Der frühe Text verlangt eine Wahl
Yasna 30 spricht in Mills’ englischer Übersetzung von zwei ursprünglichen Geistern, die sich in Denken, Sprechen und Handeln unterscheiden. Die Hörenden sollen sich entscheiden. Der böse Geist wählt das Schlechte; der andere die rechte Ordnung. Das Gedicht bindet den Gegensatz damit an Handlungen und Verantwortung.
Mills vermerkt ausdrücklich, dass der Name Angra Mainyu in diesem Abschnitt nicht vorkommt. Diese Textstelle liefert also keine vollständige benannte Lebensgeschichte Ahrimans. Sie ist ein früher Vergleichspunkt für die später anders ausgearbeitete Gegnerschaft.
Eine Übersetzung entscheidet mit
Mills’ Fassung trägt viele Ergänzungen in Klammern ein. Schon die Vorstellung vom Paar der Geister darf deshalb nicht wie eine unvermittelte deutsche Aussage des avestischen Textes behandelt werden. Malandra erläutert, wie stark fachkundige Gatha-Übersetzungen voneinander abweichen können.
Duchesne-Guillemin deutet die beiden Geister als Söhne desselben Vaters; Gnoli diskutiert ebenfalls Verwandtschaft und Wahl. Hier bleibt die Genealogie eine Forschungsdeutung. Eine Figurenkarte soll die Unsicherheit sichtbar machen, statt aus verschiedenen Auslegungen einen eindeutigen Stammbaum zu zeichnen.
Im Bundahishn ist Wissen ungleich verteilt
In Wests Übersetzung des mittelpersischen Bundahishn steht Ohrmazd im Licht, Ahriman in der Dunkelheit. Zwischen ihnen liegt ein leerer Raum. Ohrmazd kennt den kommenden Konflikt, während sein Gegner dessen Ausgang nicht voraussieht. Die beiden Seiten sind also nicht einfach in jeder Hinsicht gleich mächtig.
Ohrmazd bietet Zusammenarbeit an. Ahriman weist sie zurück. Der Kampf erhält eine begrenzte Zeit; das Ahunwar-Gebet macht den Gegner zunächst handlungsunfähig. Diese Erzählung verbindet Gegnerschaft mit Entscheidung und einem vorgesehenen Ende.
Die Welt wird angegriffen, nicht aufgegeben
Kapitel 3 erzählt den Einbruch in Himmel, Wasser und Erde, dann in Pflanzen, Rind, Gayomard und Feuer. Ahriman bringt Verdunkelung, Schaden und Rauch in eine bereits bestehende Welt. Der Himmel leistet Gegenwehr. Der kosmische Gegensatz zeigt sich an verletzlichen Geschöpfen.
Zu diesem Text gehört auch Jeh, die den Gegner aufrüttelt. Seine Verbindung von Menstruation und Unreinheit ist eine historische Abwertung, keine Tatsache über weibliche Körper. Ebenso wenig rechtfertigt die Darstellung einen heutigen Umgang mit den als schädlich bezeichneten Tieren.
Ahrimans Macht hat ein Ende
Kapitel 30 schildert die Auferstehung der Menschen und die Erneuerung der Welt. Am Ende verlieren Ahriman und Az ihre Macht; der Gegenspieler flieht zurück in die Dunkelheit. Selbst der Raum der Hölle wird gereinigt und für die Welt zurückgewonnen.
Dieser Ausgang begrenzt Ahrimans Rolle. Die hier betrachteten Texte ergeben keinen ewigen Gleichstand zweier Herrscher. Sie erschließen ausgewählte historische Darstellungen; über die Auffassungen aller heutigen zoroastrischen Gemeinden sagen sie nichts Einheitliches aus.
Gegnernamen und eine Herkunftsdeutung brauchen ihre eigene Stelle
Duchesne-Guillemin unterscheidet einen Akəm-Manah-Beleg von Angra Mainyu und nennt Paitiša in einer jüngeren Liste. Seine weiteren Rückschlüsse auf den Ursprung des Geisterpaars sind als seine Deutung zu lesen. Boyce und andere Forscher setzen andere Akzente; aus den Fachartikeln entsteht deshalb kein zusätzlicher einheitlicher Stammbaum.
