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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Simargl: Wie viel erklärt ein ähnliches Wesen?

Die Chronik nennt Simargl ohne Beschreibung. Ein Vergleich mit iranischen Wesen bietet eine Deutung, liefert aber noch kein gesichertes Aussehen des Kiewer Kultbildes.

4–5 Minuten Lesezeit

Ein Platz in der Liste, keine erzählte Gestalt

Cross’ Ausgabe schreibt Simar’gl zwischen Stribog und Mokosh in der Kultbildliste zu 980. Der Bericht sagt, dass Wladimir diese Bilder in Kiew aufstellen lässt. Er erzählt aber weder eine eigene Tat Simargls noch dessen Beziehung zu den anderen Figuren. Die Nennung ist knapp und trotzdem ein bestimmter historischer Textbeleg.

Im selben Satz wird Peruns Bild genauer beschrieben. Diese Merkmale lassen sich nicht auf Simargl übertragen. Ebenso wenig sagt die Liste, dass hier ein geflügelter Hund oder ein Vogel aufgestellt wurde. Wer ein solches Wesen vor Augen hat, folgt bereits einem weiteren, vergleichenden Deutungsweg.

Der Simurgh-Vergleich eröffnet eine Herkunftsthese

Zaroff verbindet Simargl 1999 mit Simurgh beziehungsweise Senmurv aus iranischen und kaukasischen Überlieferungen. Er beschreibt im Vergleich ein vogelartiges Wesen mit Hundekopf und eine günstige Vorzeichenrolle. Diese Verbindung soll erklären, wie eine fremde Gestalt in die ostslawische Kultordnung gelangt sein könnte.

Der Aufsatz behandelt die Übernahme bestimmt, nennt Simargls ostslawische Funktion aber ausdrücklich unklar. Deshalb ist der Vergleich hier eine Forschungszuordnung mit einer offenen Lücke. Eigenschaften des verglichenen Wesens dürfen nicht stillschweigend zu bezeugten Aufgaben Simargls werden. Ein ähnlicher Name allein beschreibt noch keine Zeremonie in Kiew.

Ein Schmuckmotiv ist noch kein beschriftetes Götterporträt

Zaroff nennt auch ähnliche dekorative Wesen und den Folklorenamen Paskudj. Solche Bildvergleiche können für die Forschung wichtig sein. Eine ornamentale Darstellung erhält jedoch nicht automatisch die Identität Simargl, nur weil sie zur vorgeschlagenen Gestalt passt. Dafür müsste die Zuordnung des einzelnen Objekts nachvollziehbar belegt werden.

Die betreffenden Bildobjekte und ihre Einzelpublikationen sind hier nicht selbst untersucht. Das Profil zeigt daher kein angeblich gesichertes Simargl-Porträt. Gerade die Lücke zwischen Namensbeleg und Bildbestimmung ist sein anschauliches Thema: Text und Gegenstand könnten zusammengehören, aber ihr Zusammenhang muss erst nachgewiesen werden.

Offene Fragen ergeben einen eigenen Museumszugang

Was bleibt, ist eine klar geordnete Spur: die frühe Nennung, eine konkrete vergleichende Herkunftsthese und die unklare Funktion. Eine ausführliche erfundene Erzählung würde diese Lage verschleiern. Auch die Frage, weshalb die Figur in Wladimirs Kultordnung aufgenommen wurde, lässt Zaroff ausdrücklich offen.

Chors’ Profil bietet einen verwandten Fall einer diskutierten Herkunft, besitzt aber andere sprachliche Argumente. Mokoš zeigt wiederum, wie spätere Tätigkeitsbezüge hinzukommen. Die Nachbarprofile machen aus der Liste keinen gleichförmigen Götterkreis: Sie helfen, die jeweils andere Art von Wissen und Ungewissheit zu erkennen.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Ein Platz in der Liste, keine erzählte Gestalt
S.93: Simar’gl und die begrenzte Bildbeschreibung980; S.240–242: Chronikberichte, Namenliste und christliche Perspektive

Der Simurgh-Vergleich eröffnet eine Herkunftsthese
S.66–67: Simargl, Simurgh/Senmurv und unbekannte Funktion

Ein Schmuckmotiv ist noch kein beschriftetes Götterporträt
S.66: dekorative Motive und Paskudj-Verweis

Offene Fragen ergeben einen eigenen Museumszugang
S.66–67: offene Funktion und Aufnahme in Kultordnung; S.93: früher Beleg

Fassungen und Belege unterscheiden

Werk, Überlieferung und Lesezugang

Werk

Povestʼ vremennych let / Primary Chronicle

Simar’gl in der Liste 980 auf Cross S. 93, ohne eigene Gestaltbeschreibung. Sim und Rgl des vermittelten Predigtzitats werden nicht still in diese Form verwandelt.

