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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Apollon: Lied, Orakel und strafende Pfeile

Der Hymnus nennt Leier, Bogen und Delphi; die Ilias erzählt von einer Seuche und ihrer Abwendung. Apollons Rollen passen nicht in eine einzige freundliche oder grausame Figurformel.

4–5 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Leier und Bogen in einer Stimme

Zu Beginn des langen Homerischen Hymnus tritt Apollon mit gespanntem Bogen vor die Götter. Später beansprucht er Leier und Bogen als seine Instrumente und will den Willen des Zeus verkünden. Der Text verbindet Klang, Gewaltmittel und Weissagung in einer hymnischen Figur, ohne die Spannung aufzulösen.

Die kurzen Hymnen 21 und 25 betonen Leier und Gesang. Sie liefern kein einheitliches Charaktergutachten, sondern weitere poetische Anrufungen mit engerem Blick auf Musik.

Delos und Pytho sind verschiedene Stationen

Der Hymnus erzählt von Apollons Geburt auf Delos und anschließend von seiner Suche nach einem Ort für ein Orakel. Bei Pytho tötet er eine weibliche Schlange. Die Erzählung verbindet neue göttliche Ordnung mit einem Gewaltakt und mit der Einbindung kretischer Männer in den Dienst am Heiligtum.

Pseudo-Apollodor erzählt knapp, Apollon sei nach Delphi gekommen, wo Themis Orakel erteilte. Er tötet die Schlange Python, die den Zugang bewacht, und übernimmt das Orakel. Den Python-Namen oder diese Übernahme darf man nicht unbemerkt zum Wortlaut des langen Hymnus erklären. Zwei Zeugnisse können denselben Ortskomplex berühren und unterschiedliche Entscheidungen über seine Herkunft treffen.

Apollon mit Kithara und Palme – antikes Gefäß

Attische rotfigurige Ölkännchen auf hellem Studiohintergrund; auf dem Gefäß steht Apollon mit großer Kithara neben einer Palme.
Antikes Bildzeugnis: attische Lekythos des Nikon-Malers, etwa 460–450 v. Chr. Apollon mit Kithara und Palme, kein Marsyas-Wettstreit. The Met, 53.224, Public Domain / CC0. Originalfoto unbeschnitten. Bildnachweis Bildlizenz

Musik ist auch ein Bildmotiv

Das attische Gefäß im Met zeigt Apollon mit Kithara und Palme. Es macht eine musikalische Erscheinung des Gottes sichtbar, aber erzählt nicht seine Geburt, den delphischen Anspruch oder den Wettkampf mit Marsyas. Das Bild ist ein eigenständiges antikes Zeugnis, kein Foto einer mythischen Begebenheit.

Die im Museum genannte Zeit um 460–450 v. Chr. datiert das Gefäß. Die Texte und die erzählten Handlungen erhalten dadurch kein automatisches Datum.

Nachlesen: [5] Met 53.224

Wenn Pfeile eine Seuche tragen

Am Anfang der Ilias bittet der Priester Chryses Apollon um Hilfe, nachdem Agamemnon ihn und seine Tochter missachtet hat. Apollon schickt tödliche Pfeile in das Lager; der Text erzählt eine Seuche als Antwort auf diese Bitte. Nach der Rückgabe der Tochter beten die Griechen, Apollon möge die Krankheit wieder abwehren.

Hier kann derselbe Gott Leid senden und um dessen Ende angerufen werden. Das ist eine poetische Handlung im Kriegsepos, kein Beleg für eine medizinische Behandlung. Wer daraus einfach ‚Heilgott‘ oder einfach ‚Seuchengott‘ macht, verliert den Anlass und die Gegenseite der Szene.

Der Marsyas-Wettstreit als heutige Illustration

Zwei erwachsene Musiker stehen sich in einer felsigen Landschaft gegenüber: links Apollon mit Kithara, rechts Marsyas mit zwei Blasrohren; der Wettstreit steht noch bevor.
Heutige KI-Illustration des Moments vor dem Wettstreit nach Pseudo-Apollodor 1,4,2. Kleidung, Landschaft und Begegnungsort sind freie Gestaltung; keine erhaltene antike Darstellung oder Rekonstruktion. Die anschließende Gewalt wird nicht gezeigt.

Kunst und Durchsetzung

Pseudo-Apollodor verbindet Apollons Musikkönnen mit dem grausamen Ende des Marsyas. Die Probe mit der umgedrehten Leier und die vereinbarte Siegergewalt gehören dieser einzelnen Geschichte. Das Profil nennt sie, ersetzt aber ihre eigene Erzählstation nicht durch eine Kurzfassung aller Einzelheiten.

Hymnus, Mythograph, Epos und Gefäß beantworten verschiedene Fragen. Gemeinsam zeigen sie, warum Apollon in der Überlieferung mehr ist als ein festes Tätigkeitsfeld: Lied und Orakel, Bogen und Strafe stehen je nach Text anders im Vordergrund.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Hymnus 3 und kurze Hymnen 21/25
Leier, Bogen, Delos und Pytho als verschiedene hymnische Abschnitte.

Bibliotheke 1 und Ilias 1
Marsyas-Gewaltfolge und Seuchenhandlung in getrennten Erzählungen.

Attische Lekythos
Kithara und Palme als antikes Bildmotiv, nicht Marsyas-Szene.

Belegte Beziehungen

  • Artemis besucht Apollon im Hymnus 27: ArtemisBelege [2] : Hymnus 27 vollständig

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Homerische Hymnen

Sammlungsbezeichnung für einzelne Hymnen. Gemeinsam archiviert oder verglichen, aber nach Nummer und tatsächlichem Lesebereich zitiert.

