Wasser und Früchte weichen zurück
Odysseus sieht Tantalos in einem Wasserbecken stehen, das ihm fast bis zum Kinn reicht. Der Durstige kann trotzdem nicht trinken: Sobald er sich hinunterbeugt, verschwindet das Wasser, und dunkler Boden erscheint. Der Erzähler schreibt das Austrocknen einem Gott zu, ohne diesen hier zu benennen.
Über dem Mann hängen Birnen, Granatäpfel, Äpfel, Feigen und Oliven. Wenn er nach ihnen greift, trägt ein Wind die Früchte hinauf. Wasser und Nahrung fehlen also nicht einfach. Sie sind unmittelbar erreichbar und werden beim Versuch des Zugriffs entzogen. Der Abschnitt schildert diese Qual; eine vorangegangene Mahlzeit, eine Verurteilung oder einen Stein über Tantalos erzählt er nicht.
Die Epitome nennt mehr als eine Begründung
Die Epitome verbindet die unerreichbare Nahrung mit einem zusätzlichen Stein, der über Tantalos droht. Anschließend markiert sie ihre Erklärung als Aussage einiger Erzähler: Er habe göttliche Geheimnisse unter Menschen ausgeplaudert und versucht, Ambrosia mit seinen Gefährten zu teilen.
Damit erhalten die Götterbeziehungen eine Grenze. Was Tantalos in ihrer Nähe zugänglich war, durfte nach dieser Begründung nicht einfach weitergegeben werden. Der Text sagt nicht, dass jeder Unterweltsleidende wegen desselben Fehlers bestraft wird. Auch die später folgende Pelopsmahlzeit ist in diesem Absatz nicht ausdrücklich die Ursache aller Qualen. Die Formulierung „einige sagen“ bleibt Teil des Befunds.
Pindar erzählt von missbrauchter Gunst
Pindars erste Olympische Ode stellt Tantalos zunächst als besonders geehrten Menschen vor. Er kann sein Glück nicht angemessen tragen. Der Dichter verbindet sein Elend und den über ihm hängenden Stein mit gestohlenem Nektar und Ambrosia, die er seinen Gefährten bei einem Fest gibt. Die Nähe zu den Unsterblichen schützt ihn in dieser Erzählung nicht vor den Folgen des Übergriffs.
Der Sohn Pelops gehört ebenfalls in dieses Lied. Gerade seine Geschichte gestaltet Pindar ausdrücklich gegen andere Erzähler: Die Behauptung, Götter hätten den zerkochten Sohn gegessen, weist er zurück. Wer aus jeder Fassung dieselbe grausame Göttermahlzeit und daraus automatisch dieselbe Tantalosstrafe macht, beseitigt den Widerspruch, den der Dichter selbst hervorhebt.
Nachbarfiguren sind keine gleiche Strafe
Tantalos und Sisyphos stehen im selben Unterweltsbericht, doch der eine erreicht Nahrung nicht, während der andere seinen Stein nicht dauerhaft auf den Gipfel bringt. Die Gemeinsamkeit liegt im wiederholten Scheitern eines nahen Ziels. Die einzelnen Handlungen und späteren Strafbegründungen bleiben verschieden.
Pelops eröffnet einen anderen Zugang: Im Siegeslied führt die Erzählung von Tantalos’ Sohn zur Wettfahrt, zum Grab und zu den Olympischen Spielen. Tantalos ist dort nicht nur ein isoliertes Schreckensbild, sondern Teil einer Familien- und Gunstgeschichte. Eine Museumskarte der Verwandtschaft kann diese Verbindung zeigen; sie darf nicht alle Texte in eine einzige widerspruchsfreie Biografie verwandeln.
Die Figur in ihren Quellen
Eine Gestalt, verschiedene Textrollen
Wasser und Früchte weichen zurück
Odyssee 11, 582–592
Die Epitome nennt mehr als eine Begründung
Epitome 2.1
Pindar erzählt von missbrauchter Gunst
Olympische Ode 1: Tantalos- und Pelopsabschnitte
Nachbarfiguren sind keine gleiche Strafe
Odyssee 11, 582–600; Olympische Ode 1: Pelopsfolge und Liedschluss
Belegte Beziehungen
Texte und ihre Zugänge
Werke, Fassungen und verwendete Zugänge
Überlieferter Text
Epitome zur Bibliotheke des Pseudo-Apollodor
Die Epitome wird von den hier benutzten Bibliothekeabschnitten unterschieden. Nur benannte Fenster der englischen Ausgabe gelesen, kein vollständiges Werk erschlossen.
