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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Tefnut: genannt, verbunden, selten sicher zu sehen

Tefnut wird in einem Totenbuchspruch namentlich angerufen und steht in einem heutigen UCL-Überblick neben Schu am Anfang einer Schöpfungsordnung. Zwei Met-Objekte zeigen, wie vorsichtig Bildzuschreibungen sein müssen: Ein Ring gilt heute nicht als Schu/Tefnut-Bild, ein Stempel nennt Tefnut nur mit Fragezeichen.

4–5 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Ein Name in einer Bitte um Schutz

Spruch 171 des ägyptischen Totenbuchs ruft Tefnut ausdrücklich an, unmittelbar nach Schu und vor Geb und Nut. Die Reihe geht mit weiteren Gottheiten weiter. Ihr Zweck ist nicht eine Geburtserzählung: Die angesprochenen Mächte sollen der verstorbenen Person ein reines Gewand, Schutzkraft und Befreiung von Übel gewähren.

Thomas George Allen übersetzte die Formel nach einem von ihm Cc genannten Textzeugen der 18. Dynastie und nennt Ax als Parallele. Nach seiner Anmerkung besitzen beide keine Vignette. Die Namensstelle belegt also Tefnuts Beteiligung an dieser Anrufung. Sie liefert weder ein bestimmtes Tefnut-Bild noch eine vollständige Schöpfungsgeschichte.

Drei Zeugnisse, drei Sicherheiten

Zwei Quellenfelder: Spruch 171 nennt Tefnut; ein Ring wird heute anders gedeutet und ein Stempel nur fraglich benannt. Darunter steht, dass kein gesichertes Tefnut-Bild in diesem Paket vorliegt.
Heutige Quellenordnung, kein antikes Tefnut-Porträt. Allen, Spruch 171, nennt Tefnut; The Met verwirft die frühere Schu/Tefnut-Deutung des Rings 26.7.767, während 10.130.1299 Tefnut nur mit Fragezeichen nennt und ohne Katalogbild bleibt. Bildnachweis

Die Verbindung mit Schu ist größer als diese Textstelle

Der UCL-Überblick zu ägyptischen Schöpfungsvorstellungen stellt Tefnut und Schu als erste Ausfaltungen des Schöpfergottes vor. Anschließend nennt er Geb und Nut als das nächste Paar. In dieser heutigen Ordnung lassen sich Kräfte und Weltbereiche zueinander in Beziehung setzen. Der Überblick führt auch an, dass Tefnut in manchen Texten mit Maat, dem weiblich gefassten Rechten, verknüpft wird, während andere Darstellungen die weibliche Mitwirkung anders benennen.

Das ist kein Freibrief, Tefnut mit Maat, Hathor oder jeder Göttin ähnlicher Funktion gleichzusetzen. UCL warnt selbst vor einer einzigen altägyptischen Gesamterzählung. Wir benutzen die Übersicht als Wegweiser zu verstreuten Beziehungen; die tatsächlich gelesene Spruch-171-Fassung sagt hier nur die Namen und die Bitte.

Ein Ring verliert seine scheinbar sichere Identifikation

Ein goldener Ring aus Amarna wurde früher als Zeichenfolge mit Schu und Tefnut gedeutet. Die aktuelle Met-Beschreibung legt die Gründe für diese Lesart offen und prüft sie erneut: Die Zeichen seien für beide Gottheiten nicht charakteristisch; Krone, Königszeichen und weitere Details sprechen nach der kuratorischen Auswertung eher für die Königin Teje und Amenophis III. Die Katalogüberschrift sagt deshalb ausdrücklich nur, dass der Ring wahrscheinlich Teje gehörte.

Das Foto lässt die kleinen Zeichen auf der Ringschiene erkennen, aber nicht unabhängig hieroglyphisch überprüfen. Wir zeigen es gerade als Beispiel einer korrigierten Zuschreibung. Es ist kein Tefnut-Porträt und soll auch neben dieser Seite nicht als solches in Suchergebnissen oder Bildunterschriften erscheinen.

