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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Hapy: Horussohn, nicht Nilgestalt

Ein Schutzsprecher namens Hapy wird in Totenbuchspruch 151 angerufen. Ein Krug des Mittleren Reichs ist nach Inschrift menschenköpfig, ein viel späterer Krug pavianköpfig. Die gleichnamige Nilgestalt erscheint dagegen in einem anderen Bildkontext.

4–5 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Hapy schützt Körper und Person

In Allens Übersetzung von Totenbuchspruch 151 spricht Hapy selbst. Er verspricht Schutz, das Wiederanfügen von Kopf und Gliedern sowie die Überwindung von Feinden. Diese Sätze betreffen die Handlungsfähigkeit der verstorbenen Person. Eine Lunge wird in dieser gelesenen Passage nicht genannt.

Der Druck von 1974 fasst mehrere antike Zeugen zusammen. Allens Fußnote beschreibt bei einem Vignettenzeugen einen affenköpfigen Hapy. Das ist ein Bildzeuge der Spruchüberlieferung, nicht das Foto eines bestimmten hier gezeigten Kanopenkrugs.

Ein früher Name auf Menschenkopf

Ein Krug aus dem Grab der Prinzessin Sithathoryunet in Lahun, etwa 1887 bis 1813 v. Chr., trägt nach dem Met-Katalog eine Inschrift, die Nephthys und Hapy für den Schutz der Lunge anruft. Der Katalog beschreibt den Deckel dieses Satzes als menschenköpfig. Für genau dieses Objekt steht dort kein öffentliches Foto zur Verfügung; seine Benennung und Kopfform werden deshalb ausdrücklich als kuratorische Angaben wiedergegeben.

Das ältere Gefäß widerlegt eine einfache Gleichung Hapy gleich Paviankopf für alle Zeiten. Der Personenname in der Inschrift und die heutige Museumserfassung tragen die Identifikation; ein moderner Kopfarten-Schlüssel allein würde sie verfehlen.

Der spätere pavianköpfige Hapy

Heller Kanopenkrug mit bemaltem pavianköpfigem Deckel und dunklen Streifen an den Kopfseiten.
Pavianköpfiger Kanopenkrug des Horussohns Hapy, The Met 12.183.1b, Spätzeit, 664–525 v. Chr.; Public Domain / CC0. Der Met-Katalog nennt die Lunge als wahrscheinlichen einstigen Inhalt. Der Horussohn ist von der Nilgestalt Hapi zu unterscheiden. Bildnachweis Bildlizenz

Ein anderer Krug, ein späterer Deckel

Der fotografierte Kalksteinkrug Met 12.183.1b stammt aus einem anderen, spätzeitlichen Satz, etwa 664 bis 525 v. Chr. Sein bemalter Deckel hat die Züge eines Pavians. Das Met nennt die Lunge als wahrscheinlichen einstigen Inhalt. Die Fotografie zeigt nur die äußere Form; ein früherer Inhalt lässt sich ihr nicht entnehmen.

Der frühe und der späte Krug sind Vergleichsobjekte aus verschiedenen Bestattungen. Die Entwicklung einer später vertrauten Bildform wird an ihnen verständlich, ohne den früheren Krug nachträglich mit einem Tierkopf auszustatten.

Gleicher Name, andere Gestalt

Ein anderer Met-Skarabäus zeigt Hapy als Personifikation der Nilüberschwemmung. Dort identifiziert der Katalog die Nilgestalt durch Papyruspflanzen auf dem Kopf. Die Bildaussage betrifft Wasser, Fruchtbarkeit und die Vereinigung Ägyptens. Der Horussohn auf dem Kanopenkrug gehört dagegen zum Bestattungsschutz. Der gleiche Name macht aus ihnen keine einzige Figur.

Wer nach Hapy sucht, muss deshalb zuerst den Gegenstand prüfen: Stehen Kanopen, Schutzrede und Paviankopf im Zentrum oder ein Nilbild mit Papyrus? Die Zuordnung folgt dem jeweiligen Objekt und Kontext, nicht der Schreibweise allein.

Was entscheidet die Zuordnung?

Vergleiche den menschenköpfigen Krug aus Lahun, den späteren pavianköpfigen Krug und den Skarabäus mit Papyrus. Zwei gehören zu einem Horussohn, obwohl ihre Köpfe verschieden sind; der dritte zeigt einen Namensvetter. Welcher Beleg ist für die Identität jeweils entscheidend?

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Schutz von Kopf und Gliedern
Spruch 151, Einheit l; keine Lungenangabe im Text.

Früher Menschenkopf
Met 16.1.47 nach Inschrift mit Nephthys und Hapy; kein Katalogbild.

Später Paviankopf
Met 12.183.1b; Lunge laut Katalog wahrscheinlich.

Namensgleiche Nilgestalt
Met 10.130.617 zeigt den Nil-Hapy mit Papyruskopfschmuck als getrennten Vergleich.

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Totenbuch, Spruch 151: Schutz der Bestattung

Bestattungsschutz mit verschiedenen Sprecherrollen und Anweisungen. Die vier Horussöhne treten in Allens Einheiten k–n einzeln als Schutzsprecher auf; die Passage ist keine Organtabelle.

