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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Ödipus: der Ermittler sucht nach sich selbst

Der Retter Thebens verspricht, eine alte Tötung aufzuklären. Sophokles lässt seine Suche die eigene Herkunft aufdecken; die Odyssee setzt bei einer anderen Lage nach der Enthüllung an.

3–4 Minuten Lesezeit

Das Versprechen des früheren Retters

In Sophokles’ König Ödipus leidet Theben unter einer Plage. Die Bittenden erinnern den König an seine frühere Hilfe gegen die Sphinx. Ödipus hat Kreon nach Delphi geschickt; die Antwort fordert, die Tötung des früheren Königs Laios aufzuklären und die dadurch entstandene Verunreinigung zu beseitigen. Was zunächst wie eine alte, fremde Tat aussieht, wird zur Aufgabe seiner eigenen Herrschaft.

Ödipus spricht öffentlich einen Fluch gegen den Täter aus und schließt dabei sogar jemanden im eigenen Haus ein. Sein Einsatz für die Stadt ist damit ein gefährliches Versprechen: Die Suche darf ihn nach seinen eigenen Worten nicht ausnehmen. Dass der damalige Überlebende mehrere Räuber genannt haben soll, wird später zu seiner Hoffnung auf Entlastung.

Ein König will dem Seher nicht glauben

Teiresias weigert sich zunächst, sein belastendes Wissen auszusprechen. Als er Ödipus als Täter bezeichnet, hält der König dies für eine Verschwörung mit Kreon. Er beruft sich auf seine frühere Lösung des Sphinxrätsels und verspottet den blinden Seher. Teiresias antwortet, Ödipus könne sehen und kenne dennoch seine eigene Stellung in der Familie nicht.

Auch Kreon muss sich verteidigen. Er verlangt eine Prüfung der Nachricht aus Delphi und Beweise vor einer Verurteilung. Iokaste und der Chor vermitteln. Das Drama zeigt so keinen gleichmäßig ruhigen Ermittler: Ödipus kann retten, nachfragen und zugleich Menschen bedrohen, deren Antworten seine Stellung erschüttern.

Aus Entlastung wird Herkunftswissen

Iokastes Erzählung von einem Kind des Laios und einer Tötung an drei Wegen weckt Ödipus’ Verdacht. Er selbst hat einen älteren Mann an einem solchen Kreuzweg getötet, nachdem er Korinth verlassen hatte, um der vorhergesagten Tötung des Vaters und Ehe mit der Mutter zu entgehen. Er hält Polybos und Merope für seine Eltern.

Die Nachricht vom natürlichen Tod des Polybos scheint ihn zunächst zu entlasten. Doch der Bote erklärt zugleich, Ödipus sei dessen angenommener Sohn. Iokaste erkennt die Zusammenhänge und bittet, die Suche abzubrechen; Ödipus versteht dies als Sorge um eine niedrige Herkunft. Erst das unter Drohungen geführte Hirtenverhör bestätigt, dass das ausgesetzte Kind aus Laios’ Haus stammt. Seine Suche führt durch Aussagen anderer und durch eigenen Zwang zur Erkenntnis.

Nicht jeder Text endet mit demselben Ödipus

Sophokles’ Botenbericht meldet Iokastes Tod durch Suizid und Ödipus’ Selbstblendung. Im Schluss bittet Ödipus um Verbannung; Kreon will zunächst erneut den Gott befragen. Die Töchter werden zu ihrem Vater gebracht, dann bestimmt Kreon den Abschied. Eine vollzogene Reise nach Kolonos gehört nicht zu diesem gespielten Schluss.

Die Odyssee nennt die Mutter und Ehefrau Epikaste. Nach der Enthüllung stirbt sie, während Ödipus weiter in Theben herrscht und Leiden trägt. Selbstblendung und Verbannung werden in diesem kurzen Fenster nicht erzählt. Die Unterschiede sind Teil der Überlieferung: Man kann die Texte vergleichen, ohne ihnen nachträglich eine einzige lückenlose Biografie aufzuzwingen.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Das Versprechen des früheren Retters
König Ödipus, Bittszene, Kreons Orakelbericht und öffentlicher Selbstfluch

Ein König will dem Seher nicht glauben
König Ödipus, Teiresias-Streit und Kreons Verteidigung bis zu Iokastes Vermittlung

Aus Entlastung wird Herkunftswissen
König Ödipus, Kreuzweggespräch, korinthischer Bote und Hirtenverhör

Nicht jeder Text endet mit demselben Ödipus
König Ödipus, zweiter Botenbericht und Schlussgespräch mit Kreon und den Töchtern; Odyssee 11,271–280

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Sophokles: König Ödipus

Eigenes Drama; die unten benannte englische Lesefassung erschließt ausgewählte Szenen.

Tragödie des 5. Jahrhunderts v. Chr.; Aufführungsjahr hier nicht festgelegt.

Sprache: Griechisch

Benutzte Ausgabe

Storr: König Ödipus, ausgewählte Szenen

Plage, Verhöre, Enthüllung und Schluss. Vollständiger Textendpunkt ergänzt abgeschnittenes HTML; keine Werkvolllektüre behauptet.

Historische Übersetzung; digitale MIT-Lesefassung.

Sprache: Englisch

Überlieferter Text

Homerische Odyssee

Erzählwerk; nur ausdrücklich benannte Ausschnitte gelesen, kein vollständig erschlossenes Korpus.

Werkebene; hier keine exakte Datierung festgelegt.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Murray: Teiresias und Epikaste in Odyssee XI

Nur 11,90–150 und 271–280; kein vollständiges Buch XI.

Historische Murray-Übersetzung; Theoi-Digitaltext.

Sprache: Englisch

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Thebanische Erzählungen in getrennten Epos-, Tragödien- und mythografischen Fassungen
Verwendeter Ausschnitt
Sophokles, König Ödipus; Odyssee 11,271–280.
  1. Sophokles: König Ödipus – Ermittlungen und Enthüllung

    Sophokles; englische Übersetzung F. Storr · Antikes Drama; historische Storr-Übersetzung, digitale MIT-Lesefassung

    Plage/Orakel und Selbstfluch; Teiresias-Streit; Kreons Verteidigung und Iokastes Vermittlung; Kreuzweg-/Orakelgespräch; korinthischer Bote, Hirtenverhör, Iokastes Tod und Selbstblendung; Schluss mit Kreon und den Töchtern.

    Benannte englische Übersetzung gelesen; keine griechische Vollkollation oder Handschriftenprüfung. Szenenfenster, keine behauptete Volllektüre des Werks. HTML-Abruf endet im Hirtenverhör; vollständiger Textendpunkt ergänzt die benannten Schlussfenster. Alter Cache-/HTML-Rahmen ist kein kritischer Editionsnachweis. Abgerufen am 2026-10-01.

  2. Odyssee XI: Teiresias und Epikaste

    Homerische Odyssee; Übersetzung A. T. Murray · Antikes Epos; Murray-Übersetzung, digitale Theoi-Ausgabe

    Odyssee 11,90–150 und 271–280.

    Benannte englische Übersetzung gelesen; keine griechische Vollkollation oder Handschriftenprüfung. Szenenfenster, keine behauptete Volllektüre des Werks. Nur diese beiden Fenster. Der Epikaste-Abschnitt erzählt keine Selbstblendung; daraus wird keine allgemeine Nichtexistenz anderer Fassungen gefolgert. Abgerufen am 2026-10-01.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-01. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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