Zum Museumsinhalt
MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Schu: ein Name, erhobene Arme und der Himmel

Schu steht mit Tefnut in einer Totenbuchanrufung, erscheint auf einem fragmentarischen Fayenceamulett und stützt in einem späteren Sarkophagbild den Himmel. Die drei Zeugnisse geben ihm verschiedene Aufgaben und stammen nicht aus einer einzigen Szene.

4–5 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Was an diesem kleinen Amulett erhalten ist

Zwei Arme ragen nach oben, darüber sitzt eine runde Scheibe. Die blassgrüne Fayencefigur ist nur zur Hälfte erhalten. The Met katalogisiert sie als Schu-Amulett der Spätzeit und deutet die Haltung als Tragen des Himmels. Der untere Körperteil fehlt; die häufig ergänzte kniende Pose lässt sich an genau diesem Stück nicht unmittelbar sehen.

Ein Amulett wurde getragen oder am Körper befestigt. Es ist kein maßstäbliches Modell des Kosmos. Die kleine Figur verdichtet eine göttliche Handlung zu einer tragbaren Form. Dass sie Schu heißt, folgt der kuratorischen Identifikation des Objekts; das Foto allein zeigt keine hier selbst gelesene Namensinschrift.

Das Fragment im Originalfoto

Oberkörper eines blassgrünen Schu-Amuletts aus Fayence mit erhobenen Armen und runder Scheibe über dem Kopf; die untere Hälfte fehlt.
Fragmentarisches Schu-Amulett, The Met 2021.41.38, Spätzeit, 664–332 v. Chr.; Public Domain / CC0. Erhalten sind erhobene Arme und Scheibe. Die vermutete kniende Haltung erschließt der Met-Katalog aus Vergleichsstücken; die untere Hälfte fehlt. Bildnachweis Bildlizenz

Im Spruch wird Schu angerufen

Totenbuchspruch 171 beginnt mit Atum und nennt danach Schu zusammen mit Tefnut. Es folgen Geb und Nut und weitere Gottheiten. Die angesprochene Vielheit soll der verstorbenen Person ein reines Gewand und schützende Kraft geben. Der Text erzählt hier weder, wie Schu geboren wurde, noch wie er den Himmel anhob.

Allen übersetzt die Formel nach einem von ihm Cc genannten Zeugen der 18. Dynastie. Sein knapper Apparat nennt Ax als Parallele und für beide keine Vignette. Das viel spätere Fayenceamulett darf deshalb nicht als erhaltene Illustration gerade dieser Handschrift ausgegeben werden. UCL ordnet Schu in einer Schöpfungsbeziehung zu Atum und Tefnut ein; diese heutige Zusammenschau stammt aus mehreren Zeugnissen, nicht allein aus der Gewandbitte.

Auf Wereshnefers Sarg wird Raum daraus

Auf dem Sarkophagdeckel des Priesters Wereshnefer erklärt der Met-Katalog ein anderes Bildprogramm: Nut beugt sich als Himmel über eine runde Weltdarstellung; Schu stützt sie mit ausgestreckten Armen, während Geb die Erde bezeichnet. Der Sarg wurde etwa zwischen 380 und 300 v. Chr. hergestellt. Hier erhält Schus Körper eine räumliche Aufgabe im Bild einer Bestattung.

Die grobe äußere Ordnung ist auf dem historischen Foto erkennbar. Die einzelnen kleinen Figuren im abgenutzten Relief sind am Bildschirm nicht zuverlässig selbst zu identifizieren; Schus Benennung und Stellung folgen der kuratorischen Beschreibung. Das Sarkophagrelief und das Amulett benutzen eine verwandte Geste, ohne dass damit eine direkte Werkstattvorlage bewiesen wäre.