Mehrere Textzeugen; Spruchnummer und Reihenfolge in der modernen Edition.

Sprache: Altägyptisch

Erhaltener Textzeuge

Allens Textzeuge Pc für Teile von Spruch 151

Allens Grundlage unter anderem für die Einheiten i–n, mit einzelnen Ergänzungen aus anderen Zeugen. Die Sigle wird nicht zu einer erfundenen Papyrusidentität erweitert.

18. Dynastie laut Allens Fußnote 250; genauer Träger hier nicht selbst untersucht.

Sprache: Altägyptisch, über Allens englische Edition erschlossen

Erhaltener Textzeuge

Allens Vignettenzeuge Af für Spruch 151

Allen beschreibt eine Darstellung der Grabkammer mit Texten und Vignetten. Die vier Köpfe benennt er Falken, Affen, Schakal und Mensch für Qebehsenuef, Hapi, Duamutef und Imset.

20./21. Dynastie laut Allens Fußnote 250; Objekt hier nicht selbst untersucht.

Sprache: Altägyptisch und Vignetten, nur über Allens Beschreibung erschlossen

Benutzte Ausgabe

Thomas George Allen, Book of the Dead, SAOC 37, Spruch 151

Gelesen wurden Fußnote 250, Vignettenbeschreibung und die Sprecherabschnitte k–n. Die Edition kombiniert Zeugen und ist kein unmittelbarer Wortlaut einer einzelnen Papyrusrolle.

Chicago 1974; gedruckte S. 147–150 gelesen am 30. September 2026.

Sprache: Englische Übersetzung und Kommentar altägyptischer Textzeugen

Welche Zeit ist gemeint?

  • Met 16.1.47 aus Sithathoryunets Grab wird auf etwa 1887–1813 v. Chr. datiert; die Katalogbeschreibung nennt Hapy und Nephthys trotz Menschenkopf.
  • Allens Spruch-151-Komplex beruht unter anderem auf einem Textzeugen der 18. Dynastie; die Edition kombiniert mehrere Zeugnisse.
  • Der pavianköpfige Krug Met 12.183.1b gehört zum späten Vierersatz, 664–525 v. Chr.

Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Hapy als einer der vier Horussöhne in Spruch 151 und an Kanopen; die gleichnamige Nilgestalt nur als ausdrücklich getrennte Vergleichsfigur
Verwendeter Ausschnitt
Allen 1974, Totenbuchspruch 151, gedruckte S. 147–150; gesonderte, datierte Met-Objektkataloge.
  1. Allen 1974: Totenbuchspruch 151 und vier Schutzsprecher

    Thomas George Allen · Chicago 1974

    Thomas George Allen, The Book of the Dead or Going Forth by Day, SAOC 37 (Chicago 1974), Spruch 151, gedruckte S. 147–150. Fußnote 250 nennt die verschiedenen Textzeugen; Einheiten k–n lassen Qebehsenuef, Hapi, Duamutef und Imset jeweils als Schutzsprecher auftreten. Die Vignette in Af zeigt die vier mit Falken-, Affen-, Schakal- und Menschenkopf.

    Moderne englische Edition aus mehreren Textzeugen, nicht der Wortlaut einer einzigen Papyrusrolle und keine eigene Hieroglyphenlesung. Der Text spricht von Schutz, Gliedern, Feinden und Bestand, nicht von einer vierteiligen Organ-Tabelle. Publikation CC BY-NC-ND 4.0: nur eng paraphrasieren und zur offiziellen Ausgabe verlinken. Abgerufen am 2026-09-30.

  2. Hapy-Kanopenkrug desselben Satzes

    The Metropolitan Museum of Art · 664–525 BCE

    Met 12.183.1b: Pavian-Deckel, Lunge als wahrscheinlicher Inhalt; zu 12.183.1a/c/d gehörig, 664–525 v. Chr.

    Der Katalog sagt wahrscheinlich; Hapy als Horussohn ist nicht mit der gleichnamigen Nilgestalt identisch. Abgerufen am 2026-09-30.

  3. Kanopenkrug Sithathoryunets für Hapy

    The Metropolitan Museum of Art · ca. 1887–1813 B.C.

    Met 16.1.47: 12. Dynastie; menschlicher Deckel im Satz, Inschrift nennt Nephthys und Hapy für die Lunge.

    Kein öffentlich verfügbares Bild im Met-Katalog; Objekt nur textlich als Kontrast zum späteren Pavian-Deckel verwenden. Abgerufen am 2026-09-30.

  4. Skarabäus mit der Nilgestalt Hapy

    The Metropolitan Museum of Art · ca. 721–525 BCE

    Met 10.130.617, Skarabäus der 25.–26. Dynastie, etwa 721–525 v. Chr.; der kuratorische Objekttext identifiziert die dargestellte Nilgestalt Hapy durch Papyruskopfschmuck und deutet sie als Personifikation der Nilüberschwemmung.

    Gleichnamige Nilgestalt als Vergleich zum Horussohn Hapy; der Skarabäus belegt weder dessen Kanopenfunktion noch den Wortlaut von Totenbuchspruch 151. Die kuratorische Prosa ist auf der offiziellen Objektseite gelesen, aber nicht Bestandteil der archivierten API-Antwort. Abgerufen am 2026-09-30.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-30. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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