Die konkret benannten Rollen dieses Vergleichs
| Rolle im Fachartikel | Was der benannte Zugang erläutert | Stelle |
|---|---|---|
| Paitiša in Duchesne-Guillemins Referat | Der Forscher unterscheidet die Titel Angra Mainyus von der superlativischen Bezeichnung Paitišas am Ende einer angeführten Vendidad-Liste. | The Younger Avesta; Absatz zum daēvanąm daēvō |
| Akəm Manah im Gathas-Forschungsreferat | Duchesne-Guillemin erläutert einen Yasna-32-Beleg, in dem die Daevas Nachkommen des bösen Denkens Akəm Manah heißen, und unterscheidet davon die Wahl des schlechtesten Denkens. | The Gathas |
Die Figur in ihren Quellen
Angra Mainyu / Ahriman
Angra Mainyu und das mittelpersische Ahriman werden in einem ausdrücklich geschichteten Profil zusammengeführt. Yasna 30 nennt den Eigennamen in dem benutzten Abschnitt nicht; sein böser Geist ist kein eigener zusätzlich angelegter Figurenname. Spenta Mainyu und Ahura Mazdā/Ohrmazd werden als unterschiedliche Gegenüber in ihren jeweiligen Textzusammenhängen beschrieben. Keine sichere Vater-Söhne-Genealogie oder allzeit identische Zweigötterlehre.
Der frühe Text verlangt eine Wahl
Yasna 30.2–6; Mills’ Anmerkung 25:1
Eine Übersetzung entscheidet mit
Einleitung zur Übersetzung als Interpretation und Vergleich von Yasna 30.3; The Gathas: Deutung der beiden Geister; Frühe Diskussion von Yasna 30.3–4, Zwillingen und Wahl
Im Bundahishn ist Wissen ungleich verteilt
Kapitel 1, Absätze 1–22, besonders Wissen, Friedensangebot und festgesetzte Zeit
Die Welt wird angegriffen, nicht aufgegeben
Kapitel 3.3–17 und 24–27
Ahrimans Macht hat ein Ende
Kapitel 30.29–33
Figuren und Namen in den Textstellen
Die Namen führen zu den besprochenen Szenen und Quellen. Eine kurze Nennung, eine Herkunftsangabe und eine ausgeführte Handlung bleiben unterschiedliche Rollen. Ähnliche Namen ergeben keine gemeinsame Lebensgeschichte.
Die konkret benannten Rollen dieses Vergleichs
Paitiša in Duchesne-Guillemins Referat
Profil: Begrenztes Fachartikel- oder Vergleichsprofil
Der Forscher unterscheidet die Titel Angra Mainyus von der superlativischen Bezeichnung Paitišas am Ende einer angeführten Vendidad-Liste.
Leitfrage: Warum darf ein höchster Titel in einer Liste nicht automatisch Angra Mainyu zugeschrieben werden?
Beleg: The Younger Avesta; Absatz zum daēvanąm daēvō · Duchesne-Guillemin: Angra Mainyu in avestischen Textschichten
Akəm Manah im Gathas-Forschungsreferat
Profil: Begrenztes Fachartikel- oder Vergleichsprofil
Duchesne-Guillemin erläutert einen Yasna-32-Beleg, in dem die Daevas Nachkommen des bösen Denkens Akəm Manah heißen, und unterscheidet davon die Wahl des schlechtesten Denkens.
Leitfrage: Welche Gegenkraft steht in der referierten Herkunftsangabe tatsächlich?
Beleg: The Gathas · Duchesne-Guillemin: Angra Mainyu in avestischen Textschichten
Texte und ihre Zugänge
Werke, Fassungen und verwendete Zugänge
Überlieferter Text
Bundahishn: Entstehung, Angriff und Erneuerung
Wests Kapitel 1, 3 und 30 liefern drei verschiedene Handlungsmomente Ahrimans: begrenztes Wissen, Angriff und Ende seiner Macht. Die später erzählte Gestalt wird nicht stillschweigend zur namentlich handelnden Figur jedes frühen Verses.
