Zum Museumsinhalt
MythaneumDas Museum der Mythologien

Exponat

Baldr und das Versprechen der Sicherheit

Eine übersehene Mistel, ein gelenkter Schuss und eine verweigerte Träne: Vergleiche, welche Quelle Baldrs Tod wie erzählt – und warum Saxos Nanna und Hother nicht in Snorris Ablauf passen.

14–17 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Die Sicherheit hat eine kleine Ausnahme

Auf den ersten Blick wirkt unser Bild friedlich. Baldr steht im Licht, die anderen Menschen scheinen entspannt. Erst der Zweig in der Hand am rechten Bildrand stört diesen Eindruck. Er verweist auf eine Ausnahme, die in Snorris Erzählung tödlich wird.

Baldr hat bedrohliche Träume. Frigg nimmt Dingen und Lebewesen Eide ab, ihm nicht zu schaden. Feuer, Wasser, Metalle, Steine, Erde, Bäume, Krankheiten und Tiere gehören zur langen Aufzählung. Die Götter erproben den Schutz schließlich als Spiel: Sie werfen, schießen und schlagen auf Baldr ein. Es verletzt ihn nichts.

Diese ausführliche Handlung lesen wir in Gylfaginning XLIX nach Brodeurs englischer Übersetzung von 1916. Andere mittelalterliche Texte setzen andere Akzente oder erzählen deutlich anders. Unsere deutschen Nacherzählungen und Beschriftungen sind sinngemäß; sie ersetzen keine Übersetzung aus den Originalsprachen.

Nachlesen: [1] XLIX, Anfang

Ein Zweig in einer ruhigen Szene

Baldr steht in hellem Gewand bei fünf weiteren Erwachsenen auf einer grünen Wiese. Im rechten Vordergrund hält eine angeschnittene Person einen kleinen Mistelzweig; dahinter liegen Wasser und Berge.
Heutige KI-Illustration mit OpenAI ImageGen zur übersehenen Mistel in Gylfaginning XLIX. Die ruhige Szene vor der Gewalt ist frei gestaltet; sie zeigt nicht das im Text beschriebene Werfen und Schießen. Gesicht, Gewänder, Landschaft und Anordnung sind keine historische Rekonstruktion. Die Hand im Vordergrund lässt ihre Person nicht erkennen. Der Zweig ist eine bildliche Annäherung, kein botanischer Beleg.

Wer die Ausnahme kennt, kann den Schutz umgehen

Loki missfällt, dass Baldr keinen Schaden nimmt. In Gestalt einer Frau besucht er Frigg und fragt nach. Sie nennt einen einzelnen Spross westlich von Valhall: die Mistel. Sie habe ihn für zu jung gehalten, um ihm den Eid abzunehmen. Das ist Friggs Begründung innerhalb der Erzählung, keine botanische Altersbestimmung des Museums.

Loki holt die Mistel und geht zur Versammlung. Höðr steht abseits: In dieser Prosafassung ist er blind und hat keine Waffe. Loki bietet ihm den Zweig an, fordert ihn auf, Baldr wie die anderen zu ehren, und zeigt ihm die Richtung. Höðr schießt; Baldr wird durchbohrt und fällt.

Die Erzählung verteilt Handlungen auf mehrere Beteiligte. Frigg hat die Ausnahme eingeräumt, die Götter machen aus Sicherheit ein Waffenspiel, Loki beschafft das Mittel und lenkt Höðr, Höðr führt den Schuss aus. Diese Aufteilung ist genauer als ein einziger Satz darüber, wer schuld sei. Sie macht die Handlungen weder gleichwertig noch gleich absichtsvoll.

Trauer ist noch keine Rückkehr

Zunächst können die Götter vor Trauer kaum sprechen. In der Erzählung verhindert die Heiligkeit des Ortes eine sofortige Vergeltung. Frigg sucht jemanden, der zu Hel reitet und um Baldr bittet. Hermóðr übernimmt den Weg auf Sleipnir und erreicht Baldr nach einer Reise durch dunkle Täler.

