Eine Löwin aus Stein
Die Granodioritstatue The Met 15.8.2 zeigt Sachmet mit Löwinnenkopf, Sonnenscheibe und einem Lebenszeichen in der Hand. Sie ist rund 210 Zentimeter hoch und wird in die Regierungszeit Amenophis’ III. datiert. Das Standbild gehört zu einem außergewöhnlich großen Statuenprogramm; Hunderte Darstellungen Sachmets sind bekannt. Es zeigt eine verehrte und zu besänftigende Macht, keine erzählte Gewalttat.
Das Objekt kam aus dem Mut-Bezirk in Karnak. Die Annahme einer ursprünglichen Aufstellung vieler Statuen im Totentempel Amenophis’ III. bei Kom el-Hetan ist eine Forschungsrekonstruktion, kein am Einzelstück direkt ablesbarer Aufbauplan. Zahl und Ordnung der gesamten Serie werden verschieden erschlossen. Auch eine Epidemie als unmittelbarer Anlass ist nur eine Theorie und wird hier nicht als Geschichte des Standbilds behauptet.
Sachmet-Statue aus der Zeit Amenophis’ III.

Wo Sachmet in der Erzählung erscheint
Im Buch von der Himmelskuh wird Res Auge in Hathors Gestalt ausgesandt. Nach ihrem Angriff sagt die deutsche TLA/ORAEC-Wiedergabe, Sachmet sei entstanden. Die Stelle verbindet ihren Namen mit gefährlicher göttlicher Macht. Sie ist jedoch keine Beschreibung dieser konkreten Statue und kein Beleg, dass beide Göttinnen in jedem ägyptischen Zeugnis austauschbar waren.
Die Erzählung fährt mit rot gefärbtem Bier fort, das die angreifende Göttin vom weiteren Töten abhält. Eine Formulierung wie „Sachmet wird einfach wieder Hathor“ wäre für die gelesene Fassung zu glatt: Sie setzt einen ausdrücklich erzählten Rückverwandlungsschritt voraus, den die benutzte Stelle nicht liefert.
Ein Sachmet-Priester im Papyrus Ebers
Eine andere Art Quelle führt in einen medizinischen Zusammenhang. Papyrus Ebers, Abschnitt Eb 854a, nennt einen Arzt, einen Sachmet-Priester und einen Magier als Personen, die Hände oder Finger auf Körperstellen legen und den Zustand von Herz und Gefäßen beurteilen. Der Text stellt verschiedene Rollen nebeneinander. Er erklärt nicht, dass jeder Sachmet-Priester Arzt war oder dass jede Handlung nach heutigem medizinischem Wissen wirksam gewesen sei.
Damit ist ein Heilungskontext für Sachmets Priesterschaft belegt, aber kein fertiges Bild einer ausschließlich „heilenden Göttin“. Die gefährliche Macht der Erzählung, die Besänftigung im Statuenkult und die Tätigkeit eines Priesters im Papyrus stammen aus verschiedenen Gattungen. Die Verbindung ist eine historische Forschungsfrage, keine Szene, in der dieselbe Statue einen Kranken behandelt.
Was darf ein Zeugnis belegen?
Beginne beim Standbild: Was ist am Stein sichtbar, und was erfährst du nur aus Katalog und Datierung? Wechsle dann zur Sachmet-Zeile im Himmelskuhtext und zu Eb 854a. Welche der drei Quellen belegt einen Namen, welche eine kultische Bildform, welche eine Handlung von Menschen?
Die Statue lässt sich im Bild betrachten; das Lebenszeichen ist in kleiner Vorschau allerdings nur schwer zu erkennen. Weder Foto noch Papyrus machen aus Sachmet eine eindeutig nur zerstörende oder nur heilende Gestalt.
Die Figur in ihren Quellen
Eine Gestalt, verschiedene Textrollen
Namensstelle in einer Erzählung
Sachmet nach Hathors Angriff im KV-17-Text.
Kultstatue
Datierte Löwinnenfigur aus Amenophis’ III. Statuenprogramm.
Priesterschaft im Heilerkontext
Eb 854a nennt Sachmet-Priester neben Arzt und Magier.
Texte und ihre Zugänge
Werke, Fassungen und verwendete Zugänge
Überlieferter Text
Papyrus Ebers
Hier ausschließlich die Passage Eb 854a zu Arzt, Sachmet-Priester und Magier als Heilungskontext geprüft.
