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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Cernunnos: Wann bekommt ein Bild einen Namen?

Ein verwitterter Kopf in Paris und eine Geweihfigur auf einem Silberkessel sehen verwandt aus. Doch nur einer der beiden Bildzusammenhänge liefert einen antiken Namensbeleg. Schau nach, wie aus Ähnlichkeit eine Zuschreibung wird.

4–5 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Verwittertes Steinrelief: bärtiger Kopf mit Geweih; links und rechts hängen große Ringe.
Cernunnos-Seite des Pilier des Nautes, Musée de Cluny, Block Cl. 18604. Monument zwischen 14 und 37 n. Chr. Foto: Als33120, 21. Mai 2016; CC BY-SA 4.0. Original unverändert; Webfassungen proportional verkleinert. Die Namenszone ist im Foto schwer lesbar. Bildnachweis Bildlizenz

Zuerst schauen, dann benennen

Ein bärtiger Kopf tritt aus dem beschädigten Stein hervor. Über ihm verzweigt sich ein Geweih; daran hängen zwei Ringe. Auf dem Foto lassen sich diese Formen leichter erkennen als die abgenutzte Schriftzone oben.

Der französische Archäologiekatalog beschreibt die Ringe als Torques, also Halsringe. Beginne trotzdem mit deiner eigenen Beobachtung: Was siehst du sicher? Was erfährst du erst aus der Beschriftung?

Der Pariser Anker: Bild und Namensrest

Der Kopf gehört zum Pilier des Nautes in Paris. Das Musée de Cluny datiert das Monument zwischen 14 und 37 n. Chr. Eine Weihung an Jupiter nennt die Gemeinschaft der nautes von Lutetia und gehört in die Herrschaftszeit des Tiberius. Auf den Blöcken stehen gallische und römische Gottheiten nebeneinander.

Für den Block Cl. 18604 gibt der wissenschaftliche INHA-Katalog den erhaltenen Namensrest als ERNVNNO… wieder und löst ihn als Cernunnos auf. Damit beruht die Zuordnung auf einem beschrifteten Bildzeugnis. Die geläufige Namensform ist nicht gleichbedeutend damit, dass du heute jeden ihrer Buchstaben auf dem Foto sicher lesen kannst.

Das Datum gehört zum erhaltenen Monument. Es ist weder ein Geburtsjahr der Gottheit noch ein Beleg dafür, wann Menschen erstmals von ihr sprachen.

Ein Fundort ist noch kein ursprünglicher Standort

Die Blöcke wurden unter Notre-Dame wiedergefunden; der aktuelle Cluny-Eintrag nennt 1711. Die archäologische Darstellung beschreibt ihre Wiederverwendung in einer spätantiken Mauer. Der ursprüngliche Aufstellungsort lässt sich damit nicht sicher festlegen.

Auch das ganze Monument ist nicht vollständig erhalten. Eine anschauliche Rekonstruktion kann helfen, die Blöcke zueinander zu denken. Sie ergänzt aber fehlende Teile und darf nicht mit dem ausgegrabenen Bestand verwechselt werden.

Ein anderes Zeugnis: die Innenwand von Gundestrup

Silberne Kesselwand: Eine Geweihfigur sitzt zwischen Tieren, hält einen Ring und ein langes schlangenförmiges Wesen.
Innenplatte des Gundestrup-Kessels, Nationalmuseet, Katalog C6571. Fotografie: Nationalmuseet, Roberto Fortuna und Kira Ursem, 2007; CC BY-SA 3.0. Original unverändert; Webfassungen proportional verkleinert. Die Benennung als Cernunnos ist eine Zuschreibung. Der Rahmen in der Seitenansicht markiert den darunter vergrößerten Ausschnitt. Er gehört nicht zum historischen Objekt; die Originaldatei bleibt unverändert. Bildnachweis Bildlizenz
Heutige Detailansicht aus dem unveränderten Museumsfoto. Der ausgewählte Ausschnitt lenkt den Blick auf die Figur und ihre Hände; er ergänzt keine Formen oder Namensbuchstaben. Nationalmuseet, Roberto Fortuna und Kira Ursem; CC BY-SA 3.0. Vollständiges Original öffnen

Ähnlichkeit ist ein Anfang

Auf der Silberplatte sitzt eine Figur mit angewinkelten Beinen. Über dem Kopf stehen Geweihstangen. Links im Bild hält sie einen Ring hoch, rechts ein langes schlangenförmiges Wesen. Ein Hirsch und weitere Tiere umgeben sie. Vergleiche das mit Paris: Geweih und Ringe verbinden die Beobachtungen, Haltung und Bildumgebung unterscheiden sich.