Daneben steht der Bestattungsbericht: Baldr wird auf das Schiff Hringhorni gelegt. Nanna, seine Frau, stirbt vor Kummer und wird mit ihm verbrannt. Odin gibt den Ring Draupnir auf den Scheiterhaufen. Das Exponat übernimmt damit keine unbestimmte Vorstellung einer Wikingerbestattung, sondern eine ausdrücklich benannte literarische Szene.

Hel knüpft Baldrs Rückkehr an eine umfassende Bedingung: Alles, Lebendes und Totes, muss um ihn weinen. Die Boten treffen zuletzt Þökk, die dies verweigert. Am Ende heißt es, man halte sie für Loki. Diese vermutende Zuschreibung bleibt erkennbar; wir ersetzen sie nicht durch eine unabhängig gesicherte Identität.

Die Reise ist deshalb nicht einfach eine erfolgreiche Rettung. Trauer verbindet viele, aber die Bedingung lässt die einzelne Weigerung entscheidend werden. Baldrs spätere Rückkehr in einem anderen Textzusammenhang darf nicht rückwirkend zum unmittelbaren Erfolg dieser Bitte gemacht werden.

Die Gedichte setzen andere Schwerpunkte

In Völuspá 32–34 sieht die Seherinnenrede Baldrs Schicksal, nennt die Mistel, den von Höðr geschleuderten schädlichen Zweig und Friggs Trauer. Die Strophen enthalten nicht den ganzen Ablauf von Friggs Eiden und Lokis verkleidetem Besuch. Bellows ergänzt solche Zusammenhänge in seinen Anmerkungen. Vers und Kommentar sind deshalb getrennt zu lesen.

Völuspá 62 versetzt Baldr und Höðr gemeinsam in die erneuerte Welt. Die Feindschaft des Todesgeschehens bestimmt ihre Beziehung dort nicht mehr in derselben Weise. Die Strophe sagt damit etwas anderes als die Forderung nach allgemeinem Weinen in Gylfaginning XLIX.

Baldrs draumar beginnt ebenfalls mit beunruhigenden Träumen. Odin reitet zur Totenwelt und zwingt eine verstorbene Seherin zum Sprechen. Sie kündigt in Strophe 9 Höðr und den Zweig an; später nennt sie die Vergeltung. Wissen um die drohende Tat steht im Mittelpunkt, keine ausgeführte Rettung. Lokis Entkommen aus seinen Fesseln erscheint erst im Schlussausblick von Strophe 14.

Lokasenna 27–28 gibt wiederum Loki das Wort: Im Streit mit Frigg nimmt er die Verantwortung dafür auf sich, dass Baldr nicht mehr zu ihr heimkehrt. Das ist eine Aussage dieser Figur in einer Beschimpfungsszene. Die Strophe erzählt weder den Besuch bei Frigg noch den genauen Einsatz der Mistel aus.

Was steht in der Strophe – was in der Anmerkung?

Du liest Baldrs draumar 9 in Bellows Ausgabe. Im Vers trägt Höðr den Zweig und wird als Baldrs künftiger Töter genannt. In der dazugehörigen Anmerkung erläutert Bellows außerdem Blindheit und Lokis Anstiftung. Welche Beschreibung hält diese Ebenen auseinander? Öffne eine Antwort, um ihre Begründung zu lesen.

Strophe 9 schildert ausführlich, wie Loki dem blinden Höðr die Richtung zeigt.

Hier geht die Formulierung zu weit oder verfehlt den Beleg.

Die Strophe nennt Höðr und den Zweig, führt diese Handlung aber nicht aus. Blindheit und Lokis Anstiftung stehen hier in Bellows Anmerkung; die ausführliche Prosaszene liest du bei Snorri.

Der Vers nennt Höðr und den Zweig; Bellows ergänzt im Kommentar Blindheit und Lokis Anstiftung.

Diese Formulierung trägt der Beleg.

Diese Beschreibung lässt beides stehen und nennt jeweils den Ort der Aussage. Eine hilfreiche Anmerkung wird dadurch nicht unbrauchbar; sie erhält ihren richtigen Platz neben dem Vers.

Weil Strophe 9 Loki nicht nennt, kann er in keiner Fassung mit Baldrs Tod verbunden sein.

Hier geht die Formulierung zu weit oder verfehlt den Beleg.

