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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Artemis: Jagd, Tanz und die Grenze des Zugangs

Hymnen zeigen Artemis mit Bogen, Hunden und Gefährtinnen, aber auch beim Tanz. Zwei antike Bildobjekte belegen verschiedene Erscheinungsformen; die Aktaion-Geschichte verhandelt eine andere, scharfe Grenze.

4 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Eine Jägerin bewegt sich zwischen Orten

Der kurze Homerische Hymnus 9 ruft Artemis als Tochter des Zeus und Schwester Apollons an. Hymnus 27 führt sie ausführlicher mit Bogen, Jagdhunden und einer Bewegung durch Berge und Wald. Die Jagd ist in diesen Liedern keine isolierte Berufsbezeichnung, sondern eine poetische Szene mit Landschaft, Begleitung und Anrufung.

Die beiden Hymnen sind kurze Einzelstücke. Sie liefern weder eine vollständige Lebensgeschichte noch die Ursache einer Aktaion-Bestrafung.

Nach der Jagd folgt Gesang

Hymnus 27 wechselt den Schauplatz: Artemis besucht das Haus ihres Bruders Apollon und führt Musen und Grazien im Tanz. Wer sie nur als wortlose Jägerin beschreibt, übersieht diese musikalische und gemeinschaftliche Rolle im selben Lied.

Die Geschwisterbeziehung begründet dennoch keine gemeinsame Lebensgeschichte aller olympischen Figuren. Der Apollon-Hymnus beschäftigt sich etwa mit Delos und Pytho, während dieser Artemis-Hymnus Jagd und Tanz zusammenführt.

Artemis mit Rehkitz, Bogen und Pfeil – attisches Gefäß

Attische rotfigurige Ölkännchen mit Artemis in Bewegung, Köcher, Pfeil und Bogen neben einem Reh auf hellem Studiohintergrund.
Antikes Bildzeugnis: attische Lekythos des Providence-Malers, etwa 480 v. Chr. Artemis mit Jagdattributen; Aktaion ist nicht dargestellt. The Met, 41.162.18, Public Domain / CC0. Originalfoto unbeschnitten. Bildnachweis Bildlizenz

Ein Gefäß zeigt Attribute, keine Biografie

Die attische Lekythos im Met zeigt Artemis mit einem Rehkitz und im Griff nach einem Pfeil. Bogen und Tier lassen sich mit der Jagdrolle in Hymnus 27 vergleichen. Das Gefäß zeigt aber keine Hymnenaufführung, und das Rehkitz macht es nicht zu einem Bild von Aktaion.

Das Objekt wird auf etwa 480 v. Chr. datiert. Sein Alter und das Bildmotiv sind Aussagen über einen erhaltenen Gegenstand, nicht über die Entstehung sämtlicher Artemis-Geschichten.

Artemis mit Rehkitz – Kalksteinfigur aus Zypern

Zyprische Kalksteinfigur einer stehenden Frau mit Köcher und jungem Reh vor dunklem Studiohintergrund.
Lokales antikes Bildzeugnis: zyprische Artemis-Figur, 3. Jahrhundert v. Chr. Ihre Zuordnung und der Hinweis auf Pyla folgen dem Met-Katalog; daraus folgt kein einheitlicher griechischer Kult. The Met, 74.51.2741, Public Domain / CC0. Originalfoto unbeschnitten. Bildnachweis Bildlizenz

Ein zweiter Ort, ein anderer Gegenstand

Die zyprische Kalksteinfigur im Met zeigt Artemis mit Köcher und Rehkitz. Der Museumskatalog ordnet sie dem 3. Jahrhundert v. Chr. zu und nennt einen Fundzusammenhang nahe dem Apollon-Heiligtum in Pyla. Diese Angabe ist ein konkreter lokaler Hinweis auf ein antikes Artemis-Bild.

Aus dem Fundkontext folgt keine Aussage, dass überall dieselbe Kultpraxis galt oder dass Geschwistergottheiten stets gemeinsam verehrt wurden. Die Figur ist auch keine Illustration der Aktaion-Geschichte.

Nachlesen: [4] Met 74.51.2741

Eine heutige Vorstellung von Artemis an einer Grenze

Ein Jäger hält am bewaldeten Rand einer Quelle inne; gegenüber steht eine Göttin mit erhobener Hand zwischen zwei Begleiterinnen, alle bekleidet.
Heutige KI-Illustration der Grenze eines Hains vor der Eskalation der Aktaion-Erzählung. Die bekleideten Figuren und die genaue Anordnung sind eine respektvolle freie Gestaltung, keine wortgetreue Wiedergabe von Artemis’ Bad und keine Rekonstruktion.

Eine andere Erzählung setzt eine harte Grenze

Pseudo-Apollodor berichtet Aktaions Verwandlung und Tod durch seine Hunde. Für den Auslöser nennt er jedoch nicht nur das Sehen der badenden Artemis, sondern auch Akusilaos' andere Erklärung mit Zeus und Semele. Die Episode zeigt eine radikale Grenze, darf aber die Jagd- und Tanzhymnen nicht rückwirkend zu einer einzigen Strafbiografie machen.

