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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Qebehsenuef: Die Inschrift vor der Kopfform

Ein menschenköpfiger Krug des Mittleren Reichs wird durch seine kuratorisch beschriebene Inschrift Qebehsenuef zugeordnet. Ein viel späterer Krug zeigt den bekannten Falkenkopf. Seine Schutzrede in Spruch 151 ist ein dritter, andersartiger Beleg.

4 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Qebehsenuef als Schutzsprecher

Allens Ausgabe von Totenbuchspruch 151 lässt Qebehsenuef in einer eigenen Einheit sprechen. Er stellt sich als Sohn des angesprochenen Osiris vor, verspricht Schutz und beschreibt das Zusammenfügen von Knochen und Gliedern. Die Formulierung zielt auf den Bestand der verstorbenen Person. Sie ist keine ausformulierte Beschreibung eines Kanopenkrugs.

Der gedruckte Spruch kombiniert mehrere Textzeugen. Allen beschreibt bei einem anderen Vignettenzeugen einen Falkenkopf für Qebehsenuef. Dieser Hinweis gehört zur Bildüberlieferung des Spruchs; er bestimmt nicht rückwirkend die Form jedes älteren Gefäßes.

Der ältere menschenköpfige Krug aus Lahun

Glänzender steinerner Kanopenkrug mit Menschenkopf und eingeritzten Zeichen auf der Gefäßschulter vor dunklem Hintergrund.
Kanopenkrug aus Sithathoryunets Grab in Lahun, The Met 16.1.45, Mittleres Reich, etwa 1887–1813 v. Chr.; Public Domain / CC0. Der Met-Katalog ordnet die Inschrift Selket und Qebehsenuef zu, obwohl der Deckel menschlich ist. Die Hieroglyphen wurden hier nicht selbst gelesen. Bildnachweis Bildlizenz

Name auf dem Gefäß, Mensch auf dem Deckel

Ein Krug aus dem Grab der Prinzessin Sithathoryunet in Lahun wird auf etwa 1887 bis 1813 v. Chr. datiert. Der Deckel ist deutlich menschenköpfig. Auf dem Gefäß sind Zeichenkolumnen sichtbar. Der Met-Katalog ordnet deren Schutzformel Selket und Qebehsenuef zu und verbindet sie mit dem Darm.

Die Hieroglyphen wurden hier nicht selbst entziffert. Die Identifizierung folgt ausdrücklich der kuratorischen Inschriftbeschreibung, nicht einer Vermutung aus dem Gesicht des Deckels. Schon dieser eine datierte Fall zeigt, warum ein späteres Schema Falkenkopf gleich Qebehsenuef nicht unbesehen auf das Mittlere Reich übertragen werden darf.

Der spätere Falkenkrug

Heller Kanopenkrug mit falkenköpfigem Deckel vor dunklem Hintergrund; auf dem Kopf sind Augen und Schnabel erkennbar.
Falkenköpfiger Kanopenkrug des Qebehsenuef, The Met 12.183.1c, Spätzeit, 664–525 v. Chr.; Public Domain / CC0. Der Met-Katalog nennt den Darm als wahrscheinlichen einstigen Inhalt. Die spätere Falkenform darf nicht für alle früheren Krüge vorausgesetzt werden. Bildnachweis Bildlizenz

Ein späterer Satz zeigt eine andere Form

Der falkenköpfige Krug Met 12.183.1c gehört zu einem zusammenhängenden Vierersatz aus der Spätzeit, 664 bis 525 v. Chr. Augen und Schnabel sind am Foto gut zu erkennen. Das Met nennt den Darm als wahrscheinlichen einstigen Inhalt. Das Gefäß ist weder aus Sithathoryunets Grab noch ein Bild ihrer Inschrift.

Die beiden Krüge erklären eine historische Spannweite, keine einfache Ablösung an einem einzigen Tag: Ein älterer namentlich zugeordneter Krug trägt einen Menschenkopf, ein späterer Krug einen Falkenkopf. Ob ihr früherer Inhalt erhalten oder untersucht wurde, lässt sich aus den Fotos nicht feststellen.

Welches Merkmal identifiziert wirklich?

Stelle dir vor, nur der Deckel des Lahun-Krugs wäre geblieben. Eine spätere Kopftabelle könnte ihn nicht sicher Qebehsenuef zuordnen. Welche zusätzliche Information liefert die kuratorisch beschriebene Inschrift, und wo endet unsere eigene Beobachtung?

Die Unterscheidung zwischen sichtbarer Form, gelesener Inschrift und Katalogvermutung über einen Organinhalt ist der Schlüssel zu diesem Profil.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Schutzsprecher
Spruch 151, Einheit k, Zusammenfügen von Knochen und Gliedern.

Früher Menschenkopf mit Inschrift
Met 16.1.45 aus Lahun; Selket/Qebehsenuef nach Met, keine eigene Hieroglyphenlesung.

