Ein Fuß passt nicht ins Boot
Sieh zuerst auf die schmale Steinseite im Foto. Eine Gestalt hält einen Hammer. Unter ihr liegt ein Boot; noch weiter unten windet sich ein Wesen. Eine Leine verbindet die Bereiche. Der auffällige Fuß unter dem Boot liefert einen Hinweis darauf, welche außergewöhnliche Kraft hier dargestellt wird.
Das schwedische Riksantikvarieämbetet erklärt diese Bildseite des Altuna-Steins U 1161 als Thors Fischzug nach der Weltenschlange. Die roten Linien helfen beim heutigen Betrachten. Sie sind kein Nachweis, dass genau diese Farbe seit der Entstehung der Ritzung erhalten geblieben wäre.
Ein Bild hält jedoch keinen vollständigen Ablauf fest. Wer die Schlange später leben oder sterben lässt und wie das Boot zurückkehrt, muss an anderen Zeugnissen geprüft werden. Dieses Exponat vergleicht zwei Steine, ein Gedicht und eine Prosafassung. Die deutschen Nacherzählungen geben historische englische Übersetzungen sinngemäß wieder.
Altuna: ein Bildmoment auf schmalem Stein

Gedicht: Der Hammer trifft, die Schlange sinkt
Hymiskviða erzählt den Fischzug in den hier gelesenen Strophen 19–28. Thor reißt einem Ochsen den Kopf ab und verwendet ihn als Köder. Hymir möchte weniger weit hinausfahren als sein Begleiter. Während Hymir zwei Wale fängt, bereitet Thor im hinteren Teil des Bootes seine eigene Angel vor.
In Strophe 23 beißt die Schlange nach dem Ochsenkopf. Die Umschreibung als Wesen, das die Welt umgürtet, vergrößert den Schauplatz: An der Leine hängt kein gewöhnlicher Fang. Thor zieht sie bis zum Boot und trifft ihren Kopf von oben mit dem Hammer. Die Erde erbebt; anschließend sinkt der Fisch ins Meer.
Diese Verse sagen nicht ausdrücklich, dass Hymir die Leine durchschneidet. Sie sagen auch nicht einfach: Die Schlange ist tot. Das Versinken steht da; eine eindeutige Todesfeststellung müssten wir ergänzen. Später kehren Thor und Hymir zurück. Thor trägt schließlich das Boot samt Ausrüstung und Fang an Land.
Bellows kennzeichnet an mehreren Stellen vermutete Textlücken. Seine Anmerkungen erläutern, dass die Handschriften dort keine entsprechenden Leerstellen zeigen. Die Punkte auf der gedruckten Seite sind daher nicht mit fotografisch sichtbaren Löchern in einem Manuskript gleichzusetzen.
Prosa: Eine Warnung wird übergangen
Gylfaginning XLVIII setzt den Fischzug nach Thors Reise zu Útgarða-Loki. Gangleri fragt, ob Thor sich für die Täuschung gerächt habe. Die Antwort führt zu Hymir: Thor tritt ohne Wagen, Böcke und Begleiter in der Gestalt eines jungen Burschen auf. Am folgenden Morgen will er mit zum Fischen.
Hymir zweifelt daran, dass der vermeintlich Junge die Kälte aushält. Thor hält seinen Zorn zunächst zurück und beschafft einen Ochsenkopf als Köder. Auf dem Meer rudert er über den gewöhnlichen Fischplatz hinaus. Hymir warnt ausdrücklich vor der Midgardschlange. Thor besteht trotzdem auf weiterer Fahrt.
Als die Schlange beißt, stemmen sich Thors Füße durch den Bootsboden bis auf den Meeresgrund. Er zieht sie an den Bootsrand. Die Szene beschreibt gegenseitiges Anstarren und ausgespienes Gift. Die Prosa vergleicht sogar die List am Köder mit der früheren Täuschung Thors: Auch rohe Kraft ist hier mit einem Trick verbunden.
Zwei Behauptungen über den Ausgang in derselben Erzählung
Hymir sieht Wasser in das Boot hinein- und hinausströmen und erschrickt. Während Thor den Hammer hebt, schneidet Hymir die Leine mit seinem Messer durch. Die Schlange sinkt. Thor wirft ihr den Hammer nach. Damit weichen sowohl die Abfolge des Schlags als auch Hymirs Eingreifen von den gelesenen Gedichtstrophen ab.
