen Köpfen; darüber Zeichenkolumnen. Am rechten Rand steht eine gesonderte Schriftzeile.
Nauny zugeschriebener funerärer Papyrus, The Met 30.3.32, 21. Dynastie, ca. 1051–1002 v. Chr. Laut Katalog als Buch dessen, was in der Duat ist, beschriftet; die Komposition wird zugleich als eine Litanei des Re eingeordnet. Katalogdeutung und eigene Bildbeobachtung bleiben getrennt. Unverändertes Museumsfoto, Public Domain / CC0; Webfassungen nur proportional verkleinert. Bildnachweis

Ein weiterer Nauny zugeschriebener Papyrus trägt die Nummer 30.3.32. Der Met-Katalog gibt seine Randbeischrift als Buch dessen, was in der Duat ist, wieder. Zugleich erklärt er, die Reihe lasse sich als eine Litanei des Re verstehen und unterscheide sich von den meisten Amduat-Papyri. Ein Titel und eine heutige Einordnung können unterschiedliche Aspekte desselben Gegenstands erfassen.

Im Bild stehen mumienförmige Gestalten nebeneinander. Die Anzahl vierzig stammt aus dem Katalog; sie wird hier nicht zu einer Liste vierzig neuer Gottheiten. Auch die Deutung einzelner Beischriften und der Nauny-Darstellung folgt dessen Angaben. Die Aufnahme ist keine selbst entzifferte vollständige Edition.

Mit einer Frage zur Quelle zurückgehen

Wähle eine Station und prüfe drei Dinge: Welcher bestimmte Textträger wird benutzt? Welche Passage oder Bildzone ist gemeint? Und was stammt aus der modernen Vermittlung? Bei einer übersetzten Formel, einer Katalogbeschreibung und einer heutigen Lesegrafik fallen die Antworten verschieden aus.

Diese Bibliothek führt zu den tatsächlich erschlossenen Beispielen. Sie bietet keine vollständige Neuübersetzung sämtlicher Totenbuchhandschriften und keinen für alle Epochen verbindlichen Kanon. Gerade die benannte Auswahl ermöglicht überprüfbare Vergleiche.

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Totenbuchspruch 25: Erinnern des eigenen Namens

Ausgewählter Spruch mit ausdrücklich benannter Textbasis und abgetrennten Varianten.

Moderne Nummer eines überlieferten Spruchzusammenhangs; kein Datum der Erstkomposition.

Sprache: Altägyptisch

Erhaltener Textzeuge

Allens Zeuge Ca zu Spruch 25

Zeugenmetadaten der modernen Ausgabe; keine neue Kollation des Originals.

Ca: Papyrus des Ms-m-ntr aus Theben, in Allens Tabelle18. Dynastie; im Louvre, dem Kairoer Museum gehörend laut Ausgabe1974.

Sprache: Altägyptisch, über die englische Edition erschlossen

Benutzte Ausgabe

Allen, SAOC 37, Spruch 25

Ca: Papyrus des Ms-m-ntr aus Theben, in Allens Tabelle18. Dynastie; im Louvre, dem Kairoer Museum gehörend laut Ausgabe1974.

Chicago 1974; begrenzte Neulektüre17. Oktober 2026.

Sprache: Englische Übersetzung altägyptischer Texte

Überlieferter Text

Totenbuchspruch 89: Rückkehr des Ba zum Körper

Ausgewählter Spruch mit ausdrücklich benannter Textbasis und abgetrennten Varianten.

Moderne Nummer eines überlieferten Spruchzusammenhangs; kein Datum der Erstkomposition.

Sprache: Altägyptisch

Erhaltener Textzeuge

Allens Zeuge Eb (Ani) zu Spruch 89

Zeugenmetadaten der modernen Ausgabe; keine neue Kollation des Originals.

Eb: Papyrus des Ani, British Museum 10470; Allens historische Datierung18./19. Dynastie. Zusätze T2–3 aus einem anderen ptolemäischen Zeugen.

Sprache: Altägyptisch, über die englische Edition erschlossen

Benutzte Ausgabe

Allen, SAOC 37, Spruch 89

Eb: Papyrus des Ani, British Museum 10470; Allens historische Datierung18./19. Dynastie. Zusätze T2–3 aus einem anderen ptolemäischen Zeugen.

Chicago 1974; begrenzte Neulektüre17. Oktober 2026.

Sprache: Englische Übersetzung altägyptischer Texte

Überlieferter Text

Totenbuchspruch 100: Mitfahrt in der Sonnenbarke

Ausgewählter Spruch mit ausdrücklich benannter Textbasis und abgetrennten Varianten.

Moderne Nummer eines überlieferten Spruchzusammenhangs; kein Datum der Erstkomposition.

Sprache: Altägyptisch

Erhaltener Textzeuge

Allens Zeuge Ea (Nu) zu Spruch 100

Zeugenmetadaten der modernen Ausgabe; keine neue Kollation des Originals.

