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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Chors: Ein Name zwischen konkurrierenden Herleitungen

Chors wird häufig mit einer iranischen Sonnenbezeichnung verbunden. Ein sprachwissenschaftlicher Aufsatz widerspricht. Der Streit zeigt, warum Namensähnlichkeit allein keine Herkunft beweist.

4 Minuten Lesezeit

Verschiedene Schreibungen führen zur selben Frage

Cross’ englische Chronikausgabe nennt Khors in der Kiewer Liste zu 980. Das Museum verwendet Chors; in der Forschung begegnen auch Xors, Hors und die Wiedergabe Xŭrsŭ. Borissoff erläutert, dass unterschiedliche Umschriftsysteme diese Schreibungen mitbestimmen. Sie sind hier Suchzugänge, keine Liste mehrerer zusätzlich erschlossener Götter.

Die Chronik nennt Chors, erklärt seinen Namen aber nicht. Sie beschreibt auch kein Sonnenzeichen an seinem Kultbild. Um die Herkunft zu klären, reicht der frühe Satz daher nicht aus. Weitere sprachliche und literarische Argumente müssen als solche erkennbar hinzukommen.

Die iranische Erklärung verbindet Name und Sonne

Zaroff verbindet Khors mit iranischen Bezeichnungen für die Sonne und behandelt ihn als mögliche andere Form Dažbogs. Außerdem erwägt er, dass Wladimirs Kultordnung eine regional verehrte Figur einbezogen haben könnte. Damit werden sprachliche Herkunft, Funktionsdeutung und politische Einbindung gemeinsam erklärt.

Diese Schritte sind nicht gleich stark durch die Liste gestützt. Der Name steht dort neben Dažbog, doch die Aufzählung erklärt das Verhältnis beider nicht. Zaroffs Darstellung ist ein benannter Forschungszugang. Sie ersetzt weder den Nachweis der einzelnen Lautentwicklungen noch eine historische Beobachtung, wie der Kult tatsächlich übernommen wurde.

Borissoff setzt bei den Lauten und dem Übertragungsweg an

Borissoff bespricht 2014 die verbreitete iranische Herleitung und ihre lautlichen Schwierigkeiten. Er fragt, wie die angenommene Ausgangsform zur überlieferten Form geführt haben soll und wann eine solche Übernahme möglich gewesen wäre. Das verschiebt die Frage vom ähnlich klingenden Namen zum begründeten sprachlichen Weg.

Im Abstract und Schluss schlägt er eine alternative Herleitung über eine indoarische Wurzel vor. Die Figur deutet er als einen mit Sonne und Fruchtbarkeit verbundenen Helden. Wir nennen diese Alternative, erklären sie aber nicht zur bewiesenen Ablösung aller früheren Forschung. Die genaue vergleichende Lautprüfung wurde hier nicht selbst durchgeführt; große Teile des Aufsatzmittelteils sind nicht Teil unserer Lektüre.

Ein neuer Vergleich darf nicht zur alten Biografie werden

Borissoffs Vergleich mit Dionysos gehört zu seiner Deutung eines umfassenderen mythischen Musters. Er berichtet zugleich, dass ältere unmittelbare Zuordnungen zu Bacchus auf problematischen Lesarten beruhen können. Ein Vergleich kann deshalb eine Forschungsfrage öffnen, ohne eine antike Gleichsetzung oder einen historischen Übertragungsweg zu beweisen.

