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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Atum: vom Schöpferwort zur Kobrastatuette

Eine Totenbuchformel erklärt schöpferische Aussagen mit wechselnden Namen: Re, Nun und Atum. Ein viel späteres Objekt zeigt Atum als menschenköpfige Kobra. Beides bezeugt die Gestalt, doch das kleine Kultbild illustriert nicht den Wortlaut der älteren Formel.

5–6 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Wer spricht, wenn ein Schöpfer von sich erzählt?

Am Anfang eines Abschnitts von Totenbuchspruch 17 steht ein Ich, das allein in der Urtiefe gewesen sein will und mit Re beim Beginn seiner Herrschaft verbunden wird. Die Formel erhält unmittelbar erklärende Fragen und Antworten: Ein aus sich selbst entstandener großer Gott wird einmal mit dem Urwasser beziehungsweise der Tiefe, in einer Variante mit Re erklärt. Eine andere Wendung wird mit Atum in seiner Sonnenscheibe erläutert, in einer Variante wieder mit Re beim Aufgang.

Diese Wechsel sind der Befund der von Thomas George Allen zusammengestellten Übersetzung und ihres Variantenapparats. Sie belegen keine Gleichung, in der jeder Name jederzeit dasselbe meint. Die Kommentare versuchen einzelne rätselhafte Aussagen zu deuten. Ob eine bestimmte Glosse in einer bestimmten Papyrusrolle zusammen mit einer anderen stand, lässt sich aus der hier gelesenen Druckseite allein nicht behaupten.

Ein Name in einer Beziehung, keine einzige Urszene

Der UCL-Überblick beschreibt Atum als einen Namen des Sonnengottes und erklärt den schöpferischen Zusammenhang als Entfaltung unterscheidbarer Kräfte. Er verbindet Atum mit Schu und Tefnut, später mit Geb und Nut. Derselbe Überblick warnt aber davor, die verstreuten Hinweise zu einer einzigen antiken Erzählung zusammenzusetzen. Er lässt auch offen, wann und wo die später sogenannte heliopolitanische Lehre genau entstand.

Für Atums Profil heißt das: Die genealogische Ordnung ist ein nützlicher Weg durch Beziehungen, kein unveränderter Lehrsatz aller Zeiten. Spruch 17 zeigt eine andere Textarbeit als eine lineare Geburtsszene: Er stellt eine Aussage über den Anfang auf und erklärt ihre Bilder mit mehreren Namen.

Atum auf einer kleinen Tiermumienbox

Frontalansicht einer kleinen grün patinierten menschenköpfigen Kobra auf einer länglichen bronzenen Tiermumienbox.
Als Atum katalogisierte menschenköpfige Kobra auf einer Tiermumienbox, The Met 04.2.519, Spätzeit bis Ptolemäerzeit, 664–30 v. Chr.; Public Domain / CC0. Das späte Objekt illustriert eine Erscheinungsform Atums, nicht den Wortlaut oder ein Bild der Schöpfungsformel. Bildnachweis Bildlizenz

Die späte Kobra hat eine eigene Aufgabe

Das frontal fotografierte Met-Objekt trägt auf einer länglichen Box eine kleine Kobra mit menschlichem Kopf. Der Museumskatalog benennt sie als Atum und datiert die Box in die Spätzeit bis Ptolemäerzeit, ungefähr 664 bis 30 v. Chr. Das Objekt war für eine Tiermumie bestimmt. Kopf und Schlangenkörper sind im Foto erkennbar; feine Einzelheiten und eine mögliche Inschrift werden hier nicht selbst gelesen.

Dieses Bild zeigt, dass Atum in einem konkreten späteren Objekt eine Kobraform erhalten konnte. Es zeigt weder den gesprochenen Wortlaut von Spruch 17 noch die erste Entstehung von Schu und Tefnut. Zwischen einer Totenbuchformel und einem Behältnis für eine Tiermumie liegen andere Materialien, Zwecke und Zeitlagen.