Nun lässt die Prosa zwei Aussagen nebeneinanderstehen. Manche Menschen, heißt es, erzählten vom abgeschlagenen Kopf der Schlange am Meeresgrund. Der Sprecher Hárr erklärt dagegen, er halte es für wahr, dass sie noch im umgebenden Meer lebe. Der Text glättet den Unterschied nicht zu einer einzigen unstrittigen Nachricht.
Zum Schluss schlägt Thor Hymir mit der Faust am Ohr und befördert ihn aus dem Boot; Thor watet ans Ufer. Für dieses Detail lesen wir die Prosastelle selbst. Bellows gibt in seiner Gedichtanmerkung Snorris Geschichte verkürzt wieder und nennt hier einen Hammer. Ein Kommentar ersetzt deshalb nicht die Prüfung der Fassung, auf die er verweist.
Beweist das Versinken den Tod?
Du liest nur Hymiskviða 23–25 in Bellows Übersetzung. Welche Aussage bleibt bei diesem begrenzten Textausschnitt? Öffne die Antworten und vergleiche die Begründungen.
Thor trifft den Kopf; die Schlange sinkt. Ihr Tod wird in diesen Versen nicht ausdrücklich festgestellt.
Diese Formulierung trägt der Beleg.
Diese Formulierung unterscheidet das Erzählte von einer möglichen Folgerung. Der Schlag und das Versinken stehen im Text. Eine sichere Todesnachricht steht dort nicht.
Hymir rettet die Schlange, indem er in Strophe 25 die Leine durchschneidet.
Hier geht die Formulierung zu weit oder verfehlt den Beleg.
Der Leinenschnitt gehört zur gelesenen Gylfaginning-Fassung. Bellows erläutert diese Prosa in seiner Anmerkung, doch dadurch wird das Detail nicht Teil der Strophe.
Weil die Schlange sinkt, muss jede Fassung ihren endgültigen Tod erzählen.
Hier geht die Formulierung zu weit oder verfehlt den Beleg.
Das behauptet mehr als der Ausschnitt. In Gylfaginning XLVIII nennt der Sprecher ausdrücklich abweichende Berichte und vertritt ihr Weiterleben. Ein sichtbares Verschwinden ist nicht automatisch ein endgültiges Ende.
Altuna: Ein Fuß ist kein zweiter Ruderstrich
Wessén und Jansson beschreiben im historischen Runeninschriftenband einen Fuß unter dem Boot; eine andere Linie gehört zum Ruder. Sie widersprechen damit einer älteren Lesart mit zwei Füßen. Das ist ein konkreter Unterschied zu Snorris Prosa. Das Fehlen Hymirs erklären sie als mögliche Folge des knappen Bildraums – eine Deutung, kein gesicherter Künstlerkommentar.
Prüfe am Foto, welche Linien du selbst sicher verfolgen kannst. Trenne davon, was dir der Forschungstext erschließt. Eine anschauliche Ähnlichkeit zwischen Text und Bild macht den Stein noch nicht zur Illustration genau der heute benutzten Übersetzung.
Hørdum: ein zweites Bildzeugnis in heutiger Aufstellung

Hørdum: Fundgeschichte ist keine Entstehungszeit
Das Vikingeskibsmuseet berichtet, dass der Stein in der Kirche von Hørdum als Stufe wiederverwendet und 1954 bei Restaurierungsarbeiten wiederentdeckt wurde. Es deutet die Darstellung als Thor beim Fang der Midgardschlange. Die Jahreszahl benennt die Wiederentdeckung, nicht die Herstellung des Bildes.
Der historische Runeninschriftenband erörtert Hørdum im Vergleich mit Altuna. Er gibt eine Deutung der beiden Figuren als Thor und Hymir wieder, einschließlich einer erhobenen Axt und eines Fußes unter dem Boot. Zugleich warnt der Text davor, allein aus der einfachen Form und Kleidung ein genaues Entstehungsdatum abzuleiten.
Unser Foto zeigt die gegenwärtige Aufstellung mit roter Nachzeichnung und Blumen davor. Selbst wenn zwei Figuren zu erkennen sind, lässt sich daraus kein kompletter Ablauf samt Todesnachricht ablesen. Die heutige Markierung hilft beim Sehen und lenkt es zugleich. Vergleiche deshalb Bild, Beschreibung und Textfassung, ohne eines zum Ersatz für die anderen zu machen.