Historische mittelpersische Textüberlieferung; englische Übersetzung des 19. Jahrhunderts
Sprache: Mittelpersisch; benutzter Zugang auf Englisch
Benutzte Ausgabe
Wests englischer Zugang: Kapitel 1, 3 und 30
Kapitel 1.0–28, 3.1–27 und 30.1–33 vollständig im benannten Umfang gelesen. Kapitelzählung von West; Greater-Bundahishn-Verweise anderer Forschung nicht übertragen. Keine eigene mittelpersische Kollation.
Historische mittelpersische Textüberlieferung; englische Übersetzung des 19. Jahrhunderts
Sprache: Mittelpersisch; benutzter Zugang auf Englisch
Überlieferter Text
Yasna 30: Entscheidung zwischen zwei Geistern
Mills’ elf Verse von Yasna 30 zeigen den Gegensatz von Denken, Wort und Tat. Seine Anmerkung zur fehlenden Namensnennung und die Forschung zu den beiden Geistern begrenzen den Rückschluss auf Ahrimans spätere Gestalt.
Überliefertes avestisches Gedicht; historische englische Übersetzung von Mills
Sprache: Avestisch; benutzter Zugang auf Englisch
Benutzte Ausgabe
Mills: Yasna 30.1–11
Elf Verse im bereits registrierten Umfang gelesen; ausgewählte Einführung und Anmerkung 25:1. Erklärende Klammern gehören zum Übersetzer, nicht zu einer unabhängigen avestischen Textschicht. Keine Vollauswertung aller Fußnoten.
Überliefertes avestisches Gedicht; historische englische Übersetzung von Mills
Sprache: Avestisch; benutzter Zugang auf Englisch
Der Weg zum Beleg
Quellen und Einordnung
- Überlieferung
- Benannte avestische Rede und mittelpersische kosmische Darstellung; Forschung als eigene Deutungsebene
- Verwendeter Ausschnitt
- Wests Bundahishn, Kapitel 1, 3 und 30; Mills’ Yasna 30 als abgegrenzter Vergleich. Keine Gesamtlektüre des Avesta oder Bundahishn.
- Yasna 30, historische englische Übersetzung
L. H. Mills; Sacred Books of the East, digitale Wiedergabe · 19. Jahrhundert; digitale Wiedergabe
Alle elf Verse der Übersetzung gelesen; ausgewählte Einleitung und Fußnote 25:1. Nicht alle Anmerkungen gelesen.
Mills ergänzt zahlreiche Deutungen in Klammern. Keine selbständige avestische Originallektüre oder Handschriftenkollation; historische Übersetzung nicht mit heutiger Fachübereinstimmung gleichgesetzt. Abgerufen am 2026-09-26.
- Gathas ii. Translations
William W. Malandra, Encyclopaedia Iranica · 2000; aktualisierte Webseite 2013
Einleitung, Vergleichsblock zu Yasna 30.3 und anschließende Unsicherheitsdiskussion sowie Beginn des historischen Übersetzungsüberblicks gelesen.
Verglichene kritische Editionen nicht selbst vollständig gelesen. Keine komplette Bibliografie ausgewertet; Unterschiede der Übersetzungen nicht automatisch als Unterschiede von Handschriften bezeichnet. Abgerufen am 2026-09-26.
- Duchesne-Guillemin: Angra Mainyu in avestischen Textschichten
Jacques Duchesne-Guillemin · Encyclopaedia Iranica I/6–7, 1984, S. 670–673; Webfassung aktualisiert 12. Juni 2018
Bibliografischer Kopf, Einleitung, The Gathas, The Seven Chapters und The Younger Avesta bis einschließlich des Absatzes zur Versuchung Zarathustras (Vd. 19.6 ff.) tatsächlich gelesen. Der folgende Pahlavi-Abschnitt nicht vollständig gelesen.
Begrenzter Ausschnitt einer Forschungsdarstellung. Die Deutung der beiden Geister als Söhne desselben Vaters ist eine ausgewiesene Interpretation; keine ungeprüfte eindeutige Genealogie. Die zitierten jüngeren avestischen Texte hier nicht unabhängig als Primärtexte gelesen. Frühere Wertbegriffe des Autors nicht als heutiger neutraler Kulturmaßstab übernommen. Abgerufen am 2026-10-03.