Der Ring als Gegenbeispiel, nicht als Porträt

Goldener Siegelring mit kleinen eingetieften Figuren und Zeichen; das Foto selbst sichert keine Darstellung von Schu oder Tefnut.
Fingerring, wahrscheinlich der Königin Teje, The Met 26.7.767, Neues Reich, etwa 1386–1330 v. Chr.; Public Domain / CC0. Die frühere Identifikation der Figuren als Schu und Tefnut wird vom aktuellen Met-Katalog verworfen. Dieses Bild ist ein Beispiel für die Grenze ikonografischer Zuschreibungen, kein Tefnut-Porträt. Bildnachweis Bildlizenz

Ein Fragezeichen bleibt ein Fragezeichen

The Met führt außerdem einen kleinen Bronzestempel aus der Spätzeit. Schon sein englischer Titel setzt hinter Tefnut ein Fragezeichen. Ein Katalogfoto ist dort nicht verfügbar. Die Existenz des Objekts belegt deshalb nicht, wie eine sicher bestimmte Tefnut auf diesem Stempel aussieht; wir können weder die Züge überprüfen noch ein fehlendes Bild ergänzen.

Für ein historisches Tefnut-Porträt braucht es einen eindeutig identifizierten, zugänglichen Bildzeugen und geprüfte Bildrechte. Bis dahin steht hier eine ausdrücklich moderne Quellengrafik. Sie macht die Grenze der vorhandenen Belege sichtbar, statt eine vermeintlich antike Darstellung zu erzeugen.

Wie sicher ist eine Figur im Bild?

Vergleiche drei Formulierungen: Tefnut wird im Gewandspruch namentlich angerufen; der Ring wurde einmal mit ihr verbunden, wird heute aber anders gelesen; der Stempel trägt eine fragliche Katalogbezeichnung ohne Bild. Welche davon würde eine Bildunterschrift Tefnut zeigen erlauben?

Wenn du die Antwort offenlassen musst, ist das kein Mangel der Darstellung. Eine vorsichtige Grenze verhindert, dass ein unsicheres Objekt zur scheinbar festen Vorstellung einer Gottheit wird.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Namentliche Anrufung
Spruch 171 nennt Tefnut nach Schu; keine Vignette bei den angegebenen Zeugen.

Schöpfungsbeziehung
UCL ordnet Tefnut mit Schu, Geb und Nut in einer ausdrücklich modernen Zusammenschau ein.

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Totenbuch, Spruch 171: Anlegen des reinen Gewandes

Eine Bitte um ein reines Gewand und Schutz, die zahlreiche Gottheiten namentlich anruft. Die Reihenfolge ist keine erzählte Genealogie oder Schöpfungsszene.

In zwei von Allen notierten Zeugen der 18. Dynastie; die moderne Spruchnummer ist eine Editionsordnung.

Sprache: Altägyptisch

Erhaltener Textzeuge

Totenbuchzeuge Cc der 18. Dynastie zu Spruch 171

Allens Textbasis für Spruch 171. Er nennt Ax als einzige Parallele und vermerkt für beide das Fehlen einer Vignette. Die Siglen werden hier nicht zu einer erfundenen Objektidentität ergänzt.

18. Dynastie laut Allens Anmerkung; genauer Träger hier nicht selbst untersucht.

Sprache: Altägyptisch, in Allens englischer Übersetzung erschlossen

Benutzte Ausgabe

Thomas George Allen, Book of the Dead, SAOC 37, Spruch 171

Gelesen wurden die Götteranrufung und die Fußnote zu Cc und Ax. Die Namensliste ist kein Beleg dafür, dass der konkrete Text eine Geburt der Götter erzählt.

Chicago 1974; gedruckte Seite 178 begrenzt gelesen am 30. September 2026.

Sprache: Englische Übersetzung eines altägyptischen Spruchs mit knapper Zeugenangabe

Welche Zeit ist gemeint?

  • Die von Allen für Spruch 171 herangezogenen Zeugen Cc und Ax werden der 18. Dynastie zugeschrieben; beide haben nach seiner Fußnote keine Vignette.
  • Der goldene Ring aus Amarna wird vom Met auf etwa 1386–1330 v. Chr. datiert; seine heutige Katalogdeutung sieht Teje und Amenophis III. statt Schu und Tefnut.
  • Der bronzene Kartuschenstempel wird in die Spätzeit, etwa 664–332 v. Chr., datiert; Tefnut erscheint nur als fragliche Identifikation im Titel.

Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Tefnut in Totenbuchspruch 171 und in einer vorsichtigen Zusammenschau ägyptischer Schöpfungsbeziehungen; Bildzuschreibungen zweier Met-Objekte als Grenzen, kein vollständiger Tefnut-Kult
Verwendeter Ausschnitt
Allen 1974, Totenbuchspruch 171, gedruckte S. 178; UCL Digital Egypt, The creator emerges; The Met 26.7.767 und 10.130.1299 als voneinander getrennte Bildzuschreibungsfälle.
  1. The Book of the Dead or Going Forth by Day: Spells 17 und 171

    Thomas George Allen; Institute for the Study of Ancient Cultures, University of Chicago · 1974; antike Belege verschiedener Zeitlagen

    Thomas George Allen, The Book of the Dead or Going Forth by Day, SAOC 37 (Chicago 1974): Spell 17, gedruckte S. 26–29, besonders S. 27 zu Re, Nun, Atum und textinternen Varianten; Spell 171, gedruckte S. 178, mit der Folge Atum, Schu/Tefnut, Geb/Nut und weiteren Gottheiten in einem Gewand-Spruch. Allens Anmerkung auf S. 178: Spell 171 beruht auf Zeuge Cc der 18. Dynastie; Ax ist die einzige genannte Parallele; beide ohne Vignette.

    Allens 1974er Übersetzung und Variantenapparat sind eine moderne Edition, kein einzelner unvermittelter antiker Urtext; Spell 17 und Spell 171 gehören zu verschiedenen Formeln. Die Nennungsliste in Spell 171 ist keine ausformulierte Schöpfungserzählung. Die Publikation trägt CC BY-NC-ND 4.0: nur begrenzt paraphrasieren und zur offiziellen Ausgabe verlinken, keine Seiten öffentlich kopieren. Abgerufen am 2026-09-30.

  2. Gods and goddesses in Ancient Egypt: creation

    University College London, Digital Egypt for Universities · Institutionelle Digitalseite, 2002

    Vollständige öffentliche Übersicht zu unterschiedlichen Schöpfungsmetaphern, Gruppierungen der Gottheiten, Osiris-Horus-Seth-Bezügen und ausdrücklicher Warnung vor einer einzigen kombinierten altägyptischen Gesamterzählung gelesen.

    UCL synthetisiert viele Textsorten und Epochen; die Übersicht ist kein antiker Einzelzeuge. Konkrete Handlung nur aus jeweils einzeln benannten Texten oder Objekten ableiten, insbesondere Horusformen und Seths Sonnenbarkenrolle nicht aus der genealogischen Übersicht einebnen. Abgerufen am 2026-09-29.

  3. The Met: Fingerring, wahrscheinlich der Königin Teje, ehemals als Schu/Tefnut gedeutet

    The Metropolitan Museum of Art · Neues Reich, etwa 1386–1330 v. Chr.; heutiger Sammlungskatalog

    Der Met-Katalog erläutert eine frühere Deutung der Ringfiguren als Schu und Tefnut und verwirft sie zugunsten einer Lesung als Teje, Geliebte Amenophis III.; Datierung und Public-Domain-Bildstatus.

    Der Ring darf nicht als gesicherte Darstellung Schus oder Tefnuts ausgestellt oder beschriftet werden. Die archivierte API enthält die korrigierende Katalogprosa nicht; sie wurde auf der offiziellen Objektseite gelesen. Abgerufen am 2026-09-30.

  4. The Met 10.130.1299: Kartuschenstempel mit Göttin (Tefnut?)

    The Metropolitan Museum of Art · Spätzeit, 664–332 v. Chr.; heutiger Sammlungskatalog

    Met 10.130.1299: bronzener Kartuschenstempel, dessen offizieller Titel die Göttin nur mit Fragezeichen als Tefnut identifiziert; Datierung und Inventarnummer.

    Keine gesicherte Tefnut-Bildidentifikation. Der Katalog bietet kein Bild und die API markiert keinen Public-Domain-Bilddatensatz; nur als Grenze der Zuschreibung verwenden. Abgerufen am 2026-09-30.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-30. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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