Chors’ Profil endet bei dieser unterscheidbaren Beleglage: früher Name, häufige Herkunftserklärung, konkrete Einwände und ein alternatives Modell. Wer zu Dažbog weiterliest, sieht eine andere Quellenlage für einen Sonnenbezug. Dass beide Namen in derselben Liste stehen, macht ihre Herleitungen weder automatisch identisch noch beliebig austauschbar.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Verschiedene Schreibungen führen zur selben Frage
S.93: Khors in Liste980; S.9, Anm.1: Umschrift und Namensformen; S.240–242: Chronikberichte, Namenliste und christliche Perspektive

Die iranische Erklärung verbindet Name und Sonne
S.65–67: Khors, iranische Herleitung und regionale Einbindung

Borissoff setzt bei den Lauten und dem Übertragungsweg an
S.9–13: bisherige Herleitung und Einwände; S.29: alternative Schlussfolgerung

Ein neuer Vergleich darf nicht zur alten Biografie werden
S.9–10: Dionysos-Vergleich und ältere Bacchus-Zuordnungen; S.29: Modell; S.93: getrennte Namen

Fassungen und Belege unterscheiden

Werk, Überlieferung und Lesezugang

Werk

Povestʼ vremennych let / Primary Chronicle

Khors in der Namenliste 980 auf Cross S. 93. Die iranische oder nichtiranische Namensherleitung gehört zu gesonderter moderner Forschung.

Kompilation im frühen12.Jahrhundert; ältere Bestandteile, überlieferte Fassungen und spätere Handschriften unterscheiden.

Sprache: Altostslawisch

Beleg für den hier verwendeten Ausschnitt: The Russian Primary Chronicle: Laurentian Text (1953), ausgewählte Perun-Stellen

Überlieferungsträger

Laurentius-Handschrift der Chronik

Materieller Textzeuge nach wissenschaftlicher Beschreibung. Keine hier durchgeführte Handschriftenautopsie.

1377 nach OstrowskiS.230.

Sprache: Altostslawisch

Quellen zu diesem Lesezugang: Pagan Past and Christian Identity in the Primary Chronicle (2011), S. 229–253

Benutzter Lesezugang

Cross / Sherbowitz-Wetzor: The Russian Primary Chronicle, Laurentian Text

Benutzte englische Ausgabe in archiviertem PDF; nur einzeln dokumentierte Seiten gelesen. Die Radziwiłł-Miniatur ist ein gesondertes Bildzeugnis, nicht die Textgrundlage dieser Übersetzung.

1953; Überarbeitung der älteren Cross-Übersetzung.

Sprache: Englisch

Quellen zu diesem Lesezugang: The Russian Primary Chronicle: Laurentian Text (1953), ausgewählte Perun-Stellen

Werk

Non-Iranian origin of the Eastern-Slavonic god Xŭrsŭ/Xors

Constantine L. Borissoffs Aufsatz S.9–36; nur S.9–13 und29 gelesen. Einwände und alternative Herleitung als Forschungsposition; keine eigene historische Lautprüfung.

2014

Sprache: Englisch

Quellen zu diesem Lesezugang: Non-Iranian origin of the Eastern-Slavonic god Xŭrsŭ/Xors (2014), Einleitung und Schluss

Werk

Organized Pagan Cult in Kievan Rus’: ausgewählte Namensabschnitte

Roman Zaroffs Aufsatz S.47–76, hier gesondert S.63–67 gelesen. Folklore-, Lied- und Bildbelege durch den Aufsatz vermittelt. Die Deutungen bleiben dem Autor zugeordnet.

1999

Sprache: Englisch

Quellen zu diesem Lesezugang: Organized Pagan Cult in Kievan Rus’ (1999), gesonderte Namensabschnitte S.63–67

Figuren und Namen in den Texten

Die Einträge folgen dem jeweiligen Werk. Eigene Handlungen, kurze Namensnennungen und Herkunftsangaben bleiben unterscheidbar. Gleiche oder ähnliche Namen ergeben noch keine gemeinsame Lebensgeschichte.

Povestʼ vremennych let / Primary Chronicle

1 Eintrag nach Szenen und Namensgruppen ansehen

Zum Werk und seinem hier benutzten Lesezugang

Handelnde und Namen der Chronik (1)

Die ausgewählte Stelle begrenzt die Aussage.

Khors in der Liste von 980

Der Name steht neben weiteren Namen in Vladimirs Aufstellungsbericht. Diese Zeile erzählt keine eigenen weiteren Taten der Gestalt.

