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MythaneumDas Museum der Mythologien

Exponat

Das Popol Wuj überlebt: Aufschreiben, Übersetzen, Zugänglichmachen

Eine vermutete frühe Niederschrift, Ximénez’ erhaltene zweisprachige Handschrift, Sam Colops Übersetzungsarbeit und Faksimiles in Guatemala zeigen unterschiedliche Wege, das Popol Wuj weiterzugeben.

5–6 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Historische spanische Titelansicht mit Ximénez-Nennung im öffentlich publizierten Newberry-Bild.
Popol-Vuh-Manuskript, Newberry Library, VAULT Ayer MS1515. Öffentlich publizierte Titelansicht aus dem Newberry-Blog; sichtbare spanische Überschrift und Ximénez-Nennung. Keine hier gezeigte zweispaltige Textseite und keine erfundene Folionummer. Webansichten lediglich proportional verkleinert. Bildnachweis Bildlizenz

Die Erzählung hat ein Alter – das Papier ein anderes

Vor dir liegen mehrere Zeiten zugleich. Eine Erzählung kann ältere Motive bewahren; ein erhaltenes Blatt belegt zunächst den Zeitpunkt seiner eigenen Beschriftung. Das Popol Wuj gehört zur K’iche’-Überlieferung aus Guatemala. Der Newberry-Rechercheführer beschreibt eine vermutlich im 16. Jahrhundert von einem indigenen Sprachkundigen in lateinischer Schrift angelegte Vorlage. Diese vermutete frühere Niederschrift ist vom heute erhaltenen Ximénez-Textzeugen zu unterscheiden.

Der Dominikaner Francisco Ximénez schrieb seine K’iche’-Fassung und spanische Übersetzung in Chichicastenango auf. Der Rechercheführer nennt 1700–1715. Das ist weder das Geburtsdatum aller Erzählmotive noch der Beleg einer unverändert durch alle Jahrhunderte gesprochenen Fassung.

Die Handschrift gehört zu einem größeren Bestand

Unter Ayer MS 1515 werden auch Sprachlehre und christliche Unterweisung zusammen katalogisiert. Der Digitaldatensatz beschreibt zwei Spalten, K’iche’-Text und spanische Übersetzung. Für die Aufzeichnung nennt sein Summary wahrscheinlich 1700–1703; dieser engere Bereich bleibt neben 1700–1715 aus dem Rechercheführer stehen.

Das Nebeneinander von Sprachstudium, Seelsorge und Erzähltext macht den kolonialen Arbeitszusammenhang greifbar. Der Katalog beschreibt 56 Blätter des Popol-Vuh-Textes sowie gesonderte Kommentare. Eine Blattzählung, die Signatur des Bestands und das Alter der erzählten Welt beantworten verschiedene Fragen. Beim Öffnen des Digitalisats prüfe deshalb, welcher Teil und welches Blatt angezeigt werden.

Der Weg nach Chicago ist Teil der Geschichte

Die Newberry berichtet, dass die Handschrift nach 1853 Guatemala verließ. Brasseur de Bourbourg erklärte, sie 1855 von Ignacio Coloche gekauft zu haben; der Rechercheführer kennzeichnet diese Erwerbung als umstritten. Später führte ihr Weg über Sammlungen und den Pariser Buchhandel zu Edward E. Ayer, der sie 1887 erwarb. Seit 1912 liegt sie in der Newberry.

Zum Erhalt gehörte auch konservatorische Arbeit: Ein späterer Einband wurde vor der Digitalisierung entfernt, um Blätter sicher flachlegen und beschädigte Stellen behandeln zu können. Erhalten heißt hier auch, ein verletzliches materielles Zeugnis zu pflegen.

Schon der Auftakt spricht vom Aufschreiben

In Christensons wörtlicher zweisprachiger Ausgabe kündigt die Wir-Stimme das Schreiben an. Auf Seite 3 benennt sie den christlichen Aufzeichnungskontext. Der Text zeigt damit selbst eine Situation seiner Weitergabe. Diese elektronische Fassung von 2007 beruht auf einem Buch von 2004; sie ist nicht Christensons getrennte kommentierte Ausgabe.

Bei jeder Lektüre begegnet dir eine Entscheidung über Schrift, Gliederung oder Übersetzung. Das Quellenporträt „Popol Vuh: Welches Buch liegt vor dir?“ führt den kleinen Leseversuch am Auftakt genauer vor.

Sam Colop liest als K’iche’-Sprachkundiger und Forscher

Luis Enrique Sam Colop erklärte im Interview mit Nora Martínez 2009, dass parallele Verse nicht nur Zweiergruppen bilden. Auch drei oder vier Zeilen und Übergänge zur Prosa gehörten dazu. Seine sichtbare Gliederung macht hörbare sprachliche Beziehungen lesbar. Er berichtet außerdem vom Abgleich mit der Ximénez-Handschrift und von älteren Wörterbüchern, mit denen er Sprachveränderungen untersuchte.