Kompilation im frühen12.Jahrhundert; ältere Bestandteile, überlieferte Fassungen und spätere Handschriften unterscheiden.

Sprache: Altostslawisch

Beleg für den hier verwendeten Ausschnitt: The Russian Primary Chronicle: Laurentian Text (1953), ausgewählte Perun-Stellen Mokoš in zwei antiheidnischen Predigtzitaten

Überlieferungsträger

Laurentius-Handschrift der Chronik

Materieller Textzeuge nach wissenschaftlicher Beschreibung. Keine hier durchgeführte Handschriftenautopsie.

1377 nach OstrowskiS.230.

Sprache: Altostslawisch

Quellen zu diesem Lesezugang: Pagan Past and Christian Identity in the Primary Chronicle (2011), S. 229–253

Benutzter Lesezugang

Cross / Sherbowitz-Wetzor: The Russian Primary Chronicle, Laurentian Text

Benutzte englische Ausgabe in archiviertem PDF; nur einzeln dokumentierte Seiten gelesen. Die Radziwiłł-Miniatur ist ein gesondertes Bildzeugnis, nicht die Textgrundlage dieser Übersetzung.

1953; Überarbeitung der älteren Cross-Übersetzung.

Sprache: Englisch

Quellen zu diesem Lesezugang: The Russian Primary Chronicle: Laurentian Text (1953), ausgewählte Perun-Stellen

Werk

Organized Pagan Cult in Kievan Rus’: ausgewählte Namensabschnitte

Roman Zaroffs Aufsatz S.47–76, hier gesondert S.63–67 gelesen. Folklore-, Lied- und Bildbelege durch den Aufsatz vermittelt. Die Deutungen bleiben dem Autor zugeordnet.

1999

Sprache: Englisch

Quellen zu diesem Lesezugang: Organized Pagan Cult in Kievan Rus’ (1999), gesonderte Namensabschnitte S.63–67

Werk

The Sermon on Idols: bezeichnetes Predigtzitat

Nur das von Kutarev auf S. 199 zitierte Predigtfenster und die unmittelbar anschließende Einordnung auf 199–200. Keine ganze Predigt oder eigene Handschrift; Diva/Mokoš-Bezug offen.

Mehrere mittelalterliche Fassungen; Einordnung und voller Titel durch Kutarev2021,S.199 vermittelt.

Sprache: Altostslawisch,hier durch ein englisches Forschungszitat vermittelt

Beleg für den hier verwendeten Ausschnitt: Mokoš in zwei antiheidnischen Predigtzitaten

Benutzter Lesezugang

Kutarev2021: Zitat aus The Sermon on Idols

Eigenständiger Zugang für dieses Zitat. Kutarevs nachfolgende Funktionsdeutungen sind nicht mit der bloßen Namensnennung identisch.

Gedruckte S.199–200 des Forschungsaufsatzes; der Predigtzugang ist vermittelt.

Sprache: Englisch mit angeführtem älterem Wortlaut

Quellen zu diesem Lesezugang: Mokoš in zwei antiheidnischen Predigtzitaten

Werk

The Sermon of man who loves Christ: bezeichnetes Predigtzitat

Nur das gesonderte Predigtzitat auf Kutarev S. 200 mit Anmerkungen 18–20. Sim/Rgl und Volys bleiben als gelesene Formen gegenüber der Chronikliste unterscheidbar.

Fassungseinordnung durch Kutarev2021,S.200; keine unabhängige Datierung.

Sprache: Altostslawisch,hier durch ein englisches Forschungszitat vermittelt

Beleg für den hier verwendeten Ausschnitt: Mokoš in zwei antiheidnischen Predigtzitaten

Benutzter Lesezugang

Kutarev2021: Zitat aus The Sermon of man who loves Christ

Nur das zitierte Fenster und seine Forschungszuordnung. Keine eigene Edition,Galkovskij-Gesamtlektüre oder Handschriftenkollation.

Gedruckte S.200 und zugehörige Anmerkungen im gelesenen Auszug.

Sprache: Englisch mit angeführtem älterem Wortlaut

Quellen zu diesem Lesezugang: Mokoš in zwei antiheidnischen Predigtzitaten

Figuren und Namen in den Texten

Die Einträge folgen dem jeweiligen Werk. Eigene Handlungen, kurze Namensnennungen und Herkunftsangaben bleiben unterscheidbar. Gleiche oder ähnliche Namen ergeben noch keine gemeinsame Lebensgeschichte.

Povestʼ vremennych let / Primary Chronicle

1 Eintrag nach Szenen und Namensgruppen ansehen

Zum Werk und seinem hier benutzten Lesezugang

Handelnde und Namen der Chronik (1)

Die ausgewählte Stelle begrenzt die Aussage.

Simar’gl in der Liste von 980

Der Name steht neben weiteren Namen in Vladimirs Aufstellungsbericht. Diese Zeile erzählt keine eigenen weiteren Taten der Gestalt.

