Einer trägt, was vierhundert nicht bewegen können
Zipacna ist der erste Sohn Vucub Caquix’. Er erklärt sich zum Schöpfer der Berge. Am Fluss trifft er vierhundert junge Männer, die einen großen Baum für ihr Haus fortbringen wollen. Sie schaffen es gemeinsam nicht. Zipacna bietet Hilfe an, lädt den Baum auf seine Schulter und trägt ihn zum Haus.
Die jungen Männer laden ihn zum Bleiben ein. Im anschließenden Rat wird seine Stärke jedoch zum Grund für einen Mordplan: Sie wollen ihn in eine tiefe Grube schicken und einen Baum auf ihn fallen lassen. In dieser Szene beginnt Zipacna nicht mit einem Angriff auf die Gruppe. Gerade seine Hilfe macht sichtbar, wie sehr seine Kraft sie beunruhigt.
Er gräbt sich seinen eigenen Ausweg
Unter dem Vorwand, erschöpft zu sein, bitten die jungen Männer Zipacna, ihre Grube zu vertiefen. Er steigt hinein, weiß aber, dass sie ihn töten wollen. Statt nur nach unten zu graben, schafft er seitlich einen zweiten Hohlraum. Dort kann er sich schützen.
Er ruft den anderen zu, dass er weit unten sei. Als sie den Baum hineinwerfen, lässt er nur einen einzigen Schrei hören. Die Gruppe deutet die Stille als Tod und beginnt eine Feier zu planen. Zipacna siegt hier zunächst durch Wissen und einen geschützten Ort; seine Kraft allein hätte den Anschlag nicht beantwortet.
Die Beweise sind echt – der Schluss daraus ist falsch
Die jungen Männer wollen sich ihrer Tat versichern. Ameisen tragen Haare und Nägel aus der Grube, und die Gruppe hält das für ein Zeichen der Verwesung. Tatsächlich hat Zipacna selbst die Haare abgeschnitten und seine Nägel mit den Zähnen abgetrennt. Er gibt sie den Ameisen und liefert damit die Beweise, auf die seine Gegner warten.
Am dritten Tag betrinken sich die jungen Männer. Zipacna stürzt ihr Haus über ihnen zusammen; keiner entkommt. Der vorangegangene Mordanschlag erklärt den Zusammenhang dieser Vergeltung, macht aber ihren vollständigen tödlichen Ausgang nicht harmlos. Die Erzählung verbindet gegenseitige Täuschung mit einer Gewalt, die sich steigert.
Danach wird berichtet, die vierhundert seien in eine Sternengruppe eingegangen. Brasseurs Ausgabe setzt eine erläuternde Benennung in Klammern und versieht den Bericht mit einem Vorbehalt. Daraus wird hier weder ein allgemeines Sternbilderregister aller Maya noch eine unabhängig bestätigte astronomische Identifikation.
Eine andere Falle lockt ihn mit Nahrung
Der Tod der vierhundert bewegt Hunahpu und Xbalanque dazu, Zipacna zu besiegen. Sie wissen, dass er am Fluss Fische und Krebse sucht. Sie bauen einen großen künstlichen Krebs aus verschiedenen Bestandteilen und einem steinernen Panzer. Brasseurs französischer Text nennt ihn écrevisse, also Flusskrebs; die Szene ist keine Beschreibung einer tatsächlich bestimmten Tierart.
Zipacna hat nach seiner Aussage seit zwei Tagen nichts gegessen. Die Brüder erzählen von dem angeblich gefährlichen Tier in einer Schlucht und geben vor, aus Angst nicht zurückkehren zu wollen. Zipacna bittet sie, ihm den Weg zu zeigen, und bietet Kenntnis guter Vogeljagdstellen an. Sie lassen sich scheinbar überreden. Sein Hunger und ihre gespielte Furcht führen ihn dorthin, wo sie ihn haben wollen.