Vier Zeugnisse, vier begrenzte Aussagen
Dieser Vergleich ordnet konkrete Beobachtungen zu. Er ist kein vollständiger Katalog aller Darstellungen des Fischzugs.
| Zeugnis | Hier zu erkennen oder zu lesen | Grenze der Aussage |
|---|---|---|
| Hymiskviða 23–28 · Bellows | Thor schlägt den Kopf; die Schlange sinkt. Später trägt er Boot und Fang. | Kein ausdrücklich erzählter Leinenschnitt in diesen Versen; Versinken nicht als sichere Todesnachricht ausgeben. |
| Gylfaginning XLVIII · Brodeur | Hymir schneidet die Leine. Thor wirft den Hammer nach. Hárr vertritt das Weiterleben. | Die gemeldete Tötung und die Sprecherposition bleiben zwei unterschiedliche Aussagen. |
| Altuna U 1161 · Foto und Beschreibung | Hammer, Boot, Leine und gewundenes Wesen; die Forschung unterscheidet Fuß und Ruder. | Ein einzelner Bildmoment erzählt keine vollständige Rückfahrt. |
| Hørdum · Foto und Museumsangabe | Bootsszene mit zwei Figuren; heute in einer Kirche aufgestellter Stein. | Wiederentdeckung 1954 datiert nicht die Ritzung. |
Ein fast ruhiges Meer verbirgt den Maßstab

Wie weit soll Thor hinausfahren?
Die heutige Illustration verschiebt unseren Blick unter die Wasseroberfläche. Für die Männer im Boot bleibt unsichtbar, was wir gleichzeitig sehen: ein Gegenüber, dessen Körper den Bildraum übersteigt. Diese Aussicht ist unsere freie Gestaltung. Sie veranschaulicht ein Missverhältnis, ohne aus dem Mythos eine vermessbare Meereskarte zu machen.
In der Prosa warnt Hymir, Thor besteht auf der Weiterfahrt. Ist das Mut, Übermaß oder der Versuch, nach einer Demütigung die eigene Stärke zu beweisen? Das sind Fragen an die erzählte Situation. Keine davon ersetzt die Beobachtung, wer welchen Schritt ausführt und welche Fassung ihn nennt.
Im Raum „Bedrohte Ordnung“ steht der Fischzug neben Baldr und Ragnarök. Baldrs Geschichte fragt nach der Lücke in einem versprochenen Schutz. Hier stößt eine mächtige Figur an ein nicht endgültig beseitigtes Gegenüber. Bei Ragnarök wird daraus eine Frage an die gesamte Weltordnung. Der Raum verbindet diese Fragen; er behauptet keine einzige lückenlose Chronik aller Texte.
Texte und ihre Zugänge
Werke, Fassungen und verwendete Zugänge
Überlieferter Text
Snorris Edda
Brodeur: nur Gylfaginning XLVIII. Junge Erscheinung, Warnung, Köder, Füße im Boot, Leinenschnitt, nachgeworfener Hammer und Faustschlag gehören zu dieser Prosafassung. Berichtete Enthauptung und Hárrs Fortlebensbehauptung sind unterschiedliche Aussagen innerhalb desselben Kapitels.
Werk- und Stoffgeschichte nicht mit Datum der benutzten Übersetzung gleichgesetzt.
Sprache: Altnordisch
Benutzte Ausgabe
Brodeur 1916: Gylfaginning, Thor-Auswahl
Kapitel XXI und XLIV–XLVIII; eigener Lektüreumfang neben dem unveränderten Odin-Nachweis.
1916
Sprache: Englisch
Überlieferter Text
Hymiskviða
Bellows: nur 19–28 mit den bezeichneten Anmerkungen. Ochsenkopf, Hammerschlag, Versinken und Rückkehr stehen im Gedicht; Leinenschnitt und eine sichere Todesnachricht werden nicht ergänzt. Die vom Kommentar angenommene Lücke ist nicht automatisch ein Loch im Textzeugen.
Gedichtentstehung hier nicht genauer datiert; Handschrift und Ausgabe getrennt.
Sprache: Altnordisch
Benutzte Ausgabe
Bellows: Hymiskviða, Fischzug 19–28
Erneute begrenzte Lektüre19–28 einschließlich Kommentar; keine neue Handschriftenbehauptung.
Benutzte digitale Ausgabe:1936 auf zugehöriger Titelseite.
Sprache: Englisch
Welche Zeit ist gemeint?
- Fischzug in erzählter Zeit, kein datiertes historisches Ereignis.
- 1916: benutzte Gylfaginning-Übersetzung Brodeurs.
- 1936: Ausgabeangabe des benutzten digitalen Bellows-Bands.
- 1954: Wiederentdeckung des Hørdum-Steins, keine Datierung seiner Ritzung.
Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.
