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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Sisyphos: derselbe Stein, verschiedene Fragen

Sisyphos erreicht fast den Gipfel, dann rollt der Stein zurück. Die Odyssee zeigt seine Arbeit, die Bibliotheke begründet sie. Camus macht den Rückweg zur philosophischen Frage.

4–5 Minuten Lesezeit

Odysseus sieht die Arbeit

In der Odyssee erzählt Odysseus, dass er Sisyphos in der Unterwelt gesehen hat. Der Mann stemmt einen ungeheuren Stein mit Händen und Füßen gegen den Hang. Kurz bevor er ihn über den Gipfel bringt, drängt das Gewicht zurück. Der Stein rollt wieder in die Ebene; Sisyphos setzt erneut an. Schweiß fließt von seinem Körper, Staub steigt über seinem Kopf auf.

Der kurze Abschnitt macht das vergebliche Ende einer großen Anstrengung sichtbar. Er erzählt aber kein vorausgehendes Gericht und sagt hier nicht, welches Vergehen bestraft wird. Auch eine Rede des Sisyphos oder sein eigener Gedankengang fehlt. Die körperliche Qual ist im Text deutlich; jede genaue Erklärung seines inneren Zustands müsste aus einer anderen Quelle kommen.

Die Bibliotheke erzählt einen Verrat

Die Bibliotheke nennt Sisyphos einen Sohn des Aiolos, Gründer von Ephyra, dem späteren Korinth, und Ehemann der Merope. Ihr Sohn Glaukos gehört in dieser Genealogie zur Vorgeschichte Bellerophons. Glaukos ist hier ein Familienglied; dieser Name verbindet ihn nicht automatisch mit dem anders erzählten Meergott.

Als Grund für den Stein nennt der Text Aigina. Zeus hat Asopos’ Tochter heimlich entführt. Sisyphos verrät dem suchenden Vater, wer dahintersteckt. Die Strafe erhält dadurch eine konkrete Vorgeschichte: Ein Mensch legt ein göttliches Geheimnis offen. In diesem Absatz verlangt er dafür kein Wasser, fesselt nicht den Tod und überlistet nicht die Unterwelt. Solche anderswo erzählten Vorgänge dürfen die kurze Begründung ergänzen, wenn ihre eigenen Quellen genannt werden; sie stehen nicht bereits alle hier.

Camus betrachtet den Rückweg

Albert Camus veröffentlicht 1942 seinen philosophischen Essay Le Mythe de Sisyphe. Im hier gelesenen englischen Kapitel interessiert ihn besonders der Abstieg, nachdem der Stein zurückgerollt ist. In dieser Pause wird Sisyphos seine Lage bewusst. Camus deutet Klarheit und Auflehnung als eine Form der Aneignung: Die Aufgabe bleibt bestehen, doch der Mensch betrachtet sein Schicksal als das eigene.

Der Schluss fordert dazu auf, sich Sisyphos glücklich vorzustellen. Das ist ein moderner philosophischer Vorschlag, keine in der Odyssee überlieferte Aussage des Leidenden. Camus lässt den Stein weiterrollen und unterscheidet Freude von der Behauptung, Glück folge notwendig aus dem Absurden. Seine Deutung hebt die Strafe nicht durch ein neues Götterurteil auf. Sie verschiebt die Frage von der Ursache der Qual zu einer möglichen Haltung gegenüber ihr.

Drei Ebenen bleiben sichtbar

Die gelesenen Texte lassen sich deshalb nicht einfach zu einer einzigen Szene zusammenschieben. Odysseus berichtet von einem Körper bei der Arbeit. Die Bibliotheke erzählt einen Grund für dessen Strafe. Der moderne Essay erprobt eine Deutung dieses Bildes. Wer die verschiedenen Fragen offenhält, kann dieselbe Figur wiedererkennen, ohne die spätere Philosophie in das alte Epos zurückzuschreiben.

Auch die bekannte Nähe zu Tantalos ist zunächst eine Nähe im Unterweltsbericht: Beide werden nacheinander gesehen, doch ihre Aufgaben sind verschieden. Bellerophon führt dagegen über die in der Bibliotheke genannte Familie aus dem Strafbild heraus. Solche Verbindungen eröffnen neue Wege durch das Museum; sie ersetzen keine einzelne Erzählfassung.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Odysseus sieht die Arbeit
Odyssee 11, 593–600

Die Bibliotheke erzählt einen Verrat
Bibliotheke 1.9.3

Camus betrachtet den Rückweg
Camus-Seite: Einleitung und SOURCES; Angebotener Kapiteltext: Rückweg und Schluss

Drei Ebenen bleiben sichtbar
Odyssee 11, 582–600; Bibliotheke 1.9.3

Belegte Beziehungen

  • Großvater des Bellerophon: BellerophonBelege [2] : Bibliotheke 1.9.3; Glaukos als Zwischenglied.