Überlieferter Auszug; keine eigene Datierungs- oder Handschriftenprüfung.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Epitome: Tantalos und Pelops mit Myrtilos
Historische englische Übersetzung; nur das im Nachweis bezeichnete Fenster gelesen. Keine eigene Kollation des altgriechischen Textes.
1921; Bibliotheke Epitome 2.1–9 vollständig, vor 2.10; englischer Text und Übersetzungsangabe, keine verlinkten Anmerkungen.
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Überlieferter Text
Homerische Odyssee
Erzählwerk; nur ausdrücklich benannte Ausschnitte gelesen, kein vollständig erschlossenes Korpus.
Werkebene; hier keine exakte Datierung festgelegt.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Odyssee: zwei verschiedene Unterweltsqualen
Historische englische Übersetzung; nur das im Nachweis bezeichnete Fenster gelesen. Keine eigene Kollation des altgriechischen Textes.
Historische englische Übersetzung; Odyssee 11,582–600 vollständig: Absätze 582 und 593 bis vor 601. Übersetzerangabe gelesen, keine ganze Unterweltsreise.
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Überlieferter Text
Pindar: erste Olympische Ode
Pelops- und Tantaloserzählung im Zusammenhang eines Siegesliedes; erste Ode als eigenes Werk innerhalb der Olympischen Oden.
Antikes Siegeslied für Hieron; kein präzises Entstehungsjahr aus Myers’ Vorspann übernommen.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Pindar: Pelops und eine ausdrücklich korrigierte Geschichte
Historische englische Übersetzung; nur das im Nachweis bezeichnete Fenster gelesen. Keine eigene Kollation des altgriechischen Textes.
1904; erste Ausgabe 1874; Olympische Ode 1 vollständig einschließlich Myers-Vorspann und Fußnoten 1–7; kein Altgriechisch. Titelblatt1904/erste Ausgabe 1874 tatsächlich gelesen.
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Der Weg zum Beleg
Quellen und Einordnung
- Überlieferung
- Benannte griechische Textfassungen.
- Verwendeter Ausschnitt
- Odyssee 11, 582–592; Epitome 2.1 und Pindars erste Olympische Ode als eigene Fassungen.
- Odyssee: zwei verschiedene Unterweltsqualen
Homer; A. T. Murray · Historische englische Übersetzung
Odyssee 11,582–600 vollständig: Absätze 582 und 593 bis vor 601. Übersetzerangabe gelesen, keine ganze Unterweltsreise.
Der Nachweis gilt für den angegebenen Ausschnitt in historischer englischer Übersetzung; er erschließt nicht das gesamte Werk. Abgerufen am 2026-10-01.
- Epitome: Tantalos und Pelops mit Myrtilos
Pseudo-Apollodor; J. G. Frazer · 1921
Bibliotheke Epitome 2.1–9 vollständig, vor 2.10; englischer Text und Übersetzungsangabe, keine verlinkten Anmerkungen.
Der Nachweis gilt für den angegebenen Ausschnitt in historischer englischer Übersetzung; er erschließt nicht das gesamte Werk. Die verlinkten Übersetzeranmerkungen sind nicht Teil dieses Nachweises. Abgerufen am 2026-10-01.
- Pindar: Pelops und eine ausdrücklich korrigierte Geschichte
Pindar; Ernest Myers · 1904; erste Ausgabe 1874
Olympische Ode 1 vollständig einschließlich Myers-Vorspann und Fußnoten 1–7; kein Altgriechisch. Titelblatt 1904 / erste Ausgabe 1874 tatsächlich gelesen.
Der Nachweis gilt für den angegebenen Ausschnitt in historischer englischer Übersetzung; er erschließt nicht das gesamte Werk. Abgerufen am 2026-10-01.
Redaktion und Bearbeitungsstand
Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-01. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.
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