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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Teiresias: Wissen, das Herrscher nicht hören wollen

Der blinde Seher wird geführt und deutet Zeichen. Seine Aussagen provozieren Herrscher; die Gründe seiner Blindheit und die Erzählungen von körperlicher Verwandlung unterscheiden sich nach Quelle.

4–5 Minuten Lesezeit

Seine Aussage wird zum Verdacht gegen ihn

In König Ödipus kommt Teiresias auf Bitte des Herrschers. Zunächst will er nicht sprechen, weil sein Wissen Leid bringen werde. Erst nach dem Streit nennt er Ödipus als Laios’ Täter. Der König deutet dies als Verschwörung, verspottet seine Blindheit und beruft sich auf die eigene Rettung vor der Sphinx.

Teiresias entgegnet, Ödipus sehe und kenne doch seine eigene Herkunft und Familienlage nicht. Er erklärt sich als Diener Apollons, nicht als Kreons Helfer. Das Drama unterscheidet damit körperliches Sehen und Wissen. Es behauptet nicht, ein blinder Mensch sei ohne Hilfe oder könne alles mit den Augen wahrnehmen; die polemische Verknüpfung gehört zum konkreten Machtstreit.

Ein Junge hilft, die Zeichen zu lesen

In Antigone führt ein Junge Teiresias und berichtet ihm sichtbare Einzelheiten des misslingenden Opfers. Der Seher beschreibt die Geräusche kämpfender Vögel und Zeichen, die er mit dieser Hilfe deutet. Die Altäre sind durch Tiere verunreinigt, die vom unbestatteten Polyneikes gefressen haben; die Stadt erhält keine regelrechten Opferzeichen mehr.

Teiresias erklärt Kreon, er habe einen Toten oben liegen lassen und eine Lebende unter die Erde gebracht. Kreon beschuldigt ihn zunächst, gewinnsüchtig zu reden. Erst später nimmt er die Warnung an. Diese Szene zeigt ein Zusammenspiel von eigener Wahrnehmung, Helfer und Deutung. Teiresias’ Autorität ersetzt nicht die beschriebenen Wege, auf denen er seine Zeichen erfährt.

Nicht jede Quelle erklärt die Blindheit gleich

Ovid erzählt in den Metamorphosen, dass Teiresias nach dem Schlagen sich paarender Schlangen eine Frau wird und Jahre später wieder eine männliche Gestalt erhält. Jupiter und Juno fragen ihn anschließend, welches Geschlecht beim Sex mehr Lust empfinde. Er stimmt Jupiter zu; Juno nimmt ihm das Augenlicht, Jupiter gibt ihm als Ausgleich prophetisches Wissen. Hier stehen die römischen Götternamen und Ovids literarische Gestaltung.

Die Bibliotheke führt mehrere Erklärungen nebeneinander. Sie schreibt Pherekydes eine Athena-Erzählung zu: Teiresias sieht die Göttin nackt und verliert sein Augenlicht; besondere Hörfähigkeit und ein Stab folgen. Die Schlangen-/Geschlechtergeschichte schreibt sie Hesiod zu. Das sind Angaben des Mythografen über ältere Autoren, keine hier selbst geprüften Originaltexte. Die Lustbehauptung ist Bestandteil der Erzählung, kein biologischer Nachweis; moderne Identitätsbegriffe werden dem Text nicht ungeprüft aufgesetzt.

Auch der tote Seher spricht unter Bedingungen

In der Odyssee begegnet Odysseus Teiresias unter den Toten. Der Seher erkennt ihn und spricht nach dem Trinken des Opferblutes über den Heimweg. Seine Warnung vor den Rindern des Helios verbindet die Zukunft ausdrücklich mit dem Verhalten der Reisenden: Verschonen oder Schädigen der Tiere führt zu unterschiedlichen Folgen.