Der Bergschöpfer bleibt unter einem Berg
In der Schlucht liegt der Köder so, dass Zipacna sich flach hineinzwängen muss. Beim ersten Versuch zieht er sich zurück, dann versucht er es erneut. Als fast sein ganzer Körper verborgen ist, stürzt der große Berg über seine Brust. Er kehrt nicht zurück und wird zu Stein.
Die Erzählung nennt den Berg Meavan. Diese Seite folgt dem benannten Erzählort, ohne aus den historischen Erläuterungen eine heutige geografische Rekonstruktion zu machen. Auch das Wunder wird nicht in eine angebliche Bergbautechnik übersetzt.
Der Kontrast ist präzise: Ein Wesen, das Berge trägt und ihre Schöpfung für sich beansprucht, wird von einem Berg festgehalten. Doch bis dahin war Zipacna auch ein hilfreicher Träger und ein Ziel eines Mordversuchs. Sein Profil bewahrt diese Reihenfolge, statt ihn allein aus der Perspektive der späteren Sieger zu beschreiben.
Die Figur in ihren Quellen
Zipacna
Einer trägt, was vierhundert nicht bewegen können
Französische Druckseite 47
Er gräbt sich seinen eigenen Ausweg
Französische Druckseiten 49–51
Die Beweise sind echt – der Schluss daraus ist falsch
Französische Druckseiten 51–53, besonders 53 mit Anmerkung 2
Eine andere Falle lockt ihn mit Nahrung
Französische Druckseiten 55–57
Der Bergschöpfer bleibt unter einem Berg
Französische Druckseiten 55–59, besonders 59
Texte und ihre Zugänge
Werke, Fassungen und verwendete Zugänge
Überlieferter Text
Popol Wuj / Popol Vuh
Werkebene der K’iche’-Überlieferung. Die erhaltene Niederschrift und eine moderne Ausgabe sind separate Datensätze.
Überlieferter Text; kein einzelnes Datum für die Entstehung sämtlicher Erzählstoffe angesetzt.
Sprache: K’iche’
Benutzte Ausgabe
Popol Vuh: Zipacna und die vierhundert jungen Männer
Nur dieser benannte Erzählabschnitt. Keine eigene K’iche’-Übersetzung, moderne Tier- oder Pflanzenbestimmung, historische Landschaftsrekonstruktion oder vollständiges Sternbilderinventar.
1861; französische ungerade Druckseiten 47–59, PDF-Seiten 343–355, jeweils ungerade.
Sprache: Französisch nach K’iche’
Der Weg zum Beleg
Quellen und Einordnung
- Überlieferung
- Popol Wuj in der historischen französischen Übersetzung der K’iche’-Überlieferung.
- Verwendeter Ausschnitt
- Brasseur de Bourbourg 1861: benannte französische ungerade Druckseiten 33–67.
- Popol Vuh: Zipacna und die vierhundert jungen Männer
Brasseur de Bourbourg, französische Übersetzung · 1861
Französische ungerade Druckseiten 47–59 vollständig einschließlich der dortigen Anmerkungen; PDF-Seiten 343–355, jeweils ungerade.
Nur dieser benannte französische Erzählabschnitt. Kein eigener K’iche’-Vergleich, historische Realgeografie oder vollständiges Sternbilderinventar; koloniale ethnische Bewertungen und Religionsgleichsetzungen nicht übernommen. Abgerufen am 2026-10-01.
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Brasseur de Bourbourg, französische Übersetzung · 1861
Französische ungerade Druckseiten 33–45 und 61–67; PDF-Seiten 329–341 und 357–363, jeweils ungerade.
Nur die zwei benannten französischen Fenster, keine gesamte erste Partie. K’iche’-Paralleltext nicht übersetzt oder kollationiert; alte ethnische Wertungen und Geschichtsspekulationen nicht übernommen. Abgerufen am 2026-10-01.
Redaktion und Bearbeitungsstand
Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-01. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.
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