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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Kreon: zwei Herrscher, getrennte Geschichten

Der Kreon von Theben ist Iokastes Bruder und streitet mit Ödipus, Antigone und Teiresias. Der König Kreon von Korinth ist Glaukes Vater und gehört zur Jason-Medea-Erzählung. Beide bleiben eigene Identitäten.

4 Minuten Lesezeit

Der Name bezeichnet zwei verschiedene Könige

Im thebanischen Zusammenhang ist Kreon ein Sohn des Menoikeus und Bruder Iokastes. In König Ödipus bringt er die Antwort aus Delphi, wird einer Verschwörung bezichtigt und gewinnt am Schluss Verfügung über den geblendeten König. Antigone zeigt ihn nach dem Tod der Brüder als Herrscher der Stadt.

Ein anderer Kreon regiert Korinth. In der Bibliotheke verlobt er seine Tochter Glauke mit Jason. Medeas vergiftetes Kleid tötet die Tochter und den Vater, der ihr zu Hilfe kommt. Dieser Vater Glaukes ist nicht der thebanische Bruder Iokastes. Das Figurenregister führt beide ausdrücklich getrennt; diese Seite entwickelt vor allem die unterschiedlichen thebanischen Dramen.

Vor dem Urteil verlangt er eine Prüfung

Ödipus wirft Kreon im gleichnamigen Drama vor, mit Teiresias gegen ihn zu arbeiten. Kreon antwortet, dass er schon Einfluss besitze, ohne die Lasten des Königtums tragen zu müssen. Er fordert Ödipus auf, die Nachricht aus Delphi zu überprüfen und nicht ohne Beweis über ihn zu urteilen.

Iokaste unterstützt seinen Unschuldsschwur. Ödipus gibt nach, behält aber seinen Verdacht. Im Schluss verfügt Kreon über die nächsten Schritte, befragt vor einer Verbannung nochmals den Gott und beendet Ödipus’ Begegnung mit den Töchtern. Diese wechselnde Stellung ist wichtig: Der später bekannte Verbotsgeber tritt hier zunächst selbst gegen eine unbelegte Verurteilung auf.

Als Herrscher verlangt er Gehorsam

In Antigone stellt Kreon die Stadt über private Bindungen. Eteokles soll geehrt, Polyneikes als Angreifer unbestattet bleiben. Antigones Verstoß deutet er zugleich als Bedrohung seiner männlichen Herrschaft. Haimons Hinweis auf die Meinung anderer Bürger und seine Forderung, zuzuhören, weist er zurück.

Erst Teiresias’ Warnung und der Rat des Chors bewegen ihn zur Umkehr. Die Bestattung des Toten und der Versuch, Antigone zu befreien, kommen zu spät: Antigone, Haimon und Eurydike sind am Ende tot. Kreon erkennt seine Verantwortung. Seine Behauptung, die Stadt zu schützen, wird an den tatsächlichen Folgen geprüft; das Stück macht bloßen Gehorsam nicht zur erfolgreichen Regierungsform.

Für das eigene Kind zieht er eine andere Grenze

Euripides’ Phönizierinnen geben Kreon einen anders gelagerten Konflikt. Teiresias fordert den Tod seines Sohnes Menoikeus als Voraussetzung für die Rettung der Stadt. Kreon lehnt die Tötung des eigenen Kindes ab und will den Sohn außer Landes bringen. Menoikeus täuscht Zustimmung vor, entscheidet sich aber selbst für seinen Tod.

Damit lässt sich der Kreon aller Dramen nicht mit einem einzigen Satz wie „Für ihn geht der Staat immer über die Familie“ zusammenfassen. Die Werke ordnen seine Bindungen verschieden. Auch die Überlieferung der Phönizierinnen ist textkritisch umstritten; hier werden benannte Szenen der Coleridge-Lesefassung gelesen, keine ursprüngliche griechische Gesamtfassung rekonstruiert. Die Forderung nach einem Kindstod wird als erzählter Konflikt beschrieben, nicht als vorbildliche Lösung.

Die Figur in ihren Quellen

Kreon von Theben

Sohn des Menoikeus und Bruder Iokastes; ausdrücklich verschieden vom korinthischen Vater Glaukes.

Thebanische Dramen
Beweisforderung, Bestattungsverbot und Schutz des eigenen Kindes bleiben werkbezogen.

Die Figur in ihren Quellen

Kreon von Korinth

Vater Glaukes in Bibliotheke 1.9.28; keine Übernahme thebanischer Angehöriger oder Szenen.

Korinthischer König und Glaukes Vater
Verlobung der Tochter mit Jason und tödlicher Rettungsversuch; nur dieser Textzugang.

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Sophokles: König Ödipus

Eigenes Drama; die unten benannte englische Lesefassung erschließt ausgewählte Szenen.

Tragödie des 5. Jahrhunderts v. Chr.; Aufführungsjahr hier nicht festgelegt.

Sprache: Griechisch

Benutzte Ausgabe

Storr: König Ödipus, ausgewählte Szenen

Plage, Verhöre, Enthüllung und Schluss. Vollständiger Textendpunkt ergänzt abgeschnittenes HTML; keine Werkvolllektüre behauptet.

Historische Übersetzung; digitale MIT-Lesefassung.

Sprache: Englisch

Überlieferter Text

Sophokles: Antigone

Eigenes Drama um Bestattung, Herrschaft und die Folgen des Verbots.

Tragödie des 5. Jahrhunderts v. Chr.

Sprache: Griechisch

Benutzte Ausgabe

Jebb: Antigone, ausgewählte Szenen

Schwestern, Bestattung, Verhör, Haimon, Abschied, Teiresias und Schlussberichte.