Die Liste in Spruch 171 ist eine Bitte

Ein anderer Totenbuchspruch ruft Atum, Schu, Tefnut, Geb und Nut am Beginn einer längeren Götterreihe an. Die betroffene Person erbittet ein reines Gewand, schützende Kraft und die Entfernung von Übel. Dass die Namen in einer vertrauten Folge stehen, macht die Formel nicht zu einer Erzählung ihrer Geburt. Auch Gottheiten jenseits der engeren Schöpfungsbeziehungen werden angerufen.

Allen stützt die gedruckte Fassung auf einen Zeugen der 18. Dynastie, den er Cc nennt, und verzeichnet Ax als Parallele. Nach seiner Anmerkung besitzt keiner der beiden eine Vignette. Die heutige Kobrastatuette ist deshalb kein verlorenes Bild zu genau diesem Spruch.

Was würde ein Bild hier beweisen?

Lies zuerst die Funktionen der drei Zeugnisse: Die Glossen zu Spruch 17 erklären Schöpfersprache, Spruch 171 bittet viele Gottheiten um Schutz, und die Met-Box gab einer Tiermumie eine konkrete Form. Welcher Satz über Atum ist jeweils direkt belegt?

Frage dann, was zusätzlich nötig wäre, um von einer bestimmten antiken Entstehungserzählung oder von einem Bild zu einer einzelnen Spruchhandschrift zu sprechen. Die Ähnlichkeit eines Namens ersetzt weder eine Textfassung noch die Herkunft eines Bildes.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Atum in den Glossen zu Spruch 17
Eine moderne Edition zeigt Varianten zu Re, Nun und Atum; keine Einzelhandschrift wird behauptet.

Menschenköpfige Kobra
Met 04.2.519, spätes Objekt auf einer Tiermumienbox, kein Bild der Textformel.

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Totenbuch, Spruch 17 in variierender Überlieferung

Die Spruchnummer bezeichnet einen überlieferten Textkomplex mit Erläuterungsvarianten. Die gelesene moderne Ausgabe ordnet mehrere Zeugen und Varianten zusammen.

Antike Textzeugen und Glossen aus verschiedenen Handschriften; hier kein einzelner Papyrus als Urfassung angesetzt.

Sprache: Altägyptisch

Benutzte Ausgabe

Thomas George Allen, Book of the Dead, SAOC 37, Spruch 17

Gelesen wurden gedruckte Seiten 26–29, besonders Seite 27 mit der Selbstaussage des Schöpfers und den Erklärungen zu Re, Nun und Atum. Die Ausgabe ist keine einzelne Papyrusrolle.

Chicago 1974; begrenzt gelesen am 30. September 2026.

Sprache: Englische Übersetzung und Variantenapparat altägyptischer Zeugnisse

Überlieferter Text

Totenbuch, Spruch 171: Anlegen des reinen Gewandes

Eine Bitte um ein reines Gewand und Schutz, die zahlreiche Gottheiten namentlich anruft. Die Reihenfolge ist keine erzählte Genealogie oder Schöpfungsszene.

In zwei von Allen notierten Zeugen der 18. Dynastie; die moderne Spruchnummer ist eine Editionsordnung.

Sprache: Altägyptisch

Erhaltener Textzeuge

Totenbuchzeuge Cc der 18. Dynastie zu Spruch 171

Allens Textbasis für Spruch 171. Er nennt Ax als einzige Parallele und vermerkt für beide das Fehlen einer Vignette. Die Siglen werden hier nicht zu einer erfundenen Objektidentität ergänzt.

18. Dynastie laut Allens Anmerkung; genauer Träger hier nicht selbst untersucht.

Sprache: Altägyptisch, in Allens englischer Übersetzung erschlossen

Benutzte Ausgabe

Thomas George Allen, Book of the Dead, SAOC 37, Spruch 171

Gelesen wurden die Götteranrufung und die Fußnote zu Cc und Ax. Die Namensliste ist kein Beleg dafür, dass der konkrete Text eine Geburt der Götter erzählt.

Chicago 1974; gedruckte Seite 178 begrenzt gelesen am 30. September 2026.