Teiresias kündigt zudem die Lage auf Ithaka und weitere Verpflichtungen nach der Rückkehr an. Der Text gibt dem Toten so eine eigene Wissensrolle, ohne daraus die dramatischen Streitgespräche oder eine einzige Blindheitsgeschichte herzuleiten. Sein Profil verbindet diese Fassungen durch den Namen und den Seherstatus; ihre Situationen und Bedingungen bleiben getrennt.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Seine Aussage wird zum Verdacht gegen ihn
König Ödipus, Teiresias-Szene

Ein Junge hilft, die Zeichen zu lesen
Antigone, Teiresias’ Eintritt und Streit mit Kreon

Nicht jede Quelle erklärt die Blindheit gleich
Metamorphosen 3,316–338; Bibliotheke 3.6.7

Auch der tote Seher spricht unter Bedingungen
Odyssee 11,90–150

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Sophokles: König Ödipus

Eigenes Drama; die unten benannte englische Lesefassung erschließt ausgewählte Szenen.

Tragödie des 5. Jahrhunderts v. Chr.; Aufführungsjahr hier nicht festgelegt.

Sprache: Griechisch

Benutzte Ausgabe

Storr: König Ödipus, ausgewählte Szenen

Plage, Verhöre, Enthüllung und Schluss. Vollständiger Textendpunkt ergänzt abgeschnittenes HTML; keine Werkvolllektüre behauptet.

Historische Übersetzung; digitale MIT-Lesefassung.

Sprache: Englisch

Überlieferter Text

Sophokles: Antigone

Eigenes Drama um Bestattung, Herrschaft und die Folgen des Verbots.

Tragödie des 5. Jahrhunderts v. Chr.

Sprache: Griechisch

Benutzte Ausgabe

Jebb: Antigone, ausgewählte Szenen

Schwestern, Bestattung, Verhör, Haimon, Abschied, Teiresias und Schlussberichte.

Historische Übersetzung; digitale MIT-Lesefassung.

Sprache: Englisch

Überlieferter Text

Homerische Odyssee

Erzählwerk; nur ausdrücklich benannte Ausschnitte gelesen, kein vollständig erschlossenes Korpus.

Werkebene; hier keine exakte Datierung festgelegt.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Murray: Teiresias und Epikaste in Odyssee XI

Nur 11,90–150 und 271–280; kein vollständiges Buch XI.

Historische Murray-Übersetzung; Theoi-Digitaltext.

Sprache: Englisch

Überlieferter Text

Bibliotheke des Pseudo-Apollodor

Werkbezeichnung für die mythographische Sammlung. In diesem Museum sind nur ausgewählte Ausschnitte erschlossen; die einzelnen Editionsdatensätze benennen die tatsächlich gelesenen Stellen.

Antike mythographische Zusammenstellung; genaue Entstehungszeit und Autorschaft aus dieser Lektüre nicht bestimmt.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Frazer: thebanische Varianten der Bibliotheke III

3.5.7–9, 3.6.1/3/7–8 und 3.7.1; zugeschriebene ältere Autoren nicht selbst kollationiert.

Historische Frazer-Übersetzung; Theoi-Digitaltext.

Sprache: Englisch

Überlieferter Text

Ovid: Metamorphosen

Werkebene des römischen Gedichts. Die einzelnen Museumsseiten nennen ihre jeweils gelesenen Buch- und Versabschnitte; daraus folgt keine vollständige Erschließung des Werks.

Antikes Werk; keine Datierung aus dem Datum eines modernen Digitaltexts abgeleitet.

Sprache: Latein

Benutzte Ausgabe

Brookes More: Teiresias in Metamorphosen III

Nur 3,316–338. Römische Götternamen; kein wissenschaftlicher Befund über sexuelles Erleben.

Übersetzung 1922; Theoi-Digitaltext.

