Seine Aussage wird zum Verdacht gegen ihn
In König Ödipus kommt Teiresias auf Bitte des Herrschers. Zunächst will er nicht sprechen, weil sein Wissen Leid bringen werde. Erst nach dem Streit nennt er Ödipus als Laios’ Täter. Der König deutet dies als Verschwörung, verspottet seine Blindheit und beruft sich auf die eigene Rettung vor der Sphinx.
Teiresias entgegnet, Ödipus sehe und kenne doch seine eigene Herkunft und Familienlage nicht. Er erklärt sich als Diener Apollons, nicht als Kreons Helfer. Das Drama unterscheidet damit körperliches Sehen und Wissen. Es behauptet nicht, ein blinder Mensch sei ohne Hilfe oder könne alles mit den Augen wahrnehmen; die polemische Verknüpfung gehört zum konkreten Machtstreit.
Ein Junge hilft, die Zeichen zu lesen
In Antigone führt ein Junge Teiresias und berichtet ihm sichtbare Einzelheiten des misslingenden Opfers. Der Seher beschreibt die Geräusche kämpfender Vögel und Zeichen, die er mit dieser Hilfe deutet. Die Altäre sind durch Tiere verunreinigt, die vom unbestatteten Polyneikes gefressen haben; die Stadt erhält keine regelrechten Opferzeichen mehr.
Teiresias erklärt Kreon, er habe einen Toten oben liegen lassen und eine Lebende unter die Erde gebracht. Kreon beschuldigt ihn zunächst, gewinnsüchtig zu reden. Erst später nimmt er die Warnung an. Diese Szene zeigt ein Zusammenspiel von eigener Wahrnehmung, Helfer und Deutung. Teiresias’ Autorität ersetzt nicht die beschriebenen Wege, auf denen er seine Zeichen erfährt.
Nicht jede Quelle erklärt die Blindheit gleich
Ovid erzählt in den Metamorphosen, dass Teiresias nach dem Schlagen sich paarender Schlangen eine Frau wird und Jahre später wieder eine männliche Gestalt erhält. Jupiter und Juno fragen ihn anschließend, welches Geschlecht beim Sex mehr Lust empfinde. Er stimmt Jupiter zu; Juno nimmt ihm das Augenlicht, Jupiter gibt ihm als Ausgleich prophetisches Wissen. Hier stehen die römischen Götternamen und Ovids literarische Gestaltung.
Die Bibliotheke führt mehrere Erklärungen nebeneinander. Sie schreibt Pherekydes eine Athena-Erzählung zu: Teiresias sieht die Göttin nackt und verliert sein Augenlicht; besondere Hörfähigkeit und ein Stab folgen. Die Schlangen-/Geschlechtergeschichte schreibt sie Hesiod zu. Das sind Angaben des Mythografen über ältere Autoren, keine hier selbst geprüften Originaltexte. Die Lustbehauptung ist Bestandteil der Erzählung, kein biologischer Nachweis; moderne Identitätsbegriffe werden dem Text nicht ungeprüft aufgesetzt.
Auch der tote Seher spricht unter Bedingungen
In der Odyssee begegnet Odysseus Teiresias unter den Toten. Der Seher erkennt ihn und spricht nach dem Trinken des Opferblutes über den Heimweg. Seine Warnung vor den Rindern des Helios verbindet die Zukunft ausdrücklich mit dem Verhalten der Reisenden: Verschonen oder Schädigen der Tiere führt zu unterschiedlichen Folgen.
Teiresias kündigt zudem die Lage auf Ithaka und weitere Verpflichtungen nach der Rückkehr an. Der Text gibt dem Toten so eine eigene Wissensrolle, ohne daraus die dramatischen Streitgespräche oder eine einzige Blindheitsgeschichte herzuleiten. Sein Profil verbindet diese Fassungen durch den Namen und den Seherstatus; ihre Situationen und Bedingungen bleiben getrennt.
