Die gerettete Frau hat einen eigenen Namen
Pyrrha ist in der Bibliotheke eine Tochter des Epimetheus und der Pandora. Sie steigt mit Deukalion in den vorbereiteten Kasten und überlebt die Fahrt. Die Erzählung benennt ihre Herkunft und lässt sie später selbst Steine werfen. Ihre Rolle erschöpft sich damit weder in einem namenlosen Platz im Rettungsfahrzeug noch in der bloßen Geburt einer neuen Bevölkerung.
Ovid stellt die Beziehung durch Deukalions Rede dar. Er nennt sie Verwandte, Frau und Gefährtin in der gemeinsam durchstandenen Gefahr. Das ist seine Ansprache an sie, keine eigene längere Rede Pyrrhas. Gerade deshalb lohnt es sich, zwischen dem zu unterscheiden, was er über sie sagt, und dem, was sie anschließend selbst tut.
Beide suchen eine Antwort
Auf dem Parnassos verehrt Pyrrha mit Deukalion die Gottheiten. Ovid hebt ihre Ehrfurcht vor ihnen ausdrücklich hervor. Nach dem Rückgang des Wassers weinen beide, reinigen sich am Fluss und gehen zum beschädigten Tempel. Ihre Bitte an Themis zielt auf Hilfe für die entvölkerte Welt. Pyrrha befindet sich also bereits im gemeinsamen Handeln, bevor das rätselhafte Orakel ihre eigene Stimme hervorruft.
Die Umgebung trägt den Schaden weiter: Moos und Schmutz an den Giebeln, kalte Altäre. Das Wasser ist zurückgegangen, doch weder der Ort noch die Überlebenden sind einfach wieder im früheren Zustand. In diesem Zusammenhang muss eine Antwort erst verständlich werden, bevor sie als rettende Weisung gelten kann.
Ihr erster Einwand betrifft die Toten
Themis verlangt die Knochen der großen Mutter. Pyrrha spricht als Erste. Sie bittet die Göttin um Vergebung, weil sie fürchtet, die Gebeine ihrer Mutter zu verletzen und deren Geist zu kränken. Ihre Ablehnung richtet sich nicht gegen die Wiederherstellung von Menschen. Sie entsteht aus dem wörtlich verstandenen Auftrag und aus einer Verpflichtung gegenüber einer Verstorbenen.
Diese Unterscheidung gibt dem Einwand Gewicht. Pyrrha ist nicht bloß eine zu langsame Mithelferin, deren Zögern aus einer geglätteten Kurzfassung verschwinden sollte. Der Text macht durch sie sichtbar, dass ein religiöser Auftrag zunächst wie ein Unrecht erscheinen kann. Erst eine andere Auslegung erlaubt dem Paar, zugleich Hilfe zu suchen und die befürchtete Verletzung zu vermeiden.
Auch nach der Deutung bleibt sie vorsichtig
Deukalion deutet die große Mutter als Erde und die Knochen als Steine. Seine Worte bewegen Pyrrha, doch sie zögert weiter. Ovid lässt beide am Sinn des Orakels zweifeln. Sie beschließen, den Versuch zu wagen, weil sie keinen Schaden von ihm erwarten. Der anschließende Steinwurf folgt damit weder blindem Gehorsam noch einer ausdrücklich erzählten endgültigen Überzeugung.
Beide verhüllen ihre Köpfe, lösen die Gewänder und werfen Steine hinter sich. Die von Pyrrha geworfenen nehmen weibliche Gestalt an, die von Deukalion geworfenen männliche. Ihre eigene Handlungsfolge steht neben seiner. Der Unterschied wird im Text an die beiden Werfenden gebunden; aus ihm lässt sich keine weitere Rangordnung der neu geschaffenen Menschen ablesen.
Nicht jede Fassung erzählt ihren Einwand
In der Bibliotheke kommt die Weisung von Zeus, nachdem Deukalion Menschen gewünscht hat. Das Themisrätsel und Pyrrhas Sorge um Totengebeine fehlen dort. Trotzdem erhält auch diese kürzere Fassung ihren eigenen Steinwurf und nennt gemeinsame Kinder. Ihre Rolle lässt sich daher nicht aus Ovid in jede andere Version hineintragen; ebenso wenig darf das Schweigen einer kürzeren Version als Widerlegung ihrer Stimme bei Ovid gelten.
