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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Tantalos: Nähe zu den Göttern, unerreichbare Nahrung

Wasser und Früchte sind zum Greifen nah und entziehen sich. Andere Texte stellen einen drohenden Stein und missbrauchte göttliche Gunst daneben. Nicht jede Fassung nennt denselben Grund.

4 Minuten Lesezeit

Wasser und Früchte weichen zurück

Odysseus sieht Tantalos in einem Wasserbecken stehen, das ihm fast bis zum Kinn reicht. Der Durstige kann trotzdem nicht trinken: Sobald er sich hinunterbeugt, verschwindet das Wasser, und dunkler Boden erscheint. Der Erzähler schreibt das Austrocknen einem Gott zu, ohne diesen hier zu benennen.

Über dem Mann hängen Birnen, Granatäpfel, Äpfel, Feigen und Oliven. Wenn er nach ihnen greift, trägt ein Wind die Früchte hinauf. Wasser und Nahrung fehlen also nicht einfach. Sie sind unmittelbar erreichbar und werden beim Versuch des Zugriffs entzogen. Der Abschnitt schildert diese Qual; eine vorangegangene Mahlzeit, eine Verurteilung oder einen Stein über Tantalos erzählt er nicht.

Die Epitome nennt mehr als eine Begründung

Die Epitome verbindet die unerreichbare Nahrung mit einem zusätzlichen Stein, der über Tantalos droht. Anschließend markiert sie ihre Erklärung als Aussage einiger Erzähler: Er habe göttliche Geheimnisse unter Menschen ausgeplaudert und versucht, Ambrosia mit seinen Gefährten zu teilen.

Damit erhalten die Götterbeziehungen eine Grenze. Was Tantalos in ihrer Nähe zugänglich war, durfte nach dieser Begründung nicht einfach weitergegeben werden. Der Text sagt nicht, dass jeder Unterweltsleidende wegen desselben Fehlers bestraft wird. Auch die später folgende Pelopsmahlzeit ist in diesem Absatz nicht ausdrücklich die Ursache aller Qualen. Die Formulierung „einige sagen“ bleibt Teil des Befunds.

Nachlesen: [2] Epitome 2.1

Pindar erzählt von missbrauchter Gunst

Pindars erste Olympische Ode stellt Tantalos zunächst als besonders geehrten Menschen vor. Er kann sein Glück nicht angemessen tragen. Der Dichter verbindet sein Elend und den über ihm hängenden Stein mit gestohlenem Nektar und Ambrosia, die er seinen Gefährten bei einem Fest gibt. Die Nähe zu den Unsterblichen schützt ihn in dieser Erzählung nicht vor den Folgen des Übergriffs.

Der Sohn Pelops gehört ebenfalls in dieses Lied. Gerade seine Geschichte gestaltet Pindar ausdrücklich gegen andere Erzähler: Die Behauptung, Götter hätten den zerkochten Sohn gegessen, weist er zurück. Wer aus jeder Fassung dieselbe grausame Göttermahlzeit und daraus automatisch dieselbe Tantalosstrafe macht, beseitigt den Widerspruch, den der Dichter selbst hervorhebt.

Nachbarfiguren sind keine gleiche Strafe

Tantalos und Sisyphos stehen im selben Unterweltsbericht, doch der eine erreicht Nahrung nicht, während der andere seinen Stein nicht dauerhaft auf den Gipfel bringt. Die Gemeinsamkeit liegt im wiederholten Scheitern eines nahen Ziels. Die einzelnen Handlungen und späteren Strafbegründungen bleiben verschieden.

Pelops eröffnet einen anderen Zugang: Im Siegeslied führt die Erzählung von Tantalos’ Sohn zur Wettfahrt, zum Grab und zu den Olympischen Spielen. Tantalos ist dort nicht nur ein isoliertes Schreckensbild, sondern Teil einer Familien- und Gunstgeschichte. Eine Museumskarte der Verwandtschaft kann diese Verbindung zeigen; sie darf nicht alle Texte in eine einzige widerspruchsfreie Biografie verwandeln.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Wasser und Früchte weichen zurück
Odyssee 11, 582–592

Die Epitome nennt mehr als eine Begründung
Epitome 2.1

Pindar erzählt von missbrauchter Gunst
Olympische Ode 1: Tantalos- und Pelopsabschnitte

Nachbarfiguren sind keine gleiche Strafe
Odyssee 11, 582–600; Olympische Ode 1: Pelopsfolge und Liedschluss

Belegte Beziehungen

  • Vater des Pelops: PelopsBelege [3] : Olympische Ode 1; Vater-/Sohnfolge innerhalb dieser Fassung.