Die Figur in ihren Quellen
Eine Gestalt, verschiedene Textrollen
Seine Aussage wird zum Verdacht gegen ihn
König Ödipus, Teiresias-Szene
Ein Junge hilft, die Zeichen zu lesen
Antigone, Teiresias’ Eintritt und Streit mit Kreon
Nicht jede Quelle erklärt die Blindheit gleich
Metamorphosen 3,316–338; Bibliotheke 3.6.7
Auch der tote Seher spricht unter Bedingungen
Odyssee 11,90–150
Texte und ihre Zugänge
Werke, Fassungen und verwendete Zugänge
Überlieferter Text
Sophokles: König Ödipus
Eigenes Drama; die unten benannte englische Lesefassung erschließt ausgewählte Szenen.
Tragödie des 5. Jahrhunderts v. Chr.; Aufführungsjahr hier nicht festgelegt.
Sprache: Griechisch
Benutzte Ausgabe
Storr: König Ödipus, ausgewählte Szenen
Plage, Verhöre, Enthüllung und Schluss. Vollständiger Textendpunkt ergänzt abgeschnittenes HTML; keine Werkvolllektüre behauptet.
Historische Übersetzung; digitale MIT-Lesefassung.
Sprache: Englisch
Überlieferter Text
Sophokles: Antigone
Eigenes Drama um Bestattung, Herrschaft und die Folgen des Verbots.
Tragödie des 5. Jahrhunderts v. Chr.
Sprache: Griechisch
Benutzte Ausgabe
Jebb: Antigone, ausgewählte Szenen
Schwestern, Bestattung, Verhör, Haimon, Abschied, Teiresias und Schlussberichte.
Historische Übersetzung; digitale MIT-Lesefassung.
Sprache: Englisch
Überlieferter Text
Homerische Odyssee
Erzählwerk; nur ausdrücklich benannte Ausschnitte gelesen, kein vollständig erschlossenes Korpus.
Werkebene; hier keine exakte Datierung festgelegt.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Murray: Teiresias und Epikaste in Odyssee XI
Nur 11,90–150 und 271–280; kein vollständiges Buch XI.
Historische Murray-Übersetzung; Theoi-Digitaltext.
Sprache: Englisch
Überlieferter Text
Bibliotheke des Pseudo-Apollodor
Werkbezeichnung für die mythographische Sammlung. In diesem Museum sind nur ausgewählte Ausschnitte erschlossen; die einzelnen Editionsdatensätze benennen die tatsächlich gelesenen Stellen.
Antike mythographische Zusammenstellung; genaue Entstehungszeit und Autorschaft aus dieser Lektüre nicht bestimmt.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Frazer: thebanische Varianten der Bibliotheke III
3.5.7–9, 3.6.1/3/7–8 und 3.7.1; zugeschriebene ältere Autoren nicht selbst kollationiert.
Historische Frazer-Übersetzung; Theoi-Digitaltext.
Sprache: Englisch
Überlieferter Text
Ovid: Metamorphosen
Werkebene des römischen Gedichts. Die einzelnen Museumsseiten nennen ihre jeweils gelesenen Buch- und Versabschnitte; daraus folgt keine vollständige Erschließung des Werks.
Antikes Werk; keine Datierung aus dem Datum eines modernen Digitaltexts abgeleitet.
Sprache: Latein
Benutzte Ausgabe
Brookes More: Teiresias in Metamorphosen III
Nur 3,316–338. Römische Götternamen; kein wissenschaftlicher Befund über sexuelles Erleben.
Übersetzung 1922; Theoi-Digitaltext.
Sprache: Englisch
Der Weg zum Beleg
Quellen und Einordnung
- Überlieferung
- Thebanische Erzählungen in getrennten Epos-, Tragödien- und mythografischen Fassungen
- Verwendeter Ausschnitt
- Sophokles, König Ödipus und Antigone; Ovid, Metamorphosen 3,316–338; Bibliotheke 3.6.7; Odyssee 11,90–150.
