Die Vermittlerin zweifelt am Orakel
Iokaste unterbricht in König Ödipus den Streit zwischen ihrem Mann und ihrem Bruder Kreon. Sie fordert, Kreons Unschuldsschwur zu glauben, und lenkt das Gespräch auf die beunruhigenden Weissagungen. Ein Orakel habe Laios den Tod durch seinen Sohn angekündigt; das Kind sei aber ausgesetzt worden und Laios von Räubern getötet. Für sie sprechen diese Nachrichten zunächst gegen die Zuverlässigkeit der Vorhersage.
Dabei erzählt sie gerade die Einzelheiten, die Ödipus verdächtig werden: die verletzten Füße des Kindes und den Kreuzweg. Ihre beruhigende Deutung und die Wirkung ihrer Informationen fallen auseinander. Iokaste ist nicht nur Gegenstand seiner Aufklärung; sie prägt die Suche mit eigenem Wissen und einem Schluss, der sich später als falsch erweist.
Die Bitte, nicht weiterzufragen
Als der korinthische Bote von Ödipus’ Aufnahme als Findelkind berichtet, versteht Iokaste die Gefahr früher als ihr Mann. Sie bittet ihn nachdrücklich, nicht weiter nach seiner Geburt zu fragen. Ödipus glaubt dagegen, sie schäme sich einer möglicherweise geringen Abstammung. Ihr Wissen bleibt in diesem Moment unausgesprochen und wird von ihm falsch eingeordnet.
Der spätere Botenbericht meldet ihren Tod durch Suizid. Der Hirte hat zuvor erklärt, Iokaste habe ihm das Kind zur Tötung übergeben; sein Mitleid habe dessen Weitergabe ermöglicht. Der Text lässt daher weder die Verantwortung für das ausgesetzte Kind noch ihren späteren Schrecken verschwinden. Eine einzige Bezeichnung als schuldige Mutter oder unwissendes Opfer würde diese verschiedenen Situationen verdecken.
Bei Euripides hält sie die Brüder zusammen
Die Phönizierinnen beginnen mit einer anderen Iokaste: Sie lebt noch, während der geblendete Ödipus im Haus eingeschlossen ist. Sie hat einen Waffenstillstand vermittelt und Polyneikes in die Stadt gebeten. Im Gespräch hört sie von seinem Exil; anschließend versucht sie, den Streit zwischen ihm und Eteokles zu begrenzen.
Eteokles verteidigt seinen Alleinbesitz der Herrschaft; Iokaste hält ihm Gleichheit und wechselnde Ordnungen entgegen. Doch sie kritisiert auch Polyneikes: Was wäre ein Sieg wert, der die eigene Heimat zerstört? Ihre Rede steht nicht einfach auf der Seite eines Sohnes. Als beide im Zweikampf sterben, kommt sie mit Antigone zu spät und stirbt ebenfalls. Das ist Euripides’ dramatische Lage, keine Fortsetzung nach ihrem Tod bei Sophokles.
Auch Namen und Mutterzuweisungen wechseln
Die Odyssee nennt die Ehefrau und Mutter des Ödipus Epikaste. Der kurze Abschnitt erzählt die unwissentliche Ehe, ihre Enthüllung und ihren Tod; Ödipus bleibt dort Herrscher in Theben. Diese Passage ist ein eigener Zugang, kein bloßer abweichender Name für jede Einzelheit des Sophokles-Dramas.
Die Bibliotheke nennt die vier Kinder zunächst als Kinder Iokastes und Ödipus’, führt aber ausdrücklich die alternative Mutter Euryganeia an. Wer einen Stammbaum zeichnet, muss deshalb die gewählte Quelle nennen. Hier werden die unterschiedlichen Angaben nebeneinandergestellt, ohne eine universell gültige Mutterzuweisung zu behaupten.
Die Figur in ihren Quellen
Eine Gestalt, verschiedene Textrollen
Die Vermittlerin zweifelt am Orakel
König Ödipus, Iokastes Vermittlung und Bericht über Laios, das ausgesetzte Kind und den Kreuzweg
Die Bitte, nicht weiterzufragen
König Ödipus, Bote aus Korinth, Iokastes Abgang, Hirtenverhör und zweiter Botenbericht
Bei Euripides hält sie die Brüder zusammen
Die Phönizierinnen, Iokastes Prolog, Exilgespräch, Dreierstreit und Botenbericht zum Bruderduell
Auch Namen und Mutterzuweisungen wechseln
Odyssee 11,271–280; Bibliotheke 3.5.8
Texte und ihre Zugänge
Werke, Fassungen und verwendete Zugänge
Überlieferter Text
Sophokles: König Ödipus
Eigenes Drama; die unten benannte englische Lesefassung erschließt ausgewählte Szenen.
Tragödie des 5. Jahrhunderts v. Chr.; Aufführungsjahr hier nicht festgelegt.
Sprache: Griechisch
Benutzte Ausgabe
Storr: König Ödipus, ausgewählte Szenen
Plage, Verhöre, Enthüllung und Schluss. Vollständiger Textendpunkt ergänzt abgeschnittenes HTML; keine Werkvolllektüre behauptet.
Historische Übersetzung; digitale MIT-Lesefassung.
Sprache: Englisch
Überlieferter Text
Euripides: Die Phönizierinnen
Eigenes Drama, hier in benannten Szenen; kein rekonstruierter Urtext.
