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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Poseidon: Meer, Pferde und umstrittenes Land

Ein kurzer Hymnus ruft Poseidon als Erderschütterer, Pferdebändiger und Helfer der Schiffe an. Lokale Erzählungen aus Athen und Troizen geben seinem Ortsanspruch verschiedene Ausgänge.

5–6 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Ein Gott mit mehreren Zuständigkeiten

Der kurze Homerische Hymnus 22 nennt Poseidon einen Erderschütterer und Herrn des Meeres. Zugleich werden ihm Pferde und Schiffe zugeordnet: Er soll Pferde bändigen und Reisenden auf See helfen. Diese Verbindung steht im Anrufungstext selbst, nicht erst in einer modernen Liste göttlicher Aufgaben.

Der Hymnus ist ein Lob und eine Bitte, keine zusammenhängende Biografie. Er sagt auch nicht, dass Poseidon Athen ein Pferd schenkte. Die Gabe in der hier gelesenen athenischen Erzählung ist Wasser.

Auf der Akropolis beansprucht er Land

Pseudo-Apollodor lässt Poseidon als Ersten nach Attika kommen. Mit dem Dreizack schlägt er auf den Akropolisfelsen; ein Meer entsteht. Athena pflanzt den Ölbaum. Trotz seines frühen Auftretens fällt das Urteil zugunsten der Göttin aus. Poseidon beantwortet die Niederlage in dieser Fassung mit einer Überschwemmung.

Die Flut ist hier eine Handlung in einem bestimmten Ortsmythos. Sie macht nicht alle Poseidon-Kulte zu Erzählungen von Zorn und Zerstörung.

Nachlesen: [2] 3,14,1

Der Ort erinnert an den Verlierer

Pausanias beschreibt im athenischen Erechtheion einen Altar des Poseidon. Dort nennt er ein Becken mit Meerwasser und die Form eines Dreizacks im Felsen. Die Erklärung, diese Zeichen seien Beweise für Poseidons Anspruch, führt er als Legende an.

Die Stadt gilt für Pausanias als Athena heilig. Poseidons Altar im selben Akropolisbereich zeigt aber, dass ein verlorener mythischer Wettbewerb nicht das Ende seiner örtlichen Verehrung bedeutete.

Nachlesen: [3] 1,26,5–6

In Troizen teilen beide das Land

Pausanias berichtet auch eine Überlieferung aus Troizen. Dort streiten Athena und Poseidon ebenfalls um das Land. Zeus weist es nach der örtlichen Erzählung beiden gemeinsam zu. Pausanias verbindet das mit den Beinamen ihrer dortigen Verehrung und erwähnt alte Münzen mit Dreizack und Athenakopf.

Der troizenische Ausgang widerspricht einer Vorstellung, alle Städte hätten denselben göttlichen Sieger gebraucht. Pausanias markiert den Streit als örtliche Überlieferung; seine Münzangabe ist in diesem Profil nicht durch eigene numismatische Prüfung bestätigt.

Nachlesen: [4] 2,30,5–6

Poseidons Pferde auf einer antiken Kylix

Attische schwarzfigurige Trinkschale mit mehreren Pferden und Stallknechten auf orangefarbenem Grund, vollständig mit beiden Henkeln und Fuß.
Antikes Bildzeugnis: Stall- und Pferdeszene auf einer attischen Kylix, dem Amasis-Maler zugeschrieben, um 540 v. Chr. Der Met-Katalog bezieht beide Seiten auf Ilias 13, nicht auf die Stadtgründung Athens. The Met, 1989.281.62, Public Domain / CC0. Originalfoto unbeschnitten. Bildnachweis Bildlizenz

Pferde gehören hier zu einer anderen Geschichte

Die schwarzfigurige Kylix zeigt auf einer Seite Pferde und die Menschen, die sie versorgen. Der Met-Katalog deutet die Szene als Poseidons Stall und bezieht beide Gefäßseiten auf das 13. Buch der Ilias. Pferd und Meer erscheinen damit in einem Bildzusammenhang, der nicht den athenischen Wettbewerb illustriert.

Das ganze Gefäß bleibt im selbst gehosteten Foto sichtbar. Die einzelnen Pferde sind in der kleinen Vorschau schwerer zu lesen; die Originalansicht lässt die Szene genauer untersuchen.

Auf der anderen Seite steht Poseidon unter Kriegern

Zweite Seite einer attischen schwarzfigurigen Trinkschale mit mehreren bewaffneten Gestalten und einem Dreizack zwischen ihnen.
Gegenseite derselben Kylix: Poseidon unter griechischen Kriegern, laut Met-Katalog nach Ilias 13. Dies ist kein Bild des Streits um Athen. The Met, 1989.281.62, Public Domain / CC0. Originalfoto unbeschnitten. Bildnachweis Bildlizenz

Ein Gefäß verbindet Stall und Schlacht

Die Gegenseite versammelt bewaffnete Gestalten; ein Dreizack ist zwischen ihnen sichtbar. Das Museum benennt Poseidon als Gott, der griechische Krieger unterstützt. Die beiden Seiten eines Trinkgefäßes verknüpfen seine Pferde und eine Kriegsszene, ohne seine vielen weiteren Rollen vollständig zu erklären.

Auch hier ist die Benennung der einzelnen Szene eine Katalogzuordnung. Das Gefäß ist antik; die Fotografie dokumentiert seinen erhaltenen Zustand. Das Objekt ist weder eine Aufnahme der mythischen Handlung noch Beleg dafür, dass der athenische Ortsstreit genauso dargestellt wurde.