Sprache: Englische Übersetzung eines altägyptischen Spruchs mit knapper Zeugenangabe

Welche Zeit ist gemeint?

  • Allens Spruch 171 beruht auf dem von ihm Cc genannten Zeugen der 18. Dynastie; Ax ist die notierte Parallele. Beide haben nach seiner Fußnote keine Vignette.
  • Die als Atum katalogisierte menschenköpfige Kobra auf der Tiermumienbox wird auf etwa 664–30 v. Chr. datiert.
  • Allen veröffentlichte seine englische Übersetzung und den Variantenapparat 1974; seine Druckseite ist kein antiker Einzelzeuge.

Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Atum in den von Thomas George Allen edierten Totenbuchsprüchen 17 und 171 sowie auf einem spätzeitlichen bis ptolemäischen Met-Objekt; keine vollständige Geschichte seiner Verehrung
Verwendeter Ausschnitt
Thomas George Allen, The Book of the Dead or Going Forth by Day, SAOC 37 (1974), Spruch 17 auf gedruckter Seite 27 und Spruch 171 auf Seite 178; The Met 04.2.519 als separater später Objektzeuge.
  1. The Book of the Dead or Going Forth by Day: Spells 17 und 171

    Thomas George Allen; Institute for the Study of Ancient Cultures, University of Chicago · 1974; antike Belege verschiedener Zeitlagen

    Thomas George Allen, The Book of the Dead or Going Forth by Day, SAOC 37 (Chicago 1974): Spell 17, gedruckte S. 26–29, besonders S. 27 zu Re, Nun, Atum und textinternen Varianten; Spell 171, gedruckte S. 178, mit der Folge Atum, Schu/Tefnut, Geb/Nut und weiteren Gottheiten in einem Gewand-Spruch. Allens Anmerkung auf S. 178: Spell 171 beruht auf Zeuge Cc der 18. Dynastie; Ax ist die einzige genannte Parallele; beide ohne Vignette.

    Allens 1974er Übersetzung und Variantenapparat sind eine moderne Edition, kein einzelner unvermittelter antiker Urtext; Spell 17 und Spell 171 gehören zu verschiedenen Formeln. Die Nennungsliste in Spell 171 ist keine ausformulierte Schöpfungserzählung. Die Publikation trägt CC BY-NC-ND 4.0: nur begrenzt paraphrasieren und zur offiziellen Ausgabe verlinken, keine Seiten öffentlich kopieren. Abgerufen am 2026-09-30.

  2. The Met 04.2.519: Atum als menschenköpfige Kobra auf einer Tiermumienbox

    The Metropolitan Museum of Art · Spätzeit bis Ptolemäerzeit, 664–30 v. Chr.; heutiger Sammlungskatalog

    Met 04.2.519: als Atum katalogisierte menschenköpfige Kobra auf einer Tiermumienbox; Datierung, Material, Inventarnummer und Public-Domain-Status des Hauptbildes.

    Dieses späte Kultobjekt illustriert eine Erscheinungsform Atums. Es ist weder eine frühe Schöpfungsszene noch ein Beleg für den Wortlaut einer heliopolitanischen Entstehungsfolge. Abgerufen am 2026-09-30.

  3. Gods and goddesses in Ancient Egypt: creation

    University College London, Digital Egypt for Universities · Institutionelle Digitalseite, 2002

    Vollständige öffentliche Übersicht zu unterschiedlichen Schöpfungsmetaphern, Gruppierungen der Gottheiten, Osiris-Horus-Seth-Bezügen und ausdrücklicher Warnung vor einer einzigen kombinierten altägyptischen Gesamterzählung gelesen.

    UCL synthetisiert viele Textsorten und Epochen; die Übersicht ist kein antiker Einzelzeuge. Konkrete Handlung nur aus jeweils einzeln benannten Texten oder Objekten ableiten, insbesondere Horusformen und Seths Sonnenbarkenrolle nicht aus der genealogischen Übersicht einebnen. Abgerufen am 2026-09-29.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-30. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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