Leier und Bogen in einer Stimme
Zu Beginn des langen Homerischen Hymnus tritt Apollon mit gespanntem Bogen vor die Götter. Später beansprucht er Leier und Bogen als seine Instrumente und will den Willen des Zeus verkünden. Der Text verbindet Klang, Gewaltmittel und Weissagung in einer hymnischen Figur, ohne die Spannung aufzulösen.
Die kurzen Hymnen 21 und 25 betonen Leier und Gesang. Sie liefern kein einheitliches Charaktergutachten, sondern weitere poetische Anrufungen mit engerem Blick auf Musik.
Delos und Pytho sind verschiedene Stationen
Der Hymnus erzählt von Apollons Geburt auf Delos und anschließend von seiner Suche nach einem Ort für ein Orakel. Bei Pytho tötet er eine weibliche Schlange. Die Erzählung verbindet neue göttliche Ordnung mit einem Gewaltakt und mit der Einbindung kretischer Männer in den Dienst am Heiligtum.
Pseudo-Apollodor erzählt knapp, Apollon sei nach Delphi gekommen, wo Themis Orakel erteilte. Er tötet die Schlange Python, die den Zugang bewacht, und übernimmt das Orakel. Den Python-Namen oder diese Übernahme darf man nicht unbemerkt zum Wortlaut des langen Hymnus erklären. Zwei Zeugnisse können denselben Ortskomplex berühren und unterschiedliche Entscheidungen über seine Herkunft treffen.
Apollon mit Kithara und Palme – antikes Gefäß

Musik ist auch ein Bildmotiv
Das attische Gefäß im Met zeigt Apollon mit Kithara und Palme. Es macht eine musikalische Erscheinung des Gottes sichtbar, aber erzählt nicht seine Geburt, den delphischen Anspruch oder den Wettkampf mit Marsyas. Das Bild ist ein eigenständiges antikes Zeugnis, kein Foto einer mythischen Begebenheit.
Die im Museum genannte Zeit um 460–450 v. Chr. datiert das Gefäß. Die Texte und die erzählten Handlungen erhalten dadurch kein automatisches Datum.
Wenn Pfeile eine Seuche tragen
Am Anfang der Ilias bittet der Priester Chryses Apollon um Hilfe, nachdem Agamemnon ihn und seine Tochter missachtet hat. Apollon schickt tödliche Pfeile in das Lager; der Text erzählt eine Seuche als Antwort auf diese Bitte. Nach der Rückgabe der Tochter beten die Griechen, Apollon möge die Krankheit wieder abwehren.
Hier kann derselbe Gott Leid senden und um dessen Ende angerufen werden. Das ist eine poetische Handlung im Kriegsepos, kein Beleg für eine medizinische Behandlung. Wer daraus einfach ‚Heilgott‘ oder einfach ‚Seuchengott‘ macht, verliert den Anlass und die Gegenseite der Szene.
Der Marsyas-Wettstreit als heutige Illustration

Kunst und Durchsetzung
Pseudo-Apollodor verbindet Apollons Musikkönnen mit dem grausamen Ende des Marsyas. Die Probe mit der umgedrehten Leier und die vereinbarte Siegergewalt gehören dieser einzelnen Geschichte. Das Profil nennt sie, ersetzt aber ihre eigene Erzählstation nicht durch eine Kurzfassung aller Einzelheiten.
Hymnus, Mythograph, Epos und Gefäß beantworten verschiedene Fragen. Gemeinsam zeigen sie, warum Apollon in der Überlieferung mehr ist als ein festes Tätigkeitsfeld: Lied und Orakel, Bogen und Strafe stehen je nach Text anders im Vordergrund.
Die Figur in ihren Quellen
Eine Gestalt, verschiedene Textrollen
Hymnus 3 und kurze Hymnen 21/25
Leier, Bogen, Delos und Pytho als verschiedene hymnische Abschnitte.
Bibliotheke 1 und Ilias 1
Marsyas-Gewaltfolge und Seuchenhandlung in getrennten Erzählungen.
Attische Lekythos
Kithara und Palme als antikes Bildmotiv, nicht Marsyas-Szene.
Belegte Beziehungen
Texte und ihre Zugänge
Werke, Fassungen und verwendete Zugänge
Überlieferter Text
Homerische Hymnen
Sammlungsbezeichnung für einzelne Hymnen. Gemeinsam archiviert oder verglichen, aber nach Nummer und tatsächlichem Lesebereich zitiert.
Antike Hymnen verschiedener Entstehungszusammenhänge; keine einheitliche Autorschaft oder Handlungszeit.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Homerischer Hymnus 3 an Apollon nach Evelyn-White
Hymnus 3, benannte delische und pythische Abschnitte gelesen; keine Gesamtlektüre der Hymnensammlung.
Historische englische Übersetzung; das Digitalisat datiert nicht die antike Erzählung.
Sprache: Englisch nach antikem Text
Benutzte Ausgabe
Kurzhymnen 9, 21, 25 und 27 nach Evelyn-White
Die vier genannten Kurzhymnen gelesen; Jagd- und Tanzszene in Hymnus 27 gehört nicht zur Aktaion-Handlung.
