Was an diesem kleinen Amulett erhalten ist
Zwei Arme ragen nach oben, darüber sitzt eine runde Scheibe. Die blassgrüne Fayencefigur ist nur zur Hälfte erhalten. The Met katalogisiert sie als Schu-Amulett der Spätzeit und deutet die Haltung als Tragen des Himmels. Der untere Körperteil fehlt; die häufig ergänzte kniende Pose lässt sich an genau diesem Stück nicht unmittelbar sehen.
Ein Amulett wurde getragen oder am Körper befestigt. Es ist kein maßstäbliches Modell des Kosmos. Die kleine Figur verdichtet eine göttliche Handlung zu einer tragbaren Form. Dass sie Schu heißt, folgt der kuratorischen Identifikation des Objekts; das Foto allein zeigt keine hier selbst gelesene Namensinschrift.
Das Fragment im Originalfoto

Im Spruch wird Schu angerufen
Totenbuchspruch 171 beginnt mit Atum und nennt danach Schu zusammen mit Tefnut. Es folgen Geb und Nut und weitere Gottheiten. Die angesprochene Vielheit soll der verstorbenen Person ein reines Gewand und schützende Kraft geben. Der Text erzählt hier weder, wie Schu geboren wurde, noch wie er den Himmel anhob.
Allen übersetzt die Formel nach einem von ihm Cc genannten Zeugen der 18. Dynastie. Sein knapper Apparat nennt Ax als Parallele und für beide keine Vignette. Das viel spätere Fayenceamulett darf deshalb nicht als erhaltene Illustration gerade dieser Handschrift ausgegeben werden. UCL ordnet Schu in einer Schöpfungsbeziehung zu Atum und Tefnut ein; diese heutige Zusammenschau stammt aus mehreren Zeugnissen, nicht allein aus der Gewandbitte.
Auf Wereshnefers Sarg wird Raum daraus
Auf dem Sarkophagdeckel des Priesters Wereshnefer erklärt der Met-Katalog ein anderes Bildprogramm: Nut beugt sich als Himmel über eine runde Weltdarstellung; Schu stützt sie mit ausgestreckten Armen, während Geb die Erde bezeichnet. Der Sarg wurde etwa zwischen 380 und 300 v. Chr. hergestellt. Hier erhält Schus Körper eine räumliche Aufgabe im Bild einer Bestattung.
Die grobe äußere Ordnung ist auf dem historischen Foto erkennbar. Die einzelnen kleinen Figuren im abgenutzten Relief sind am Bildschirm nicht zuverlässig selbst zu identifizieren; Schus Benennung und Stellung folgen der kuratorischen Beschreibung. Das Sarkophagrelief und das Amulett benutzen eine verwandte Geste, ohne dass damit eine direkte Werkstattvorlage bewiesen wäre.
Schu in der späteren Weltdarstellung einordnen

Welche Arbeit leistet derselbe Name?
Im Spruch 171 wird Schu angesprochen; das Amulett macht eine stützende Geste tragbar; Wereshnefers Deckel ordnet mit ihr Himmel und Erde. Welche dieser Aussagen kannst du am Bild selbst erkennen, welche beruhen auf dem jeweils benannten Katalog?
Wenn sich zwei Bildgesten ähneln, ist ihre Bedeutung noch nicht automatisch identisch. Der konkrete Träger – Gewandspruch, Amulett oder Sarkophag – bestimmt mit, was Schu für die Beteiligten leisten soll.
Die Figur in ihren Quellen
Eine Gestalt, verschiedene Textrollen
Angerufener Name
Spruch 171 nennt Schu neben Tefnut in einer Gewandbitte.
Tragendes Amulett
Met 2021.41.38 erhält nur Arme, Scheibe und Oberkörper; die untere Pose fehlt.
Himmelsstütze im Weltbild
Met 14.7.1a,b identifiziert Schu als Stütze Nuts auf Wereshnefers Sarkophag.
Texte und ihre Zugänge
Werke, Fassungen und verwendete Zugänge
Überlieferter Text
Totenbuch, Spruch 171: Anlegen des reinen Gewandes
Eine Bitte um ein reines Gewand und Schutz, die zahlreiche Gottheiten namentlich anruft. Die Reihenfolge ist keine erzählte Genealogie oder Schöpfungsszene.
In zwei von Allen notierten Zeugen der 18. Dynastie; die moderne Spruchnummer ist eine Editionsordnung.
Sprache: Altägyptisch
Erhaltener Textzeuge
Totenbuchzeuge Cc der 18. Dynastie zu Spruch 171
Allens Textbasis für Spruch 171. Er nennt Ax als einzige Parallele und vermerkt für beide das Fehlen einer Vignette. Die Siglen werden hier nicht zu einer erfundenen Objektidentität ergänzt.
18. Dynastie laut Allens Anmerkung; genauer Träger hier nicht selbst untersucht.
Sprache: Altägyptisch, in Allens englischer Übersetzung erschlossen
Benutzte Ausgabe
Thomas George Allen, Book of the Dead, SAOC 37, Spruch 171
Gelesen wurden die Götteranrufung und die Fußnote zu Cc und Ax. Die Namensliste ist kein Beleg dafür, dass der konkrete Text eine Geburt der Götter erzählt.
