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Museum der
Mythologien

Historisches Objekt

Naunys Herz auf der Waage

Auf einem Papyrus steht eine Frau vor ihrem Urteil. Ein Blick auf die Waagschalen zeigt, warum ein vertrautes Bildschema nicht jedes Einzelbild erklärt.

2–3 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Bemalter Papyrus: zwei Frauen links, eine Waage mit Tierkopfgestalt in der Mitte und eine thronende Gestalt rechts.
Historische Reproduktion: Totengericht im Totenbuch der Nauny, um 1050 v. Chr. Detail der Rolle, The Met, 30.3.31. Public Domain / CC0. Bildnachweis Bildlizenz

Beginne bei den Schalen

Eine breite Waage teilt das Bild. Links liegen kleine, gerundete Formen in einer Schale; rechts sitzt eine winzige Gestalt. Unter dem Balken kniet eine Figur mit dunklem Tierkopf. Rechts außen blickt ein thronender Mann zur Waage. Links stehen zwei Frauen. Darüber läuft eine zweite Bildzeile, in der dieselbe weiß gekleidete Gestalt mehrfach erscheint.

Schon diese Beschreibung lässt etwas Wichtiges offen: Wir haben Formen und Positionen benannt, aber noch nicht alle Namen. Die Hieroglyphen sind echte Schrift auf dem Original. In dieser Station werden sie weder frei ergänzt noch aus dem Bild automatisch als gesicherte Übersetzung ausgegeben.

Was der Katalog hinzufügt

Der Papyrus gehörte zur Bestattung Naunys, einer Sängerin des Amun. Das Metropolitan Museum datiert ihn um 1050 v. Chr. Die zentrale Darstellung bezieht sich auf Spruch 125 des Totenbuchs. Naunys Herz wird gegen Maat abgewogen, hier als kleine Figur mit Feder dargestellt. Anubis prüft die Waage; der Pavian auf dem Balken vertritt Thot. Osiris sitzt rechts, Isis steht hinter Nauny. Der Katalog deutet das Gleichgewicht als günstiges Urteil.

Damit wird aus einer Beobachtung eine begründete Benennung. Die winzige Figur in der rechten Schale ist für unsere Betrachtung besonders ergiebig: Wer ausschließlich die geläufige Kurzform „Herz gegen Feder“ erwartet, übersieht eine konkrete Bildentscheidung dieser Handschrift. Die Feder gehört hier zur Darstellung Maats. Genaues Hinsehen verbessert deshalb auch einen scheinbar vertrauten Satz.

Bildbefund oder Deutung?

„Der Balken liegt annähernd waagerecht“ lässt sich am Foto kontrollieren. „Das Urteil ist günstig“ verbindet diesen Bildbefund mit einer überlieferten Vorstellung und ihrer fachlichen Deutung. Beide Sätze sind sinnvoll, aber sie leisten Verschiedenes.

Versuche nun einen eigenen Satz zu Isis: Ihre Stellung links hinter Nauny ist sichtbar. Dass diese Person Isis ist, entnehmen wir der katalogisierten Identifizierung. Eine darüber hinaus erfundene Rede, ein Gefühl oder ein Gespräch wäre bereits Nacherzählung. Dafür bräuchten wir einen benannten Text oder eine deutlich erklärte heutige Erfindung.

Ein Ausschnitt, kein vollständiges Jenseits

Das Foto zeigt ein Detail einer Rolle von insgesamt 521,5 Zentimetern Länge. Der Träger ist bemalter Papyrus, kein aufgeschlagenes Buch mit festem Seitenformat. Die Abbildung ist im Museumsbestand als gemeinfrei gekennzeichnet; hier erscheint sie unverändert als historische Reproduktion.

Ihre Datierung gilt für dieses Zeugnis. Sie ist kein Geburtsdatum der Geschichte vom Totengericht und kein Datum eines tatsächlich stattgefundenen jenseitigen Ereignisses. Ebenso wenig kann eine einzelne Rolle sämtliche ägyptischen Vorstellungen über viele Jahrhunderte vertreten. Ihr besonderer Wert liegt gerade darin, dass wir nicht von einem beliebigen Totengericht sprechen: Wir schauen auf ein erhaltenes Bild für Nauny.

Welche Zeit ist gemeint?

  • Papyrus: um 1050 v. Chr. laut Objektkatalog
  • Jenseitiges Urteil: kein historisches Kalenderdatum

Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Ägyptische funeräre Bild- und Textüberlieferung
Verwendeter Ausschnitt
Totenbuch der Nauny, The Met 30.3.31; betrachteter Ausschnitt: Totengericht, Spruch 125.
  1. Book of the Dead for the Chantress of Amun, Nauny

    The Metropolitan Museum of Art, Department of Egyptian Art · undatiert; laufender Katalog

    Objektdaten sowie Erläuterung der zentralen Szene zu Spruch 125; Originalabbildung tatsächlich betrachtet.

    Katalogzuweisungen sind keine eigene ägyptologische Entzifferung. Keine Datierung aller ägyptischen Jenseitsvorstellungen durch dieses Einzelobjekt. Abgerufen am 2026-09-25.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-26. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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