Aus einer fehlenden Nennung in dieser Strophe folgt keine Aussage über alle anderen Texte. Gylfaginning XLIX erzählt Lokis Beteiligung, Lokasenna 28 lässt ihn selbst Verantwortung beanspruchen.

Bei Saxo sind Nanna und Hother anders verbunden

Saxos Gesta Danorum steht in einem anderen literarischen Zusammenhang. Karsten Friis-Jensen beschreibt das Werk als lateinische Geschichte der Dänen und ihrer Könige, entstanden um 1200 im Umfeld des Erzbischofs Absalon. Es ordnet die frühen Erzählungen in eine Geschichte bis in die Zeit des Autors ein. Wir lesen den Balder-Abschnitt am Beginn von Buch III in Oliver Eltons englischer Übersetzung; die benutzte digitale Ausgabe ist mit 1905 bezeichnet.

Hier wächst Hother unter Gewars Fürsorge auf. Er ist ein vielseitiger Kämpfer und Musiker. Nanna ist Gewars Tochter und liebt Hother. Balder, Odins Sohn, begehrt sie ebenfalls. Nanna weist ihn zurück und heiratet Hother. Sie ist in diesem Abschnitt also nicht die trauernde Ehefrau Balders auf dem Scheiterhaufen.

Waldgestalten warnen Hother vor Balders besonderer Stärke. Ein von Miming bewachtes Schwert kann dessen sonst gegen Stahl geschützten Körper verwunden. Hother beschafft es. Die Rivalität wird in mehreren Kämpfen ausgetragen, in denen auch Herrschaft über Dänemark und Schweden zur Sprache kommt.

Saxos Erzähler kommentiert zudem die vermeintlichen Götter: Sie würden nur nach Gewohnheit so genannt, nicht ihrer Natur nach. Das ist Teil seiner Darstellung. Wir übernehmen diese religiöse Wertung nicht als neutrales Urteil über andere Überlieferungen.

Ein Schwertstoß statt eines Mistelzweigs

Später sucht Hother die Frauen auf, die eine stärkende Speise für Balder zubereiten. Die älteste verweigert ihm den Anteil. Er erhält andere Gaben, darunter einen Gürtel. Die Passage sollte deshalb nicht so nacherzählt werden, als esse er nun selbst Balders Speise.

Auf dem Rückweg trifft Hother auf Balder und stößt ihm das Schwert in die Seite. Balder überlebt zunächst schwer verletzt und wird am nächsten Tag auf einer Bahre in den Kampf getragen. Eine nächtliche Erscheinung, in der Übersetzung Proserpine genannt, kündigt ihm den Tod an; nach drei Tagen stirbt er. Sein Heer trauert und bestattet ihn in einem Hügel.

Im gelesenen Abschnitt tötet keine Mistel, Hother wird nicht als blind vorgestellt, und Loki leitet den Stoß nicht an. Das sind Unterschiede dieses Textausschnitts, keine Behauptungen über jede denkbare Baldr-Überlieferung. Wer Hothers Fähigkeiten, Nannas Ehe und die Tat einfach in Snorris Ablauf einsetzt, erzeugt eine neue Mischfassung.

Welche Fassung trägt welches Detail?

Die Zeilen sind eine Lesehilfe zu den hier benannten Stellen. Sie beanspruchen keine vollständige Übersicht aller Handschriften, Bearbeitungen und Bildtraditionen.

TextstelleDort ausdrücklich erzähltNicht stillschweigend ergänzen
Gylfaginning XLIX · BrodeurFriggs Eide und Ausnahme; Loki lenkt den blinden Höðr; Nanna ist Baldrs Frau; Hermóðrs Bitte scheitert an der Bedingung.Þökk wird am Schluss mit Loki vermutend verbunden, nicht unabhängig identifiziert.
Völuspá 32–34 und 62 · BellowsMistel, Höðrs Tat und Friggs Trauer; später Baldr und Höðr in der erneuerten Welt.Die Anmerkungen erzählen mehr als diese Verse. Die Rückkehr ist keine unmittelbare Folge von Hermóðrs Bitte.
Baldrs draumar 9 · BellowsDie Seherin kündigt Höðr mit dem Zweig als Täter an.Blindheit und Lokis Anstiftung stehen hier im Kommentar, nicht im Vers.
Lokasenna 27–28 · BellowsLoki beansprucht im Streit mit Frigg Verantwortung für Baldrs ausbleibende Heimkehr.Keine ausführliche Mistelszene in diesen beiden Strophen.
Gesta Danorum III · EltonNanna liebt und heiratet Hother; Hother verwundet Balder mit dem Schwert; später Tod und Hügelbestattung.Nannas Ehe, Hothers Rolle und die Tat nicht in Snorris Ablauf einbauen.

