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Exponat 03 · Messverfahren · Geodäsie

Die Erdgestalt durch Gradmessungen prüfen

Die Expedition von 1736–1737 verband Dreiecksmessungen im Tornetal mit Sternbeobachtungen. Erst das Verhältnis von Bodenstrecke und Winkel ließ sich mit französischen Messungen vergleichen und als Hinweis auf die Abplattung der Erde lesen.

4 Minuten Haupttext · Stand: 7. September 2026

Zwei historisch gekleidete Vermesser richten Holzlatten auf einem gefrorenen Fluss aus; die Messlinie reicht in die winterliche Landschaft.Bild vergrößern ↗
Künstlerische Annäherung an eine Grundstreckenmessung in Lappland. Personen, Landschaft und Hilfsmittel sind vereinfacht; die Zeichnung liefert weder einen Maßstab noch die Rekonstruktion einer bestimmten Messung.

Auf einen Blick

Wie kann der Vergleich zweier vermessener Erdbögen zwischen verschiedenen Erdformen unterscheiden?

  • Unterschiedliche Erdformen sagen unterschiedliche Längen eines Breitengrads voraus.
  • Eine Bodenstrecke und die zugehörige Änderung der Sternhöhe müssen gemeinsam bestimmt werden.
  • Kontrollen, Korrekturen und Vergleichsorte gehören zum Befund.
Zeitliche Einordnung
1736–1737; Expeditionsbericht 1738
Orte und Regionen
Tornetal am nördlichen Polarkreis; Vergleich mit Messungen in Frankreich
Historisch Beteiligte
Maupertuis, Clairaut, Camus, Le Monnier, Outhier, Celsius und örtliche Helfende

Welche Beobachtung könnte den Streit entscheiden?

Im frühen 18. Jahrhundert passten theoretische Überlegungen und französische Gradmessungen nicht zusammen. Maupertuis beschreibt in seinem Bericht, wie Newton und Huygens eine an den Polen abgeplattete Erde begründeten, während Messungen in Frankreich auf eine Verlängerung der Erdachse zu deuten schienen. Die Entscheidung brauchte eine Beobachtung, bei der sich die Erwartungen deutlich unterschieden.

Dafür sollten Meridianbögen in weit auseinanderliegenden Breiten vermessen werden. Der Bericht erklärt den Vorteil: Kleine Unterschiede zwischen benachbarten Gebieten konnten in Messfehlern untergehen. Ein Vergleich weit entfernter Breiten versprach eine größere, besser unterscheidbare Abweichung. Streit und Wahl der Vergleichsorte, S. 2–6

Ein Grad ist ein Winkel, noch keine feste Strecke

Wenn du auf einem Meridian nach Norden gehst, ändert sich die Höhe, in der ein Stern bei seinem Meridiandurchgang erscheint. Die Expedition verglich solche Sternrichtungen mit der örtlichen Senkrechten. Aus der Differenz ließ sich die Winkelspanne zwischen den Beobachtungsorten bestimmen.

Auf einer idealen Kugel gehört zu derselben Winkeländerung überall gleich viel Weg entlang des Meridians. Bei einer an den Polen abgeplatteten Form wird der Meridianbogen für einen Breitengrad nach Norden länger. Die Oberfläche ist dort im Meridianschnitt weniger stark gekrümmt: Man muss weitergehen, bis sich die örtliche Senkrechte um denselben Winkel gedreht hat. Die geometrische Erklärung im Bericht, S. 8–10

Dreiecke geben der Landschaft ein messbares Netz

Die nördliche Expedition arbeitete im Tornetal zwischen Torneå und Kittis. Sie verband sichtbare Stationen durch Dreiecke und bestimmte die Winkel zwischen den Signalen. Eine direkt gemessene Grundstrecke gab dem Netz seine Größe; daraus ließen sich weitere Entfernungen berechnen.

Ein Signal musste eindeutig zu treffen sein. Maupertuis schildert helle, aus entrindeten Stämmen errichtete Kegel und Markierungen, mit denen ihre Mittelpunkte wiederzufinden waren. Die Beobachtenden notierten ihre Winkel zunächst getrennt. Außerdem wurden Höhenunterschiede berücksichtigt, um die gemessenen Richtungen auf einen gemeinsamen geometrischen Bezug zu bringen. Signale und Winkelmessung, S. 17 und 39–43

Der Maßstab musste durch den Winter

Für die Grundstrecke wurden acht lange Holzlatten an einer aus Frankreich mitgebrachten eisernen Toise abgeglichen. Der Bericht nennt ausdrücklich die Temperatur beim Einstellen der Latten. So wird sichtbar, dass eine Längeneinheit auch eine materielle Aufgabe ist: Der mitgeführte Bezug muss unter den Arbeitsbedingungen verlässlich übertragen werden.

Im Dezember 1736 maßen zwei Gruppen auf dem zugefrorenen Fluss. Maupertuis berichtet für ihre Ergebnisse nur vier Zoll Unterschied auf eine Grundstrecke von 7.406 Toisen und fünf Fuß. Das ist seine Angabe zur Übereinstimmung der beiden Messungen. Beide Gruppen konnten dennoch einen gemeinsamen Fehler des Maßstabs übernehmen. Maßvergleich und doppelte Grundmessung, S. 56–58 und 64–65

Der Himmel liefert die zweite Hälfte

Die Strecke allein verriet noch keine Gradlänge. Dafür wurde an beiden Enden mit einem großen astronomischen Sektor die Richtung desselben Sterns gemessen. Im Frühjahr 1737 wiederholte die Expedition den Vergleich an einem zweiten Stern. Der Bericht erläutert auch Korrekturen für veränderte scheinbare Sternpositionen.

