Ein bestimmter Satz über den Anfang
Der von Henri Frankfort übersetzte Abschnitt aus den Pyramidentexten spricht Atum-Chepri direkt an. Er erinnert daran, dass der Gott als Hügel hochstand und im heliopolitanischen Benben-Zusammenhang hervortrat. Dann beschreibt er Schu und Tefnut als aus ihm hervorgegangen; Atum umfasst beide mit seinen Armen und einer im Text Ka genannten Kraft. Das ist ein konkreter Schöpfungszusammenhang, kein bloßes Namensregister.
Frankfort verweist auf die nummerierten Pyramidentext-Zeilen 1652–53. Die hier gelesene Buchseite sagt aber nicht, aus welcher einzelnen Pyramideninschrift genau seine Wiedergabe stammt. Wir schreiben den Wortlaut deshalb keinem willkürlich gewählten König zu. Die vorliegende deutsche Inhaltsangabe paraphrasiert seine englische Übersetzung; sie beansprucht keine eigene Lesung der Hieroglyphen.
Was der kurze Abschnitt gerade nicht erzählt
In den von Frankfort zitierten Zeilen erscheinen Schu und Tefnut, nicht bereits die ganze Folge bis Osiris und Horus. Die dortigen Worte erklären auch nicht, wann diese Vorstellung erstmals formuliert wurde oder wie sie an jedem Kultort galt. Frankforts umgebende Deutung von Hügel, Urwasser und Sonnentempel ist eine wissenschaftliche Zusammenschau aus dem 20. Jahrhundert. Ihre Einzelbehauptungen sind nicht sämtlich Teil desselben antiken Textblocks.
Der UCL-Überblick stellt Schu und Tefnut mit Geb und Nut in Beziehung und beschreibt diese Ordnung als allmähliches Auseinandertreten von Kräften und Weltbereichen. Zugleich betont er, dass es keine einzige altägyptische Erzählung aller Schöpfungsmotive gibt und dass Ort und Zeit der sogenannten heliopolitanischen Lehre unsicher sind. Die Übersicht hilft beim Verstehen der Beziehungen, ersetzt aber keine einzelne Quellenfassung.
Eine heutige Beziehungsübersicht

Die Pfeile der Grafik sind eine Entscheidung von heute
Die Grafik legt Atum/Re oben, Schu und Tefnut in die Mitte, Geb und Nut unten. Sie folgt dem vorsichtig formulierten UCL-Überblick. Ihre Pfeile bedeuten Beziehungen in einer heutigen Leseführung. Sie sind weder Abzeichnung einer antiken Bildtafel noch eine vollständige Stammtafel aller ägyptischen Gottheiten.
Besonders wichtig ist die untere Stufe: Die von Frankfort wiedergegebenen Pyramidentext-Zeilen belegen das Hervorgehen von Schu und Tefnut. Geb und Nut treten in dieser kurzen Passage nicht als geborene Kinder auf. Für diese nächste Beziehung stützt sich das Schaubild auf den getrennt ausgewiesenen UCL-Überblick.
Später stehen die Namen in einer Gewandbitte
Totenbuchspruch 171 ruft Atum, Schu und Tefnut sowie Geb und Nut am Anfang einer langen Götterfolge an. Die verstorbene Person bittet um ein reines Gewand und Schutz vor anhaftendem Übel. Die Reihenfolge erinnert an eine Schöpfungsordnung. Dieser konkrete Spruch erzählt aber nicht noch einmal, wie Atum Schu und Tefnut hervorbringt oder wie Geb und Nut entstehen.
Allens gedruckte Wiedergabe beruht auf dem von ihm Cc genannten Textzeugen der 18. Dynastie; er führt Ax als Parallele an und vermerkt für beide das Fehlen von Vignetten. Zwischen Pyramidentextstelle, Gewandformel und moderner Übersicht bestehen somit Verbindungen, aber nicht die Identität eines einzigen Textes oder Bildes.
Welche Verbindung steht wirklich im Text?