Baldr: Lob, Verlust und eine spätere Zukunft

Vor der ausführlichen Todesgeschichte stellt Gylfaginning XXII Baldr knapp vor. In Hárrs Antwort ist er Odins Sohn, wird von allen gelobt und leuchtet durch seine Schönheit. Die Rede nennt Weisheit, freundliche Sprache und seinen Wohnort Breidablik. Das sind Eigenschaften einer literarischen Beschreibung; daraus folgt noch kein überall belegter Kult eines Lichtgottes.

Beim Lesen der Schutzgeschichte fällt nun ein Unterschied auf: Baldrs Schönheit und Anerkennung bewahren ihn nicht vor dem gezielten Einsatz der Ausnahme. Seine Träume lösen Beratung und Friggs Schutzversuch aus; nach dem Tod handeln vor allem andere für ihn. Er bleibt aber nicht stumm: Bei Hermóðrs Besuch gibt er Draupnir als Erinnerung für Odin mit.

Die Rückkehr gehört in einen späteren Horizont. Völuspá 62 nennt Baldr und Höðr gemeinsam in der erneuerten Welt. Gylfaginning LIII lässt beide von Hel kommen, mit den anderen zusammensitzen und sich an vergangene Ereignisse erinnern. Das ist eine weitere Aussage der Prosa, kein Bericht über den sofortigen Erfolg von Hermóðrs Bitte.

Saxos Balder steht im gelesenen Buch-III-Abschnitt dagegen als begehrender Rivale Hothers und als Krieger vor uns. Auch dort wird Odin als Vater genannt, doch Beziehung, Handlung und Tod sind anders angeordnet. Im Figurenatlas führen wir diesen Textzugang gesondert als „Balder bei Saxo“. Eine gemeinsame Vergleichsseite soll die Unterschiede sichtbar machen, keine einzige vollständige Biografie erzeugen.

Höðr: handeln, gelenkt werden und erinnert bleiben

Gylfaginning XXVIII nennt Höðr blind und zugleich kräftig. Hárr kündigt an, dass die Tat seiner Hände lange erinnert werde. Blindheit bedeutet in diesem kurzen Porträt also nicht fehlende Stärke. In XLIX steht Höðr abseits, weil er Baldr nicht sehen kann und keine Waffe hat; Loki verschafft ihm beides, den Zweig und die Richtung.

Was wusste Höðr? Die benannte Szene führt sein Gespräch und seinen Schuss aus. Sie erlaubt, zwischen seiner Handlung und Lokis Wissen um die Ausnahme zu unterscheiden. Sie erzählt jedoch keinen langen inneren Monolog Höðrs und kein förmliches Urteil eines Gerichts. Eine moderne Bewertung sollte als solche erkennbar bleiben.

Baldrs draumar 9 kündigt den Träger des Zweigs als künftigen Töter an; Bellows schreibt Hoth. Seine ergänzende Anmerkung nennt Blindheit und Lokis Anstiftung. Völuspá 33–34 beschreibt den schädlichen Schuss und die anschließende Vergeltung; in 62 erscheinen Baldr und Hoth gemeinsam. Die künftige Gemeinschaft ist eine bemerkenswerte Veränderung, aber keine ausdrücklich erzählte gegenseitige Verzeihung.

Bei Saxo ist Hother ein anders ausgestalteter Handelnder: Gewars Schützling, Musiker und Kämpfer, Nannas Partner und Balders Rivale. Der Schwertstoß gehört in diesen Zusammenhang. Sein Können und seine Ehe werden nicht dem blinden Höðr der Prosaszene zugeschlagen. Auch dieser Zugang hat im Figurenatlas einen eigenen, mit Saxos Namen beschrifteten Eintrag.