Kein Aussehen, Familienverhältnis oder fester Aufgabenbereich aus der bloßen Listenposition erschlossen.

Beleg: Cross, S. 93 · The Russian Primary Chronicle: Laurentian Text (1953), ausgewählte Perun-Stellen

The Sermon of man who loves Christ: bezeichnetes Predigtzitat

1 Eintrag nach Szenen und Namensgruppen ansehen

Zum Werk und seinem hier benutzten Lesezugang

Vermittelte Zitate und spätere Modelle (1)

Zitatweg und Forschungsdeutung bleiben erkennbar.

Sim und Rgl im zweiten Predigtzitat

Das Zitat gibt zwei getrennte Formen.

Die Zusammenstellung zu Simargl ist eine Forschungsfrage, keine still ausgeführte Korrektur des Zitats.

Beleg: Kutarev 2021, S. 199–200, Zitat und Anm. 16–20 · Mokoš in zwei antiheidnischen Predigtzitaten

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Kiewer Namensliste, getrennte Predigtformen und moderner Simurgh-/Senmurv-Vergleich.
Verwendeter Ausschnitt
Cross/Sherbowitz-Wetzor 1953, S. 93; Kutarev 2021, S. 199–200; Zaroff 1999, S. 66–67.
  1. The Russian Primary Chronicle: Laurentian Text (1953), ausgewählte Perun-Stellen

    Samuel Hazzard Cross und Olgerd P. Sherbowitz-Wetzor, Übersetzung und Edition; Mediaeval Academy of America

    Vorrede und ausgewählte englische Seiten 65, 74, 77, 90, 93, 116–117 sowie Kommentar S. 226 Anm. 55 gelesen. Gedruckte Seiten 77, 93, 116–117 zusätzlich als Seitenbilder betrachtet.

    Keine Volllektüre der Chronik, keine Handschriftenkollation. Jahreszahlen innerhalb der Chronik unterscheiden sich vom Datum der Kompilation und der erhaltenen Abschriften. Ältere religionsgeschichtliche Kommentare sind keine Primärzeugnisse oder automatisch heutiger Konsens. Abgerufen am 2026-09-26.

  2. Organized Pagan Cult in Kievan Rus’ (1999), gesonderte Namensabschnitte S.63–67

    Roman Zaroff; Studia mythologica Slavica2, S.47–76, DOI10.3986/sms.v2i0.1844 · 1999

    Gedruckte S.63–67 vollständig als Textauszüge gelesen: Stribog, Personifizierung, Rekonstruktion sowie Khors, Simargl und Mokosh.

    Neue begrenzte Lektüre desselben Aufsatzes, getrennt vom früheren Perun-Nachweis. Keine Gesamtlektüre oder eigene Prüfung der zitierten Lied-, Folklore-, Sprach- und Bildbelege. Herkunfts- und Kontinuitätsschlüsse bleiben Zaroffs Forschungspositionen. Defekte kyrillische Extraktionszeichen nicht für sprachliche Einzelbeweise verwendet. Abgerufen am 2026-09-26.

  3. Pagan Past and Christian Identity in the Primary Chronicle (2011), S. 229–253

    Donald Ostrowski; in Ildar H. Garipzanov (Hg.), Historical Narratives and Christian Identity on a European Periphery, Brepols

    S. 229–232, 240–243 und 252–253 gelesen; S. 241 mit den Chronikbelegen zusätzlich visuell geprüft. Verlagsmetadaten bestätigen Band, Herausgeber und Erscheinungsjahr 2011.

    Teilkapitel-Lektüre, keine Gesamtlektüre des Sammelbands. Modell zweier Erzähler und Herkunftshypothesen sind Argumente des Autors. Beschädigte kyrillische Zeichen der PDF-Textextraktion nicht als Originaltext verwendet; keine eigenständige Kollation. Abgerufen am 2026-09-26.

  4. Mokoš in zwei antiheidnischen Predigtzitaten

    Oleg V. Kutarev · Studia Mythologica Slavica 24, 2021, S. 195–217; hier nur S. 199–200.

    Gedruckte S. 199–200 vollständig tatsächlich gelesen: The Sermon on Idols, The Sermon of man who loves Christ und jeweilige Zitier-/Datierungsangaben. Eigenständiges Lesefenster zusätzlich zum unveränderten älteren Dažbog-Nachweis.

    Keine Originalpredigt-, Handschriften- oder Galkovskij-Editionsautopsie. Datierung der Fassungen und die Verbindung von Diva und Mokoš sind vermittelte Angaben bzw. offene Deutung. Liste enthält keine eigenständige Mokoš-Erzählung. Erklärungen zu anderen Wesen bleiben Forschungspositionen und werden nicht pauschal übernommen. Abgerufen am 2026-10-03.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-18. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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