Tragödie des späten 5. Jahrhunderts v. Chr.; Überlieferung mit umstrittenen Zusätzen.
Sprache: Griechisch
Benutzte Ausgabe
Coleridge: Die Phönizierinnen, ausgewählte Szenen
Prolog, Vermittlung, Herrschaftsstreit, Menoikeus und Duellbericht. Umstrittener Schluss nicht eigenständig rekonstruiert.
Historische Übersetzung; digitale MIT-Lesefassung.
Sprache: Englisch
Überlieferter Text
Homerische Odyssee
Erzählwerk; nur ausdrücklich benannte Ausschnitte gelesen, kein vollständig erschlossenes Korpus.
Werkebene; hier keine exakte Datierung festgelegt.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Murray: Teiresias und Epikaste in Odyssee XI
Nur 11,90–150 und 271–280; kein vollständiges Buch XI.
Historische Murray-Übersetzung; Theoi-Digitaltext.
Sprache: Englisch
Überlieferter Text
Bibliotheke des Pseudo-Apollodor
Werkbezeichnung für die mythographische Sammlung. In diesem Museum sind nur ausgewählte Ausschnitte erschlossen; die einzelnen Editionsdatensätze benennen die tatsächlich gelesenen Stellen.
Antike mythographische Zusammenstellung; genaue Entstehungszeit und Autorschaft aus dieser Lektüre nicht bestimmt.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Frazer: thebanische Varianten der Bibliotheke III
3.5.7–9, 3.6.1/3/7–8 und 3.7.1; zugeschriebene ältere Autoren nicht selbst kollationiert.
Historische Frazer-Übersetzung; Theoi-Digitaltext.
Sprache: Englisch
Der Weg zum Beleg
Quellen und Einordnung
- Überlieferung
- Thebanische Erzählungen in getrennten Epos-, Tragödien- und mythografischen Fassungen
- Verwendeter Ausschnitt
- Sophokles, König Ödipus; Euripides, Die Phönizierinnen; Odyssee 11,271–280.
- Sophokles: König Ödipus – Ermittlungen und Enthüllung
Sophokles; englische Übersetzung F. Storr · Antikes Drama; historische Storr-Übersetzung, digitale MIT-Lesefassung
Plage/Orakel und Selbstfluch; Teiresias-Streit; Kreons Verteidigung und Iokastes Vermittlung; Kreuzweg-/Orakelgespräch; korinthischer Bote, Hirtenverhör, Iokastes Tod und Selbstblendung; Schluss mit Kreon und den Töchtern.
Benannte englische Übersetzung gelesen; keine griechische Vollkollation oder Handschriftenprüfung. Szenenfenster, keine behauptete Volllektüre des Werks. HTML-Abruf endet im Hirtenverhör; vollständiger Textendpunkt ergänzt die benannten Schlussfenster. Alter Cache-/HTML-Rahmen ist kein kritischer Editionsnachweis. Abgerufen am 2026-10-01.
- Euripides: Die Phönizierinnen – Vermittlung und Bruderkrieg
Euripides; englische Übersetzung E. P. Coleridge · Antikes Drama; historische Coleridge-Übersetzung, digitale MIT-Lesefassung
Iokastes Prolog; Exilgespräch mit Polyneikes; Dreierstreit um Herrschaft und Gleichheit; Eteokles/Kreon zur Verteidigung; Teiresias, Kreon und Menoikeus; Botenbericht über Bruderduell und Iokastes Tod.
Benannte englische Übersetzung gelesen; keine griechische Vollkollation oder Handschriftenprüfung. Szenenfenster, keine behauptete Volllektüre des Werks. Abgeschnittenes HTML durch vollständigen Textendpunkt für benannte spätere Szenen ergänzt. Umstrittener Schluss nicht zu einer einheitlichen thebanischen Biografie gemacht; keine eigene Rekonstruktion des Urtexts. Abgerufen am 2026-10-01.
- Odyssee XI: Teiresias und Epikaste
Homerische Odyssee; Übersetzung A. T. Murray · Antikes Epos; Murray-Übersetzung, digitale Theoi-Ausgabe
Odyssee 11,90–150 und 271–280.
Benannte englische Übersetzung gelesen; keine griechische Vollkollation oder Handschriftenprüfung. Szenenfenster, keine behauptete Volllektüre des Werks. Nur diese beiden Fenster. Der Epikaste-Abschnitt erzählt keine Selbstblendung; daraus wird keine allgemeine Nichtexistenz anderer Fassungen gefolgert. Abgerufen am 2026-10-01.
- Bibliotheke III: thebanische Namen und Varianten
Pseudo-Apollodor; Übersetzung J. G. Frazer · Antike Mythografie; historische Frazer-Übersetzung, Theoi-Digitaltext
Bibliotheke 3.5.7–9; 3.6.1 und 3; 3.6.7–8; 3.7.1.
Benannte englische Übersetzung gelesen; keine griechische Vollkollation oder Handschriftenprüfung. Szenenfenster, keine behauptete Volllektüre des Werks. Angaben über Hesiod und Pherekydes sind Zuschreibungen dieses Mythografen, keine eigene Lektüre verlorener Originale. Varianten nicht vereinheitlicht. Abgerufen am 2026-10-01.
Redaktion und Bearbeitungsstand
Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-01. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.
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