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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Skylla: Sechs Köpfe, viele Bilder

Kirke beschreibt Skylla als tödliche Gefahr mit sechs Köpfen. Antike Bilder und Ovids spätere Verwandlungsgeschichte zeigen eine andere Gestalt – warum?

4 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Kirkes Warnung: kein gewöhnlicher Gegner

Kirke führt Odysseus in Gedanken an zwei Felsen vorbei. In der Höhle des einen lauert Skylla. Sie beschreibt zwölf unförmige Füße, sechs lange Hälse und auf jedem Hals einen Kopf mit dicht stehenden Zahnreihen. Mit jedem Kopf könne sie einen Menschen vom Schiff reißen.

Odysseus fragt, ob er sich wehren könne. Kirke rät zur Flucht und zum Rudern, nicht zum Kampf. Sechs Männer zu verlieren sei furchtbar, doch der andere Weg bei Charybdis könne alle töten. Diese Rechnung ist eine Warnung innerhalb der Erzählung, kein moralisch unproblematischer Sieg.

Sechs Männer zahlen für die Fahrt

Odysseus berichtet später, dass er seinen Männern die Skylla-Gefahr verschwieg, damit sie weiter ruderten. Er bewaffnet sich entgegen Kirkes Rat, kann Skylla aber nicht sehen. Während alle auf Charybdis' aufgewühltes Wasser blicken, packt Skylla sechs seiner Gefährten.

Odysseus schildert ihre Hände, Füße und letzten Rufe an ihn. Die Männer sind nicht bloß eine abstrakte Zahl in Kirkes Rechnung. Der Eposabschnitt benennt ihren Tod eindringlich, gibt Skylla selbst aber keine Rede oder eigene Lebensgeschichte.

Ovid macht aus der Gefahr eine Verwandelte

Ovid erzählt Jahrhunderte später eine andere Geschichte: Glaukos liebt Skylla, sie weist ihn ab, und er bittet Kirke um Hilfe. Kirke wünscht Glaukos selbst. Nach seiner Ablehnung vergiftet sie Skyllas Badeplatz; Skylla entdeckt dann Hundekörperteile an sich. Die spätere Monsterfigur erhält hier eine Vorgeschichte als Opfer von Kirkes Eingriff.

Ovid verbindet diese Skylla mit dem Verlust von Odysseus' Männern und einem später gefürchteten Felsen. Das darf nicht als ungeschriebene Vorgeschichte der Odyssee ausgegeben werden.

Drei Hunde in einer griechischen Silberschale

Im runden Innenbild einer vergoldeten Silberschale des späten 5. Jahrhunderts v. Chr. zeigt sich Skylla mit Frauenoberkörper, Hundevorderteilen und schuppigen Enden. Der Met-Katalog beschreibt drei Hunde an ihrer Hüfte und ein Schiffsruder in ihrer Hand. Die ganze Schale ist zu sehen, doch das Medaillon bleibt in der Gesamtansicht klein.

Das Bild hat nicht die sechs Köpfe und zwölf Füße aus Kirkes Beschreibung. Es belegt eine antike Bildlösung, die den Meeresangriff anders sichtbar macht. Wer die Hundekörper verstehen möchte, muss das Original vergrößern; die kleine Vorschau allein reicht für die Detailzählung nicht.

Skylla im kleinen Schalenmedaillon

Vergoldete griechische Silberschale mit Skylla im kleinen runden Innenbild; die ganze Schale samt Henkeln ist sichtbar.
Skylla im Innenbild einer vergoldeten griechischen Silberschale, spätes 5. Jahrhundert v. Chr. The Met 2015.260.1, Public Domain / CC0. Frauenkörper, Hundevorderteile und schuppige Enden gehören zum Bild, nicht zu Kirkes Wortlaut in der Odyssee; das kleine Motiv braucht Vergrößerung. Bildnachweis Bildlizenz

Ein Gefäßkörper trägt eine weitere Körperform

Ein canosinischer Terrakotta-Askos aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. trägt Skylla als plastische Gruppe auf seiner Schulter. Frauenoberkörper, tierische und schuppige Glieder wachsen scheinbar aus dem Gefäß. Auf dessen Bauch bleiben verblasste Farbfelder erhalten.

Die Silberschale und der Askos setzen Skylla in verschiedene Materialien und Bildräume: einmal klein im Trinkgefäß, einmal als aufragende Figur. Aus zwei erhaltenen Objekten lässt sich keine lückenlose Entwicklung ihrer Gestalt ableiten. Sie zeigen aber, warum eine einzige Standardzeichnung der Figur die Quellenvielfalt verschleiern würde.

Skylla auf dem canosinischen Askos

Großes helles süditalienisches Gefäß mit plastischer Skylla über dem Bauch; Frauenoberkörper und schuppige Tierformen sind erkennbar.
Skylla auf einem canosinischen Terrakotta-Askos, 3. Jahrhundert v. Chr. The Met 11.43, Public Domain / CC0. Die plastische Mischgestalt ist eine spätere Bildform; verblasste Farbreste sind am Gefäß erhalten. Bildnachweis Bildlizenz

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Odyssee: Gefahr in der Höhle
12,73–126 und 201–259: Warnung, Körper, sechs verlorene Männer.

