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MythaneumDas Museum der Mythologien

Quellenporträt

Pyramiden- und Sargtexte: Worte an verschiedenen Orten

Königliche Kammer, beschrifteter Sarg und heutige Textausgabe eröffnen unterschiedliche Zugänge. Drei konkrete Lesefenster helfen, sie auseinanderzuhalten.

5 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Eine Kammer ist kein Buchdeckel

Ein Besucher begegnet Pyramidentexten heute meistens auf einer Buchseite. Der Name bezeichnet jedoch einen Textbestand, der unter anderem in den inneren Kammern von Pyramiden des späten Alten Reiches angebracht wurde. Das Petrie Museum erläutert eine Platte aus Pepi I.s Pyramide in Saqqara: Sie nennt den König und enthält Formeln für Aufstieg und Versorgung. UCL ordnet die erhaltenen Teile den Nummern 627B, 302 und 655 zu.

Diese Nummern sind eine Orientierung für die heutige Arbeit am Text. Sie machen aus der Platte weder ein ganzes Buch noch den Beleg für jeden Spruch, den eine moderne Pepi-Ausgabe enthält. Der ebenfalls von UCL erwähnte Träger aus Tetis Pyramide gehört zu einem anderen königlichen Bau.

Pepi I. und die Hilfe für den Toten

Unsere ausgewählten Sprüche 477 und 482 werden über James P. Allens Ausgabe gelesen. Hier steht die Wiederaufrichtung des Toten im Mittelpunkt. Osiris, Isis, Nephthys, Horus, Thot und Seth treten in unterschiedlichen Rollen auf. Die Namen dienen einer wirksamen Rede für Pepi; sie sind nicht bloß ein kurzer Auszug aus einer ansonsten überall gleich erzählten Götterbiografie.

Das erklärt, weshalb eine Folge von Anreden, Klagen und Handlungen etwas anderes leisten kann als eine Erzählung mit Anfang, Konflikt und Schluss. Beim Weitergehen zu Osiris lässt sich diese besondere Redeweise mit der viel späteren Gerichts- und Nachfolgeerzählung auf Papyrus Chester Beatty I vergleichen.

Sargtexte: ein anderer Bestand und weitere Flächen

Sargtexte ist ebenfalls ein moderner Sammelname. UCL beschreibt funeräre Texte des Mittleren Reiches, ungefähr 2025–1700 v. Chr., vor allem auf den Innenwänden von Särgen und Grabkammern. Teile stehen in Verbindung mit Pyramidentexten; andere werden in späteren Totenbuch-Zusammenstellungen weiterverwendet. Die Bezeichnungen helfen beim Ordnen, obwohl sich die Überlieferungsbereiche berühren.

Die materielle Fläche allein genügt deshalb nicht zur Bestimmung eines nummerierten Spruchs. Eine Opferformel auf einem Sarg wird hier nicht ohne Textnachweis als Sargtext 76 ausgegeben. Ebenso wenig bedeutet die Weiterverwendung einzelner Formulierungen, dass jedes spätere Totenbuch einfach eine vollständige Abschrift eines älteren Sarges wäre.

Ein kleines Fenster in Sargtext 76

Die Station zu den Acht arbeitet mit einem bewusst kleinen Ausschnitt: UCL verbindet vier Namen mit Sargtext 76; Gregory diskutiert dazu unterschiedliche Wortdeutungen. Schon bei Heh und Tenem ist die Bedeutung in der neueren Forschung nicht einfach einheitlich. Das Museum legt deshalb die Deutung jeweils der benannten Darstellung bei.

Die Lesegrafik zeigt eine heutige Ordnung von vier Paaren und eine spätere abweichende Paarung. Sie bildet weder einen bestimmten antiken Sarg ab noch beweist sie, dass alle Namen auf jedem Textträger gemeinsam vorkamen. Der hier erschlossene Zugang reicht für diesen Vergleich; er umfasst keine neue vollständige Übersetzung des Spruchs.

Eine heutige Lesehilfe zu einem begrenzten Textbezug

Vier Karten zeigen Nun und Nunet, Heh und Hehet, Kek und Keket sowie Tenem und Tenemet als Paare vor der Schöpfung. Darunter steht, dass Amun und Amunet später häufig das vierte Paar ersetzen.
Heutige Lesegrafik nach UCL Digital Egypt: vier Paare vor der Schöpfung und der spätere häufige Austausch von Tenem/Tenemet gegen Amun/Amunet. Die Zuordnung der frühen Liste zu Sargtext 76 stammt von UCL; keine antike Abbildung oder zeitlos feste Paarliste. Bildnachweis

Drei Nummernangaben, drei Leseentscheidungen

Frage immer zuerst, was die Zahl ordnet: eine Passage, eine Zeile oder einen Abschnitt einer bestimmten Ausgabe. Für die Atum-Stelle sind etwa die Zeilen 1652–53 angegeben; bei Pepi sprechen wir über Allens ausgewählte Sprüche. Eine ähnlich aussehende Ziffernfolge ist noch kein Beweis für denselben Träger.