Chicago 1974; gedruckte Seite 178 begrenzt gelesen am 30. September 2026.
Sprache: Englische Übersetzung eines altägyptischen Spruchs mit knapper Zeugenangabe
Welche Zeit ist gemeint?
- Allens Spruch 171 folgt einem Textzeugen der 18. Dynastie und hat nach seiner Fußnote keine Vignette.
- Das fragmentarische Fayenceamulett wird vom Met in die Spätzeit, etwa 664–332 v. Chr., datiert.
- Wereshnefers Sarkophag mit dem kosmographischen Deckel gehört etwa in die Zeit 380–300 v. Chr.
Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.
Der Weg zum Beleg
Quellen und Einordnung
- Überlieferung
- Schu in Totenbuchspruch 171, auf einem spätzeitlichen Fayenceamulett und in der Weltordnung auf Wereshnefers Sarkophag; keine vollständige Schu-Ikonografie
- Verwendeter Ausschnitt
- Allen 1974, Spruch 171, gedruckte S. 178; The Met 2021.41.38 und 14.7.1a,b als getrennte Objektzeugen.
- The Book of the Dead or Going Forth by Day: Spells 17 und 171
Thomas George Allen; Institute for the Study of Ancient Cultures, University of Chicago · 1974; antike Belege verschiedener Zeitlagen
Thomas George Allen, The Book of the Dead or Going Forth by Day, SAOC 37 (Chicago 1974): Spell 17, gedruckte S. 26–29, besonders S. 27 zu Re, Nun, Atum und textinternen Varianten; Spell 171, gedruckte S. 178, mit der Folge Atum, Schu/Tefnut, Geb/Nut und weiteren Gottheiten in einem Gewand-Spruch. Allens Anmerkung auf S. 178: Spell 171 beruht auf Zeuge Cc der 18. Dynastie; Ax ist die einzige genannte Parallele; beide ohne Vignette.
Allens 1974er Übersetzung und Variantenapparat sind eine moderne Edition, kein einzelner unvermittelter antiker Urtext; Spell 17 und Spell 171 gehören zu verschiedenen Formeln. Die Nennungsliste in Spell 171 ist keine ausformulierte Schöpfungserzählung. Die Publikation trägt CC BY-NC-ND 4.0: nur begrenzt paraphrasieren und zur offiziellen Ausgabe verlinken, keine Seiten öffentlich kopieren. Abgerufen am 2026-09-30.
- The Met 2021.41.38: fragmentarisches Schu-Amulett
The Metropolitan Museum of Art · Spätzeit, 664–332 v. Chr.; heutiger Sammlungskatalog
Met 2021.41.38: erhaltene obere Hälfte eines Schu-Amuletts aus Fayence, erhobene Arme und Sonnenscheibe; Katalog deutet die Pose als Tragen des Himmels; Public-Domain-Bild.
Die untere Körperhälfte fehlt. Die Katalogdeutung aus Vergleichsstücken ist nicht unmittelbar am Fragment sichtbar; das späte Amulett ist kein Bild aus der Frühzeit der Schöpfungstexte. Abgerufen am 2026-09-30.
- The Met 14.7.1a,b: Sarcophagus of Wereshnefer
The Metropolitan Museum of Art · Spaetzeit, etwa 380-300 v. Chr.; heutiger Sammlungskatalog
Met-Objektseite und API zu Wereshnefers Granodioritsarkophag gelesen: Amduat-Szenen am Kasten, Auslassung der achten Stunde in diesem Objekt, Nut und kosmographische Ringe am Kopf, Tageshimmel auf dem Deckel sowie Nutzung vormals koeniglicher funerärer Bildprogramme fuer einen privaten Priester. Datierung, Inventarnummer und Public-Domain-Status des API-Hauptbildes geprueft.
Ein spaetes Einzelobjekt, nicht das Urbild des Amduat und kein Beleg fuer eine universelle altägyptische Himmelskarte. Die fehlende achte Stunde betrifft diesen Sarkophag. Der digitale Katalog ersetzt keine eigene Lesung aller Hieroglyphen oder ikonographischen Details. Haupt- und zugeordnetes Zusatzfoto wurden einzeln geprueft; kleine Reliefs und die Stundenbilder sind darauf nicht sicher selbst lesbar. Abgerufen am 2026-09-30.
- Gods and goddesses in Ancient Egypt: creation
University College London, Digital Egypt for Universities · Institutionelle Digitalseite, 2002
Vollständige öffentliche Übersicht zu unterschiedlichen Schöpfungsmetaphern, Gruppierungen der Gottheiten, Osiris-Horus-Seth-Bezügen und ausdrücklicher Warnung vor einer einzigen kombinierten altägyptischen Gesamterzählung gelesen.
UCL synthetisiert viele Textsorten und Epochen; die Übersicht ist kein antiker Einzelzeuge. Konkrete Handlung nur aus jeweils einzeln benannten Texten oder Objekten ableiten, insbesondere Horusformen und Seths Sonnenbarkenrolle nicht aus der genealogischen Übersicht einebnen. Abgerufen am 2026-09-29.
Redaktion und Bearbeitungsstand
Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-30. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.
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