Ovid: gewaltsame Verwandlung
Metamorphosen 14,1–74: Glaukos, Kirke und Hundekörper.

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Homerische Odyssee

Erzählwerk; nur ausdrücklich benannte Ausschnitte gelesen, kein vollständig erschlossenes Korpus.

Werkebene; hier keine exakte Datierung festgelegt.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Odyssee 12: Kirke, Skylla und Charybdis in Murrays Übersetzung

Nur 12,36–146, 201–259 und 426–446 gelesen. Kirkes Warnung und Odysseus' Bericht sind verschiedene Erzählebenen.

Historische Übersetzung A. T. Murray; digitale Wiedergabe bei Theoi.

Sprache: Englisch nach Altgriechisch

Überlieferter Text

Ovid: Metamorphosen

Werkebene des römischen Gedichts. Die einzelnen Museumsseiten nennen ihre jeweils gelesenen Buch- und Versabschnitte; daraus folgt keine vollständige Erschließung des Werks.

Antikes Werk; keine Datierung aus dem Datum eines modernen Digitaltexts abgeleitet.

Sprache: Latein

Benutzte Ausgabe

Ovid, Metamorphosen 14: Skylla und Kirke nach Brookes More

Nur 14,1–74 gelesen. Ovids Skylla von Buch 8 ist eine andere Gestalt; die römische Erzählung wird nicht als homerische Vorgeschichte ausgegeben.

Historische Übersetzung Brookes More; digitale Wiedergabe bei Theoi.

Sprache: Englisch nach Latein

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Griechisches Epos, römische Dichtung und zwei antike Gefäßbilder
Verwendeter Ausschnitt
Odyssee 12,73–126 und 201–259; Ovid, Metamorphosen 14,1–74; The Met 2015.260.1 und 11.43. Keine Rekonstruktion aller Skylla-Fassungen.
  1. Odyssee 12: Kirke, Skylla, Charybdis und die Fahrt

    Homer; englische Übersetzung A. T. Murray · Antikes Epos; historische englische Übersetzung

    Odyssee 12,36–146: Kirkes Warnung zu Sirenen, Skylla und Charybdis; 201–259: Seegefahr und Verlust von sechs Gefährten; 426–446: Odysseus' zweite Begegnung mit Charybdis. Nur diese drei Abschnitte gelesen.

    Historische englische Übersetzung, keine eigene griechische Kollation. Warnung und erzählte Erfahrung trennen. Spätere Körperbilder Skyllas, nautische Lokalisierungen und naturkundliche Strudel-Erklärungen sind durch diese Stellen nicht belegt. Abgerufen am 2026-09-29.

  2. Metamorphosen 14,1–74: Skylla und Kirke

    Ovid; englische Übersetzung Brookes More · Römisches Gedicht; historische englische Übersetzung

    Metamorphosen 14,1–74: Glaukos bittet Kirke wegen Skylla um Hilfe; Kirke bietet sich selbst an, vergiftet nach seiner Abweisung Skyllas Badeplatz, Skylla erhält Hundekörperteile; späterer Bezug auf Odysseus' Männer und eine Verwandlung zum Felsen. Nur dieser Abschnitt gelesen.

    Römische, spätere Erzählfassung und historische englische Übersetzung ohne lateinische Kollation. Nicht als Vorgeschichte der homerischen Skylla oder als Ethik der homerischen Kirke ausgeben. Ovids andere Skylla (Tochter des Nisos, Buch 8) ist eine getrennte Gestalt. Abgerufen am 2026-09-29.

  3. Vergoldete Silberschale mit Skylla, Met 2015.260.1

    The Metropolitan Museum of Art; griechische Werkstatt unbekannt · Spätes 5. Jahrhundert v. Chr.; heutiger Sammlungskatalog

    Objekt 646262: Skylla im Schalenmedaillon mit Frauenoberkörper, drei Hundevorderteilen und schuppigen Enden; Datierung, Inventarnummer und Public-Domain-Bildstatus geprüft.

    Die ikonografische Form unterscheidet sich von Kirkes sechs Köpfen und zwölf Füßen in Odyssee 12. Das Medaillon ist in der Gesamtschale klein; Details erst nach Originalsichtung behaupten. Abgerufen am 2026-09-29.

  4. Canosinischer Terrakotta-Askos mit Skylla, Met 11.43

    The Metropolitan Museum of Art; süditalienische Werkstatt unbekannt · 3. Jahrhundert v. Chr.; heutiger Sammlungskatalog

    Objekt 248471: plastisch auf dem Askos aufragende Skylla mit Frauenoberkörper und schuppigen Gliedmaßen; Herkunft, Datierung, erhaltene Farbspuren und Public-Domain-Bildstatus geprüft.

    Spätere hellenistische Gefäßform, kein Porträt der homerischen sechs Köpfe. Farbspuren sind im Katalog erwähnt, aber am konkreten Bild gegebenenfalls schwer sichtbar. Abgerufen am 2026-09-29.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-29. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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