Sam Colop beansprucht keine perfekte Endfassung. Er denkt im Gespräch bereits an Korrekturen der Anmerkungen. Im Interview mit Agustín Ortiz beschreibt er seine poetische K’iche’-Fassung von 1999 und deren Beziehung zur spanischen Übersetzung. Auch er unterscheidet den Manuskripttext von dem Zugang, den Leser tatsächlich wählen.

Diese eigene Erklärung eines K’iche’-Linguisten erweitert die Überlieferungsgeschichte: Sprachkundige werden hier als Forschende mit begründeten Entscheidungen sichtbar. Wir lesen veröffentlichte Interviews. Sie ersetzen keine vollständige Lektüre seiner Buchübersetzung und keine Stimme aller heutigen K’iche’-Gemeinschaften.

Textzeuge, Übersetzung und erreichbare Lektüre

Drei verbundene Lesefelder: zweisprachige Ximénez-Handschrift, Entscheidungen benannter Übersetzer und Zugang durch Faksimiles in Guatemala.

Vom Textzeugen zur jeweiligen Lektüre

Textzeuge

Die Ximénez-Handschrift verbindet K’iche’-Text und spanische Übersetzung. Ihr frühes Datum im 18. Jahrhundert datiert nicht jedes Motiv.

Zur benannten Quelle

Benannte Lektüre

Christensons Ausgabe und Sam Colops veröffentlichtes Interview zeigen verschiedene Wege der sprachlichen und editorischen Arbeit. Eine ganze Colop-Ausgabe wird dadurch nicht als gelesen behauptet.

Zur benannten Quelle Zur benannten Quelle

Gegenwärtiger Zugang

Newberrys datierter Bericht von 2026 nennt Faksimiles für Bibliotheken in Guatemala. Er ist ein Zugangsbeispiel, keine Aussage über alle heutigen K’iche’-Lesenden.

Zur benannten Quelle

Eigene Übersicht neben der tatsächlichen Manuskript-Titelansicht. Handschrift, Übersetzungsentscheidungen und berichteter heutiger Zugang bleiben gesonderte Quellenebenen. Keine Aufnahme eines gegenwärtigen Leseereignisses. Grafik vergrößern Textgrundlage

Zugang entsteht auch durch gedruckte Faksimiles

Am 29. Juli 2026 berichtete die Newberry über vier Faksimiles für öffentliche Bibliotheken in Quetzaltenango, Guatemala-Stadt, San Marcos und Santa Cruz del Quiché. Ein Faksimile reproduziert einen konkreten Textzeugen; es ist nicht schon eine neue Übersetzung.

Walter Little und Beteiligte am Zentrum für Maya-Studien Adrián Inés Chávez arbeiteten an der Verteilung mit. Die Meldung nennt den eingeschränkten Internetzugang mancher Gemeinschaften als Grund für gedruckte Exemplare. Damit wird Weitergabe als praktische Arbeit sichtbar: Ein vorhandenes Digitalisat erreicht Menschen nicht automatisch.

Der Bericht belegt Übergaben und Zusammenarbeit. Er beweist nicht, wie jede Bibliothek das Exemplar nutzt oder wie alle K’iche’ den Text heute deuten. Solche Fragen bleiben für Stimmen aus konkreten Lese- und Lernorten offen.

Welche Zeit liest du gerade?

Wähle eine Ausgabe und notiere getrennt: das Datum des benannten Textzeugen, das Datum der Ausgabe und die Situation, in der du sie liest. Welche ältere Geschichte erzählt sie? Und an welcher Stelle erklärt die Ausgabe ihre eigenen Entscheidungen?

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Popol Wuj / Popol Vuh

Werkebene der K’iche’-Überlieferung. Die erhaltene Niederschrift und eine moderne Ausgabe sind separate Datensätze.

Überlieferter Text; kein einzelnes Datum für die Entstehung sämtlicher Erzählstoffe angesetzt.

Sprache: K’iche’

Erhaltener Textzeuge

Ximénez-Handschrift, Newberry Library, Ayer MS 1515

Handschriftlicher Textzeuge mit nebeneinandergestelltem K’iche’-Text und spanischer Übersetzung; Teil eines zusammen katalogisierten Manuskriptbestands.

Rechercheführer: 1700–1715. Digitalkatalog: wahrscheinlich 1700–1703. Die Metadaten nennen unterschiedlich enge Bereiche.

Sprache: K’iche’ und Spanisch

Benutzte Ausgabe

Allen J. Christenson: Popol Vuh: Literal Translation

Zweisprachige moderne Leseausgabe mit Zeilenzählung und erläuternden Fußnoten. In dieser Station sind nur S. 1 und 3 ausgewertet.