Nanna: Trauer, Geschenke und eine andere Ehe

In Gylfaginning XXXII wird Nanna als Neps Tochter und zusammen mit Baldr als Elternteil Forsetis genannt. Diese knappe Beziehung steht neben der Todesgeschichte. Sie ist keine Erlaubnis, Nannas ganze Herkunft oder Forsetis gesamte Überlieferung auszufüllen.

XLIX nennt Nanna Baldrs Frau. Beim Anblick seines auf das Schiff getragenen Körpers stirbt sie vor Kummer und wird mit ihm auf den Scheiterhaufen gelegt. Derselbe Bericht lässt sie später bei Hermóðrs Besuch Geschenke senden: ein Leinengewand und weitere Gaben für Frigg, einen goldenen Fingerring für Fulla. So bleibt ihre Rolle nicht auf den Augenblick ihres Todes beschränkt.

Die Geschenke belegen hier eine erzählte Verbindung zwischen den Zurückgebliebenen und den Verstorbenen. Sie sind keine ausgegrabenen Objekte und kein unabhängiger Nachweis eines Bestattungsrituals. Im heutigen Bild wird Nanna nicht als sicher identifizierbare historische Darstellung ausgegeben.

Saxos Nanna ist Gewars Tochter. Sie liebt Hother, weist Balder zurück und wird Hothers Frau. Ihre begründete Zurückweisung spricht von der ungleichen Verbindung eines Gottes mit einer Sterblichen; Saxos Erzähler bezeichnet die Antwort als ausweichend. Rede der Figur und Wertung des Erzählers gehören auseinandergehalten. Diese Nanna wird als eigene Textgestalt erschlossen und nicht zu Neps Tochter mit zwei gleichzeitig passenden Ehen zusammengesetzt.

Vergleiche deshalb bei jedem Namen die benannte Beziehung: Wessen Tochter, wessen Partnerin, wer spricht oder handelt hier? Die gemeinsame Schreibweise Nanna macht den Vergleich lohnend; sie entscheidet die Identitätsfrage noch nicht allein.

Wie viel Sicherheit kann eine Zusage tragen?

Kehre zum Zweig im Bild zurück. In Snorris Erzählung scheitert der Schutz nicht an fehlender Stärke Balders. Eine ausgenommene Pflanze, gezieltes Wissen und die Beteiligung anderer machen die Tat möglich. Nach dem Tod hängt die Rückkehr wiederum an einer Bedingung, deren Erfüllung niemand allein garantieren kann.

Bei Saxo führen Begehren, Zurückweisung, besondere Waffen und Rivalität durch eine andere Geschichte. Dort stellt sich die Frage nach Verantwortung entlang anderer Beziehungen. Die Abweichung ist kein Fehler, den eine gemeinsame Nacherzählung beseitigen müsste.

Im Raum „Bedrohte Ordnung“ kannst du zu Ragnarök weitergehen. Achte dort darauf, welche Texte von Baldrs Rückkehr sprechen und welche andere Formen des Weiterlebens nennen. Oder gehe zu Loki und vergleiche seine jeweils konkret benannte Beteiligung. Ein Name verbindet Texte; er macht ihre Aussagen noch nicht identisch.

Die Figur in ihren Quellen

Baldr

Altnordische Textgestalt in den benannten Prosa- und Gedichtstellen. Baldrs Schutzversuch und Tod werden quellenbezogen erzählt; Rückkehr im Weltneubeginn. Saxos Balder separat.

Gelobte Gestalt
XXII

Schutz, Tod und Besuch
XLIX

Gemeinsame Zukunft
62

Belegte Beziehungen

  • Frigg organisiert den Schutz ihres Sohnes in der benannten Erzählung. FriggBelege [1] : XLIX
  • Höðrs Schuss tötet Baldr; Lokis Anleitung bleibt gesondert erklärt. HöðrBelege [1] : XLIX
  • Nanna wird in dieser Prosa Baldrs Frau genannt. Nanna, Neps TochterBelege [1] : XLIX

Die Figur in ihren Quellen

Balder bei Saxo

Literarische Gestalt in Saxos gelesener Buch-III-Fassung. Odin als Vater, Rivalität mit Hother, Nannas Zurückweisung und Schwerttod; nicht mit Snorris Handlungsablauf verschmolzen.

