Zum Museumsinhalt
MythaneumDas Museum der Mythologien

Exponat

Tartalo: Erst die Flucht, dann der Polyphemvergleich

Ein gefangener junger Mann entkommt dem einäugigen Tartaro und gerät durch einen sprechenden Ring erneut in Gefahr. Die bei Webster vermittelte Fassung hat einen eigenen Ablauf und eigene Stimmen.

5–6 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Eine Muttererinnerung wird über mehrere Personen vermittelt

Webster leitet diese Fassung als Mitteilung d’Abbadies ein. Als Erzähler nennt er Abbé Heguiagaray, Pfarrer von Esquiule in La Soule. Dieser erinnert sich daran, die Geschichte in seiner Kindheit oft von seiner Mutter gehört zu haben. Der Druck gibt also eine ausdrücklich gestufte Vermittlung wieder, keine hier selbst angefertigte Tonaufnahme.

Der Tartaro ist in dieser Erzählung ein sehr großer Einäugiger, Hirte und Menschenjäger. Er lebt in einer stark verschlossenen Scheune; seine Mutter, als alte Hexe bezeichnet, bewohnt eine Hütte im Garten. Diese Ortsbeschreibung bildet den Handlungsraum. Sie identifiziert keinen heute besichtigbaren historischen Tatort.

Der Gefangene nutzt eine kurze Gelegenheit

Ein kräftiger junger Mann wird gefangen und sieht, wie der Tartaro ein ganzes Schaf verzehrt. Er weiß: Nach dessen Schlaf soll er selbst gegessen werden. Als der Tartaro schnarcht, erhitzt er den Bratspieß und blendet sein einziges Auge. Danach kann der Gefangene sich verbergen, doch die Tür bleibt ein Problem: Nur der Tartaro kennt ihren Öffnungsmechanismus.

Der Blinde lässt die Schafe zwischen seinen Beinen hinaus. Der junge Mann nimmt dem Widder die große Glocke ab, hängt sie sich um und wirft die Haut des eben gegessenen Schafs über. Auf allen vieren gelangt er zur Tür. Beim Abtasten bemerkt der Tartaro die Täuschung und packt die Haut. Der Mann schlüpft aus ihr und entkommt zwischen seinen Beinen hindurch.

Nach der Tür beginnt eine zweite Verfolgung

Draußen begegnet ihm die Mutter des Tartaro. Sie spricht freundlich von seiner gelungenen Flucht und bietet ihm einen Ring zur Erinnerung an. Sobald er ihn aufgesteckt hat, ruft der Ring seinen Aufenthaltsort aus. Der zuvor scheinbar hilfreiche Gegenstand macht ihn wieder auffindbar.

Weil er den Ring nicht abziehen kann und der Tartaro näher kommt, trennt der junge Mann den eigenen Finger ab und wirft ihn fort. Damit endet diese Fassung mit seiner Flucht. Der unmittelbar folgende Variantenabsatz erzählt andere Ausgänge, darunter den Tod des verfolgenden Tartaro. Dieses Ende wird nicht nachträglich in Heguiagarays eigenen Verlauf eingesetzt.

Zwei Fluchten, mehrere verschiedene Mittel

Heguiagarays Fassung: aus der Schafshaut schlüpfen

Ein Mann mit einer Viehglocke kriecht aus einer gepackten Schafshaut zwischen den Beinen des großen Türhüters hervor.
Heutige freie KI-Illustration zu Heguiagarays vermittelter Tartaro-Fassung bei Webster: Der Flüchtende mit der Widderglocke entgleitet der gepackten Schafshaut. Er hängt hier nicht unter einem lebenden Widder. Scheune, Körper, Kleidung und räumliche Verdichtung sind freie Gestaltung; Blendung und spätere Ringverfolgung sind nicht dargestellt.

Der Mann trägt die Glocke und entgleitet der gepackten Haut. Scheune, Aussehen und räumliche Verdichtung sind freie Gestaltung. Die folgende Ringhandlung steht im Text, nicht in diesem Bild.

Textbezug: M.d’Abbadie’s Version, S. 4–5

Odyssee 9: unter dem lebenden Widder festhalten

Odysseus hält sich mit beiden Händen im Bauchfell eines großen lebenden Widders; darüber tastet Polyphem dessen Rücken.
Heutige freie KI-Illustration zum getrennten griechischen Vergleich: Odysseus klammert sich unter dem größten Widder ins Fell, während Polyphem über dessen Rücken tastet. Er ist nicht angebunden. Die Gefährten unter verbundenen Dreiergruppen sind hier nicht mit dargestellt. Körper, Kleidung, Küstenlandschaft und Komposition sind freie Gestaltung.

Odysseus greift mit beiden Händen ins Bauchfell des größten Widders und ist nicht angebunden. Die Gefährten unter Dreiergruppen sind nicht mit dargestellt. Körper, Kleidung und Küste sind freie Gestaltung.

Textbezug: Odyssee 9, ungefähr 440–461 nach Murray

MerkmalHeguiagarays Fassung bei WebsterOdyssee 9 nach Murray
VermittlungKindheitserinnerung des Pfarrers an seine Mutter, über d’Abbadie und Webster gedruckt.Odysseus erzählt im Epos sein eigenes Abenteuer.
Vorbereitung der BlendungBratspieß während des Schlafs nach der Schafsmahlzeit.Wein, vorbereiteter Olivenpfahl und das Zusammenwirken mehrerer Gefährten.
Täuschung beim AusgangGlocke und Schafshaut; der Mann entgleitet der gepackten Haut.Gefährten unter verbundenen Dreiergruppen von Widdern; Odysseus unter dem größten Widder.
Sprache und VerfolgungDer Rufring verrät den Fliehenden und wird mit dem Finger fortgeworfen.Der Name „Niemand“ verhindert Hilfe der benachbarten Kyklopen im gelesenen Abschnitt.
Was die Ähnlichkeit nicht beweistEine ähnliche Handlung erlaubt einen begrenzten Vergleich.Aus diesen Merkmalen allein folgen weder Übertragungsrichtung noch ein datierter Kontakt.