Medizinische Textsammlung aus der Mitte des zweiten Jahrtausends v. Chr.; keine einheitliche Entstehungszeit aller Rezepte behauptet.
Sprache: Altägyptisch
Erhaltener Textzeuge
Papyrus Ebers, Kolumne 99
Konkreter Schriftträger der Zeilen 99:2–5 (Eb 854a).
Antiker Papyrus, etwa Mitte des zweiten Jahrtausends v. Chr.; hier keine eigene Papyrusautopsie.
Sprache: Ägyptisch in hieratischer Schrift
Benutzte Ausgabe
Science in Ancient Egypt: Papyrus Ebers, Eb 854a
Gelesen wurden Editionsangaben und Eb 854–855, besonders Eb 854a in Kolumne 99:2–5; keine vollständige Lektüre des Papyrus.
Digitale Ausgabe, Version 478 vom 29. September 2026.
Sprache: Englische Übersetzung nach deutscher fachlicher Bearbeitung
Überlieferter Text
Buch von der Himmelskuh
Erzähl- und Ritualtext um Res Alter, das ausgesandte Auge, die Unterbrechung der Gewalt und Res Entfernung von den Menschen.
Überlieferte ägyptische Fassungen des Neuen Reiches; hier nur das Zeugnis im Grab Sethos’ I. geprüft.
Sprache: Altägyptisch
Erhaltener Textzeuge
Himmelskuhtext im Grab Sethos’ I. (KV 17)
Konkreter Textzeuge der behandelten Handlung; nur in moderner Übersetzung gelesen, nicht am Original kollationiert.
Neues Reich; Datum des Grabzeugnisses ist nicht automatisch das Entstehungsdatum aller Erzählstoffe.
Sprache: Altägyptisch, Grabinschrift
Benutzte Ausgabe
TLA/ORAEC: Das Buch von der Himmelskuh im Grab Sethos’ I.
Gelesen wurden Erzählbeginn, Hathor- und Sachmet-Stellen, rotes Bier und spätere Nut-Kuh-Szene. Die separat angezeigte englische KI-Übersetzung wurde nicht verwendet.
Moderne digitale Edition; die öffentlich abrufbare Archivfassung ist eine Drittseiten-Wiedergabe, keine eigene Kollation.
Sprache: Wissenschaftliche deutsche Übersetzung des Altägyptischen
Welche Zeit ist gemeint?
- Papyrus Ebers: medizinischer Textzeuge aus der Mitte des zweiten Jahrtausends v. Chr.; die hier gelesene Passage ist Eb 854a.
- Sachmet-Statue The Met 15.8.2 aus der Regierungszeit Amenophis’ III., etwa 1386–1347 v. Chr.
- Die Sachmet-Namensstelle der Himmelskuh-Erzählung wird hier nach dem Zeugnis im Grab Sethos’ I. gelesen.
- SAW-Version 478 des Papyrus Ebers wurde 2026 veröffentlicht; das ist keine Datierung des antiken Papyrus.
Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.
Der Weg zum Beleg
Quellen und Einordnung
- Überlieferung
- Ägyptische Sachmet-Zeugnisse aus medizinischem Papyrus, königlichem Statuenprogramm und Himmelskuhtext; begrenztes Arbeitskorpus
- Verwendeter Ausschnitt
- The Met 15.8.2; Papyrus Ebers Eb 854a nach SAW-Version 478; Buch von der Himmelskuh in KV 17 nach TLA/ORAEC.
- The Met 15.8.2: Statue der Sachmet
The Metropolitan Museum of Art · Neues Reich, Amenophis III., etwa 1386-1347 v. Chr.; heutiger Sammlungskatalog
Met 15.8.2: 210 cm hohe Sachmet-Statue aus Granodiorit, Loewinnenkopf mit Sonnenscheibe und Lebenszeichen; eine von Hunderten Statuen aus Amenophis' Programm. Katalog zu Kom el-Heitan, spaeterem Mut-Bezirk und appeasement gelesen; API-Feld isPublicDomain und Hauptbildadresse einzeln geprueft.
Die Statue ist kein Bild einer bestimmten Szene der Himmelskuh-Erzaehlung. Erstaufstellung aller Statuen in Kom el-Heitan ist heutige Forschungsmeinung; Zahl 730 und himmlische Anordnung sind als moegliche Rekonstruktionen, nicht als gesicherter Einzelbefund, zu behandeln. Epidemien als Anlass sind laut Met-Audiotext nur eine Theorie. Abgerufen am 2026-09-30.
