Ein Auge, das Menschen begegnet
Re ist alt geworden. Menschen wenden sich gegen ihn, und er berät mit anderen göttlichen Mächten, wie er reagieren soll. In der Fassung des Grabes Sethos’ I. wird sein Auge ausgesandt und geht in Hathors Gestalt zu den Menschen hinab. Die Antwort auf den Aufstand ist Gewalt: Hathor schlägt Menschen nieder. Der Text schildert göttliches Handeln, keinen Bericht über ein historisches Massaker.
Die Erzählung macht aus dem Auge nicht bloß ein Körperteil und aus Hathor keine zufällig hinzugesetzte Figur. Zugleich ist dies eine bestimmte Textfassung. Andere Überlieferungen über ein Sonnenauge oder andere Göttinnen dürfen nicht still in diese Handlung hineingeschrieben werden.
Zwischen rotem Licht und ruhigem Morgen

Wann der Name Sachmet fällt
Nach Hathors Angriff sagt die moderne deutsche Textwiedergabe ausdrücklich, dass Sachmet entstanden sei. Das ist eine Namens- und Deutungsstelle innerhalb der Handlung. Sie erlaubt, Hathors zerstörerische Macht hier mit Sachmet zu verbinden; sie behauptet weder, dass beide Namen in allen ägyptischen Orten und Jahrhunderten austauschbar gewesen seien, noch zeigt sie einen ausgemalten körperlichen Verwandlungsvorgang.
Eine ältere englische Übersetzung von 1912 verwendet an dieser Stelle eine andere Wortwahl. Deshalb folgt diese Station für die Sachmet-Namensfrage der neueren TLA/ORAEC-Wiedergabe und kennzeichnet Budges Ausgabe als historischen Vergleich. Eine eigene Prüfung der Hieroglyphen am Grab wurde nicht vorgenommen.
Rotes Bier hält die Gewalt auf
Re will die Menschen nun nicht weiter vernichten lassen. Bier wird mit rotem Ocker gefärbt, sodass die Maische laut Übersetzung wie Menschenblut wirkt, und vor der Göttin auf dem Feld ausgeschüttet. Sie trinkt davon und wird berauscht; auf diesem Weg erkennt sie die Menschen nicht mehr als Ziel ihres Angriffs. Der Text führt die Rettung also nicht auf eine moralische Rede oder einen militärischen Sieg zurück, sondern auf eine eigens bereitete Täuschung.
Der rote Farbstoff und das Bier sind in der Textfolge benannt. Ob spätere Feste dieselbe Handlung vollständig nachspielten, kann diese Erzählung allein nicht beweisen. Der gewaltvolle Kern bleibt erkennbar, auch wenn unser heutiges Leitbild nur den Übergang von Glut zu Ruhe zeigt.
Die Kuh am Himmel ist eine weitere Figur
Die Erzählung geht weiter: Re entfernt sich von den Menschen. Nut trägt ihn in Kuhgestalt nach oben, und Himmel und Erde werden auseinandergerückt. Diese Kuh ist in der verwendeten Fassung Nut. Sie ist nicht allein deshalb Hathor, weil Hathor anderswo ebenfalls als Kuh erscheinen kann.
Gerade die Nähe der Bilder verführt zur Kurzformel: eine Sonnengöttin wird zur blutigen Löwin und dann zur Himmelskuh. Sie glättet aber verschiedene Namen und Szenen. Wer der Handlung folgt, begegnet zuerst Hathor als Auge, dann der Sachmet-Namensstelle und später Nut als tragender Himmelskuh.
Was zeigt das Bild – und was sagt der Text?
Sieh dir den Wechsel zwischen rotem Licht und dem ruhigen Morgen im Leitbild an. Er macht die Erzählbewegung verständlich, ist aber eine heutige KI-Illustration: keine Grabmalerei, keine genaue Darstellung der ausgesandten Göttin und kein Beweis für einen körperlichen Formwechsel.
Lies die drei Stellen getrennt: Auge in Hathor-Gestalt, Entstehung des Sachmet-Namens, Nut als Himmelskuh. Welche Behauptung über die Identität der Göttinnen kann jede Stelle tragen – und welche müsste erst an einer anderen Quelle geprüft werden?
Texte und ihre Zugänge
Werke, Fassungen und verwendete Zugänge
Überlieferter Text
Buch von der Himmelskuh
Erzähl- und Ritualtext um Res Alter, das ausgesandte Auge, die Unterbrechung der Gewalt und Res Entfernung von den Menschen.
Überlieferte ägyptische Fassungen des Neuen Reiches; hier nur das Zeugnis im Grab Sethos’ I. geprüft.
Sprache: Altägyptisch
Erhaltener Textzeuge
Himmelskuhtext im Grab Sethos’ I. (KV 17)
Konkreter Textzeuge der behandelten Handlung; nur in moderner Übersetzung gelesen, nicht am Original kollationiert.
Neues Reich; Datum des Grabzeugnisses ist nicht automatisch das Entstehungsdatum aller Erzählstoffe.
Sprache: Altägyptisch, Grabinschrift
Benutzte Ausgabe
TLA/ORAEC: Das Buch von der Himmelskuh im Grab Sethos’ I.
Gelesen wurden Erzählbeginn, Hathor- und Sachmet-Stellen, rotes Bier und spätere Nut-Kuh-Szene. Die separat angezeigte englische KI-Übersetzung wurde nicht verwendet.