- Dualism
Gherardo Gnoli, Encyclopaedia Iranica · 1996; aktualisierte Webseite 2017
Einleitung und frühe Diskussion von Yasna 30.3–4, Zwillingen, Wahl, mēnōg/gētīg und Friedensangebot gelesen.
Spätere historische Abschnitte nicht vollständig ausgewertet. Kritik an Boyce als Forschungsposition, nicht als abgeschlossener Konsens behandelt. Seine Bundahishn-Nummerierung nicht auf West übertragen. Abgerufen am 2026-09-26.
- Bundahishn, Kapitel 1
E. W. West; digitale Wiedergabe bei avesta.org · Historische englische Übersetzung; Webkopf nennt SBE 5, 1897
Kapitel 1, Einleitung und Abschnitte 1–28 vollständig gelesen. Anfang von Kapitel 2 nur Orientierung.
West-Fassung und ihre Nummerierung, nicht Anklesarias Greater Bundahishn. Keine mittelpersische Originallektüre, kein vollständiges Werk gelesen. Angaben des Webkopfs nicht als selbst geprüfte Druckbibliografie ausgegeben. Abgerufen am 2026-09-26.
- Bundahishn bei West: Der Angriff auf die Geschöpfe
E. W. West (Übers.); Webedition avesta.org · Historische englische Übersetzung, Sacred Books of the East 5; Webkopf nennt Oxford 1897, Druckausgabe hier nicht unabhängig bibliografisch kollationiert
Kapitel 3, Absätze 1–27 vollständig gelesen: Jeh, Angriff auf Himmel, Wasser, Erde, Pflanzen, Rind, Gayomard und Feuer; Gegenwehr des Himmels. Die vollständige Seite enthält auch Kapitel 1–6; diese neue Quittung gilt ausschließlich Kapitel 3.
Historischer englischer Übersetzungszugang. Keine Gesamtlektüre des Bundahishn oder eigenständige mittelpersische Übersetzung. Kapitelnummern gelten West und dürfen nicht mit dem Greater Bundahishn bei Anklesaria vermischt werden. Die Zuschreibung von Unreinheit an Menstruation ist historische Textideologie, keine biologische Aussage; Tierbezeichnungen und Feindbilder bleiben Aussagen dieser Darstellung. Abgerufen am 2026-10-03.
- Bundahishn bei West: Auferstehung und Erneuerung
E. W. West (Übers.); Webedition avesta.org · Historische englische Übersetzung, Sacred Books of the East 5; Webkopf nennt Oxford 1897, Druckausgabe hier nicht unabhängig bibliografisch kollationiert
Kapitel 30, Absätze 1–33 vollständig gelesen: leibliche Auferstehung, Wiedererkennen der Angehörigen, eigene Taten, zeitweilige Trennung, gemeinsamer Metallstrom, Wiedervereinigung und Ende der Macht des Bösen. Kapitel 29 und Anfang 31 nur angezeigt, keine Gesamtlektüre 29–32 behauptet.
Historische englische Übersetzung, keine mittelpersische Kollation. Wests Kapitel 30 ist kein Beleg für jede zoroastrische Jenseitsvorstellung oder heutige Praxis. Erzählte Nahrungslosigkeit und geschmolzenes Metall sind theologische Bilder, keine gegenwärtigen Handlungsanweisungen. Unterschiedliche Strafen und gemeinsame Reinigung nicht zu einem einfachen ewigen Zwei-Lager-Schema verkürzen. Abgerufen am 2026-10-03.
- Ahura Mazdā
Mary Boyce, Encyclopaedia Iranica · 1984; aktualisierte Webseite 2018
Einleitung, Namensformen und die ersten Absätze bis einschließlich der Modifikationen der älteren iranischen Lehre gelesen.
Begrenzter Ausschnitt, nicht vollständiger Artikel. Boyces Interpretation der Zwillingsgeister wird ausdrücklich zugeordnet und mit abweichender Forschung verglichen. Abgerufen am 2026-09-26.
Redaktion und Bearbeitungsstand
Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-18. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.
Eine Korrektur oder ein kulturelles Anliegen melden · Bitte den Titel oder die Seitenadresse nennen.