Suche in den drei Quellen nach drei verschiedenen Leistungen: Die Pyramidentextstelle erzählt von Atum, Schu und Tefnut; Spruch 171 ruft viele Namen für einen Schutzwunsch an; der UCL-Überblick ordnet verstreute Schöpfungsbeziehungen. An welcher Stelle entstehen im Wortlaut wirklich neue Gottheiten, und wo ordnen wir sie erst beim Vergleichen?
So wird die Familienordnung zur Orientierung statt zur vermeintlich einzigen ägyptischen Schöpfungslehre. Die Antworten dürfen je nach überliefertem Text und seinem Zweck verschieden ausfallen.
Texte und ihre Zugänge
Werke, Fassungen und verwendete Zugänge
Überlieferter Text
Pyramidentextstelle 1652–53: Atum-Chepri, Schu und Tefnut
Anrede an Atum-Chepri mit dem Hervorgehen von Schu und Tefnut sowie Atums umschließenden Armen. Die numerische Stelle wird nicht als vollständige Schöpfungserzählung ausgegeben.
Teil des antiken Pyramidentextkorpus; die hier gelesene Publikationsstelle benennt keinen spezifischen Pyramidenzeugen.
Sprache: Altägyptisch
Benutzte Ausgabe
Frankfort, Kingship and the Gods: Wiedergabe von Pyramidentext 1652–53
Die Übersetzung nennt Atum-Chepri, Schu und Tefnut. Ein konkreter Pyramidenzeuge wurde in der gelesenen Stelle nicht nachgewiesen; Geb/Nut stammen nicht aus den paraphrasierten Zeilen.
Publikation 1948, Phoenix-Ausgabe 1978; gedruckte S. 153 am 30. September 2026 begrenzt gelesen.
Sprache: Englische Übersetzung und Deutung altägyptischer Pyramidentexte
Überlieferter Text
Totenbuch, Spruch 171: Anlegen des reinen Gewandes
Eine Bitte um ein reines Gewand und Schutz, die zahlreiche Gottheiten namentlich anruft. Die Reihenfolge ist keine erzählte Genealogie oder Schöpfungsszene.
In zwei von Allen notierten Zeugen der 18. Dynastie; die moderne Spruchnummer ist eine Editionsordnung.
Sprache: Altägyptisch
Erhaltener Textzeuge
Totenbuchzeuge Cc der 18. Dynastie zu Spruch 171
Allens Textbasis für Spruch 171. Er nennt Ax als einzige Parallele und vermerkt für beide das Fehlen einer Vignette. Die Siglen werden hier nicht zu einer erfundenen Objektidentität ergänzt.
18. Dynastie laut Allens Anmerkung; genauer Träger hier nicht selbst untersucht.
Sprache: Altägyptisch, in Allens englischer Übersetzung erschlossen
Benutzte Ausgabe
Thomas George Allen, Book of the Dead, SAOC 37, Spruch 171
Gelesen wurden die Götteranrufung und die Fußnote zu Cc und Ax. Die Namensliste ist kein Beleg dafür, dass der konkrete Text eine Geburt der Götter erzählt.
Chicago 1974; gedruckte Seite 178 begrenzt gelesen am 30. September 2026.
Sprache: Englische Übersetzung eines altägyptischen Spruchs mit knapper Zeugenangabe
Welche Zeit ist gemeint?
- Die von Frankfort als Pyr. 1652–53 zitierte Stelle gehört zum Pyramidentextkorpus. Seine gelesene Druckseite weist keinen einzelnen Pyramidenzeugen aus; ein bestimmter Träger wird hier daher nicht datiert.
- Allens Fassung des Gewandspruchs 171 stützt sich auf den Textzeugen Cc der 18. Dynastie; Ax ist seine notierte Parallele.
- Frankforts 1948 veröffentlichte und Allens 1974 veröffentlichte englische Wiedergaben sind moderne Forschungsschichten, nicht Entstehungsdaten der antiken Inhalte.
Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.