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Epitome zur Bibliotheke des Pseudo-Apollodor

Die Epitome wird von den hier benutzten Bibliothekeabschnitten unterschieden. Nur benannte Fenster der englischen Ausgabe gelesen, kein vollständiges Werk erschlossen.

Überlieferter Auszug; keine eigene Datierungs- oder Handschriftenprüfung.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Epitome: Tantalos und Pelops mit Myrtilos

Historische englische Übersetzung; nur das im Nachweis bezeichnete Fenster gelesen. Keine eigene Kollation des altgriechischen Textes.

1921; Bibliotheke Epitome 2.1–9 vollständig, vor 2.10; englischer Text und Übersetzungsangabe, keine verlinkten Anmerkungen.

Sprache: Englisch nach Altgriechisch

Überlieferter Text

Homerische Odyssee

Erzählwerk; nur ausdrücklich benannte Ausschnitte gelesen, kein vollständig erschlossenes Korpus.

Werkebene; hier keine exakte Datierung festgelegt.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Odyssee: zwei verschiedene Unterweltsqualen

Historische englische Übersetzung; nur das im Nachweis bezeichnete Fenster gelesen. Keine eigene Kollation des altgriechischen Textes.

Historische englische Übersetzung; Odyssee 11,582–600 vollständig: Absätze 582 und 593 bis vor 601. Übersetzerangabe gelesen, keine ganze Unterweltsreise.

Sprache: Englisch nach Altgriechisch

Überlieferter Text

Pindar: erste Olympische Ode

Pelops- und Tantaloserzählung im Zusammenhang eines Siegesliedes; erste Ode als eigenes Werk innerhalb der Olympischen Oden.

Antikes Siegeslied für Hieron; kein präzises Entstehungsjahr aus Myers’ Vorspann übernommen.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Pindar: Pelops und eine ausdrücklich korrigierte Geschichte

Historische englische Übersetzung; nur das im Nachweis bezeichnete Fenster gelesen. Keine eigene Kollation des altgriechischen Textes.

1904; erste Ausgabe 1874; Olympische Ode 1 vollständig einschließlich Myers-Vorspann und Fußnoten 1–7; kein Altgriechisch. Titelblatt1904/erste Ausgabe 1874 tatsächlich gelesen.

Sprache: Englisch nach Altgriechisch

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Benannte griechische Textfassungen.
Verwendeter Ausschnitt
Odyssee 11, 582–592; Epitome 2.1 und Pindars erste Olympische Ode als eigene Fassungen.
  1. Odyssee: zwei verschiedene Unterweltsqualen

    Homer; A. T. Murray · Historische englische Übersetzung

    Odyssee 11,582–600 vollständig: Absätze 582 und 593 bis vor 601. Übersetzerangabe gelesen, keine ganze Unterweltsreise.

    Der Nachweis gilt für den angegebenen Ausschnitt in historischer englischer Übersetzung; er erschließt nicht das gesamte Werk. Abgerufen am 2026-10-01.

  2. Epitome: Tantalos und Pelops mit Myrtilos

    Pseudo-Apollodor; J. G. Frazer · 1921

    Bibliotheke Epitome 2.1–9 vollständig, vor 2.10; englischer Text und Übersetzungsangabe, keine verlinkten Anmerkungen.

    Der Nachweis gilt für den angegebenen Ausschnitt in historischer englischer Übersetzung; er erschließt nicht das gesamte Werk. Die verlinkten Übersetzeranmerkungen sind nicht Teil dieses Nachweises. Abgerufen am 2026-10-01.

  3. Pindar: Pelops und eine ausdrücklich korrigierte Geschichte

    Pindar; Ernest Myers · 1904; erste Ausgabe 1874

    Olympische Ode 1 vollständig einschließlich Myers-Vorspann und Fußnoten 1–7; kein Altgriechisch. Titelblatt 1904 / erste Ausgabe 1874 tatsächlich gelesen.

    Der Nachweis gilt für den angegebenen Ausschnitt in historischer englischer Übersetzung; er erschließt nicht das gesamte Werk. Abgerufen am 2026-10-01.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-01. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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