Ea: Papyrus des Nu, British Museum 10477,18. Dynastie nach Allen. T4–6 aus TB9; Variante T5 aus Ba. Keine Gleichsetzung dieser Zusätze mit Nus Papyrus.

Sprache: Altägyptisch, über die englische Edition erschlossen

Benutzte Ausgabe

Allen, SAOC 37, Spruch 100

Ea: Papyrus des Nu, British Museum 10477,18. Dynastie nach Allen. T4–6 aus TB9; Variante T5 aus Ba. Keine Gleichsetzung dieser Zusätze mit Nus Papyrus.

Chicago 1974; begrenzte Neulektüre17. Oktober 2026.

Sprache: Englische Übersetzung altägyptischer Texte

Überlieferter Text

Komposition des funerären Papyrus der Nauny 30.3.32

Laut Katalog als Buch dessen, was in der Duat ist, beschriftet und zugleich als eine Litanei des Re deutbar; die Spannweite der Einordnung bleibt erhalten.

Benannte individuelle Zusammenstellung, nicht hier als früheste Fassung eines einheitlichen Amduat angesetzt.

Sprache: Altägyptisch

Erhaltener Textzeuge

Nauny zugeschriebener Papyrus, The Met 30.3.32

Konkreter Papyrus mit Figurenreihe und rechter Randbeischrift; keine hier neu angefertigte Edition der Inschriften.

21. Dynastie, ca. 1051–1002 v. Chr. nach Met; Herkunft aus Naunys Bestattung in TT358.

Sprache: Altägyptisch; über Katalogbeschreibung erschlossen

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Benannte ägyptische funeräre Text- und Bildzeugnisse; Unterschiede von Werk, Textzeuge und heutiger Auslegung erhalten.
Verwendeter Ausschnitt
Allen1974: Sprüche25,89,100 und zugehörige Zeugenangaben; konkret katalogisierte Nauny- und Amduat-Objekte.
  1. Allen 1974: Name, Ba-Rückkehr und Sonnenbarke in den Sprüchen 25, 89 und 100

    Thomas George Allen; Institute for the Study of Ancient Cultures, University of Chicago · 1974; antike Belege verschiedener Zeitlagen

    Neu gezielt gelesen: Druckseite37, Spruch 25 und Fußnote 62; Druckseiten74–75, ganzer Spruch 89 und Fußnote 148; Druckseite82, ganzer Spruch 100 und Fußnote 166. Auf Druckseiten243–244 nur die Tabellenzeilen Ca,Ea,Eb und die für Spruch 100 genannten Vignettenzeugen Cc/Ce zugeordnet. PDF10: Abkürzung N als Name des Verstorbenen. Die sechs benötigten Seiten 47,84,85,92,253,254 gerendert und tatsächlich nativ angesehen.

    Keine Gesamtlektüre der316 PDF-Seiten. Nachbarsprüche nicht als vollständig erschlossenes neues Korpus geführt. Allens Edition verbindet verschiedene Zeugen: 89 hat Zusätze aus T;100 hat Zusätze aus TB9 und eine Variante aus Ba. Bibliografisch genannte ältere Editionen nicht selbst gelesen. Englisches soul nicht ungeprüft als universale Körper-Seele-Lehre übernommen. CC BY-NC-ND4.0 der Ausgabe beachten: keine Faksimileseiten öffentlich kopieren; eigenständige begrenzte Erläuterung und Link zur Ausgabe. Abgerufen am 2026-09-30.

  2. Book of the Dead for the Chantress of Amun, Nauny

    The Metropolitan Museum of Art, Department of Egyptian Art · undatiert; laufender Katalog

    Objektdaten sowie Erläuterung der zentralen Szene zu Spruch 125; Originalabbildung tatsächlich betrachtet.

    Katalogzuweisungen sind keine eigene ägyptologische Entzifferung. Keine Datierung aller ägyptischen Jenseitsvorstellungen durch dieses Einzelobjekt. Abgerufen am 2026-09-25.

  3. Funerary Papyrus of Nauny, The Met 30.3.32

    The Metropolitan Museum of Art, Department of Egyptian Art · undatiert; laufender Katalog

    Kuratorische Beschreibung und Objektdaten vollständig als Webtext gelesen. Katalogisch mitgeteilte Duat-Beschriftung und Litanei-Einordnung, vierzig Bildgestalten sowie ausgewählte Figuren4/16/25/40 beachtet. Offizielle API und ein Originalfoto erworben; Original und drei WebP-Varianten tatsächlich angesehen.

    Keine eigene Übersetzung der Hieroglyphen oder Vollkollation aller vierzig Beischriften. Die Deutung und Zählung folgen dem institutionellen Katalog. Keine vierzig neuen individuellen Götteridentitäten aus den Bildern abgeleitet; keine Titelgleichsetzung mit sämtlichen Amduat-Zeugen. Abgerufen am 2026-10-17.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-17. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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