Die eigene Aktaion-Station stellt zudem Ovids römische Fassung daneben. Dieses Profil hält fest, welche Quellen Artemis in welchen Rollen zeigen; es erklärt nicht aus einem Vorfall ihren gesamten Charakter.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Hymnen 9 und 27
Jagd, Hunde, Tanz, Musen und Geschwisterbeziehung.

Bibliotheke 3,4,4
Aktaion mit verschiedenen Ursachen; kein sicherer Bericht über seine Absicht.

Attika und Zypern als Objektorte
Zwei antike Bilder mit Rehkitz und Waffen, lokal und zeitlich abgegrenzt.

Belegte Beziehungen

  • Artemis besucht Apollon im Hymnus 27: ApollonBelege [1] : Hymnus 27 vollständig

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Homerische Hymnen

Sammlungsbezeichnung für einzelne Hymnen. Gemeinsam archiviert oder verglichen, aber nach Nummer und tatsächlichem Lesebereich zitiert.

Antike Hymnen verschiedener Entstehungszusammenhänge; keine einheitliche Autorschaft oder Handlungszeit.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Kurzhymnen 9, 21, 25 und 27 nach Evelyn-White

Die vier genannten Kurzhymnen gelesen; Jagd- und Tanzszene in Hymnus 27 gehört nicht zur Aktaion-Handlung.

Historische englische Übersetzung; das Digitalisat datiert nicht die antike Erzählung.

Sprache: Englisch nach antikem Text

Überlieferter Text

Bibliotheke des Pseudo-Apollodor

Werkbezeichnung für die mythographische Sammlung. In diesem Museum sind nur ausgewählte Ausschnitte erschlossen; die einzelnen Editionsdatensätze benennen die tatsächlich gelesenen Stellen.

Antike mythographische Zusammenstellung; genaue Entstehungszeit und Autorschaft aus dieser Lektüre nicht bestimmt.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Bibliotheke Buch 3 nach Frazer: Aktaion

3,4,4 gelesen; Erzählung und alternative Ursache nach Akusilaos ausdrücklich unterschieden.

Historische englische Übersetzung; das Digitalisat datiert nicht die antike Erzählung.

Sprache: Englisch nach antikem Text

Welche Zeit ist gemeint?

  • Die attische Lekythos datiert laut Met etwa um 480 v. Chr.; die zyprische Kalksteinfigur in das 3. Jahrhundert v. Chr. Beides sind Objektzeiten, keine mythische Chronologie.

Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Artemis in den Homerischen Hymnen 9 und 27, Aktaion in Pseudo-Apollodor 3,4,4 und zwei antiken Met-Objekten
Verwendeter Ausschnitt
Hymnen 9 und 27; Pseudo-Apollodor 3,4,4; Met 41.162.18 und 74.51.2741. Ovid wird auf der Aktaion-Station gesondert verglichen.
  1. Homerische Kurz-Hymnen 9, 21, 25 und 27

    Homerische Hymnen; englische Übersetzung Hugh G. Evelyn-White · antiker Text; historische englische Übersetzung

    Hymnen 9 und 27 an Artemis, 21 an Apollon und 25 an Musen und Apollon vollständig gelesen: Jagd, Tanz, Geschwisterbezug, Lyra und Gesang.

    Kurze Anrufungen und Lobtexte, keine vollständigen Biografien; Hymnus 27 darf nicht in die Aktaion-Fassung hineingelesen werden. Abgerufen am 2026-09-28.

  2. Bibliotheke 3,4,4: Aktaion und zwei Ursachen

    Pseudo-Apollodor; englische Übersetzung James G. Frazer · antiker Text; historische englische Übersetzung

    Abschnitt 3,4,4 vollständig gelesen: Herkunft, Jagd, Acusilaos' abweichende Ursache, Artemis-Bad, Verwandlung, Hunde und Chiron.

    Die Alternativursache bei Acusilaos betrifft Zeus und Semele; sie ist nicht dieselbe wie das Badenarrativ. Keine Aussage über Aktaions Absicht beim Blick. Abgerufen am 2026-09-28.

  3. Attische Lekythos mit Artemis und Nike, 41.162.18

    The Metropolitan Museum of Art, Department of Greek and Roman Art · laufender Museumskatalog; antikes Objekt

    Met-Objekt 41.162.18: Datierung ca. 480 v. Chr., Artemis mit Pfeil und Reh, Nike an der Schulter, Public-Domain-Kennzeichnung und API-Bildadressen gelesen.

    Zeigt Artemis in Bewegung, nicht Aktaion oder eine Badeszene. Abgerufen am 2026-09-28.

  4. Zyprische Artemis-Kalksteinfigur, 74.51.2741

    The Metropolitan Museum of Art, Department of Greek and Roman Art · laufender Museumskatalog; antikes Objekt

    Met-Objekt 74.51.2741: zyprische Figur des 3. Jahrhunderts v. Chr., Köcher und Rehkitz sowie Museumshinweis zu Pyla, Public-Domain-Kennzeichnung und API-Bildadresse gelesen.

    Museum deutet zyprische lokale Verehrung; Befund nicht pauschal auf alle griechischen Artemis-Kulte übertragen. Abgerufen am 2026-09-28.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-28. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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