Eine eigene Figur der Göttin

Wie viel sagt eine kleine Figur?
Das Metropolitan Museum katalogisiert dieses grünliche, nur 6,6 Zentimeter hohe Objekt ausdrücklich als Figur der Göttin Maat. Auf der Frontaufnahme stehen Körper und Gesicht vor dunklem Grund. Eine Feder ist aus diesem Blickwinkel nicht sicher zu erkennen. Die Benennung des Objekts stammt aus dem Katalog und darf nicht als selbst erlesene Bildinschrift ausgegeben werden.
Seine Datierung – ungefähr 945 bis 721 v. Chr. – ist eine Spanne, kein Tag in einer Göttergeschichte. Das Objekt zeigt, dass Maat als gestaltete Figur fassbar war; es erklärt für sich genommen noch nicht, weshalb ein Herz gewogen oder eine Königin eine bestimmte Gabe darbringen ließ.
Maat in Naunys Urteilsbild

Nicht nur eine lose Feder
In Naunys Totenbuchvignette wird das Herz gegen Maat gewogen. Auf der rechten Schale sitzt nach der Met-Beschreibung eine kleine Maat-Gestalt mit Feder. Wer die Szene bloß als „Herz gegen Feder“ zusammenfasst, verkürzt eine konkrete Bildentscheidung dieser Rolle. Der Balken, Anubis und der Thot-Pavian gehören zu demselben Urteilsbild; die separat fotografierte Feldspatfigur gehört nicht dazu.
Der Katalog deutet das Gleichgewicht als günstiges Urteil für Nauny. Damit wird Maat hier zum Maß einer jenseitigen Prüfung. Die Szene ist an Naunys Bestattung gebunden, nicht automatisch an jede ägyptische Vorstellung von Gerechtigkeit in allen Jahrhunderten.
Eine ältere königliche Handlung
Eine große kniende Statue der Hatschepsut ist nach dem Met etwa vier Jahrhunderte älter als Naunys Papyrus. Ihre Inschrift bezeichnet die Gabe an Amun als Maat. Der Museumskatalog übersetzt den Begriff hier mit Ordnung, Wahrheit oder Gerechtigkeit und versteht die Gabe als Aussage über die Leitlinie der königlichen Herrschaft.
Auf diesem Beispiel wird Maat nicht als Gegenstand einer Herzwaage vorgeführt. Die Statue dokumentiert eine königliche Opferhandlung und ihre Inschrift. Dass derselbe Name auch in Naunys Totengericht begegnet, erlaubt einen Vergleich der Bedeutungsfelder, aber keine Behauptung, Hatschepsuts Statue illustriere Naunys spätere Prüfung.
| Träger | Maat begegnet als | Was nicht daraus folgt |
|---|---|---|
| Hatschepsuts Statue | Inschriftlich benannte Darbringung an Amun | Kein Bild von Naunys späterer Herzwaage |
| Naunys Papyrus | Kleine Figur mit Feder als Maß des Herzens | Nicht dieselbe Feldspatfigur wie im Museum |
| Feldspatfigur 59.26.1 | Eigenes, als Göttin Maat katalogisiertes Objekt | Die Frontaufnahme erklärt nicht alle abstrakten Bedeutungen |
Welche Maat ist gemeint?
Ordne drei Sätze zu: „Dieses Feldspatobjekt ist als Maat katalogisiert.“ „In Naunys Bild sitzt Maat auf einer Waagschale.“ „Hatschepsut bringt Amun Maat dar.“ Welcher Satz beschreibt ein Objekt, welcher eine Figur in einer Erzählvignette und welcher eine durch Inschrift erklärte königliche Praxis?
Die Antworten müssen nicht alle dieselbe Form zeigen. Gerade die Unterschiede machen verständlich, weshalb Maat gleichzeitig als göttliche Gestalt und als Begriff von Ordnung besprochen wird.
Die Figur in ihren Quellen
Eine Gestalt, verschiedene Textrollen
Kleine Figur der Göttin
Met 59.26.1, Feldspatobjekt der Dritten Zwischenzeit.
Maß im Totengericht
Kleine Maat-Gestalt mit Feder auf Naunys Waage.
Königliche Darbringung
Inschrift an Hatschepsuts Statue; Maat nach Met als Ordnung, Wahrheit oder Gerechtigkeit erläutert.
Welche Zeit ist gemeint?
- Die kniende Statue der Hatschepsut, deren Inschrift eine Darbringung von Maat nennt, wird etwa 1473–1458 v. Chr. datiert.
- Naunys Totenbuchpapyrus mit der Maat-Gestalt auf der Waage wird um 1050 v. Chr. datiert.
- Die kleine Feldspatfigur The Met 59.26.1 wird in den weiten Zeitraum etwa 945–721 v. Chr. datiert.
Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.
Der Weg zum Beleg
Quellen und Einordnung
- Überlieferung
- Ägyptische königliche und funeräre Zeugnisse des Neuen Reiches und der Dritten Zwischenzeit; keine vollständige Geschichte des Maat-Begriffs
- Verwendeter Ausschnitt
- The Met 30.3.31 (Nauny), 59.26.1 (Feldspatfigur) und 29.3.1 (Hatschepsut).
- Book of the Dead for the Chantress of Amun, Nauny
The Metropolitan Museum of Art, Department of Egyptian Art · undatiert; laufender Katalog
Objektdaten sowie Erläuterung der zentralen Szene zu Spruch 125; Originalabbildung tatsächlich betrachtet.
Katalogzuweisungen sind keine eigene ägyptologische Entzifferung. Keine Datierung aller ägyptischen Jenseitsvorstellungen durch dieses Einzelobjekt. Abgerufen am 2026-09-25.
- The Met 59.26.1: Figur der Göttin Maat
The Metropolitan Museum of Art · Dritte Zwischenzeit, etwa 945–721 v. Chr.; heutiger Sammlungskatalog
Inventarnummer, Datierung, Feldspat, geringe Größe und Public-Domain-Fotografie der ausdrücklich als Maat katalogisierten Figur.
Die Figur ist ein eigenes Objekt, nicht die kleine Gestalt auf Naunys Papyrus; der Datierungsbereich ist breit. Der Katalog gibt keine umfassende Theologie des Begriffs Maat. Abgerufen am 2026-09-30.
- The Met 29.3.1: große kniende Statue der Hatschepsut
The Metropolitan Museum of Art · Neues Reich, etwa 1473–1458 v. Chr.; heutiger Sammlungskatalog
Katalogbeschreibung der Inschrift, nach der Hatschepsut Amun Maat darbietet, als Ordnung, Wahrheit oder Gerechtigkeit erläutert; Datierung, Objektidentität und Public-Domain-Foto.
Königliche Opferform und moderne Übersetzung des Begriffs sind nicht das Bildmotiv der späteren Herzwaage; keine eigene Inschriftenübersetzung oder Behauptung, das Foto zeige die Inschrift lesbar. Abgerufen am 2026-09-30.
Redaktion und Bearbeitungsstand
Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-30. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.
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