Ein versprochenes Lied wird eingefordert
In Vergils sechster Ekloge finden Chromis und Mnasyllos Silenus schlafend in einer Höhle. Er hat Wein getrunken; seine Girlanden sind vom Kopf gefallen, sein schwerer Becher hängt an seinem abgenutzten Henkel. Die beiden haben schon öfter vergeblich auf ein versprochenes Lied gewartet. Jetzt binden sie den Alten mit seinen eigenen Girlanden. Die Najade Aigle kommt hinzu und färbt sein Gesicht mit Maulbeeren.
Silenus erwacht und lächelt über den Streich. Die Jungen sollen ihn lösen; nun will er singen. Faune und wilde Tiere tanzen im Takt, selbst die Eichen bewegen ihre Wipfel. Der Schlafende ist nicht nur eine komische Randfigur: Mit dem Beginn seines Liedes wird er zum Mittelpunkt einer Landschaft, die auf seine Stimme antwortet.
Die Stimme wechselt von der Welt zu einzelnen Geschichten
Das Lied beginnt mit den Elementen und der werdenden Erde. Dann folgen ganz andere Stoffe: Pyrrhas Steine, Prometheus, der verschwundene Hylas und Pasiphaes Begehren. Später führt es auch zum Dichter Gallus, den Musen und den ihm übergebenen Rohren. Vergil macht aus Silenus einen Sänger, dessen Stimme kosmische Anfänge, Verlust und Dichtung verbindet.
Die kurze Ekloge erklärt nicht jede dieser Geschichten vollständig. Silenus’ Wissen zeigt sich in Auswahl und Wechsel der Stoffe. Daraus folgt weder eine einheitliche Lehre aller Silene noch eine vollständige Weltentstehungserzählung des Dionysoskults. Es ist zunächst die Stimme in diesem lateinischen Hirtengedicht.
Ovid nennt ihn den Pflegevater des Bacchus
Bei Ovid fehlt Silenus im Gefolge des Bacchus. Phryger finden den durch Alter und Wein unsicheren Mann, binden ihn mit Girlanden und bringen ihn zu Midas. Der König erkennt ihn; der Text verbindet diese Vertrautheit mit Midas’ Einweihung durch Orpheus und Eumolpos. Zehn Tage und Nächte bewirtet er ihn, am elften bringt er ihn zurück.
Bacchus freut sich über die Rückkehr seines Pflegevaters und gewährt Midas einen Wunsch. Die Beziehung ist ausdrücklich erzählt. Eine Unterrichtsszene oder ein vollständiges Erziehungsprogramm des Dionysos liefert diese Passage jedoch nicht. Silenus’ Rückkehr ist hier vor allem der Anlass einer Gabe, deren Folgen Midas falsch einschätzt.
Ein Name kann auch eine Gruppe bezeichnen
Pausanias beschreibt in Athen einen kleinen Stein, auf dem Silenos bei der Ankunft des Dionysos geruht haben soll. Gleich anschließend erklärt er, dass die ältesten Satyrn Silene genannt werden. Die benannte Einzelgestalt und der Gruppenname stehen nebeneinander. Das Wort kann also mehr leisten als eine einzige Person zu bezeichnen.
An einer weiteren Stelle nennt Pausanias Marsyas einen Silenos und beschreibt Athene, die ihn wegen aufgehobener Flöten schlägt. Das macht Marsyas nicht automatisch zum selben Pflegevater oder Sänger wie Silenus bei Ovid und Vergil. Auch der fremde Reisebericht, den Pausanias beim Thema Satyrn wiedergibt, wird nicht als verlässliche Beschreibung heutiger Menschen verwendet. Die Quellen geben unterschiedliche Rollen und Sprechweisen vor.
Die Figur in ihren Quellen
Eine Gestalt, verschiedene Textrollen
Ein versprochenes Lied wird eingefordert
Sechste Ekloge, 13–30
Die Stimme wechselt von der Welt zu einzelnen Geschichten
Sechste Ekloge, 31–86
Ovid nennt ihn den Pflegevater des Bacchus
Metamorphosen 11, 85–100
Ein Name kann auch eine Gruppe bezeichnen
Beschreibung Griechenlands 1.23.5–6 und 1.24.1
Belegte Beziehungen
Texte und ihre Zugänge
Werke, Fassungen und verwendete Zugänge
Überlieferter Text
Ovid: Metamorphosen
Werkebene des römischen Gedichts. Die einzelnen Museumsseiten nennen ihre jeweils gelesenen Buch- und Versabschnitte; daraus folgt keine vollständige Erschließung des Werks.
