Eine Jägerin bewegt sich zwischen Orten
Der kurze Homerische Hymnus 9 ruft Artemis als Tochter des Zeus und Schwester Apollons an. Hymnus 27 führt sie ausführlicher mit Bogen, Jagdhunden und einer Bewegung durch Berge und Wald. Die Jagd ist in diesen Liedern keine isolierte Berufsbezeichnung, sondern eine poetische Szene mit Landschaft, Begleitung und Anrufung.
Die beiden Hymnen sind kurze Einzelstücke. Sie liefern weder eine vollständige Lebensgeschichte noch die Ursache einer Aktaion-Bestrafung.
Nach der Jagd folgt Gesang
Hymnus 27 wechselt den Schauplatz: Artemis besucht das Haus ihres Bruders Apollon und führt Musen und Grazien im Tanz. Wer sie nur als wortlose Jägerin beschreibt, übersieht diese musikalische und gemeinschaftliche Rolle im selben Lied.
Die Geschwisterbeziehung begründet dennoch keine gemeinsame Lebensgeschichte aller olympischen Figuren. Der Apollon-Hymnus beschäftigt sich etwa mit Delos und Pytho, während dieser Artemis-Hymnus Jagd und Tanz zusammenführt.
Artemis mit Rehkitz, Bogen und Pfeil – attisches Gefäß

Ein Gefäß zeigt Attribute, keine Biografie
Die attische Lekythos im Met zeigt Artemis mit einem Rehkitz und im Griff nach einem Pfeil. Bogen und Tier lassen sich mit der Jagdrolle in Hymnus 27 vergleichen. Das Gefäß zeigt aber keine Hymnenaufführung, und das Rehkitz macht es nicht zu einem Bild von Aktaion.
Das Objekt wird auf etwa 480 v. Chr. datiert. Sein Alter und das Bildmotiv sind Aussagen über einen erhaltenen Gegenstand, nicht über die Entstehung sämtlicher Artemis-Geschichten.
Artemis mit Rehkitz – Kalksteinfigur aus Zypern

Ein zweiter Ort, ein anderer Gegenstand
Die zyprische Kalksteinfigur im Met zeigt Artemis mit Köcher und Rehkitz. Der Museumskatalog ordnet sie dem 3. Jahrhundert v. Chr. zu und nennt einen Fundzusammenhang nahe dem Apollon-Heiligtum in Pyla. Diese Angabe ist ein konkreter lokaler Hinweis auf ein antikes Artemis-Bild.
Aus dem Fundkontext folgt keine Aussage, dass überall dieselbe Kultpraxis galt oder dass Geschwistergottheiten stets gemeinsam verehrt wurden. Die Figur ist auch keine Illustration der Aktaion-Geschichte.
Eine heutige Vorstellung von Artemis an einer Grenze

