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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Anubis: Bestattung, Schwelle und Waage

Drei datierte Bestattungszeugnisse geben Anubis unterschiedliche Aufgaben: Amenys Sarg bittet um seinen Beistand, Khnumnakhts Sarg nennt ihn im Umfeld der Einbalsamierung, Naunys Papyrus zeigt ihn an der Herzwaage. So entsteht ein präziseres Profil als aus dem Etikett „Gott des Todes“.

3–4 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Ein Bestattungsobjekt als Ausgangspunkt

Bemalte Sargwand des Ameny mit zwei großen Augen über einer kleinen Scheintür; Anubis ist auf diesem Bildfeld nicht dargestellt.
Sarg des Ameny, The Met 11.150.39a,b, etwa 1981–1802 v. Chr., Public Domain / CC0. Die gemalte Scheintür und die Augen sind sichtbar. Die Anrufung des Anubis steht laut Met auf dem Sargdeckel; sie ist auf dieser Detailaufnahme nicht lesbar und wird nicht als sichtbare Szene ausgegeben. Bildnachweis Bildlizenz

Ein Name auf Amenys Sarg

Amenys Sarg trägt auf dem Deckel eine Bitte an Anubis. Der Met-Katalog übersetzt sie als Wunsch, Ameny möge den Himmel durchqueren, bestattet werden und zum großen Himmelsgott aufsteigen dürfen. Anubis ist hier eine angerufene Macht am Übergang eines bestimmten Toten. Das fotografierte Türfeld des Sargkastens gehört zu demselben Objekt, bildet Anubis aber nicht ab.

Die bemalte Scheintür und die Augen des Sarges verorten den erhofften Weg aus der Ruhestätte. Ihre Form erklärt den Bestattungskontext, nicht eine einzelne Geste des Gottes. Bild, Inschrift und Katalogübersetzung sind drei verschiedene Ebenen; erst zusammen geben sie dem Wort „Begleitung“ einen begrenzten Sinn.

Ein zweiter Sarg, ein anderer Akzent

Der bemalte Sarg des Khnumnakht ist jünger als der Amenys. Sein Katalog nennt Anrufungen und Rezitationen an mehrere Gottheiten, darunter Osiris und Anubis. Anubis wird hier ausdrücklich im Zusammenhang der Einbalsamierung erläutert. Damit erweitert sich das Profil vom erbetenen Übergang zum Schutz und zur Versorgung des bestatteten Körpers.

Das ist kein Beweis für eine einzige, überall gleiche Zeremonie. Die Sargtexte wurden hier nur über die kuratorische Beschreibung gelesen. Der Katalog benennt Khnumnakht, lässt seine weitere Lebensgeschichte aber offen. Das Alter beider Särge ist zudem nicht das Entstehungsdatum des Namens Anubis.

Anubis im späteren Gericht

Bemalter Papyrus: zwei Frauen links, eine Waage mit Tierkopfgestalt in der Mitte und eine thronende Gestalt rechts.
Historische Reproduktion: Totengericht im Totenbuch der Nauny, um 1050 v. Chr. Detail der Rolle, The Met, 30.3.31. Public Domain / CC0. Bildnachweis Bildlizenz

Die Waage ist eine weitere Aufgabe

Auf Naunys Papyrus prüft eine schakalgestaltige Figur die Herzwaage. Der Met-Katalog identifiziert sie als Anubis. Maat sitzt als kleine Gestalt mit Feder in der anderen Schale; Thot erscheint als Pavian am Balken. Anubis handelt hier in einer sichtbaren Urteilsvignette, während Amenys Deckeltext ihn um einen Übergang bittet und Khnumnakhts Sarg ihn in einem anderen Bestattungskontext nennt.

Gerade die zeitliche und materielle Entfernung macht den Vergleich nützlich. Aus drei Zeugnissen entsteht kein lückenloser Lebenslauf eines Gottes. Aber sie widerlegen die Vorstellung, Anubis habe in ägyptischen Bildern stets nur die eine Aufgabe eines modernen „Todesgottes“ gehabt.