Moderne digitale Edition; die öffentlich abrufbare Archivfassung ist eine Drittseiten-Wiedergabe, keine eigene Kollation.
Sprache: Wissenschaftliche deutsche Übersetzung des Altägyptischen
Welche Zeit ist gemeint?
- Die Handlung spielt in einer nicht historisch datierbaren göttlichen Vorzeit.
- Die hier behandelte Textfassung ist im Grab Sethos’ I. (KV 17) erhalten; ihr Erzählstoff kann älter sein, ohne dass diese Seite ein Entstehungsjahr festlegt.
- Budge publizierte 1912 eine historische englische Übersetzung; die hier maßgebliche deutsche TLA/ORAEC-Textwiedergabe ist eine moderne Edition.
Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.
Der Weg zum Beleg
Quellen und Einordnung
- Überlieferung
- Ägyptisches Buch von der Himmelskuh in der Fassung des Grabes Sethos’ I.; keine Zusammenschau sämtlicher Sonnenaugen-Erzählungen
- Verwendeter Ausschnitt
- Buch von der Himmelskuh, Text im Grab Sethos’ I. (KV 17), deutsche TLA/ORAEC-Wiedergabe; Budge 1912 nur als historische Vergleichsübersetzung.
- Das Buch von der Himmelskuh, Grab Sethos' I.: wissenschaftliche deutsche Uebersetzung
Lutz Popko und Mitwirkende, Thesaurus Linguae Aegyptiae; deutsche Textwiedergabe bei Egyptian Inscriptions/ORAEC · Altägyptischer Text aus KV 17, Neues Reich; moderne digitale Edition, Corpusstand 2026
Ausschliesslich den als 'DE scholarly - TLA / ORAEC' ausgewiesenen deutschen Text zur Erzaehlung in KV 17 gelesen: Rat und Auge in Hathor-Gestalt, ausdrueckliche Sachmet-Namensstelle, roter Ocker in Bier, Trinken und Schutz der Menschen, Nut als Kuh sowie anschliessende Ritualanweisungen. Dazu TLA-Suchindex mit Aegyptisch ḫpr Sḫm.t pw und deutscher Uebersetzung der Sachmet-Zeile geprueft.
Das abrufbare HTML ist eine Drittseiten-Wiedergabe der TLA/ORAEC-Edition; die direkte TLA-Seite zeigte bei Zugriff eine Verifikationssperre und konnte nicht hashgenau archiviert werden. Die separat ausgewiesene automatische englische KI-Uebersetzung auf der Drittseite wurde nicht als Beleg genutzt. Nur die nachpruefbaren deutschen Passagen verwenden; keine eigene Hieroglyphenautopsie oder Handschriftenkollation behaupten. Original-TLA-Stelle: https://thesaurus-linguae-aegyptiae.de/sentence/token/IBUBdy1oxL3HuUDWvpAAKM2DAHs Abgerufen am 2026-09-30.
- Legends of the Gods: The Legend of the Destruction of Mankind
E. A. Wallis Budge, Edition und englische Uebersetzung nach der publizierten Seti-I-Fassung · Altägyptischer Text des Neuen Reiches; historische englische Ausgabe, 1912
Einleitung zur Fassung in Seti I. (PDF-S. 7-10) und englischer Kapitel-I-Lesetext vom Rat der Goetter bis zur Beschaeftigung der Goettin und Res Rueckzug (PDF-S. 40-43) gelesen. Der Text nennt das ausgesandte Auge in Hathor-Gestalt, das Toeten, das rote Bier, dessen Trinken und die spaetere Himmelskuh Nut; Budges Uebersetzungsentscheidungen wurden mit Eleanor Small 2020, S. 26-27 verglichen.
Budge ist eine ueber hundert Jahre alte Uebersetzung mit zeitgebundenen Deutungen, keine eigene Hieroglyphenkollation und kein Ersatz fuer eine moderne kritische Ausgabe. Insbesondere Budges 'Sekhet of the offerings' nicht ohne Textvergleich mit Sachmet gleichsetzen; seine Angaben zu Zutaten und spaeteren Festen nicht unbesehen uebernehmen. Das PDF wird nur als Forschungsarchiv gespeichert, nicht als Publikumsmedium nachgehostet. Abgerufen am 2026-09-30.
- The Funerary Roles of Hathor and Inanna: Goddesses and Female Identity in Egypt and the Ancient Near East
Eleanor Small, University of Glasgow; Birmingham Egyptology Journal 7 (2020), 19-50 · 2020
Aufsatztitel und Autorin (PDF-S. 20), Hathors Rollen und Verweise auf Dendera, Kinderfuersorge, Musik, Sistrum und Chester Beatty I (PDF-S. 21-25) sowie Abschnitt 'The Eye of Re' und Endnoten zum Himmelskuhtext (PDF-S. 26-27) gelesen. Die Autorin unterscheidet das ausgesandte Auge in Hathor-Gestalt, die Sachmet-Verbindung und die offene Frage, wie weitere Augen-Goettinnen zueinander stehen.
Ein moderner Forschungsaufsatz, kein altägyptischer Einzelzeuge. Wentes 2003-Uebersetzung und die angefuehrten Einzelstudien wurden hier nicht selbst gelesen; ihre Worte und Schlussfolgerungen nicht als eigene Autopsie ausgeben. Die PDF-Ausgabe enthaelt weitere Aufsaetze, die nicht vollstaendig geprueft wurden. Abgerufen am 2026-09-30.
Redaktion und Bearbeitungsstand
Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-30. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.
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