Wähle nun einen der Wege: Atums Hervortreten führt zu Benben und Heliopolis, die Aufrichtung des Toten zu Osiris, die Frage nach Zusammenstellung und Auswahl zu den einzelnen Totenbuch-Handschriften. Jeder Weg hält fest, welche Stimme gerade spricht und wie wir sie heute lesen.

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Pyramidentexte der Pyramide Pepi I., hier Sprüche 477 und 482

Ausgewählte Anrufungen im königlichen Totenkontext; keine einheitliche Osiris-Biografie und keine Lektüre aller Sprüche.

Älterer funerärer Textbestand aus der Pyramide Pepi I.; die gelesene englische Ausgabe stammt von 2015.

Sprache: Altägyptisch

Erhaltener Textzeuge

Textzeuge in der Pyramide Pepi I., Sprüche 477 und 482

Königlicher Grabkontext der beiden ausgewählten Sprüche; die Inschriften selbst wurden nicht autoptisch gelesen.

Pyramide Pepi I.; keine Entstehungsdatierung sämtlicher Motive abgeleitet.

Sprache: Altägyptisch

Benutzte Ausgabe

James P. Allen: The Ancient Egyptian Pyramid Texts, 2. Auflage

Pepi I, Druck-S. 133–136: Kontext 474–476, vollständige Sprüche 477 und 482 sowie Anfang 483 gelesen; keine eigene Hieroglyphenübersetzung.

SBL Press 2015; Ausgabe und antiker Textzeuge sind getrennt.

Sprache: Englisch nach Altägyptisch

Überlieferter Text

Pyramidentextstelle 1652–53: Atum-Chepri, Schu und Tefnut

Anrede an Atum-Chepri mit dem Hervorgehen von Schu und Tefnut sowie Atums umschließenden Armen. Die numerische Stelle wird nicht als vollständige Schöpfungserzählung ausgegeben.

Teil des antiken Pyramidentextkorpus; die hier gelesene Publikationsstelle benennt keinen spezifischen Pyramidenzeugen.

Sprache: Altägyptisch

Benutzte Ausgabe

Frankfort, Kingship and the Gods: Wiedergabe von Pyramidentext 1652–53

Die Übersetzung nennt Atum-Chepri, Schu und Tefnut. Ein konkreter Pyramidenzeuge wurde in der gelesenen Stelle nicht nachgewiesen; Geb/Nut stammen nicht aus den paraphrasierten Zeilen.

Publikation 1948, Phoenix-Ausgabe 1978; gedruckte S. 153 am 30. September 2026 begrenzt gelesen.

Sprache: Englische Übersetzung und Deutung altägyptischer Pyramidentexte

Überlieferter Text

Sargtext 76, hier begrenzter Bezug zu den Acht

Nur der bereits gelesene Forschungsausschnitt zu vier Namen und ihrer umstrittenen Deutung wird erschlossen; keine vollständige Spruchlektüre beansprucht.

Textbestandsbezeichnung, kein neu datierter oder selbst gelesener einzelner Sarg.

Sprache: Altägyptisch

Benutzte Ausgabe

Gregory 2022: Auswertung von Sargtext 76 nach de Buck

Druckseiten 66 und 79–81 bereits begrenzt gelesen. Eigene Theorie des Autors nicht als Konsens übernommen; kein antiker Einzelträger auf dieser Grundlage neu identifiziert.

2022; die moderne Diskussion datiert nicht den Ursprung aller Namen.

Sprache: Englische Forschungsdiskussion mit Umschriften

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Jeweils benannte altägyptische Zeugnisse und spätere Überlieferungen; keine zeitlose Gesamterzählung.
Verwendeter Ausschnitt
Die im Quellenregister ausdrücklich begrenzten Text- und Objektfenster.
  1. A pyramid text: Ein konkreter Pepi-I.-Träger im Petrie Museum

    UCL, Petrie Museum of Egyptian and Sudanese Archaeology

    Haupttext unter A pyramid text gelesen: Herkunft aus Pepi I.s Pyramide in Saqqara, sechste Dynastie, Kartuschen und Formeln zum Aufstieg/Versorgung; UCL nennt Teile von PT 627B/302/655. Daneben wird ein anderer Träger aus Tetis Pyramide genannt.

    Keine neue Bildsichtung oder eigene Hieroglyphenlesung. Das UCL-Objekt mit PT 627B/302/655 wird nicht als Träger von Allens gelesenen Sprüchen 477/482 oder von Frankforts Zeilen 1652–53 identifiziert. Abgerufen am 2026-10-17.

  2. Coffin Texts: Einordnung und konkrete Textträger

    UCL, Digital Egypt for Universities

    Vollständigen kurzen Haupttext zu moderner Korpusbezeichnung, Mittlerem Reich, Innenflächen von Särgen und Grabkammern, Teilübernahmen aus Pyramidentexten und Weiterverwendung in Totenbüchern gelesen. Verweise auf Beni Hasan, UC 59424, Harageh 671 und Sedment 2111 als Verweise erkannt.

