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Exponat 01 · Winkel · Entfernung · Schlussfolgerung

Den Erdumfang aus Schatten erschließen

Ein Winkelunterschied wird zum Bruchteil eines großen Kreises. Zusammen mit einer Entfernung ergibt er einen Erdumfang. Die spätere Darstellung des Cleomedes zeigt, welche Annahmen diesen erstaunlich kurzen Rechenweg tragen.

2 Minuten Haupttext · Stand: 6. September 2026

Freie Buntstiftskizze eines schlichten Holzglobus mit Meridianring und einer getrennten hellen Platte mit senkrechtem Stab und kurzem Schatten.Bild vergrößern ↗
Zwei frei gestaltete heutige Anschauungsstücke für Erdkugel und Schattenmessung. Sie zeigen weder Eratosthenes’ erhaltene Geräte noch einen maßstäblichen Versuchsaufbau; der gezeichnete Schatten besitzt keinen ablesbaren Messwinkel.

Auf einen Blick

Wie kann eine kurze Schattenmessung etwas über die Größe der ganzen Erde verraten?

  • Der Schatten liefert einen Winkel, die Strecke liefert den Maßstab.
  • Das Verfahren setzt eine kugelförmige Erde bereits voraus.
  • Eine genaue Rechenregel macht unsichere Eingangswerte nicht automatisch genauer.
Zeitliche Einordnung
Eratosthenes im 3. Jahrhundert v. u. Z.; später überlieferte Erklärung bei Cleomedes
Orte und Regionen
Alexandria und Syene im heutigen Ägypten, verbunden in einer geometrischen Lehrdarstellung
Historisch Beteiligte
Eratosthenes als genannter Gelehrter; Cleomedes als späterer Vermittler. Die Gewinnung aller verwendeten Entfernungsdaten ist damit nicht lückenlos dokumentiert.

Ein Schatten braucht einen Zusammenhang

Ein kurzer Schatten auf einer Platte verrät für sich allein nicht, wie groß die Erde ist. Er beschreibt zunächst eine Sonnenrichtung gegenüber einem senkrechten Stab. Die große Schlussfolgerung entsteht erst, wenn Messort, Zeitpunkt und eine entfernte Vergleichsposition hinzukommen.

Im Mittelpunkt steht daher eine Verbindung: Ein vor Ort beobachteter Winkel soll zu einem Bogen auf der Erdkugel gehören. Erst eine bekannte Strecke entlang dieses Bogens kann die Rechnung mit einer Länge versorgen.

Die erhaltene Erklärung blickt zurück

Cleomedes erläutert ein Eratosthenes zugeschriebenes Verfahren anhand von Syene und Alexandria. Für Syene setzt die Darstellung einen schattenlosen Sonnenhöchststand zur Sommersonnenwende an. In Alexandria ergibt sich dagegen ein kleiner Winkel. Die Orte werden auf demselben Meridian angenommen. Die Voraussetzungen in Cleomedes’ Darstellung

Das ist eine spätere Erklärung eines berühmten Ergebnisses. Wir lesen kein erhaltenes Arbeitsheft, in dem Eratosthenes jeden Messschritt, jede Hilfsperson und jede Korrektur selbst protokolliert hätte. Die anschauliche Geschichte und ihre Überlieferung sind deshalb gemeinsam zu betrachten.

Der Winkel entspricht einem Kreisanteil

Im Kugelmodell zeigen senkrechte Stäbe entlang der örtlichen Radialrichtungen. Sonnenstrahlen gelten wegen der großen Sonnenentfernung als parallel. Der Winkel zwischen Sonnenrichtung und Stab in Alexandria entspricht damit dem Winkel zwischen den beiden Ortsrichtungen vom Erdmittelpunkt aus.

Cleomedes nennt ein Fünfzigstel des Vollkreises. In heutiger Gradschreibweise sind das 360 geteilt durch 50, also 7,2 Grad. Die Rechnung beweist hier nicht erst, dass die Erde kugelförmig ist: Diese Form gehört bereits zu ihren Voraussetzungen.