Antike Hymnen verschiedener Entstehungszusammenhänge; keine einheitliche Autorschaft oder Handlungszeit.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Homerischer Hymnus 3 an Apollon nach Evelyn-White

Hymnus 3, benannte delische und pythische Abschnitte gelesen; keine Gesamtlektüre der Hymnensammlung.

Historische englische Übersetzung; das Digitalisat datiert nicht die antike Erzählung.

Sprache: Englisch nach antikem Text

Benutzte Ausgabe

Kurzhymnen 9, 21, 25 und 27 nach Evelyn-White

Die vier genannten Kurzhymnen gelesen; Jagd- und Tanzszene in Hymnus 27 gehört nicht zur Aktaion-Handlung.

Historische englische Übersetzung; das Digitalisat datiert nicht die antike Erzählung.

Sprache: Englisch nach antikem Text

Überlieferter Text

Bibliotheke des Pseudo-Apollodor

Werkbezeichnung für die mythographische Sammlung. In diesem Museum sind nur ausgewählte Ausschnitte erschlossen; die einzelnen Editionsdatensätze benennen die tatsächlich gelesenen Stellen.

Antike mythographische Zusammenstellung; genaue Entstehungszeit und Autorschaft aus dieser Lektüre nicht bestimmt.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Bibliotheke Buch 1 nach Frazer: Apollon, Delphi und Marsyas

1,4,1–2 gelesen; Python/Schlange und Marsyas-Wettstreit nur in den tatsächlich belegten Passagen.

Historische englische Übersetzung; das Digitalisat datiert nicht die antike Erzählung.

Sprache: Englisch nach antikem Text

Überlieferter Text

Homerische Ilias

Erzählwerk; nur ausdrücklich benannte Ausschnitte gelesen, kein vollständig erschlossenes Korpus.

Werkebene; hier keine exakte Datierung festgelegt.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Ilias Buch 1 nach Murray: Apollon und die Seuche

1,8–68 und 428–475 gelesen; Seuchenpfeile und späteres Gebet um Abwendung, keine moderne Heilbehandlung.

Historische englische Übersetzung; das Digitalisat datiert nicht die antike Erzählung.

Sprache: Englisch nach antikem Text

Welche Zeit ist gemeint?

  • Die attische Lekythos stammt nach Met aus etwa 460–450 v. Chr.; das datiert nur das erhaltene Bildobjekt.

Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Apollon in Hymnus 3, Kurzhymnen 21/25, Bibliotheke 1,4,1–2, Ilias 1 und attischem Bildzeugnis
Verwendeter Ausschnitt
Homerischer Hymnus 3, benannte Abschnitte; Kurzhymnen 21/25; Pseudo-Apollodor 1,4,1–2; Ilias 1,8–68 und 428–475; Met 53.224.
  1. Homerischer Hymnus 3 an Apollon: Delos und Pytho

    Homerische Hymnen; englische Übersetzung Hugh G. Evelyn-White · antiker Text; historische englische Übersetzung

    Hymnus 3 in den benannten delischen und pythischen Passagen gelesen: 1–18, 89–166, 179–206, 207–386 und 388–546; Orakelgründung, Schlange, Telphusa, kretische Dienstleute und Musikkontext.

    Dichterische Ortserklärung, keine archäologische Chronologie. Schlangenwesen im Hymnus weiblich; nicht automatisch dieselbe Python-Fassung wie bei Pseudo-Apollodor. Abgerufen am 2026-09-28.

  2. Homerische Kurz-Hymnen 9, 21, 25 und 27

    Homerische Hymnen; englische Übersetzung Hugh G. Evelyn-White · antiker Text; historische englische Übersetzung

    Hymnen 9 und 27 an Artemis, 21 an Apollon und 25 an Musen und Apollon vollständig gelesen: Jagd, Tanz, Geschwisterbezug, Lyra und Gesang.

    Kurze Anrufungen und Lobtexte, keine vollständigen Biografien; Hymnus 27 darf nicht in die Aktaion-Fassung hineingelesen werden. Abgerufen am 2026-09-28.

  3. Bibliotheke 1,4,1–2: Apollon und Marsyas

    Pseudo-Apollodor; englische Übersetzung James G. Frazer · antiker Text; historische englische Übersetzung

    Abschnitte 1,4,1–2 gelesen: delphischer Orakelanspruch, Tötung der Schlange, Musikwettbewerb mit Marsyas, vorherige Abmachung und Strafe.

    Mythografische Erzählung, kein Beleg für den tatsächlichen Ablauf eines Wettstreits. Marsyas-Fassung nicht mit Midas- oder Pan-Stoffen vermischen. Abgerufen am 2026-09-28.

  4. Ilias 1: Apollon, Seuche und Beendigung

    Homer; englische Übersetzung A. T. Murray · antiker Text; historische englische Übersetzung

    Ilias 1,8–68 und 428–475 gelesen: Chryses' Bitte, Apollons strafende Pfeile, Rückgabe der Tochter und erneutes Gebet gegen die Seuche.

    Konkrete epische Szene, keine allgemeine antike Medizintheorie und kein Beleg dafür, dass Apollon als handelnder Arzt auftritt. Abgerufen am 2026-09-28.

  5. Attische Lekythos mit Apollon, Kithara und Palme, 53.224

    The Metropolitan Museum of Art, Department of Greek and Roman Art · laufender Museumskatalog; antikes Objekt

    Met-Objekt 53.224: Technik, Datierung ca. 460–450 v. Chr., Apollon mit Kithara und Palme, Public-Domain-Kennzeichnung und API-Bildadresse gelesen.

    Eigenständiges antikes Bildzeugnis; keine Abbildung von Marsyas oder der delischen Geburt selbst. Abgerufen am 2026-09-28.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-17. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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