Als zusammengeführten Wert nennt er eine Winkelspanne von 57 Minuten und 28¾ Sekunden für einen Meridianbogen von 55.023½ Toisen. Da ein Grad 60 Winkelminuten umfasst, ist die auf einen Grad umgerechnete Strecke etwas länger als der tatsächlich bestimmte Bogen. Sie beträgt gerundet 57.437 Toisen. Sternvergleich und berechnete Gradlänge, S. 78–80

Erst der Vergleich macht daraus eine Aussage über die Erde

Maupertuis stellt die nördlichen 57.437 Toisen zunächst Picards französischem Wert von 57.060 Toisen gegenüber: Der nördliche Grad ist um 377 Toisen länger. Direkt danach diskutiert er Korrekturen der älteren Beobachtung, die den Zahlenvergleich verändern. Die Differenz ist daher stets zusammen mit der verwendeten Auswertung zu lesen. Vergleich und Korrekturen, S. 80–81

Der Befund stützte die Abplattung an den Polen. Die Geschichte des Finnischen Geodätischen Instituts ordnet die nördliche Messung als Bestätigung im Jahr 1737 ein; die länger dauernde Expedition nach Südamerika lieferte später eine weitere Bestätigung. Der nördliche Bericht selbst hatte seine Aussage bereits mit französischen Vergleichsdaten begründet. Die Expedition im historischen Zusammenhang

Das Ergebnis besteht aus vielen verbundenen Arbeiten

Auf der Titelseite stehen mehrere Forschende. Im Reisebericht erscheinen außerdem finnische Soldaten, Bootsfahrten und das Wissen der Menschen vor Ort. Solche Beiträge machten die Beobachtungen überhaupt erst möglich. Die gedruckte Zahl am Ende verdichtet eine Arbeit, die über viele Personen, Geräte und Orte verteilt war. Beteiligte auf dem Titel und im Reisebericht, S. 15–17

Prüfe beim Weitergehen drei Verbindungen: Passt der Maßstab zur gemessenen Strecke? Passt die Sternbeobachtung zu deren Endpunkten? Und unterscheidet der Vergleich tatsächlich zwischen den konkurrierenden Vorstellungen? So wird verständlich, wie eine entfernte Landschaft zur Prüfung eines globalen Modells beitragen kann.

Grenzen des Wissens

Was offen bleibt

Der Bericht ist die Darstellung der beteiligten Expedition. Seine Messzahlen und Aussagen über die Genauigkeit sind historische Befunde; sie ergeben keine vollständige heutige Beschreibung der Erdfigur.

Begriffe verstehen

Meridianbogen

Ein Abschnitt einer gedachten Nord-Süd-Linie auf der Erde.

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Triangulation

Vermessung über miteinander verbundene Dreiecke: Eine bekannte Länge und gemessene Winkel erschließen weitere Strecken.

Abplattung

Bei der hier verglichenen Erdform ist der Durchmesser zwischen den Polen kleiner als der Durchmesser am Äquator.

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Toise

Historische Längeneinheit; in der Expedition durch einen mitgeführten Maßstab auf die Messlatten übertragen.

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Quellen und Nachweise

Die Quellen sind den Aussagen im Text zugeordnet. Originalstudien, Sammlungstexte und eigene Einordnung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Einige Fachtexte sind beim Verlag nur teilweise frei zugänglich.

  1. Die Expedition erklärt und prüft ihre Gradmessung

    Pierre-Louis Moreau de Maupertuis: La Figure de la Terre, determinée par les observations de Messieurs de Maupertuis, Clairaut, Camus, Le Monnier, Outhier und Celsius. Amsterdam: Jean Catuffe, 1738. ETH-Bibliothek Zürich, Rar 4381, DOI 10.3931/e-rara-1012.

    265 PDF-Seiten. Gelesene Druckseiten entsprechen PDF 37–46, 51–53, 75–79, 92–94, 100–101 und 114–118; Titel PDF 8. Keine Volllektüre des Buchs, seiner Messprotokolle oder Tafeln. 57.437 und 57.060 Toisen sind die im Bericht zunächst verglichenen historischen Gradlängen. Derselbe Text nennt anschließend Korrekturen und andere Differenzen; kein heutiger Präzisionsnachweis. Die Umrechnung von 55.023,5 Toisen bei 57 Minuten 28,75 Sekunden wurde separat nachgerechnet.

    ← Zur Textstelle 1: Welche Beobachtung könnte den Streit entscheiden?← Zur Textstelle 2: Ein Grad ist ein Winkel, noch keine feste Strecke← Zur Textstelle 3: Dreiecke geben der Landschaft ein messbares Netz← Zur Textstelle 4: Der Maßstab musste durch den Winter← Zur Textstelle 5: Der Himmel liefert die zweite Hälfte← Zur Textstelle 6: Erst der Vergleich macht daraus eine Aussage über die Erde← Zur Textstelle 7: Das Ergebnis besteht aus vielen verbundenen Arbeiten
  2. Die Gradmessung im Zusammenhang der finnischen Geodäsie

    Juhani Kakkuri: Geodeettisen laitoksen historia, Abschnitt Geodeettiset työt Ruotsin vallan aikana. Maanmittauslaitos / Finnisches Geodätisches Institut.

    Einordnung der Expedition 1736–1737, des Vergleichs mit Frankreich und der späteren südamerikanischen Bestätigung. Keine vollständige Institutsgeschichte oder Prüfung der eingebetteten Karte. Die älteren Zahlen zur Abplattung werden nicht als heutige Werte übernommen.

    ← Zur Textstelle: Erst der Vergleich macht daraus eine Aussage über die Erde

Redaktion: Benjamin Metzig. Erste Arbeitsfassung vom 7. September 2026. Generative KI diente als Werkzeug für Text und Bild.

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