Schu in der späteren Weltdarstellung einordnen

Schwarzweissfoto der gerundeten Sarkophag-Kopfseite: Eine grosse gebogene Gestalt umrahmt mehrere konzentrische Bildringe; Relief und Inschrift sind stellenweise abgerieben.
Kopfpartie des Granodiorit-Sarkophagdeckels fuer Wereshnefer, etwa 380-300 v. Chr., The Met 14.7.1a,b, Public Domain / CC0. Der Katalog identifiziert die umrahmende Gestalt als Nut und die drei Ringe als Weltbild. Die Fotografie zeigt den erhaltenen, teils schwer lesbaren Befund; die folgende Erklaerung folgt der kuratorischen Beschreibung. Bildnachweis Bildlizenz

Welche Arbeit leistet derselbe Name?

Im Spruch 171 wird Schu angesprochen; das Amulett macht eine stützende Geste tragbar; Wereshnefers Deckel ordnet mit ihr Himmel und Erde. Welche dieser Aussagen kannst du am Bild selbst erkennen, welche beruhen auf dem jeweils benannten Katalog?

Wenn sich zwei Bildgesten ähneln, ist ihre Bedeutung noch nicht automatisch identisch. Der konkrete Träger – Gewandspruch, Amulett oder Sarkophag – bestimmt mit, was Schu für die Beteiligten leisten soll.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Angerufener Name
Spruch 171 nennt Schu neben Tefnut in einer Gewandbitte.

Tragendes Amulett
Met 2021.41.38 erhält nur Arme, Scheibe und Oberkörper; die untere Pose fehlt.

Himmelsstütze im Weltbild
Met 14.7.1a,b identifiziert Schu als Stütze Nuts auf Wereshnefers Sarkophag.

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Totenbuch, Spruch 171: Anlegen des reinen Gewandes

Eine Bitte um ein reines Gewand und Schutz, die zahlreiche Gottheiten namentlich anruft. Die Reihenfolge ist keine erzählte Genealogie oder Schöpfungsszene.

In zwei von Allen notierten Zeugen der 18. Dynastie; die moderne Spruchnummer ist eine Editionsordnung.

Sprache: Altägyptisch

Erhaltener Textzeuge

Totenbuchzeuge Cc der 18. Dynastie zu Spruch 171

Allens Textbasis für Spruch 171. Er nennt Ax als einzige Parallele und vermerkt für beide das Fehlen einer Vignette. Die Siglen werden hier nicht zu einer erfundenen Objektidentität ergänzt.

18. Dynastie laut Allens Anmerkung; genauer Träger hier nicht selbst untersucht.

Sprache: Altägyptisch, in Allens englischer Übersetzung erschlossen

Benutzte Ausgabe

Thomas George Allen, Book of the Dead, SAOC 37, Spruch 171

Gelesen wurden die Götteranrufung und die Fußnote zu Cc und Ax. Die Namensliste ist kein Beleg dafür, dass der konkrete Text eine Geburt der Götter erzählt.

Chicago 1974; gedruckte Seite 178 begrenzt gelesen am 30. September 2026.

Sprache: Englische Übersetzung eines altägyptischen Spruchs mit knapper Zeugenangabe

Welche Zeit ist gemeint?

  • Allens Spruch 171 folgt einem Textzeugen der 18. Dynastie und hat nach seiner Fußnote keine Vignette.
  • Das fragmentarische Fayenceamulett wird vom Met in die Spätzeit, etwa 664–332 v. Chr., datiert.
  • Wereshnefers Sarkophag mit dem kosmographischen Deckel gehört etwa in die Zeit 380–300 v. Chr.

Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Schu in Totenbuchspruch 171, auf einem spätzeitlichen Fayenceamulett und in der Weltordnung auf Wereshnefers Sarkophag; keine vollständige Schu-Ikonografie
Verwendeter Ausschnitt
Allen 1974, Spruch 171, gedruckte S. 178; The Met 2021.41.38 und 14.7.1a,b als getrennte Objektzeugen.
  1. The Book of the Dead or Going Forth by Day: Spells 17 und 171

    Thomas George Allen; Institute for the Study of Ancient Cultures, University of Chicago · 1974; antike Belege verschiedener Zeitlagen

    Thomas George Allen, The Book of the Dead or Going Forth by Day, SAOC 37 (Chicago 1974): Spell 17, gedruckte S. 26–29, besonders S. 27 zu Re, Nun, Atum und textinternen Varianten; Spell 171, gedruckte S. 178, mit der Folge Atum, Schu/Tefnut, Geb/Nut und weiteren Gottheiten in einem Gewand-Spruch. Allens Anmerkung auf S. 178: Spell 171 beruht auf Zeuge Cc der 18. Dynastie; Ax ist die einzige genannte Parallele; beide ohne Vignette.