Antikes Werk; keine Datierung aus dem Datum eines modernen Digitaltexts abgeleitet.
Sprache: Latein
Benutzte Ausgabe
Ovid: Silenus, Midas und Pans Musikwettstreit
Benannte historische englische Übersetzung, im angegebenen Lesebereich benutzt. Keine eigene Originalsprachenkollation.
Historische englische Übersetzung; Metamorphosen 11, 85–193 vollständig: Absätze 85, 100, 127, 146 und 172 bis vor 194.
Sprache: Englisch nach Latein
Überlieferter Text
Vergil: sechste Ekloge
Eigenes Hirtengedicht mit Silenus als Sänger. Die hier gelesene sechste Ekloge erschließt nicht alle Eklogen.
Antikes Werk; hier keine eigene genaue Entstehungsdatierung.
Sprache: Latein
Benutzte Ausgabe
Vergil: Silenus singt
Benannte historische englische Übersetzung, im angegebenen Lesebereich benutzt. Keine eigene Originalsprachenkollation.
1916 laut Editionsangabe der Webseite; Sechste Ekloge vollständig, Absätze 1, 13, 31, 41, 61, 74 und 82 bis vor siebter Ekloge; Übersetzer- und Editionsangabe gelesen. Keine Anmerkungen der Buchausgabe.
Sprache: Englisch nach Latein
Überlieferter Text
Pausanias: Beschreibung Griechenlands
Werkebene der Beschreibung Griechenlands. Die einzelnen Museumseiten nennen ihre tatsächlich gelesenen Ausschnitte in den zugehörigen Ausgabenkarten; daraus folgt keine vollständige Erschließung des Werks.
Werkebene; hier kein exaktes Entstehungsjahr festgelegt.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Pausanias: Silenos und Silene
Benannte historische englische Übersetzung, im angegebenen Lesebereich benutzt. Keine eigene Originalsprachenkollation.
Historische englische Übersetzung; Beschreibung Griechenlands 1.23.5–6 und 1.24.1 jeweils vollständig; Übersetzerüberschrift gelesen. Keine verlinkten Anmerkungen.
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Der Weg zum Beleg
Quellen und Einordnung
- Überlieferung
- Griechische Figuren in benannten griechischen und römischen Textfassungen; archäologische Einordnung gesondert.
- Verwendeter Ausschnitt
- Vergils sechste Ekloge; Ovid 11 und Pausanias als eigene Rollen- und Namensbelege.
- Vergil: Silenos singt in der sechsten Ekloge
Vergil; H. R. Fairclough · 1916 laut Editionsangabe der Webseite
Sechste Ekloge vollständig, Absätze 1, 13, 31, 41, 61, 74 und 82 bis vor siebter Ekloge; Übersetzer- und Editionsangabe gelesen. Keine Anmerkungen der Buchausgabe.
Der Nachweis gilt für die vollständige sechste Ekloge in englischer Übersetzung, nicht für alle Eklogen oder eine einheitliche Silenenlehre. Abgerufen am 2026-10-01.
- Ovid: Midas zwischen Goldwunsch und Musikwettstreit
Ovid; Brookes More · Historische englische Übersetzung
Metamorphosen 11, 85–193 vollständig: Absätze 85, 100, 127, 146 und 172 bis vor 194.
Der Nachweis gilt für den genannten Ausschnitt in englischer Übersetzung, nicht für das gesamte Werk. Abgerufen am 2026-10-01.
- Pausanias: Silenos, Silene und Marsyas
Pausanias; W. H. S. Jones · Historische englische Übersetzung
Beschreibung Griechenlands 1.23.5–6 und 1.24.1 jeweils vollständig; Übersetzerüberschrift gelesen. Keine verlinkten Anmerkungen.
Der Nachweis gilt für den genannten Ausschnitt in englischer Übersetzung, nicht für das gesamte Werk. Abgerufen am 2026-10-01.
Redaktion und Bearbeitungsstand
Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-01. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.
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