Kein Aussehen, Familienverhältnis oder fester Aufgabenbereich aus der bloßen Listenposition erschlossen.

Beleg: Cross, S. 93 · The Russian Primary Chronicle: Laurentian Text (1953), ausgewählte Perun-Stellen

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Kiewer Namensliste und konkurrierende sprachwissenschaftliche Herkunftsmodelle.
Verwendeter Ausschnitt
Cross/Sherbowitz-Wetzor 1953, S. 93; Zaroff 1999 und Borissoff 2014 in bezeichneten Fenstern.
  1. The Russian Primary Chronicle: Laurentian Text (1953), ausgewählte Perun-Stellen

    Samuel Hazzard Cross und Olgerd P. Sherbowitz-Wetzor, Übersetzung und Edition; Mediaeval Academy of America

    Vorrede und ausgewählte englische Seiten 65, 74, 77, 90, 93, 116–117 sowie Kommentar S. 226 Anm. 55 gelesen. Gedruckte Seiten 77, 93, 116–117 zusätzlich als Seitenbilder betrachtet.

    Keine Volllektüre der Chronik, keine Handschriftenkollation. Jahreszahlen innerhalb der Chronik unterscheiden sich vom Datum der Kompilation und der erhaltenen Abschriften. Ältere religionsgeschichtliche Kommentare sind keine Primärzeugnisse oder automatisch heutiger Konsens. Abgerufen am 2026-09-26.

  2. Non-Iranian origin of the Eastern-Slavonic god Xŭrsŭ/Xors (2014), Einleitung und Schluss

    Constantine L. Borissoff; Studia mythologica Slavica17, S.9–36 · 2014

    Gedruckte S.9–13 und29 vollständig gelesen: Namenschreibungen, ältere Zuordnungen, Probleme iranischer Herleitung und vorgeschlagene Alternative.

    Teilartikel-Lektüre. Mittelteil14–28 und russische Zusammenfassung nicht als gelesen ausgegeben. Vergleich, lautliche Kritik und alternative Herkunft bleiben Argumente des Autors; keine eigene historische Lautprüfung oder Konsensbehauptung. Abgerufen am 2026-10-03.

  3. Organized Pagan Cult in Kievan Rus’ (1999), gesonderte Namensabschnitte S.63–67

    Roman Zaroff; Studia mythologica Slavica2, S.47–76, DOI10.3986/sms.v2i0.1844 · 1999

    Gedruckte S.63–67 vollständig als Textauszüge gelesen: Stribog, Personifizierung, Rekonstruktion sowie Khors, Simargl und Mokosh.

    Neue begrenzte Lektüre desselben Aufsatzes, getrennt vom früheren Perun-Nachweis. Keine Gesamtlektüre oder eigene Prüfung der zitierten Lied-, Folklore-, Sprach- und Bildbelege. Herkunfts- und Kontinuitätsschlüsse bleiben Zaroffs Forschungspositionen. Defekte kyrillische Extraktionszeichen nicht für sprachliche Einzelbeweise verwendet. Abgerufen am 2026-09-26.

  4. Pagan Past and Christian Identity in the Primary Chronicle (2011), S. 229–253

    Donald Ostrowski; in Ildar H. Garipzanov (Hg.), Historical Narratives and Christian Identity on a European Periphery, Brepols

    S. 229–232, 240–243 und 252–253 gelesen; S. 241 mit den Chronikbelegen zusätzlich visuell geprüft. Verlagsmetadaten bestätigen Band, Herausgeber und Erscheinungsjahr 2011.

    Teilkapitel-Lektüre, keine Gesamtlektüre des Sammelbands. Modell zweier Erzähler und Herkunftshypothesen sind Argumente des Autors. Beschädigte kyrillische Zeichen der PDF-Textextraktion nicht als Originaltext verwendet; keine eigenständige Kollation. Abgerufen am 2026-09-26.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-18. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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