Die Geschichte hat vor dem Vergleich bereits eine eigene Form

Webster selbst diskutiert Beziehungen zur antiken Kyklopenerzählung und versucht eine Deutung als Sonnenmythos. Das ist sein gelehrter Deutungsrahmen. Der hier untersuchte Erzählablauf braucht diese Erklärung nicht, um verständlich zu sein: Gefangenschaft, begrenzte Gelegenheit, misslingende Tarnung, scheinbare Gabe und erneute Rettung folgen aufeinander.

Die Gegenüberstellung erhält deshalb auch das, was nicht zusammenpasst. Der Ring und die Mutter des Tartaro werden weder aus der griechischen Szene abgeleitet noch entfernt. Umgekehrt wird die griechische Namenlist nicht unbemerkt dem baskischen Gefangenen zugeschrieben.

Deine Frage an die Überlieferung

Welches Detail hättest du nicht bemerkt, wenn du gleich mit dem Etikett „baskischer Polyphem“ begonnen hättest?

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Basque Legends: gesammelte Erzählungen mit Sammlerrahmen

Gemeinsam gelesen sind Einleitung, Kapitel I/II/IV und deren Anmerkungen. Andere Kapitel und Vinsons eigener Sprachaufsatz sind nicht damit erschlossen.

Gewählter Druck zweite Ausgabe 1879; ursprüngliche Lern- und Mitteilungszeiten nur soweit im Text genannt.

Sprache: Englische Übersetzung baskischer Erzählungen; einzelne baskische Benennungen, keine eigene baskische Kollation

Benutzte Ausgabe

Webster: Basque Legends, zweite Ausgabe, London 1879

Konkreter gelesener Druckweg mit Erzählerzuschreibungen, Übersetzerangaben und Websters eigenen vorläufigen Naturmythenvergleichen; kein Tonprotokoll.

Zweite Ausgabe 1879, digitale Ausgabe Project Gutenberg 34902 mit Bearbeitungsstand 15.12.2022.

Sprache: Englisch

Überlieferter Text

Homerische Odyssee

Für den getrennten Fluchtvergleich Odyssee 9,318–461 in Murrays englischer Übersetzung nachgelesen. Der zuvor dokumentierte größere Zugang 9,105–566 bedeutet keine vollständige Odyssee-Lektüre; keine eigene Kollation des Altgriechischen.

Werkebene; hier keine exakte Datierung festgelegt.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Odyssee 9: Polyphemos in Murrays Übersetzung

Getrennter griechischer Fluchtvergleich: Odyssee 9,318–461 in Murrays englischer Übersetzung nachgelesen; älterer dokumentierter Zugang 9,105–566. Kein vollständiger Werkzugang und keine eigene Kollation des Altgriechischen.

Historische Übersetzung A. T. Murray; digitale Wiedergabe bei Theoi.

Sprache: Englisch nach Altgriechisch

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Heguiagarays baskische Erinnerungsfassung vor einem gesonderten homerischen Vergleich.
Verwendeter Ausschnitt
Webster 1879, d’Abbadie-Fassung S. 4–5; Murrays Odyssee 9 als eigener belegter Übersetzungszugang.
  1. Basque Legends: zweite Ausgabe 1879, ausgewählte ganze Kapitel und Sammlerrahmen

    Wentworth Webster; mit einem eigenen Anhang von Julien Vinson, der hier nicht vollständig gelesen ist · Zweite Ausgabe, London: Griffith and Farran / Walbrook & Co., 1879; digitale Ausgabe Project Gutenberg 34902, Stand 2022.

    Titelblatt, Inhaltsverzeichnis und ganze Einleitung gelesen. Kapitel I S. 1–19, Kapitel II S. 20–41 und Kapitel IV S. 47–63 vollständig samt zugehörigen Anmerkungen 1–35 und 38–61. Kapitel III, übrige Kapitel und Vinsons Sprachaufsatz nicht als gelesen behauptet.

    Englische Sammlerübersetzung und geordnete Auswahl, keine selbst gehörte baskische Aufführung und keine Kollation des baskischen Wortlauts. Webster räumt Glättungen ein; Naturmythendeutung, Typenvergleich, Herkunfts- und Namenshypothesen bleiben seine Positionen. Verweise auf Cerquand, Campbell, Ovid und andere Bücher bedeuten keine eigene Lektüre dieser Werke. Abgerufen am 2026-10-16.

  2. Odyssee 9,105–566: Kyklopen und Polyphemos

    Homer; englische Übersetzung A. T. Murray · Antikes Epos; historische englische Übersetzung

    Für den Fluchtvergleich Odyssee 9,318–461 in Murrays englischer Übersetzung nachgelesen. Der bestehende größere Lektürenachweis umfasst 9,105–566.

    Englischer Übersetzungszugang, keine eigene philologische Kollation des Altgriechischen und keine vollständige Lektüre der Odyssee. Der Vergleich belegt keine gemeinsame Herkunft der baskischen und griechischen Erzählung. Abgerufen am 2026-09-29.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-16. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

Eine Korrektur oder ein kulturelles Anliegen melden · Bitte den Titel oder die Seitenadresse nennen.