Sprache: Englisch

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Thebanische Erzählungen in getrennten Epos-, Tragödien- und mythografischen Fassungen
Verwendeter Ausschnitt
Sophokles, König Ödipus und Antigone; Ovid, Metamorphosen 3,316–338; Bibliotheke 3.6.7; Odyssee 11,90–150.
  1. Sophokles: König Ödipus – Ermittlungen und Enthüllung

    Sophokles; englische Übersetzung F. Storr · Antikes Drama; historische Storr-Übersetzung, digitale MIT-Lesefassung

    Plage/Orakel und Selbstfluch; Teiresias-Streit; Kreons Verteidigung und Iokastes Vermittlung; Kreuzweg-/Orakelgespräch; korinthischer Bote, Hirtenverhör, Iokastes Tod und Selbstblendung; Schluss mit Kreon und den Töchtern.

    Benannte englische Übersetzung gelesen; keine griechische Vollkollation oder Handschriftenprüfung. Szenenfenster, keine behauptete Volllektüre des Werks. HTML-Abruf endet im Hirtenverhör; vollständiger Textendpunkt ergänzt die benannten Schlussfenster. Alter Cache-/HTML-Rahmen ist kein kritischer Editionsnachweis. Abgerufen am 2026-10-01.

  2. Sophokles: Antigone – Schwestern, Herrschaft und Bestattung

    Sophokles; englische Übersetzung R. C. Jebb · Antikes Drama; historische Jebb-Übersetzung, digitale MIT-Lesefassung

    Schwesternprolog; Kreons Antrittsrede; Wächterbericht und Antigones Verhör; Ismenes Beteiligungsangebot; Haimon-Streit und Verschonung Ismenes; Antigones Abschied; Teiresias und Kreons Umkehr; Botenberichte zu Antigone, Haimon und Eurydike.

    Benannte englische Übersetzung gelesen; keine griechische Vollkollation oder Handschriftenprüfung. Szenenfenster, keine behauptete Volllektüre des Werks. Nicht jede Chorstrophe oder Rezeptionsfassung geprüft. Keine spätere Lebensgeschichte Ismenes aus dem Schweigen abgeleitet. Abgerufen am 2026-10-01.

  3. Ovid: Teiresias zwischen Verwandlung und Prophezeiung

    Ovid; englische Übersetzung Brookes More · Metamorphosen; More-Übersetzung 1922, Theoi-Digitaltext

    Metamorphosen 3,316–338.

    Benannte englische Passage tatsächlich gelesen; keine lateinische Kollation. Römische Götternamen und literarische Behauptung über sexuelles Erleben nicht als biologische Tatsachen behandelt. Abgerufen am 2026-10-01.

  4. Bibliotheke III: thebanische Namen und Varianten

    Pseudo-Apollodor; Übersetzung J. G. Frazer · Antike Mythografie; historische Frazer-Übersetzung, Theoi-Digitaltext

    Bibliotheke 3.5.7–9; 3.6.1 und 3; 3.6.7–8; 3.7.1.

    Benannte englische Übersetzung gelesen; keine griechische Vollkollation oder Handschriftenprüfung. Szenenfenster, keine behauptete Volllektüre des Werks. Angaben über Hesiod und Pherekydes sind Zuschreibungen dieses Mythografen, keine eigene Lektüre verlorener Originale. Varianten nicht vereinheitlicht. Abgerufen am 2026-10-01.

  5. Odyssee XI: Teiresias und Epikaste

    Homerische Odyssee; Übersetzung A. T. Murray · Antikes Epos; Murray-Übersetzung, digitale Theoi-Ausgabe

    Odyssee 11,90–150 und 271–280.

    Benannte englische Übersetzung gelesen; keine griechische Vollkollation oder Handschriftenprüfung. Szenenfenster, keine behauptete Volllektüre des Werks. Nur diese beiden Fenster. Der Epikaste-Abschnitt erzählt keine Selbstblendung; daraus wird keine allgemeine Nichtexistenz anderer Fassungen gefolgert. Abgerufen am 2026-10-01.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-01. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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