ZeugnisAnubis' belegte RolleGrenze
Amenys SargIn der Deckelinschrift um Übergang gebetenAuf dem fotografierten Türfeld nicht dargestellt
Khnumnakhts SargIn Anrufungen im Bestattungskontext genanntKataloglektüre, keine eigene Textübersetzung
Naunys PapyrusPrüft sichtbar das Gleichgewicht der HerzwaageSpätere, eigenständige Totengerichtsvignette

Was leistet das Bild?

Suche Anubis zuerst im Nauny-Bild. Vergleiche dann das Ameny-Foto: Dort erkennst du Augen und eine gemalte Tür, aber keinen Anubis. An welcher Stelle brauchst du eine Inschrift oder den Museumskatalog, um seinen Namen überhaupt mit dem Objekt zu verbinden?

Wenn ein heutiges Bild Anubis als Begleiter durch eine Tür zeigt, kann es eine erklärende Interpretation sein. Es ist keine Kopie der hier gelesenen Sargwand.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Angerufener Übergangshelfer
Deckelinschrift auf Amenys Sarg; der fotografierte Sargkasten zeigt Anubis nicht.

Bestattung und Einbalsamierung
Katalogbeschreibung der Anrufungen auf Khnumnakhts Sarg.

Prüfer der Herzwaage
Benannte Bildrolle in Naunys späterer Totengerichtsvignette.

Welche Zeit ist gemeint?

  • Amenys Sarg mit einer Anubis-Anrufung: etwa 1981–1802 v. Chr. nach The Met.
  • Khnumnakhts Sarg mit Anrufungen unter anderem an Anubis: etwa 1850–1750 v. Chr. nach The Met.
  • Naunys Totenbuchpapyrus zeigt Anubis in einer Totengerichtsvignette um 1050 v. Chr.

Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Ägyptische Bestattungs- und Totengerichtszeugnisse des Mittleren Reiches und der Dritten Zwischenzeit; keine erschöpfende Anubis-Mythologie
Verwendeter Ausschnitt
The Met 11.150.39a,b (Ameny), 15.2.2a,b (Khnumnakht) und 30.3.31 (Nauny).
  1. The Met 11.150.39a,b: Sarg des Ameny

    The Metropolitan Museum of Art · Mittleres Reich, etwa 1981–1802 v. Chr.; heutiger Sammlungskatalog

    Deckelinschrift mit Bitte an Anubis, den Verstorbenen über den Himmel gehen, bestatten und aufsteigen zu lassen; gemalte Scheintüren und Augen an Amenys Sarg; Public-Domain-Status des Hauptbildes.

    Die englische Katalogübersetzung ist keine eigene Hieroglyphenlektüre. Die Scheintür ist ein symbolischer Durchgang, nicht die Abbildung einer bestimmten Handlung des Anubis. Abgerufen am 2026-09-30.

  2. The Met 15.2.2a,b: Sarg des Khnumnakht

    The Metropolitan Museum of Art · Mittleres Reich, etwa 1850–1750 v. Chr.; heutiger Sammlungskatalog

    Katalogtext zu Anubis in Anrufungen und Rezitationen auf einem bemalten Sarg; dort als mit Einbalsamierung verbundener Gott beschrieben.

    Der Name belegt den Bestattungskontext, aber keine vollständige Anubis-Biografie. Die einzelnen Hieroglyphen wurden nicht selbst übersetzt. Abgerufen am 2026-09-30.

  3. Book of the Dead for the Chantress of Amun, Nauny

    The Metropolitan Museum of Art, Department of Egyptian Art · undatiert; laufender Katalog

    Objektdaten sowie Erläuterung der zentralen Szene zu Spruch 125; Originalabbildung tatsächlich betrachtet.

    Katalogzuweisungen sind keine eigene ägyptologische Entzifferung. Keine Datierung aller ägyptischen Jenseitsvorstellungen durch dieses Einzelobjekt. Abgerufen am 2026-09-25.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-30. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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