Später Falkenkopf
Met 12.183.1c aus einem anderen Satz; Darm laut Katalog wahrscheinlich.

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Totenbuch, Spruch 151: Schutz der Bestattung

Bestattungsschutz mit verschiedenen Sprecherrollen und Anweisungen. Die vier Horussöhne treten in Allens Einheiten k–n einzeln als Schutzsprecher auf; die Passage ist keine Organtabelle.

Mehrere Textzeugen; Spruchnummer und Reihenfolge in der modernen Edition.

Sprache: Altägyptisch

Erhaltener Textzeuge

Allens Textzeuge Pc für Teile von Spruch 151

Allens Grundlage unter anderem für die Einheiten i–n, mit einzelnen Ergänzungen aus anderen Zeugen. Die Sigle wird nicht zu einer erfundenen Papyrusidentität erweitert.

18. Dynastie laut Allens Fußnote 250; genauer Träger hier nicht selbst untersucht.

Sprache: Altägyptisch, über Allens englische Edition erschlossen

Erhaltener Textzeuge

Allens Vignettenzeuge Af für Spruch 151

Allen beschreibt eine Darstellung der Grabkammer mit Texten und Vignetten. Die vier Köpfe benennt er Falken, Affen, Schakal und Mensch für Qebehsenuef, Hapi, Duamutef und Imset.

20./21. Dynastie laut Allens Fußnote 250; Objekt hier nicht selbst untersucht.

Sprache: Altägyptisch und Vignetten, nur über Allens Beschreibung erschlossen

Benutzte Ausgabe

Thomas George Allen, Book of the Dead, SAOC 37, Spruch 151

Gelesen wurden Fußnote 250, Vignettenbeschreibung und die Sprecherabschnitte k–n. Die Edition kombiniert Zeugen und ist kein unmittelbarer Wortlaut einer einzelnen Papyrusrolle.

Chicago 1974; gedruckte S. 147–150 gelesen am 30. September 2026.

Sprache: Englische Übersetzung und Kommentar altägyptischer Textzeugen

Welche Zeit ist gemeint?

  • Der menschenköpfige Krug Met 16.1.45 aus Sithathoryunets Grab in Lahun wird auf etwa 1887–1813 v. Chr. datiert.
  • Allens Vignettenzeuge Af von Spruch 151 gehört laut seiner Fußnote in die 20./21. Dynastie; seine Beschreibung nennt Qebehsenuef falkenköpfig.
  • Met 12.183.1c mit Falkenkopf gehört zum späten Satz von 664–525 v. Chr.

Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Qebehsenuef in Allens Spruch-151-Edition und an zwei zeitlich getrennten Kanopen; keine eigene Hieroglyphenlesung oder umfassende Geschichte aller Belege
Verwendeter Ausschnitt
Allen 1974, Totenbuchspruch 151, gedruckte S. 147–150; gesonderte, datierte Met-Objektkataloge.
  1. Allen 1974: Totenbuchspruch 151 und vier Schutzsprecher

    Thomas George Allen · Chicago 1974

    Thomas George Allen, The Book of the Dead or Going Forth by Day, SAOC 37 (Chicago 1974), Spruch 151, gedruckte S. 147–150. Fußnote 250 nennt die verschiedenen Textzeugen; Einheiten k–n lassen Qebehsenuef, Hapi, Duamutef und Imset jeweils als Schutzsprecher auftreten. Die Vignette in Af zeigt die vier mit Falken-, Affen-, Schakal- und Menschenkopf.

    Moderne englische Edition aus mehreren Textzeugen, nicht der Wortlaut einer einzigen Papyrusrolle und keine eigene Hieroglyphenlesung. Der Text spricht von Schutz, Gliedern, Feinden und Bestand, nicht von einer vierteiligen Organ-Tabelle. Publikation CC BY-NC-ND 4.0: nur eng paraphrasieren und zur offiziellen Ausgabe verlinken. Abgerufen am 2026-09-30.

  2. Kanopenkrug Sithathoryunets für Qebehsenuef

    The Metropolitan Museum of Art · ca. 1887–1813 B.C.

    Met 16.1.45: Grab Sithathoryunets in Lahun, 12. Dynastie; menschlicher Deckel trotz Anrufung von Selket und Qebehsenuef für den Darm.

    Die Namenidentifikation folgt der kuratorischen Inschriftbeschreibung, nicht der Kopfgestalt. Hier keine eigene Hieroglyphenlesung. Abgerufen am 2026-09-30.

  3. Qebehsenuef-Kanopenkrug desselben Satzes

    The Metropolitan Museum of Art · 664–525 BCE

    Met 12.183.1c: Falken-Deckel, Darm als wahrscheinlicher Inhalt; zu 12.183.1a/b/d gehörig, 664–525 v. Chr.

    Die spätzeitliche Bildform darf nicht auf menschenköpfige Kanopen des Mittleren Reichs zurückprojiziert werden. Abgerufen am 2026-09-30.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-30. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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