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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Charybdis: Wasser, Entscheidung und Ort

Kirke warnt vor einer Gefahr, die das Meer verschlingt und wieder ausstößt. Warum fährt Odysseus dennoch in ihre Nähe – und wie wurde die Szene später verortet?

3–4 Minuten Lesezeit

Ein Meer, das verschwindet und zurückkehrt

Kirke schildert Odysseus zwei Wege zwischen Felsen. Unter dem kleineren steht Charybdis. Dreimal am Tag stößt sie Wasser aus und saugt es wieder ein. Wenn ein Schiff beim Einsaugen darüber gerät, kann es nach Kirkes Warnung nicht einmal Poseidon retten.

Die Odyssee gibt Charybdis in diesen Zeilen keinen sprechenden Menschenkörper. Sichtbar und hörbar werden aufgewühltes Wasser, Gischt und der drohende Verlust des Schiffs. Eine spätere Zeichnung eines weiblichen Monsters wäre daher eine künstlerische Deutung, nicht die Körperbeschreibung dieser Passage.

Eine Wahl ohne sicheren Weg

Kirke rät Odysseus, näher an Skylla vorbeizufahren. Dort droht der Verlust von sechs Männern; bei Charybdis steht das ganze Schiff auf dem Spiel. Die Gegenüberstellung verwandelt die Meerenge in ein Entscheidungsproblem, bei dem der Anführer nicht alle retten kann.

Odysseus fragt nach Gegenwehr gegen Skylla, doch Kirke drängt zum Weiterfahren. Ihr Rat ist innerhalb der Erzählung pragmatisch. Für die sechs Gefährten, die später sterben, bleibt die Rechnung dennoch grausam.

Beim ersten Vorbeifahren schauen alle aufs Wasser

Odysseus berichtet den Phaiaken, wie das Schiff an den Felsen vorbeifährt. Charybdis stößt Wasser aus und saugt es ein; die Mannschaft schaut erschrocken dorthin. Gerade während sich ihre Blicke auf diesen Strudel richten, ergreift Skylla sechs Männer.

Charybdis tötet in dieser ersten Passage niemanden unmittelbar. Ihre Gegenwart prägt aber die Wahrnehmung der Gruppe und die Art, wie Odysseus den Überfall erzählt. Das ist mehr als eine austauschbare Meereskulisse.

Odysseus kehrt allein an den Felsen zurück

Nach dem Verlust des Schiffs treibt Odysseus auf Kiel und Mast noch einmal zu Charybdis. Als sie sein Floßholz verschlingt, klammert er sich an einen Feigenbaum. Er wartet, bis das Holz wieder auftaucht, lässt sich fallen und rudert mit den Händen fort.

Diese zweite Begegnung ist eine andere Situation als die Wahl mit der Mannschaft: Odysseus ist allein und kann nicht mehr zwischen zwei Schiffsrouten entscheiden. Die Rettung hängt an Warten, Griff und einem günstigen Augenblick.

Strabon liest eine Meerenge in die Erzählung

Viel später berichtet der Geograf Strabon über Polybios' Versuch, Odysseus' Fahrt bei Sizilien zu verorten. Polybios vergleicht Charybdis mit der Wasserbewegung in der Straße von Messina. Die Angabe der Odyssee, Charybdis speie dreimal täglich, passt dabei nicht zu seiner zweimaligen Erklärung; er hält einen Abschreib- oder Sachfehler für möglich.

Strabon übernimmt die geografische Lesart nur mit Einschränkungen: Die wundersamen Einzelheiten eines Gedichts lassen sich nicht wie Messdaten behandeln. Seine Diskussion belegt eine antike Deutungsgeschichte, nicht den Nachweis, dass der homerische Schauplatz exakt gefunden wäre.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Odyssee: Gefahr und zweite Passage
12,101–126, 201–259 und 426–446: Wasserbewegung, Wahl und Flucht.

Strabon: spätere Lokalisierungsdeutung
1,2,15–18: Polybios' Meerenge-These und Strabons Einschränkungen.

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Homerische Odyssee

Erzählwerk; nur ausdrücklich benannte Ausschnitte gelesen, kein vollständig erschlossenes Korpus.

Werkebene; hier keine exakte Datierung festgelegt.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Odyssee 12: Kirke, Skylla und Charybdis in Murrays Übersetzung

Nur 12,36–146, 201–259 und 426–446 gelesen. Kirkes Warnung und Odysseus' Bericht sind verschiedene Erzählebenen.

Historische Übersetzung A. T. Murray; digitale Wiedergabe bei Theoi.

Sprache: Englisch nach Altgriechisch

Überlieferter Text

Strabon: Geographika

Werkebene für die begrenzte Lektüre von 1,2,15–18.

Antike Geografie; hier ohne genaue Werkdatierung.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Strabon 1,2,15–18 in Jones' englischer Übersetzung

Strabon vermittelt Polybios' Messina-Deutung und kritisiert eine zu wörtliche Geografie. Nur 1,2,15–18 gelesen.

Historische Übersetzung H. L. Jones; digitale Wiedergabe bei LacusCurtius.

Sprache: Englisch nach Altgriechisch

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Griechisches Epos und spätere antike Geografie
Verwendeter Ausschnitt
Odyssee 12,101–126, 201–259 und 426–446; Strabon, Geographika 1,2,15–18. Keine endgültige geografische Identifikation.
  1. Odyssee 12: Kirke, Skylla, Charybdis und die Fahrt

    Homer; englische Übersetzung A. T. Murray · Antikes Epos; historische englische Übersetzung

    Odyssee 12,36–146: Kirkes Warnung zu Sirenen, Skylla und Charybdis; 201–259: Seegefahr und Verlust von sechs Gefährten; 426–446: Odysseus' zweite Begegnung mit Charybdis. Nur diese drei Abschnitte gelesen.

    Historische englische Übersetzung, keine eigene griechische Kollation. Warnung und erzählte Erfahrung trennen. Spätere Körperbilder Skyllas, nautische Lokalisierungen und naturkundliche Strudel-Erklärungen sind durch diese Stellen nicht belegt. Abgerufen am 2026-09-29.

  2. Strabon, Geographika 1,2,16: Polybios über Skylla, Charybdis und die Meerenge

    Strabon; englische Übersetzung H. L. Jones, LacusCurtius · Antike Geografie; historische englische Übersetzung

    Geographika 1,2,15–18, besonders 1,2,16: Strabon berichtet Polybios' Deutung der odysseischen Seefahrt im Umkreis Siziliens, vergleicht Charybdis mit dem Wasserverhalten der Meerenge und erörtert die Abweichung dreimal statt zweimal. Strabons anschließende Einwände gegen eine zu wörtliche Geografie mitgelesen; nicht das ganze Werk.

    Spätere geografische Deutung, keine Identifikation des homerischen Erzählorts als bewiesene Tatsache oder moderne hydrologische Messung. Polybios ist nur vermittelt durch Strabon gelesen; Jones' historische englische Übersetzung, keine griechische Kollation. Abgerufen am 2026-09-29.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-29. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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