Historische englische Übersetzung; das Digitalisat datiert nicht die antike Erzählung.
Sprache: Englisch nach antikem Text
Überlieferter Text
Bibliotheke des Pseudo-Apollodor
Werkbezeichnung für die mythographische Sammlung. In diesem Museum sind nur ausgewählte Ausschnitte erschlossen; die einzelnen Editionsdatensätze benennen die tatsächlich gelesenen Stellen.
Antike mythographische Zusammenstellung; genaue Entstehungszeit und Autorschaft aus dieser Lektüre nicht bestimmt.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Bibliotheke Buch 1 nach Frazer: Apollon, Delphi und Marsyas
1,4,1–2 gelesen; Python/Schlange und Marsyas-Wettstreit nur in den tatsächlich belegten Passagen.
Historische englische Übersetzung; das Digitalisat datiert nicht die antike Erzählung.
Sprache: Englisch nach antikem Text
Überlieferter Text
Homerische Ilias
Erzählwerk; nur ausdrücklich benannte Ausschnitte gelesen, kein vollständig erschlossenes Korpus.
Werkebene; hier keine exakte Datierung festgelegt.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Ilias Buch 1 nach Murray: Apollon und die Seuche
1,8–68 und 428–475 gelesen; Seuchenpfeile und späteres Gebet um Abwendung, keine moderne Heilbehandlung.
Historische englische Übersetzung; das Digitalisat datiert nicht die antike Erzählung.
Sprache: Englisch nach antikem Text
Welche Zeit ist gemeint?
- Die attische Lekythos stammt nach Met aus etwa 460–450 v. Chr.; das datiert nur das erhaltene Bildobjekt.
Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.
Der Weg zum Beleg
Quellen und Einordnung
- Überlieferung
- Apollon in Hymnus 3, Kurzhymnen 21/25, Bibliotheke 1,4,1–2, Ilias 1 und attischem Bildzeugnis
- Verwendeter Ausschnitt
- Homerischer Hymnus 3, benannte Abschnitte; Kurzhymnen 21/25; Pseudo-Apollodor 1,4,1–2; Ilias 1,8–68 und 428–475; Met 53.224.
- Homerischer Hymnus 3 an Apollon: Delos und Pytho
Homerische Hymnen; englische Übersetzung Hugh G. Evelyn-White · antiker Text; historische englische Übersetzung
Hymnus 3 in den benannten delischen und pythischen Passagen gelesen: 1–18, 89–166, 179–206, 207–386 und 388–546; Orakelgründung, Schlange, Telphusa, kretische Dienstleute und Musikkontext.
Dichterische Ortserklärung, keine archäologische Chronologie. Schlangenwesen im Hymnus weiblich; nicht automatisch dieselbe Python-Fassung wie bei Pseudo-Apollodor. Abgerufen am 2026-09-28.
- Homerische Kurz-Hymnen 9, 21, 25 und 27
Homerische Hymnen; englische Übersetzung Hugh G. Evelyn-White · antiker Text; historische englische Übersetzung
Hymnen 9 und 27 an Artemis, 21 an Apollon und 25 an Musen und Apollon vollständig gelesen: Jagd, Tanz, Geschwisterbezug, Lyra und Gesang.
Kurze Anrufungen und Lobtexte, keine vollständigen Biografien; Hymnus 27 darf nicht in die Aktaion-Fassung hineingelesen werden. Abgerufen am 2026-09-28.
- Bibliotheke 1,4,1–2: Apollon und Marsyas
Pseudo-Apollodor; englische Übersetzung James G. Frazer · antiker Text; historische englische Übersetzung
Abschnitte 1,4,1–2 gelesen: delphischer Orakelanspruch, Tötung der Schlange, Musikwettbewerb mit Marsyas, vorherige Abmachung und Strafe.
Mythografische Erzählung, kein Beleg für den tatsächlichen Ablauf eines Wettstreits. Marsyas-Fassung nicht mit Midas- oder Pan-Stoffen vermischen. Abgerufen am 2026-09-28.
- Ilias 1: Apollon, Seuche und Beendigung
Homer; englische Übersetzung A. T. Murray · antiker Text; historische englische Übersetzung
Ilias 1,8–68 und 428–475 gelesen: Chryses' Bitte, Apollons strafende Pfeile, Rückgabe der Tochter und erneutes Gebet gegen die Seuche.
Konkrete epische Szene, keine allgemeine antike Medizintheorie und kein Beleg dafür, dass Apollon als handelnder Arzt auftritt. Abgerufen am 2026-09-28.
- Attische Lekythos mit Apollon, Kithara und Palme, 53.224
The Metropolitan Museum of Art, Department of Greek and Roman Art · laufender Museumskatalog; antikes Objekt
Met-Objekt 53.224: Technik, Datierung ca. 460–450 v. Chr., Apollon mit Kithara und Palme, Public-Domain-Kennzeichnung und API-Bildadresse gelesen.
Eigenständiges antikes Bildzeugnis; keine Abbildung von Marsyas oder der delischen Geburt selbst. Abgerufen am 2026-09-28.
Redaktion und Bearbeitungsstand
Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-17. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.
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