Aus 5000 wird 250000

Die Darstellung setzt die Entfernung auf 5000 Stadien. Ist diese Strecke ein Fünfzigstel des Umfangs, passt sie fünfzigmal um den Kreis: 5000 × 50 = 250000 Stadien. Damit erhält der zuvor dimensionslose Kreisanteil eine konkrete Länge. Entfernung und Umfang im überlieferten Beispiel

Du kannst die Abhängigkeit unmittelbar prüfen: Wäre nur die angenommene Strecke um zwei Prozent größer, würde auch der berechnete Umfang um zwei Prozent wachsen. Das ist unsere heutige Betrachtung der Rechnung, keine behauptete historische Messabweichung.

Warum wir nicht einfach Kilometer einsetzen

Andere Überlieferungsstränge nennen 252000 Stadien. Hinzu kommt die Frage, welche reale Länge das verwendete Stadion besaß. Eine moderne Umrechnung muss diese Entscheidungen offenlegen. Wer nur die passendste Einheit auswählt, kann dem historischen Ergebnis nachträglich eine eindrucksvolle Genauigkeit verleihen. Umfangsangaben und Einheitenproblem

Auch die vereinfachte Ortslage ist Teil des Modells. Eine Entfernungszahl und eine winkelgetreue Zeichnung können nicht allein garantieren, dass alle Annahmen am wirklichen Gelände gleich gut erfüllt waren.

Was du an der Rechnung prüfen kannst

Die besondere Stärke liegt im nachvollziehbaren Zusammenhang zwischen lokalem Winkel und globaler Größe. Du musst nicht den ganzen Erdumfang ablaufen, wenn ein geeigneter Ausschnitt und seine Beziehung zum Ganzen bekannt sind.

Frage beim Weitergehen nach beiden Seiten: Wie sicher sind Winkel und Strecke? Und unter welchen Annahmen gehören sie zusammen? So wird aus einer erstaunlichen Zahl ein überprüfbarer Gedankengang.

Grenzen des Wissens

Was offen bleibt

Cleomedes beschreibt das Verfahren später und vereinfacht die Lage der Orte. Die verwendete Stadienlänge und die genaue Entstehung der Entfernungsangabe erlauben hier keine eindeutig gesicherte Kilometerzahl.

Begriffe verstehen

Gnomon

Senkrechter Schattenstab, mit dessen Schatten sich Sonnenrichtungen untersuchen lassen.

Meridian

Gedachter Halbkreis zwischen den Polen; Orte auf ihm besitzen dieselbe geografische Länge.

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Stadion

Antike Längeneinheit; ihre moderne Zuordnung hängt von Ort, Zeit und Überlieferung ab.

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Modellannahme

Voraussetzung, unter der eine Rechnung einen bestimmten Zusammenhang beschreibt.

Quellen und Nachweise

Die Quellen sind den Aussagen im Text zugeordnet. Originalstudien, Sammlungstexte und eigene Einordnung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Einige Fachtexte sind beim Verlag nur teilweise frei zugänglich.

  1. Cleomedes erklärt die Erdumfangsmessung

    Cleomedes: Über die kreisförmige Bewegung der Himmelskörper I.10. Englischer Übersetzungsauszug nach T. L. Heath, Greek Astronomy (1932), über Cohen/Drabkin (1948), öffentlich wiedergegeben von Roger Pearse.

    Spätere Lehrdarstellung mit Voraussetzungen, 5000 Stadien und einem Fünfzigstelkreis. Keine Augenzeugenaufzeichnung Eratosthenes’ und keine sichere moderne Stadienumrechnung.

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  2. Stadien, Erdumfang und die Geografie des Ptolemaios

    Irina Tupikova: A New Interpretation of Ptolemy’s Geography. Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Preprint 464, 2014.

    Unterschiedliche Umfangsangaben und unsichere Stadienzuordnung. Die vorgeschlagene Erklärung ptolemäischer Verzerrungen ist ein Forschungsmodell, kein abschließender Konsens.

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Redaktion: Benjamin Metzig. Erste vollständige Fassung vom 6. September 2026. Generative KI diente als Werkzeug für Text und Bild.

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