Eine andere Erzählung setzt eine harte Grenze
Pseudo-Apollodor berichtet Aktaions Verwandlung und Tod durch seine Hunde. Für den Auslöser nennt er jedoch nicht nur das Sehen der badenden Artemis, sondern auch Akusilaos' andere Erklärung mit Zeus und Semele. Die Episode zeigt eine radikale Grenze, darf aber die Jagd- und Tanzhymnen nicht rückwirkend zu einer einzigen Strafbiografie machen.
Die eigene Aktaion-Station stellt zudem Ovids römische Fassung daneben. Dieses Profil hält fest, welche Quellen Artemis in welchen Rollen zeigen; es erklärt nicht aus einem Vorfall ihren gesamten Charakter.
Die Figur in ihren Quellen
Eine Gestalt, verschiedene Textrollen
Hymnen 9 und 27
Jagd, Hunde, Tanz, Musen und Geschwisterbeziehung.
Bibliotheke 3,4,4
Aktaion mit verschiedenen Ursachen; kein sicherer Bericht über seine Absicht.
Attika und Zypern als Objektorte
Zwei antike Bilder mit Rehkitz und Waffen, lokal und zeitlich abgegrenzt.
Belegte Beziehungen
Texte und ihre Zugänge
Werke, Fassungen und verwendete Zugänge
Überlieferter Text
Homerische Hymnen
Sammlungsbezeichnung für einzelne Hymnen. Gemeinsam archiviert oder verglichen, aber nach Nummer und tatsächlichem Lesebereich zitiert.
Antike Hymnen verschiedener Entstehungszusammenhänge; keine einheitliche Autorschaft oder Handlungszeit.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Kurzhymnen 9, 21, 25 und 27 nach Evelyn-White
Die vier genannten Kurzhymnen gelesen; Jagd- und Tanzszene in Hymnus 27 gehört nicht zur Aktaion-Handlung.
Historische englische Übersetzung; das Digitalisat datiert nicht die antike Erzählung.
Sprache: Englisch nach antikem Text
Überlieferter Text
Bibliotheke des Pseudo-Apollodor
Werkbezeichnung für die mythographische Sammlung. In diesem Museum sind nur ausgewählte Ausschnitte erschlossen; die einzelnen Editionsdatensätze benennen die tatsächlich gelesenen Stellen.
Antike mythographische Zusammenstellung; genaue Entstehungszeit und Autorschaft aus dieser Lektüre nicht bestimmt.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Bibliotheke Buch 3 nach Frazer: Aktaion
3,4,4 gelesen; Erzählung und alternative Ursache nach Akusilaos ausdrücklich unterschieden.
Historische englische Übersetzung; das Digitalisat datiert nicht die antike Erzählung.
Sprache: Englisch nach antikem Text
Welche Zeit ist gemeint?
- Die attische Lekythos datiert laut Met etwa um 480 v. Chr.; die zyprische Kalksteinfigur in das 3. Jahrhundert v. Chr. Beides sind Objektzeiten, keine mythische Chronologie.
Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.
Der Weg zum Beleg
Quellen und Einordnung
- Überlieferung
- Artemis in den Homerischen Hymnen 9 und 27, Aktaion in Pseudo-Apollodor 3,4,4 und zwei antiken Met-Objekten
- Verwendeter Ausschnitt
- Hymnen 9 und 27; Pseudo-Apollodor 3,4,4; Met 41.162.18 und 74.51.2741. Ovid wird auf der Aktaion-Station gesondert verglichen.
- Homerische Kurz-Hymnen 9, 21, 25 und 27
Homerische Hymnen; englische Übersetzung Hugh G. Evelyn-White · antiker Text; historische englische Übersetzung
Hymnen 9 und 27 an Artemis, 21 an Apollon und 25 an Musen und Apollon vollständig gelesen: Jagd, Tanz, Geschwisterbezug, Lyra und Gesang.
Kurze Anrufungen und Lobtexte, keine vollständigen Biografien; Hymnus 27 darf nicht in die Aktaion-Fassung hineingelesen werden. Abgerufen am 2026-09-28.
- Bibliotheke 3,4,4: Aktaion und zwei Ursachen
Pseudo-Apollodor; englische Übersetzung James G. Frazer · antiker Text; historische englische Übersetzung
Abschnitt 3,4,4 vollständig gelesen: Herkunft, Jagd, Acusilaos' abweichende Ursache, Artemis-Bad, Verwandlung, Hunde und Chiron.
Die Alternativursache bei Acusilaos betrifft Zeus und Semele; sie ist nicht dieselbe wie das Badenarrativ. Keine Aussage über Aktaions Absicht beim Blick. Abgerufen am 2026-09-28.
- Attische Lekythos mit Artemis und Nike, 41.162.18
The Metropolitan Museum of Art, Department of Greek and Roman Art · laufender Museumskatalog; antikes Objekt
Met-Objekt 41.162.18: Datierung ca. 480 v. Chr., Artemis mit Pfeil und Reh, Nike an der Schulter, Public-Domain-Kennzeichnung und API-Bildadressen gelesen.
Zeigt Artemis in Bewegung, nicht Aktaion oder eine Badeszene. Abgerufen am 2026-09-28.
- Zyprische Artemis-Kalksteinfigur, 74.51.2741
The Metropolitan Museum of Art, Department of Greek and Roman Art · laufender Museumskatalog; antikes Objekt
Met-Objekt 74.51.2741: zyprische Figur des 3. Jahrhunderts v. Chr., Köcher und Rehkitz sowie Museumshinweis zu Pyla, Public-Domain-Kennzeichnung und API-Bildadresse gelesen.
Museum deutet zyprische lokale Verehrung; Befund nicht pauschal auf alle griechischen Artemis-Kulte übertragen. Abgerufen am 2026-09-28.
Redaktion und Bearbeitungsstand
Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-28. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.
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