Historische Übersetzung; digitale MIT-Lesefassung.

Sprache: Englisch

Überlieferter Text

Euripides: Die Phönizierinnen

Eigenes Drama, hier in benannten Szenen; kein rekonstruierter Urtext.

Tragödie des späten 5. Jahrhunderts v. Chr.; Überlieferung mit umstrittenen Zusätzen.

Sprache: Griechisch

Benutzte Ausgabe

Coleridge: Die Phönizierinnen, ausgewählte Szenen

Prolog, Vermittlung, Herrschaftsstreit, Menoikeus und Duellbericht. Umstrittener Schluss nicht eigenständig rekonstruiert.

Historische Übersetzung; digitale MIT-Lesefassung.

Sprache: Englisch

Überlieferter Text

Bibliotheke des Pseudo-Apollodor

Werkbezeichnung für die mythographische Sammlung. In diesem Museum sind nur ausgewählte Ausschnitte erschlossen; die einzelnen Editionsdatensätze benennen die tatsächlich gelesenen Stellen.

Antike mythographische Zusammenstellung; genaue Entstehungszeit und Autorschaft aus dieser Lektüre nicht bestimmt.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Frazer: Kreon von Korinth in Bibliotheke I

Nur 1.9.28 zum korinthischen Kreon; kein vollständiges Buch I.

Historische Frazer-Übersetzung; Theoi-Digitaltext.

Sprache: Englisch

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Thebanische Erzählungen in getrennten Epos-, Tragödien- und mythografischen Fassungen
Verwendeter Ausschnitt
Sophokles, König Ödipus und Antigone; Euripides, Die Phönizierinnen; Bibliotheke 1.9.28.
  1. Sophokles: König Ödipus – Ermittlungen und Enthüllung

    Sophokles; englische Übersetzung F. Storr · Antikes Drama; historische Storr-Übersetzung, digitale MIT-Lesefassung

    Plage/Orakel und Selbstfluch; Teiresias-Streit; Kreons Verteidigung und Iokastes Vermittlung; Kreuzweg-/Orakelgespräch; korinthischer Bote, Hirtenverhör, Iokastes Tod und Selbstblendung; Schluss mit Kreon und den Töchtern.

    Benannte englische Übersetzung gelesen; keine griechische Vollkollation oder Handschriftenprüfung. Szenenfenster, keine behauptete Volllektüre des Werks. HTML-Abruf endet im Hirtenverhör; vollständiger Textendpunkt ergänzt die benannten Schlussfenster. Alter Cache-/HTML-Rahmen ist kein kritischer Editionsnachweis. Abgerufen am 2026-10-01.

  2. Sophokles: Antigone – Schwestern, Herrschaft und Bestattung

    Sophokles; englische Übersetzung R. C. Jebb · Antikes Drama; historische Jebb-Übersetzung, digitale MIT-Lesefassung

    Schwesternprolog; Kreons Antrittsrede; Wächterbericht und Antigones Verhör; Ismenes Beteiligungsangebot; Haimon-Streit und Verschonung Ismenes; Antigones Abschied; Teiresias und Kreons Umkehr; Botenberichte zu Antigone, Haimon und Eurydike.

    Benannte englische Übersetzung gelesen; keine griechische Vollkollation oder Handschriftenprüfung. Szenenfenster, keine behauptete Volllektüre des Werks. Nicht jede Chorstrophe oder Rezeptionsfassung geprüft. Keine spätere Lebensgeschichte Ismenes aus dem Schweigen abgeleitet. Abgerufen am 2026-10-01.

  3. Bibliotheke I: Kreon von Korinth und Glauke

    Pseudo-Apollodor; Übersetzung J. G. Frazer · Antike Mythografie; historische Frazer-Übersetzung, Theoi-Digitaltext

    Bibliotheke 1.9.28, Kreon und Glauke.

    Indexnotiz nach Weblektüre des genannten Volltextausschnitts; Direktabruf HTTP 403. Keine Volllektüre von Buch I oder einer Medea-Tragödie, keine griechische Kollation. Abgerufen am 2026-10-01.

  4. Euripides: Die Phönizierinnen – Vermittlung und Bruderkrieg

    Euripides; englische Übersetzung E. P. Coleridge · Antikes Drama; historische Coleridge-Übersetzung, digitale MIT-Lesefassung

    Iokastes Prolog; Exilgespräch mit Polyneikes; Dreierstreit um Herrschaft und Gleichheit; Eteokles/Kreon zur Verteidigung; Teiresias, Kreon und Menoikeus; Botenbericht über Bruderduell und Iokastes Tod.

    Benannte englische Übersetzung gelesen; keine griechische Vollkollation oder Handschriftenprüfung. Szenenfenster, keine behauptete Volllektüre des Werks. Abgeschnittenes HTML durch vollständigen Textendpunkt für benannte spätere Szenen ergänzt. Umstrittener Schluss nicht zu einer einheitlichen thebanischen Biografie gemacht; keine eigene Rekonstruktion des Urtexts. Abgerufen am 2026-10-01.

  5. Textkritische Grenzen der Phönizierinnen: öffentlicher Extract

    C. W. Willink · Proceedings of the Cambridge Philological Society 36 (1990), S. 182–201; online 2013

    Öffentlicher Extract, bibliografische Angaben und Anmerkungen 2–4.

    Indexnotiz; kein gelesener Aufsatzvolltext. Nur Hinweis auf die dokumentierte Debatte, keine eigene Entscheidung über griechische Interpolationen. Abgerufen am 2026-10-01.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-17. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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