- Papyrus Ebers, Eb 854a (Kolumne 99, Zeilen 2-5)
Lutz Popko, Science in Ancient Egypt, Saechsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig; englische Uebersetzung Andrea Sinclair · Altägyptischer medizinischer Papyrus, ca. Mitte 2. Jahrtausend v. Chr.; digitale Ausgabe Version 478 vom 29.09.2026
Einleitung zum Papyrus und Editionsnachweis sowie ausschliesslich Eb 854-855, insbesondere Eb 854a in Kolumne 99, Zeilen 2-5, gelesen. Die Passage nennt Arzt, Sachmet-Priester und Magier nebeneinander beim Beruehren/Pruefen bestimmter Koerperstellen und der Herzgefaesse.
Die Nennung ist ein medizinischer Textzeuge fuer Sachmet-Priester in einem Heilungskontext, kein Nachweis, dass jeder Sachmet-Priester Arzt war oder dass die antiken Verfahren nach heutigem medizinischem Standard wirksam waren. Die englische Wiedergabe stuetzt sich laut Editor auf Popkos deutsche Uebersetzung und Analyse. Keine vollstaendige Lektuere des sehr langen Papyrus. Abgerufen am 2026-09-30.
- Das Buch von der Himmelskuh, Grab Sethos' I.: wissenschaftliche deutsche Uebersetzung
Lutz Popko und Mitwirkende, Thesaurus Linguae Aegyptiae; deutsche Textwiedergabe bei Egyptian Inscriptions/ORAEC · Altägyptischer Text aus KV 17, Neues Reich; moderne digitale Edition, Corpusstand 2026
Ausschliesslich den als 'DE scholarly - TLA / ORAEC' ausgewiesenen deutschen Text zur Erzaehlung in KV 17 gelesen: Rat und Auge in Hathor-Gestalt, ausdrueckliche Sachmet-Namensstelle, roter Ocker in Bier, Trinken und Schutz der Menschen, Nut als Kuh sowie anschliessende Ritualanweisungen. Dazu TLA-Suchindex mit Aegyptisch ḫpr Sḫm.t pw und deutscher Uebersetzung der Sachmet-Zeile geprueft.
Das abrufbare HTML ist eine Drittseiten-Wiedergabe der TLA/ORAEC-Edition; die direkte TLA-Seite zeigte bei Zugriff eine Verifikationssperre und konnte nicht hashgenau archiviert werden. Die separat ausgewiesene automatische englische KI-Uebersetzung auf der Drittseite wurde nicht als Beleg genutzt. Nur die nachpruefbaren deutschen Passagen verwenden; keine eigene Hieroglyphenautopsie oder Handschriftenkollation behaupten. Original-TLA-Stelle: https://thesaurus-linguae-aegyptiae.de/sentence/token/IBUBdy1oxL3HuUDWvpAAKM2DAHs Abgerufen am 2026-09-30.
- The Funerary Roles of Hathor and Inanna: Goddesses and Female Identity in Egypt and the Ancient Near East
Eleanor Small, University of Glasgow; Birmingham Egyptology Journal 7 (2020), 19-50 · 2020
Aufsatztitel und Autorin (PDF-S. 20), Hathors Rollen und Verweise auf Dendera, Kinderfuersorge, Musik, Sistrum und Chester Beatty I (PDF-S. 21-25) sowie Abschnitt 'The Eye of Re' und Endnoten zum Himmelskuhtext (PDF-S. 26-27) gelesen. Die Autorin unterscheidet das ausgesandte Auge in Hathor-Gestalt, die Sachmet-Verbindung und die offene Frage, wie weitere Augen-Goettinnen zueinander stehen.
Ein moderner Forschungsaufsatz, kein altägyptischer Einzelzeuge. Wentes 2003-Uebersetzung und die angefuehrten Einzelstudien wurden hier nicht selbst gelesen; ihre Worte und Schlussfolgerungen nicht als eigene Autopsie ausgeben. Die PDF-Ausgabe enthaelt weitere Aufsaetze, die nicht vollstaendig geprueft wurden. Abgerufen am 2026-09-30.
Redaktion und Bearbeitungsstand
Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-30. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.
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