    Allens 1974er Übersetzung und Variantenapparat sind eine moderne Edition, kein einzelner unvermittelter antiker Urtext; Spell 17 und Spell 171 gehören zu verschiedenen Formeln. Die Nennungsliste in Spell 171 ist keine ausformulierte Schöpfungserzählung. Die Publikation trägt CC BY-NC-ND 4.0: nur begrenzt paraphrasieren und zur offiziellen Ausgabe verlinken, keine Seiten öffentlich kopieren. Abgerufen am 2026-09-30.

  2. The Met 2021.41.38: fragmentarisches Schu-Amulett

    The Metropolitan Museum of Art · Spätzeit, 664–332 v. Chr.; heutiger Sammlungskatalog

    Met 2021.41.38: erhaltene obere Hälfte eines Schu-Amuletts aus Fayence, erhobene Arme und Sonnenscheibe; Katalog deutet die Pose als Tragen des Himmels; Public-Domain-Bild.

    Die untere Körperhälfte fehlt. Die Katalogdeutung aus Vergleichsstücken ist nicht unmittelbar am Fragment sichtbar; das späte Amulett ist kein Bild aus der Frühzeit der Schöpfungstexte. Abgerufen am 2026-09-30.

  3. The Met 14.7.1a,b: Sarcophagus of Wereshnefer

    The Metropolitan Museum of Art · Spaetzeit, etwa 380-300 v. Chr.; heutiger Sammlungskatalog

    Met-Objektseite und API zu Wereshnefers Granodioritsarkophag gelesen: Amduat-Szenen am Kasten, Auslassung der achten Stunde in diesem Objekt, Nut und kosmographische Ringe am Kopf, Tageshimmel auf dem Deckel sowie Nutzung vormals koeniglicher funerärer Bildprogramme fuer einen privaten Priester. Datierung, Inventarnummer und Public-Domain-Status des API-Hauptbildes geprueft.

    Ein spaetes Einzelobjekt, nicht das Urbild des Amduat und kein Beleg fuer eine universelle altägyptische Himmelskarte. Die fehlende achte Stunde betrifft diesen Sarkophag. Der digitale Katalog ersetzt keine eigene Lesung aller Hieroglyphen oder ikonographischen Details. Haupt- und zugeordnetes Zusatzfoto wurden einzeln geprueft; kleine Reliefs und die Stundenbilder sind darauf nicht sicher selbst lesbar. Abgerufen am 2026-09-30.

  4. Gods and goddesses in Ancient Egypt: creation

    University College London, Digital Egypt for Universities · Institutionelle Digitalseite, 2002

    Vollständige öffentliche Übersicht zu unterschiedlichen Schöpfungsmetaphern, Gruppierungen der Gottheiten, Osiris-Horus-Seth-Bezügen und ausdrücklicher Warnung vor einer einzigen kombinierten altägyptischen Gesamterzählung gelesen.

    UCL synthetisiert viele Textsorten und Epochen; die Übersicht ist kein antiker Einzelzeuge. Konkrete Handlung nur aus jeweils einzeln benannten Texten oder Objekten ableiten, insbesondere Horusformen und Seths Sonnenbarkenrolle nicht aus der genealogischen Übersicht einebnen. Abgerufen am 2026-09-29.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-30. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

Eine Korrektur oder ein kulturelles Anliegen melden · Bitte den Titel oder die Seitenadresse nennen.