Das Nationalmuseet führt die Innenplatte unter C6571 und verwendet im Beschreibungsfeld den Namen Cernunnos. Hier lesen wir jedoch eine heutige Katalogbenennung. Auf der abgebildeten Platte ist keine Namensbeischrift zu erkennen. Der Name wird durch den Bildvergleich zugeordnet; seine Beleglage ist deshalb anders als beim Pariser Relief.

Was die Tiere offenlassen

Die englische Museumserläuterung erwägt, die Geweihfigur könne als Herrscher über Naturkräfte und wilde Tiere gegolten haben. Sie formuliert das ausdrücklich als Möglichkeit. Die Tiere machen diesen Gedanken nachvollziehbar, beweisen aber keine genau umrissene Zuständigkeit.

Aus diesem Bild lässt sich auch keine vollständige Lebensgeschichte mit Eltern, Partnern und Abenteuern ableiten. Wer solche Angaben macht, müsste dafür zusätzliche, konkret benannte Zeugnisse vorlegen.

Der Kessel hat eine eigene Geschichte

1891 wurde der Kessel beim Torfstechen im Rævemosen bei Gundestrup in Jütland entdeckt. Vor seiner Niederlegung war er zerlegt worden; seine Wandteile lagen im Gefäßboden. Der Fundort ist deshalb zunächst ein Beleg für die Niederlegung.

Das Nationalmuseum lässt den genauen Herstellungsort offen und diskutiert eine Herkunft weiter südlich oder südöstlich. Aus dem dänischen Fundort wird weder automatisch ein dänischer Hersteller noch eine nordische Gottheit. Ebenso wenig beweist die Benennung Cernunnos allein eine bestimmte Werkstatt.

Drei Aussagen mit unterschiedlichem Gewicht

Halte den Unterschied beim Weiterlesen fest. Eine sorgfältige Zuschreibung ist nützlich, auch wenn sie weniger sicher ist als eine zugehörige Namensinschrift.

AussageBeleg und Grenze
Das Pariser Relief wird als Cernunnos bestimmt.Antiker Namensrest am Bild; die beschädigte Schrift wird im Katalog erschlossen.
Die Gundestrup-Figur wird Cernunnos genannt.Heutige Zuordnung eines ähnlichen Bildes; keine sichtbare antike Namensbeischrift.
Die Figur herrscht über Natur und Tiere.Eine ausdrücklich vorsichtige Museumsdeutung; kein nachgewiesener vollständiger Aufgabenbereich.

Dein Satz für das Museumsschild

Formuliere einen Satz zur Gundestrup-Platte, der Bildbeobachtung und Benennung unterscheidet. Er könnte beginnen: „Die sitzende Geweihfigur wird als Cernunnos gedeutet …“ Welche Einzelheit würdest du daneben zeigen?

Wechsle anschließend zum Dagda oder zu Jupiter. Achte darauf, wie sich die Fragen verändern, wenn ein Erzähltext, ein beschriftetes Monument oder ein zugeschriebenes Bild den Ausgangspunkt bildet.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Paris: benanntes Relief
Beschädigte Namensinschrift in ihrem Monumentkontext.

Gundestrup: zugeschriebenes Vergleichsbild
Heutige Benennung und vorsichtige Funktionsdeutung, ohne antike Namensbeischrift.

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Namensbeischrift am Pariser Cernunnos-Relief

Kurze fragmentarisch erhaltene Benennung auf einem Bildträger. Die Sprachangabe folgt dem Katalog des mehrseitig beschrifteten Blocks; sie ist keine eigene sprachgeschichtliche Herleitung des Götternamens.

Monument 14–37 n. Chr.; keine erzählte Götterbiografie.

Sprache: Latein (INHA-Katalogangabe)

Erhaltener Textzeuge

Steinblock Cl. 18604, Pilier des Nautes

Beschädigte Namenszone; Foto betrachtet, keine neue epigrafische Edition vorgenommen. Die Sprachangabe folgt dem Katalog des mehrseitig beschrifteten Blocks; sie ist keine eigene sprachgeschichtliche Herleitung des Götternamens.

Antikes Zeugnis im Musée de Cluny.

Sprache: Latein (INHA-Katalogangabe)

Benutzte Ausgabe

INHA AGORHA: Transkription im Objektdatensatz

Kurze Transkription ERNVNNO… mit Namensauflösung Cernunnos; kein vollständiges kritisches Inschriftencorpus.

Gelesener Online-Katalogstand 26. September 2026.

Sprache: Französisch

Welche Zeit ist gemeint?

  • Pilier des Nautes: Datierung des Musée de Cluny in die Regierungszeit des Tiberius, 14–37 n. Chr.
  • Gundestrup-Innenplatte im Museumskatalog der vorrömischen Zeit zugeordnet; hier keine präzise Herstellungsdatierung behauptet.
  • Wiederentdeckung der Pariser Blöcke 1711 laut aktuellem Cluny-Katalog.
  • Fund des zerlegten Kessels im Rævemosen 1891.

Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Gallorömischer Namens- und Bildbeleg aus Lutetia; Vergleich mit einer zugeschriebenen Geweihfigur des Gundestrup-Kessels
Verwendeter Ausschnitt
Pariser Block Cl. 18604, INHA-Transkription und aktuelle Cluny-Notice; daneben Gundestrup-Innenplatte C6571.
  1. Pilier des Nautes: aktueller Objekteintrag

    Musée de Cluny

    Notice vollständig im öffentlichen Browser gelesen, Datierung 14–37, Jupiter-Weihung, gallische und römische Götter, technische Blockbezeichnungen.

    Alte PDF-Adressen und HTTP-Abruf liefern nur JavaScript-Hinweise. Diese zählen nicht als gelesene Museumstexte. Keine 3D-Modelle untersucht. Abgerufen am 2026-09-26.

  2. Le Pilier des Nautes: Paris antique

    Ministère de la Culture

    Sachtext sowie Objektbeschriftungen zu Cernunnos, Jupiter und Weihinschrift gelesen. Wiederverwendung, unvollständiger Erhalt und nicht gesicherter ursprünglicher Standort erfasst.

    Fundjahr 1710 weicht vom aktuellen Cluny-Eintrag 1711 ab; öffentlich folgt das Profil der besitzenden Institution. Keine fremden Fotos oder Rekonstruktionszeichnungen übernommen. Abgerufen am 2026-09-26.

  3. Autel dit des Quatre dieux, Cl. 18604

    Béatrice de Chancel-Bardelot / INHA und Musée du Louvre

    Identifikation, Inventarnummer, Material, Transkription ERNVNNO…, Namensauflösung und zugehöriges Ensemble gelesen.

    Katalogtranskription ist keine eigene epigrafische Edition. Bibliografisch verzeichnete Bücher nicht als gelesen ausgegeben. Historische Katalogtitel nicht als gesicherte ursprüngliche Objektfunktion behandelt. Abgerufen am 2026-09-26.

  4. The pictures on the Gundestrup Cauldron

    National Museum of Denmark

    Beide erklärenden Absätze vollständig gelesen: Aufbau, Bildgruppen, Geweihfigur und ausdrücklich hypothetische Natur-/Tierdeutung.

    Die mit perhaps markierte Deutung bleibt eine Möglichkeit. Keine vollständige Deutung des Bildprogramms. Abgerufen am 2026-09-26.

  5. Inderplade til kedel (Gundestrup), sølv, førrom.: C6571

    Nationalmuseet

    Gesamten kurzen Objekteintrag einschließlich Rohdaten gelesen: Objekt 153701, Inventarnummer C6571, Silber, vor­römische Einordnung, heutiges Beschreibungsfeld Cernunnos.

    Katalogbezeichnung ist keine antike Beischrift. Die unklar zugeordneten Maße werden nicht als Maße der einzelnen Platte übernommen. Abgerufen am 2026-09-26.

  6. The Gundestrup Cauldron: Fund und Herkunft

    National Museum of Denmark

    Beide Hauptabsätze vollständig gelesen: Fund 1891 im Rævemosen, zerlegte Niederlegung, offene Herstellungsregion und mögliche Wege nach Jütland.

    Keine tatsächliche Schenkung oder Beutegeschichte behauptet; Animation nicht untersucht. Abgerufen am 2026-09-26.

  7. Paris-cluny-32.jpg: Fotografie und Rechte

    Als33120 / Wikimedia Commons

    Beschreibung, Urheber, Datum, Originalgröße und Lizenz CC BY-SA 4.0 gelesen. Original tatsächlich betrachtet.

    Die Schriftzone ist auf diesem Foto schwer lesbar; Namenslesung folgt dem INHA-Katalog. Foto ist keine vollständige Ansicht des gesamten Pfeilers. Abgerufen am 2026-09-26.

  8. Gundestrupkedlen- 00054.jpg: Fotografie und Rechte

    Nationalmuseet, Roberto Fortuna und Kira Ursem / Wikimedia Commons

    Beschreibung, Herkunft aus der Museumskooperation, Urheber, Jahr 2007, Originalgröße und ausdrücklich angebotene CC-BY-SA-3.0-Lizenz gelesen. Original tatsächlich betrachtet.

    Dateiseite nennt zusätzlich CC BY-SA 2.5; genutzt wird das ausdrücklich angebotene CC BY-SA 3.0. Keine neue Namensidentifikation aus der Bildbeschriftung abgeleitet. Abgerufen am 2026-09-26.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-26. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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