Die Seite legt deshalb zwei Zeugnisse nebeneinander. In einem steht ein knapper göttlicher Auftrag mit gemeinsamer Ausführung, im anderen eine ausführliche Folge aus Trauer, Gebet, Einwand, Deutung und vorsichtigem Versuch. Pyrrhas Profil zeigt, welchen Unterschied eine einzelne erhaltene Rede für den Zugang zu einer Figur machen kann.
Die Figur in ihren Quellen
Eine Gestalt, verschiedene Textrollen
Die gerettete Frau hat einen eigenen Namen
Bibliotheke 1.7.2; Metamorphosen 1,348–380
Beide suchen eine Antwort
Metamorphosen 1,313–394; Absätze 313,348,381
Ihr erster Einwand betrifft die Toten
Metamorphosen 1,381–394; vollständiger Absatz 381
Auch nach der Deutung bleibt sie vorsichtig
Metamorphosen 1,395–415; vollständiger Absatz 395
Nicht jede Fassung erzählt ihren Einwand
Bibliotheke 1.7.2; Metamorphosen 1,348–415
Belegte Beziehungen
Texte und ihre Zugänge
Werke, Fassungen und verwendete Zugänge
Überlieferter Text
Bibliotheke des Pseudo-Apollodor
Werkbezeichnung für die mythographische Sammlung. In diesem Museum sind nur ausgewählte Ausschnitte erschlossen; die einzelnen Editionsdatensätze benennen die tatsächlich gelesenen Stellen.
Antike mythographische Zusammenstellung; genaue Entstehungszeit und Autorschaft aus dieser Lektüre nicht bestimmt.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Bibliotheke: Deukalion und Pyrrhas Wiederherstellung
Nur benannte historische englische Übersetzung. Keine ganze Bibliotheke, griechische Kollation, verlinkte Anmerkungen oder interkulturelle Flutherkunft geprüft.
1921; Bibliotheke 1.7.2 vollständig; folgende 1.7.3 und verlinkte Übersetzeranmerkungen nicht Teil dieser Lektüre.
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Überlieferter Text
Ovid: Metamorphosen
Werkebene des römischen Gedichts. Die einzelnen Museumsseiten nennen ihre jeweils gelesenen Buch- und Versabschnitte; daraus folgt keine vollständige Erschließung des Werks.
Antikes Werk; keine Datierung aus dem Datum eines modernen Digitaltexts abgeleitet.
Sprache: Latein
Benutzte Ausgabe
Ovid: Flut, Trauer und Pyrrhas Einwand
Nur ganzer benannter Flut-/Wiederherstellungsabschnitt in historischer englischer Übersetzung. Vorherige Lykaonerzählung und folgende Pythonhandlung nicht gelesen; keine Lateinkollation oder Gleichsetzung mit anderen Flutüberlieferungen.
1922; Metamorphosen 1, 253–415 vollständig: Absätze 253, 262, 274, 283, 293, 313, 324, 348, 381, 395; endet vor 416.
Sprache: Englisch nach Latein
Der Weg zum Beleg
Quellen und Einordnung
- Überlieferung
- Benannte griechische und römische Werkfassungen; späteres Bildzeugnis gesondert.
- Verwendeter Ausschnitt
- Bibliotheke 1.7.2; Ovid, Metamorphosen 1,313–415.
- Bibliotheke: Deukalion und Pyrrhas Wiederherstellung
Pseudo-Apollodor; englische Übersetzung J. G. Frazer · 1921
Bibliotheke 1.7.2 vollständig; folgende 1.7.3 und verlinkte Übersetzeranmerkungen nicht Teil dieser Lektüre.
Nur benannte historische englische Übersetzung. Keine ganze Bibliotheke, griechische Kollation, verlinkte Anmerkungen oder interkulturelle Flutherkunft geprüft. Abgerufen am 2026-10-01T06:35:25.649688+00:00.
- Ovid: Flut, Trauer und Pyrrhas Einwand
Ovid; englische Übersetzung Brookes More · 1922
Metamorphosen 1,253–415 vollständig: Absätze 253,262,274,283,293,313,324,348,381,395; endet vor 416.
Nur ganzer benannter Flut-/Wiederherstellungsabschnitt in historischer englischer Übersetzung. Vorherige Lykaonerzählung und folgende Pythonhandlung nicht gelesen; keine Lateinkollation oder Gleichsetzung mit anderen Flutüberlieferungen. Abgerufen am 2026-10-01T06:35:25.751501+00:00.
Redaktion und Bearbeitungsstand
Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-17. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.
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