Elektronische Ausgabe 2007; nach Popol Vuh: Literal Poetic Version: Translation and Transcription, University of Oklahoma Press, 2004.

Sprache: K’iche’ und Englisch

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
K’iche’-Popol-Wuj-Überlieferung, kolonialer Textzeuge und benannte neuere Vermittlungen
Verwendeter Ausschnitt
Newberry Ayer MS 1515 nach Katalog/Rechercheseite; Christenson Literal S. 1–3; Sam-Colop-Interviews S. 11–16; Newberry-Projektbericht vom 29.07.2026.
  1. Popol Vuh

    Newberry Library · undatierter Rechercheführer

    Abschnitte zu Text, Manuskript, Digitalisierung, Konservierung und Signatur vollständig gelesen.

    Institutionelle Vermittlung. Datierung 1700–1715 ist weiter als die Angabe des Digitalkatalogs. Kein Ersatz für gegenwärtige K’iche’-Selbstrepräsentation. Abgerufen am 2026-09-25.

  2. Arte de las tres lenguas kakchiquel, quiché y tzutuhil [vol. 02]

    Newberry Library, Digital Collections · undatierter Digitalkatalog

    Katalogfelder Date, Summary, Extent, Language und Rights Status gelesen; keine paläografische Eigenprüfung.

    Datierung wahrscheinlich 1700–1703 laut Summary. Digitaler Einzelbilddatensatz verweist auf den Gesamtbestand; keine Gleichsetzung mit einem unabhängig datierten älteren Werk. Abgerufen am 2026-09-25.

  3. Sam Colop über seine Übersetzung des Popol Wuj: zwei Interviews

    Agustín Ortiz und Nora Martínez; Antworten Luis Enrique Sam Colop; F&G Editores · Interviews 15.01.2009 und 17.04.2009; Sammelheft Juli 2011

    S. 11–16: beide Interviews gelesen; verwendet werden Aussagen zu poetischer Gliederung, Handschriftenarbeit und begrenztem Geltungsanspruch.

    Öffentliches Interview, kein eigenes Gespräch. Eine Position des K’iche’-Linguisten, keine Vertretung aller Gemeinschaften. Nicht die vollständige Buchübersetzung. Abgerufen am 2026-09-25.

  4. Popol Vuh: Literal Translation

    Allen J. Christenson · 2007

    Elektronische Fassung von Popol Vuh: Literal Poetic Version: Translation and Transcription, University of Oklahoma Press, 2004.

    S. 1–3 einschließlich Fußnoten gelesen; für B-039 nur Auftakt S. 1 und Aufzeichnungsreflexion S. 3 verwendet.

    Die 304 PDF-Seiten sind nicht vollständig ausgewertet. Die englische wörtliche Übersetzung ist eine moderne Vermittlung; die aktuelle Station behandelt nur den benannten Auftakt. Abgerufen am 2026-09-25.

  5. Four Newberry Facsimiles of the Popol Vuh Distributed to Libraries Across Guatemala

    Newberry Library · 2026-07-29

    Vollständige Meldung zum Faksimileprojekt, zu vier Übergabeorten und beteiligten Institutionen gelesen.

    Bericht der beteiligten Bibliothek; kein unabhängiger Wirkungsnachweis und kein eigenes Interview. Die Angabe „115 Jahre“ wird nicht zur Datierung der Erwerbung benutzt, da der Rechercheführer 1912 nennt. Abgerufen am 2026-09-25.

  6. Öffentlich publizierte Titelansicht des Popol-Vuh-Manuskripts

    Newberry Library, Sammlung Ayer MS 1515; publiziert im Beitrag Lili Pangborns · Blog über2024; Manuskript um1700, keine genaue Folionummer aus dem Blogfoto erfunden

    Relevanten Popol-Vuh-Abschnitt und Bildunterschrift gelesen; ganzes dort veröffentlichtes Manuskriptbild betrachtet. Spanischer Titel und Ximénez-Nennung sind sichtbar.

    Titelansicht, keine zweispaltige Textseite oder heutige Personenaufnahme. Benutzt wird die öffentlich publizierte Abbildung; weitere Katalogbilder wurden hier nicht erworben. Abgerufen am 2026-10-14.

  7. Newberry: Open Access Policy

    Newberry Library · Institutionelle Regel, abgerufen 2026-10-14

    Gesamten Abschnitt zur Open-Access-Regel und angrenzende Hinweise zu kultursensiblen Materialien gelesen.

    Keine pauschale Urheberrechtsfreigabe sämtlicher Sammlungen. Hier verwendet: originalgetreue historische Manuskript-Titelansicht mit konkretem Bildnachweis. Abgerufen am 2026-10-14.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-13. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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