Rivale und Krieger
Buch III, Beginn bis Grabhügellegende

Belegte Beziehungen

  • Rivalität und Schwertstoß in Saxos Fassung. Hother bei SaxoBelege [5] : Buch III, Rivalität und Schwertstoß

Die Figur in ihren Quellen

Höðr

Blinder und kräftiger As in Gylfaginning; englische Schreibungen Hödr/Hoth in den benannten Übersetzungen. Anleitung und Tat quellengebunden, spätere gemeinsame Anwesenheit keine ausdrücklich erzählte Verzeihung. Saxos Hother separat.

Blindheit und Stärke
XXVIII

Angeleiteter Schuss
XLIX

Zweig und Zukunft
9 samt Anmerkung

Belegte Beziehungen

  • Loki gibt Zweig und Richtung; kein erfundener innerer Monolog Höðrs. Loki / LoptrBelege [1] : XLIX

Die Figur in ihren Quellen

Hother bei Saxo

Literarischer Held und Herrscher in Saxos gelesener Buch-III-Fassung; Gewars Schützling, Nannas Partner und Schwertkämpfer. Kein stillschweigender Alias des blinden Höðr.

Musiker, Partner und Gegner
Buch III, Jugend, Ehe und Schwertstoß

Belegte Beziehungen

  • Nanna heiratet Hother in Saxos Erzählung. Nanna bei SaxoBelege [5] : Buch III, Nannas Heirat

Die Figur in ihren Quellen

Nanna, Neps Tochter

Nanna in Gylfaginning: Neps Tochter, Baldrs Frau und zusammen mit ihm Elternteil Forsetis; stirbt in XLIX und sendet später Geschenke. Saxos Gewarstochter bleibt getrennt.

Knappe Familie
XXXII

Trauer und Gaben
XLIX

Belegte Beziehungen

  • Nanna sendet Frigg ein Leinengewand und weitere Geschenke. FriggBelege [1] : XLIX, Geschenke

Die Figur in ihren Quellen

Nanna bei Saxo

Gewars Tochter in Saxos gelesener Buch-III-Fassung; liebt und heiratet Hother, weist Balder zurück. Keine Verschmelzung mit Neps Tochter.

Zurückweisung und Partnerwahl
Buch III, Jugend Hothers, Nannas Rede und Heirat

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Snorris Edda

Brodeur: Gylfaginning XXII, XXVIII und XXXII für die begrenzten Figurenporträts, XLIX für Schutz, Tod, Bestattung und Bitte sowie LIII für die spätere Rückkehr. Baldr, Höðr und Nanna behalten ihre jeweiligen Rollen. Þökks Loki-Zuordnung bleibt berichtete Vermutung; die erneuerte Welt ist kein unmittelbarer Erfolg der Bitte.

Werk- und Stoffgeschichte nicht mit Datum der benutzten Übersetzung gleichgesetzt.

Sprache: Altnordisch

Benutzte Ausgabe

Brodeur 1916: Gylfaginning, Loki-Auswahl

XXXIII, erster Absatz XXXIV und XLIX–L; keine Gesamtlektüre.

1916

Sprache: Englisch

Überlieferter Text

Lokasenna

Bellows: hier nur 27–28. Friggs Gegenrede und Lokis Selbstzuschreibung stehen in einer Streitsituation. Sie erzählen weder den Besuch bei Frigg noch den genauen Einsatz der Mistel aus.

Gedichtentstehung hier nicht genauer datiert.

Sprache: Altnordisch

Überlieferter Text

Völuspá

Bellows: die bezeichnete Auswahl 31–35 und 62, auf dieser Seite besonders 32–34 mit den Anmerkungen. Mistel, Höðrs Tat und Friggs Trauer stehen neben der späteren gemeinsamen Anwesenheit von Baldr und Höðr. Vers, Kommentar und Prosahandlung werden nicht gleichgesetzt.

Mittelalterlich überliefert; Entstehungszeit hier nicht festgelegt.