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Bibliotheke des Pseudo-Apollodor

Werkbezeichnung für die mythographische Sammlung. In diesem Museum sind nur ausgewählte Ausschnitte erschlossen; die einzelnen Editionsdatensätze benennen die tatsächlich gelesenen Stellen.

Antike mythographische Zusammenstellung; genaue Entstehungszeit und Autorschaft aus dieser Lektüre nicht bestimmt.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Bibliotheke: Sisyphos, Familie und verratenes Geheimnis

Historische englische Übersetzung; nur das im Nachweis bezeichnete Fenster gelesen. Keine eigene Kollation des altgriechischen Textes.

1921; Bibliotheke 1.9.3 vollständig, vor 1.9.4; englischer Text und Übersetzungsangabe, keine verlinkten Anmerkungen.

Sprache: Englisch nach Altgriechisch

Überlieferter Text

Homerische Odyssee

Erzählwerk; nur ausdrücklich benannte Ausschnitte gelesen, kein vollständig erschlossenes Korpus.

Werkebene; hier keine exakte Datierung festgelegt.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Odyssee: zwei verschiedene Unterweltsqualen

Historische englische Übersetzung; nur das im Nachweis bezeichnete Fenster gelesen. Keine eigene Kollation des altgriechischen Textes.

Historische englische Übersetzung; Odyssee 11,582–600 vollständig: Absätze 582 und 593 bis vor 601. Übersetzerangabe gelesen, keine ganze Unterweltsreise.

Sprache: Englisch nach Altgriechisch

Überlieferter Text

Albert Camus: Le Mythe de Sisyphe

Modernes philosophisches Werk. Hier nur ein angebotenes englisches Kapitel gelesen, kein vollständiger Essay oder französischer Originaltext.

Essay1942; belegt durch den bibliografischen Eintrag des University-of-Utah-Archivs.

Sprache: Französisch

Benutzte Ausgabe

Camus: Sisyphos beim Rückweg zum Stein

Englischer Onlineauszug ohne benannten Übersetzer; nur dieses Kapitel gelesen, nicht das ganze Buch.

Moderner Essay; Onlineauszug ohne Editionsjahr; Gesamter auf dbanach.com angebotener englischer Kapitel-/Auszugtext The Myth of Sisyphus vom Götterurteil bis Schlusssatz vollständig. Nicht gesamtes Buch, französischer Originaltext oder gesicherte Ausgabe/Übersetzeridentität.

Sprache: Englisch nach Französisch

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Benannte griechische Textfassungen; moderne philosophische Rezeption bei Camus gesondert.
Verwendeter Ausschnitt
Odyssee 11, 593–600; Bibliotheke 1.9.3 und Camus als getrennte Ebenen.
  1. Odyssee: zwei verschiedene Unterweltsqualen

    Homer; A. T. Murray · Historische englische Übersetzung

    Odyssee 11,582–600 vollständig: Absätze 582 und 593 bis vor 601. Übersetzerangabe gelesen, keine ganze Unterweltsreise.

    Der Nachweis gilt für den angegebenen Ausschnitt in historischer englischer Übersetzung; er erschließt nicht das gesamte Werk. Abgerufen am 2026-10-01.

  2. Bibliotheke: Sisyphos, Familie und verratenes Geheimnis

    Pseudo-Apollodor; J. G. Frazer · 1921

    Bibliotheke 1.9.3 vollständig, vor 1.9.4; englischer Text und Übersetzungsangabe, keine verlinkten Anmerkungen.

    Der Nachweis gilt für den angegebenen Ausschnitt in historischer englischer Übersetzung; er erschließt nicht das gesamte Werk. Die verlinkten Übersetzeranmerkungen sind nicht Teil dieses Nachweises. Abgerufen am 2026-10-01.

  3. Camus: Werkdatum und editorischer Herkunftsnachweis

    The Ethics of Suicide Digital Archive; University of Utah · 2015

    Nur Einleitung und SOURCES-Block der Camus-Seite vollständig; folgende Camus-/Notebooks-Auszüge nicht vollständig gelesen.

    Bibliografischer Nachweis zu Werkdatum und ausgewählten Ausgaben. Daraus lässt sich die Übersetzeridentität des gesondert verlinkten Kapiteltextes nicht ableiten. Abgerufen am 2026-10-01.

  4. Camus: Sisyphos beim Rückweg zum Stein

    Albert Camus; englische Übersetzung ohne dort benannten Übersetzer · Moderner Essay; Onlineauszug ohne Editionsjahr

    Gesamter auf dbanach.com angebotener englischer Kapitel-/Auszugtext The Myth of Sisyphus vom Götterurteil bis Schlusssatz vollständig. Nicht gesamtes Buch, französischer Originaltext oder gesicherte Ausgabe/Übersetzeridentität.

    Moderner philosophischer Auszug, keine antike Erzählfassung. Die Seite benennt weder Übersetzer noch genaue Ausgabe; der französische Originaltext ist hier nicht Gegenstand des Nachweises. Abgerufen am 2026-10-01.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-01. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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