- Sophokles: König Ödipus – Ermittlungen und Enthüllung
Sophokles; englische Übersetzung F. Storr · Antikes Drama; historische Storr-Übersetzung, digitale MIT-Lesefassung
Plage/Orakel und Selbstfluch; Teiresias-Streit; Kreons Verteidigung und Iokastes Vermittlung; Kreuzweg-/Orakelgespräch; korinthischer Bote, Hirtenverhör, Iokastes Tod und Selbstblendung; Schluss mit Kreon und den Töchtern.
Benannte englische Übersetzung gelesen; keine griechische Vollkollation oder Handschriftenprüfung. Szenenfenster, keine behauptete Volllektüre des Werks. HTML-Abruf endet im Hirtenverhör; vollständiger Textendpunkt ergänzt die benannten Schlussfenster. Alter Cache-/HTML-Rahmen ist kein kritischer Editionsnachweis. Abgerufen am 2026-10-01.
- Sophokles: Antigone – Schwestern, Herrschaft und Bestattung
Sophokles; englische Übersetzung R. C. Jebb · Antikes Drama; historische Jebb-Übersetzung, digitale MIT-Lesefassung
Schwesternprolog; Kreons Antrittsrede; Wächterbericht und Antigones Verhör; Ismenes Beteiligungsangebot; Haimon-Streit und Verschonung Ismenes; Antigones Abschied; Teiresias und Kreons Umkehr; Botenberichte zu Antigone, Haimon und Eurydike.
Benannte englische Übersetzung gelesen; keine griechische Vollkollation oder Handschriftenprüfung. Szenenfenster, keine behauptete Volllektüre des Werks. Nicht jede Chorstrophe oder Rezeptionsfassung geprüft. Keine spätere Lebensgeschichte Ismenes aus dem Schweigen abgeleitet. Abgerufen am 2026-10-01.
- Ovid: Teiresias zwischen Verwandlung und Prophezeiung
Ovid; englische Übersetzung Brookes More · Metamorphosen; More-Übersetzung 1922, Theoi-Digitaltext
Metamorphosen 3,316–338.
Benannte englische Passage tatsächlich gelesen; keine lateinische Kollation. Römische Götternamen und literarische Behauptung über sexuelles Erleben nicht als biologische Tatsachen behandelt. Abgerufen am 2026-10-01.
- Bibliotheke III: thebanische Namen und Varianten
Pseudo-Apollodor; Übersetzung J. G. Frazer · Antike Mythografie; historische Frazer-Übersetzung, Theoi-Digitaltext
Bibliotheke 3.5.7–9; 3.6.1 und 3; 3.6.7–8; 3.7.1.
Benannte englische Übersetzung gelesen; keine griechische Vollkollation oder Handschriftenprüfung. Szenenfenster, keine behauptete Volllektüre des Werks. Angaben über Hesiod und Pherekydes sind Zuschreibungen dieses Mythografen, keine eigene Lektüre verlorener Originale. Varianten nicht vereinheitlicht. Abgerufen am 2026-10-01.
- Odyssee XI: Teiresias und Epikaste
Homerische Odyssee; Übersetzung A. T. Murray · Antikes Epos; Murray-Übersetzung, digitale Theoi-Ausgabe
Odyssee 11,90–150 und 271–280.
Benannte englische Übersetzung gelesen; keine griechische Vollkollation oder Handschriftenprüfung. Szenenfenster, keine behauptete Volllektüre des Werks. Nur diese beiden Fenster. Der Epikaste-Abschnitt erzählt keine Selbstblendung; daraus wird keine allgemeine Nichtexistenz anderer Fassungen gefolgert. Abgerufen am 2026-10-01.
Redaktion und Bearbeitungsstand
Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-01. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.
Eine Korrektur oder ein kulturelles Anliegen melden · Bitte den Titel oder die Seitenadresse nennen.