Sprache: Altnordisch

Überlieferter Text

Baldrs draumar

Bellows: das Gedicht 1–14 mit den bezeichneten Anmerkungen. Odin zwingt eine verstorbene Seherin zur Auskunft; 9 kündigt Höðr und den Zweig an. Blindheit und Lokis Anleitung in der Anmerkung sind kein ausführlicher Versbericht dieser Handlung.

Mittelalterlich überliefertes Gedicht; Entstehungsdatum hier nicht festgelegt.

Sprache: Altnordisch

Benutzte Ausgabe

Bellows: Baldrs draumar, 1–14

Einleitung, alle vierzehn Strophen und Kommentar gelesen; Kommentaraussagen getrennt.

1936 auf der digital zugehörigen Titelseite.

Sprache: Englisch

Benutzte Ausgabe

Bellows: Völuspá, Baldr-Auswahl

31–35 mit Anmerkungen und 62; keine Gesamtlektüre oder Handschriftenkollation.

1936 auf der digital zugehörigen Titelseite.

Sprache: Englisch

Benutzte Ausgabe

Bellows: Lokasenna, Frigg und Loki

Strophen 27–28 für E07-08 erneut gelesen. Begrenzter Ausschnitt ohne neue Handschriftenbehauptung.

1936 auf der digital zugehörigen Titelseite.

Sprache: Englisch

Überlieferter Text

Gesta Danorum

Elton in der benutzten Ausgabe von 1905: nur der Buch-III-Anfang bis zur Grabhügellegende, mit Friis-Jensens benanntem Werk-/Ausgabenkontext. Nanna ist Gewars Tochter und Hothers Partnerin; Balder ist Rivale und wird mit dem Schwert verwundet. Diese Beziehungen werden nicht in Snorris Ablauf eingesetzt.

Um 1200; Einordnung nach Friis-Jensen 2012, keine eigene Neudatierung.

Sprache: Latein

Benutzte Ausgabe

Elton: The Danish History, Buch III, Balder-Abschnitt

Anfang von Buch III bis Balders Tod, Bestattung und anschließender Grabhügellegende.

Benutzte digitale Titelseite: 1905; nicht mit der ersten Ausgabe 1894 verwechselt.

Sprache: Englisch

Benutzte Ausgabe

Brodeur: Gylfaginning XXII, XXVIII, XXXII und LIII

XXII, XXVIII, XXXII und LIII vollständig gelesen, einschließlich der dort zitierten Verse. XLIX im bestehenden Loki-/Baldr-Archiv erneut gelesen.

1916: benutzte historische Übersetzung.

Sprache: Englisch

Welche Zeit ist gemeint?

  • Erzählte Vorzeichen, Tod und spätere Rückkehr sind kein datierbares historisches Ereignis.
  • 1905: benutzte Elton-Ausgabe des begrenzten Saxo-Abschnitts.
  • 1916: benutzte Gylfaginning-Übersetzung Brodeurs.
  • 1936: Ausgabeangabe des benutzten digitalen Bellows-Bands.

Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Mittelalterlich überlieferte altnordische Dichtung und Prosa sowie Saxos lateinische Geschichtserzählung
Verwendeter Ausschnitt
Brodeur: Gylfaginning XXII, XXVIII, XXXII, XLIX und LIII. Bellows: Baldrs draumar 1–14, Völuspá 31–35/62 und Lokasenna 27–28 mit den bezeichneten Anmerkungen. Saxo: Buch III, Anfang bis Grabhügellegende, nach Elton in der Ausgabe 1905; Friis-Jensens begrenzter Werk-/Ausgabenkontext bleibt getrennt.
  1. Gylfaginning: Lokis Beziehungen, Baldr und Bindung

    Snorri Sturluson; Arthur Gilchrist Brodeur, englische Übersetzung 1916; Wikisource

    XXXIII vollständig, erster Absatz von XXXIV bis zur Beschreibung Hels, XLIX und L vollständig gelesen. Der zusätzlich gelesene Anfang von LI wird für diese Seite nicht als eigener Beleg verwendet.

    Keine Gesamtlektüre oder kritische Kollation. XXXIV nicht vollständig erschlossen. In L steht im Digitaltext zunächst Vili, dann Váli; diese Namensabweichung wird nicht stillschweigend normalisiert. Thökk wird in XLIX nur zugeschrieben mit Loki identifiziert. Eigener Loki-Nachweis; frühere Odin- und Thor-Quellensätze unverändert. Abgerufen am 2026-09-27.