Der Weg zum Beleg
Quellen und Einordnung
- Überlieferung
- Altnordische Textüberlieferung und skandinavische Bildzeugnisse in heutiger Dokumentation
- Verwendeter Ausschnitt
- Altuna U1161 als Bildeinstieg; Hymiskviða19–28 nach Bellows, digitale Ausgabe1936; GylfaginningXLVIII nach Brodeur1916; Hørdum als zweiter Bildvergleich.
- Gylfaginning: Thors Ausrüstung, Útgarða-Loki und Fischzug
Snorri Sturluson; Arthur Gilchrist Brodeur, englische Übersetzung 1916; Wikisource
Kapitel XXI und XLIV–XLVIII vollständig gelesen. Besonders die Rahmendiskussion, Prüfungen, Auflösung und ausdrückliche konkurrierende Aussagen zum Überleben der Schlange geprüft.
Neue, begrenzte Thor-Lektüre derselben Ausgabe; der frühere Odin-Lektürenachweis bleibt unverändert. Keine Gesamtlektüre, altnordische Kollation oder universale Biografie. Brodeurs Gürtelstärke wird nicht mit Zahlen anderer Übersetzungen vermischt. Abgerufen am 2026-09-27.
- Hymiskviða / Hymiskvitha: ausgewählter Fischzug
Henry Adams Bellows, englische Übersetzung; Internet Sacred Text Archive
Einleitungsabsatz zur Überlieferung sowie Strophen 19–28 einschließlich Anmerkungen gelesen; Handlung des Fischzugs besonders 23–26. Ausgabeangabe 1936 auf der Titelseite geprüft.
Keine Gesamtlektüre dieses Gedichts oder seiner Handschriften. Bellows’ ergänzte Lücken und philologische Vermutungen bleiben Editionsentscheidungen. Die Anmerkung zu Snorris Fassung wird nicht anstelle des tatsächlich gelesenen Prosatexts verwendet. Abgerufen am 2026-09-27.
- Altuna U 1161: Bild, Erzählung und heutige Farbmarkierung
Riksantikvarieämbetet; Runskolan
Abschnitte zu Bildern auf Runensteinen, Tors fiske und Målade vikingarna runstenarna?, einschließlich Bildunterschrift und Fotografenangabe.
Moderne Vermittlungserzählung; nicht als weiterer mittelalterlicher Textzeuge oder als wörtliche Snorri-Ausgabe verwendet. Keine genaue Datierung des Steins aus allgemeinen Zeitangaben abgeleitet. Abgerufen am 2026-09-27.
- Lizenzen der Website des Riksantikvarieämbetet
Riksantikvarieämbetet
Einführung und Abschnitt Creative Commons Erkännande (CC BY), einschließlich verlinkter Lizenz CC BY 4.0.
Verwendung für das ausdrücklich mit CC BY und Bengt A. Lundberg bezeichnete Altuna-Foto. Keine pauschale Rechtebehauptung für fremde Inhalte der Website. Abgerufen am 2026-09-27.
- Hørdum billedsten
Vikingeskibsmuseet, Roskilde
Vollständiger kurzer Haupttext über Bildmotiv, Hørdum-Kirche und Wiederentdeckung 1954.
Keine genaue Datierung der ursprünglichen Ritzung. Fundgeschichte ist nicht Entstehungszeit. Abgerufen am 2026-09-27.
- Hørdum Stone.jpg: Fotografie und Lizenz
Schorle (Bernd Scholkemper); Wikimedia Commons
Beschreibung, Fotograf, Aufnahmedatum 11. August 2021, Originalabmessungen, Dateigeschichte, SHA-1 und Lizenz CC BY-SA 4.0.
Metadaten einer heutigen Fotografie; kein eigenständiger Beweis der Ritzungsdatierung. Genannte Bildsoftware belegt keine KI-Erzeugung des Motivs. Abgerufen am 2026-09-27.
- U 1161 Altuna: Bildbeschreibung und Vergleich mit Hørdum
Elias Wessén und Sven B. F. Jansson, Upplands runinskrifter IV, Sveriges runinskrifter IX; Band 1953–1958
Gedruckte S. 614, Absatz zur Bilddarstellung; S. 616–618, Vergleich von Altuna, Hørdum und literarischen Darstellungen. Zugehörige Bandtitelseiten zusätzlich gelesen.
Begrenzte historische Forschungslektüre, keine Gesamtlektüre des 53-seitigen PDF oder des Bandes. Damalige Zahl bekannter Bildzeugnisse und Datierungshypothesen nicht als heutiger Gesamtstand übernommen. Abgerufen am 2026-09-27.
Redaktion und Bearbeitungsstand
Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-17. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.
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