    Keine eigene Lektüre sämtlicher Sargtexte, der verlinkten Einzelobjekte oder der zitierten Forman/Quirke-Publikation. Keine sichere CT-Nummer aus einer bloßen Sarginschrift abgeleitet. Abgerufen am 2026-10-17.

  3. The Ancient Egyptian Pyramid Texts, second edition: Pepi I, Sprüche 477 und 482

    James P. Allen, Übersetzung und Edition; SBL Press · Ältere ägyptische Pyramidentexte aus der Pyramide Pepi I.; englische Ausgabe 2015

    Titelseite und Copyright der Ausgabe (PDF-S. 1–4), Pepi-I-Abschnitt Druck-S. 133–136 (PDF-S. 145–148) mit Kontext der Sprüche 474–476, vollständigem Spruch 477 und Spruch 482 gelesen; nur Anfang von 483 als Nachbarstelle. In 477 werden Osiris' Aufrichtung, Seths Tat, Horus und Thot sowie Isis und Nephthys getrennt verfolgt; in 482 königlicher Totenkontext, Isis/Nephthys-Klage und Horus' Handlung.

    Keine eigene Hieroglyphenübersetzung, kein Vergleich aller Pyramidentext-Zeugen, kein vollständiges Buch gelesen. Die Sprüche richten sich auf Pepi I. und sind keine fortlaufende Biografie des Osiris; ihre religiösen Aussagen werden nicht als historischer Ereignisbericht ausgegeben. Das PDF dient ausschließlich als Forschungsbeleg, nicht als nachgehostetes Publikumsmedium. Abgerufen am 2026-09-29.

  4. Kingship and the Gods: Pyramid Texts 1652–53

    Henri Frankfort; Institute for the Study of Ancient Cultures, University of Chicago · 1948; Phoenix-Ausgabe 1978; antike Pyramidentextstelle

    Henri Frankfort, Kingship and the Gods (Chicago 1948; Phoenix-Ausgabe 1978), gedruckte S. 153–154, besonders S. 153 (PDF-S. 191): der Autor gibt Pyramidentext-Zeilen 1652–53 als Atum-Chepri-Anrede wieder, in der Schu und Tefnut aus Atum hervorgehen und seine Arme/Ka sie umfassen. Die benutzte Druckstelle benennt keinen konkreten Pyramidenzeugen. Umgebende Schöpfungsdeutung nur als historische Forschungssynthese gelesen.

    Frankforts englische Übersetzung und Deutung von 1948 sind weder eigene Hieroglyphenlektüre noch eine zeitgenössische Originalhandschrift. Die konkrete Textstelle belegt Schu/Tefnut, nicht die gesamte Geb/Nut-Folge; diese ist gesondert bei UCL zugeordnet. Kein spezifischer Pyramidenträger wird aus der Seitenangabe erfunden. Die ISAC-Ausgabe ist CC BY-NC-ND 4.0; nur knapp paraphrasieren und offiziell verlinken, keine PDF-Seite nachhosten. Abgerufen am 2026-09-30.

  5. Gregory 2022: Sargtext 76 und umstrittene Deutungen der Acht

    Steven R.W. Gregory; Archaeopress Publishing · Oxford 2022

    Steven R.W. Gregory, Tutankhamun Knew the Names of the Two Great Gods (2022), gedruckte S. 66 und 79–81 (PDF-Seiten 80 und 93–95): CT 76 und dessen vier Namen in Umschrift nach de Buck; Überblick über unterschiedliche moderne Deutungen von Heh/Huh, Kek/Kuk und Tenem.

    Gregorys eigene Theorie zu Heh ist eine neuere Forschungsposition, keine hier entschiedene Übersetzung. De Bucks Hieroglyphenband und die antiken Träger wurden für dieses Paket nicht selbst gelesen. Nur kurze Paraphrasen; die PDF steht unter CC BY-NC-ND 4.0. Abgerufen am 2026-09-30.

  6. Gods and goddesses in Ancient Egypt: creation

    University College London, Digital Egypt for Universities · Institutionelle Digitalseite, 2002

    Vollständige öffentliche Übersicht zu unterschiedlichen Schöpfungsmetaphern, Gruppierungen der Gottheiten, Osiris-Horus-Seth-Bezügen und ausdrücklicher Warnung vor einer einzigen kombinierten altägyptischen Gesamterzählung gelesen.

    UCL synthetisiert viele Textsorten und Epochen; die Übersicht ist kein antiker Einzelzeuge. Konkrete Handlung nur aus jeweils einzeln benannten Texten oder Objekten ableiten, insbesondere Horusformen und Seths Sonnenbarkenrolle nicht aus der genealogischen Übersicht einebnen. Abgerufen am 2026-09-29.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-17. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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