Der Weg zum Beleg
Quellen und Einordnung
- Überlieferung
- Atum-Chepri und das erste Götterpaar in Pyramidentext 1652–53 nach Frankforts Wiedergabe; spätere Gewandanrufung Spruch 171 und heutige UCL-Zusammenschau separat; keine über Jahrtausende einheitliche Lehre
- Verwendeter Ausschnitt
- Henri Frankfort, Kingship and the Gods, gedruckte S. 153, Wiedergabe von Pyr. 1652–53; Thomas George Allen, Book of the Dead, gedruckte S. 178, Spruch 171 nach Cc; UCL Digital Egypt als heutige Einordnung.
- Kingship and the Gods: Pyramid Texts 1652–53
Henri Frankfort; Institute for the Study of Ancient Cultures, University of Chicago · 1948; Phoenix-Ausgabe 1978; antike Pyramidentextstelle
Henri Frankfort, Kingship and the Gods (Chicago 1948; Phoenix-Ausgabe 1978), gedruckte S. 153–154, besonders S. 153 (PDF-S. 191): der Autor gibt Pyramidentext-Zeilen 1652–53 als Atum-Chepri-Anrede wieder, in der Schu und Tefnut aus Atum hervorgehen und seine Arme/Ka sie umfassen. Die benutzte Druckstelle benennt keinen konkreten Pyramidenzeugen. Umgebende Schöpfungsdeutung nur als historische Forschungssynthese gelesen.
Frankforts englische Übersetzung und Deutung von 1948 sind weder eigene Hieroglyphenlektüre noch eine zeitgenössische Originalhandschrift. Die konkrete Textstelle belegt Schu/Tefnut, nicht die gesamte Geb/Nut-Folge; diese ist gesondert bei UCL zugeordnet. Kein spezifischer Pyramidenträger wird aus der Seitenangabe erfunden. Die ISAC-Ausgabe ist CC BY-NC-ND 4.0; nur knapp paraphrasieren und offiziell verlinken, keine PDF-Seite nachhosten. Abgerufen am 2026-09-30.
- The Book of the Dead or Going Forth by Day: Spells 17 und 171
Thomas George Allen; Institute for the Study of Ancient Cultures, University of Chicago · 1974; antike Belege verschiedener Zeitlagen
Thomas George Allen, The Book of the Dead or Going Forth by Day, SAOC 37 (Chicago 1974): Spell 17, gedruckte S. 26–29, besonders S. 27 zu Re, Nun, Atum und textinternen Varianten; Spell 171, gedruckte S. 178, mit der Folge Atum, Schu/Tefnut, Geb/Nut und weiteren Gottheiten in einem Gewand-Spruch. Allens Anmerkung auf S. 178: Spell 171 beruht auf Zeuge Cc der 18. Dynastie; Ax ist die einzige genannte Parallele; beide ohne Vignette.
Allens 1974er Übersetzung und Variantenapparat sind eine moderne Edition, kein einzelner unvermittelter antiker Urtext; Spell 17 und Spell 171 gehören zu verschiedenen Formeln. Die Nennungsliste in Spell 171 ist keine ausformulierte Schöpfungserzählung. Die Publikation trägt CC BY-NC-ND 4.0: nur begrenzt paraphrasieren und zur offiziellen Ausgabe verlinken, keine Seiten öffentlich kopieren. Abgerufen am 2026-09-30.
- Gods and goddesses in Ancient Egypt: creation
University College London, Digital Egypt for Universities · Institutionelle Digitalseite, 2002
Vollständige öffentliche Übersicht zu unterschiedlichen Schöpfungsmetaphern, Gruppierungen der Gottheiten, Osiris-Horus-Seth-Bezügen und ausdrücklicher Warnung vor einer einzigen kombinierten altägyptischen Gesamterzählung gelesen.
UCL synthetisiert viele Textsorten und Epochen; die Übersicht ist kein antiker Einzelzeuge. Konkrete Handlung nur aus jeweils einzeln benannten Texten oder Objekten ableiten, insbesondere Horusformen und Seths Sonnenbarkenrolle nicht aus der genealogischen Übersicht einebnen. Abgerufen am 2026-09-29.
Redaktion und Bearbeitungsstand
Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-30. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.
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