  2. Lokasenna: Streitgespräch, Prosarahmen und Schluss

    Henry Adams Bellows, englische Übersetzung; Internet Sacred Text Archive

    Einleitung, gesamtes Gedicht mit Strophen 1–65, Prosarahmen, Zwischenerläuterungen und Schlussprosa einschließlich Anmerkungen gelesen. Ausgabeangabe 1936 auf der bereits archivierten Titelseite geprüft.

    Keine altnordische Handschriftenkollation. Bellows’ alte Datierungshypothese, Feuer-Gott-Etikett und Urteil über die angeblich richtige Bestrafungstradition nicht übernommen. Seine Behauptung, Snorri lasse die Erdbebenerklärung aus, widerspricht dem hier gelesenen Brodeur-Text. Figurenanschuldigungen sind keine bestätigten Ereignisberichte. Abgerufen am 2026-09-27.

  3. Baldrs draumar: Vorwissen ohne Rettung

    Henry Adams Bellows; englische Übersetzung, digitale Ausgabe mit Titelseite 1936

    Einleitung, Strophen 1–14 und zugehörige Anmerkungen vollständig gelesen.

    Historische Übersetzung und Kommentar getrennt. Datierungs- und Autorschaftsvermutungen der Einleitung nicht als heutiger Konsens übernommen; keine eigene Handschriftenlektüre. Abgerufen am 2026-09-27.

  4. Völuspá: Mistel, Tod und spätere Rückkehr

    Henry Adams Bellows; englische Übersetzung, digitale Ausgabe mit Titelseite 1936

    Strophen 31–35 mit Anmerkungen und Strophe 62 gelesen.

    Begrenzter Ausschnitt; Strophenzählung dieser Ausgabe. Snorris Erzählung in den Anmerkungen nicht in den Wortlaut der Verse übertragen. Abgerufen am 2026-09-27.

  5. Saxo, Gesta Danorum III: Balder und Hother

    Saxo Grammaticus; Oliver Elton, englische Übersetzung; hier digitale Ausgabe von 1905 auf Wikisource

    Buch III vom Anfang nach Hiartuar durch Hothers Jugend, Nanna, die Kämpfe, Balders Verwundung, Tod und Grabhügel bis zum Ende der Graböffnungslegende: probing its dark foundations. Titelseite der Ausgabe zusätzlich gelesen.

    Keine Gesamtlektüre von Buch III oder des Werkes. Folgende Rind-Erzählung nicht erschlossen. Englische Schreibungen Balder und Hother sichtbar; keine automatische Gleichsetzung der Rollen mit Snorris Figuren. Abgerufen am 2026-09-27.

  6. Saxo Grammaticus – Medieval Nordic Literature in Latin

    Karsten Friis-Jensen; Artikel 2012, Universität Bergen / MNLL

    Einleitung, Biography, Einführung zu Gesta Danorum und bibliografischer Eintrag Elton/Powell 1894 mit Neuausgabe 1905 gelesen.

    Begrenzte Lektüre des Artikels von 2012. Der auf der Seite genannte Forschungsband von 2024 wurde nicht gelesen. Keine eigene Neudatierung des Werkes. Abgerufen am 2026-09-27.

  7. Baldr, Höðr und Nanna: knappe Profile und Rückkehr in Gylfaginning

    Snorri Sturluson; Arthur Gilchrist Brodeur, englische Übersetzung 1916

    XXII, XXVIII, XXXII und LIII vollständig gelesen, einschließlich der dort zitierten Verse. XLIX im bestehenden Loki-/Baldr-Archiv erneut gelesen.

    Begrenzte Kapitelwahl in Brodeurs historischer englischer Übersetzung von 1916; keine Gesamtlektüre, Handschriftenkollation oder Rekonstruktion eines vorchristlichen Kultes. Die Urteilsaussage in XXII wird nicht für eine philologische These verwendet. Abgerufen am 2026-09-27.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-17. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

Eine Korrektur oder ein kulturelles Anliegen melden · Bitte den Titel oder die Seitenadresse nennen.