Keine einzige Rolle erklärt ihn ganz

Der Hymnus bittet um Hilfe für Schiffe, die Kylix zeigt Pferde und Krieg, und die Ortsberichte handeln von Landansprüchen und Heiligtümern. Dieselbe göttliche Gestalt ist in diesen Zeugnissen erkennbar, doch jedes beantwortet eine andere Frage.

Wer den Streit mit Athena genauer verfolgen möchte, findet in der eigenen Erzählstation die zwei Gaben und die athenischen Erinnerungsorte. Dieses Profil hält Poseidons Meer, Erde, Pferde und örtliche Gegenwart nebeneinander, statt den Wettstreit zu seiner gesamten Geschichte zu machen.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Hymnus 22 und attisches Bild
Meer, Erderschütterung, Pferde, Schiffe und eine separate Ilias-Bildszene.

Athen und Troizen
Verschiedene Ortsansprüche, Altar und berichtete Zeichen.

Belegte Beziehungen

  • Konkurrenz in Athen, gemeinsamer Anspruch in Troizen: AthenaBelege [2] [4] : Pseudo-Apollodor 3,14,1; Pausanias 2,30,6
  • Hestia weist Poseidons Werbung zurück: HestiaBelege [6] : Hymnus 5, 22–29

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Homerische Hymnen

Sammlungsbezeichnung für einzelne Hymnen. Gemeinsam archiviert oder verglichen, aber nach Nummer und tatsächlichem Lesebereich zitiert.

Antike Hymnen verschiedener Entstehungszusammenhänge; keine einheitliche Autorschaft oder Handlungszeit.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Kurz-Hymnen 11, 22, 24, 28 und 29 nach Evelyn-White

Die fünf kurzen Einzelhymnen vollständig gelesen. Athena 11 und 28, Poseidon 22, Hestia 24 und 29; keine Behauptung einer vollständigen Lektüre der übrigen Sammlung.

Evelyn-White-Übersetzung 1914; antike Hymnen nach einzelnen Stücken unterscheiden.

Sprache: Englisch

Überlieferter Text

Bibliotheke des Pseudo-Apollodor

Werkbezeichnung für die mythographische Sammlung. In diesem Museum sind nur ausgewählte Ausschnitte erschlossen; die einzelnen Editionsdatensätze benennen die tatsächlich gelesenen Stellen.

Antike mythographische Zusammenstellung; genaue Entstehungszeit und Autorschaft aus dieser Lektüre nicht bestimmt.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Bibliotheke Buch 3 nach Frazer · athenischer Konkurrenzstoff

3,14,1–2 tatsächlich gelesen, vor allem Gabe, Richtervarianten und Flut; keine Gesamtlektüre des Buchs.

Frazer-Übersetzung 1921; kein unmittelbar gelesener griechischer Handschriftentext.

Sprache: Englisch

Überlieferter Text

Pausanias: Beschreibung Griechenlands

Werkebene der Beschreibung Griechenlands. Die einzelnen Museumseiten nennen ihre tatsächlich gelesenen Ausschnitte in den zugehörigen Ausgabenkarten; daraus folgt keine vollständige Erschließung des Werks.

Werkebene; hier kein exaktes Entstehungsjahr festgelegt.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Pausanias 1,18 und 1,24–27 nach Jones · athenische Orte

Benannte Abschnitte 1,18,3; 1,24,3–5; 1,26,5–6 und 1,27,2 tatsächlich gelesen. Pausanias’ Ortsbeschreibung und berichtete Legende getrennt.

Historische englische Übersetzung; antiker Reisebericht.

Sprache: Englisch

Benutzte Ausgabe

Pausanias 2,30,5–6 nach Jones · Troizen

Benannte Abschnitte 2,30,5–6 vollständig gelesen: örtlicher Streit, gemeinsamer Ausgang, Kultnamen und berichtete Münzen.

Historische englische Übersetzung; antiker Reisebericht.

Sprache: Englisch

Welche Zeit ist gemeint?

  • Die im Met-Katalog dokumentierte Kylix wird auf etwa 540 v. Chr. datiert. Das ist das Datum eines Bildträgers, nicht Poseidons erzählte Lebenszeit.

Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Poseidon im Homerischen Hymnus 22 und in örtlichen Überlieferungen bei Pseudo-Apollodor und Pausanias; attische Kylix als eigener Bildzeuge
Verwendeter Ausschnitt
Hymnus 22 vollständig; Pseudo-Apollodor 3,14,1; Pausanias 1,26,5 und 2,30,5–6; Met 1989.281.62. Keine umfassende Poseidon-Kultgeschichte.
  1. Homerische Kurz-Hymnen 11, 22, 24, 28 und 29

    Homerische Hymnen; englische Übersetzung Hugh G. Evelyn-White · antike Hymnen; Übersetzung 1914

    Hymnen 11, 22, 24, 28 und 29 jeweils vollständig gelesen: Athena als Stadtschützerin und Bewaffnete; Poseidon als Erderschütterer, Meer-/Pferde-/Schiffsgott; Hestia im Heiligtum und beim Mahl.

    Kurze Hymnen sind Lob- und Anrufungstexte, keine umfassenden Biografien. Der Poseidon-Hymnus nennt Pferde, jedoch kein Pferd als Gabe im athenischen Streit. Abgerufen am 2026-09-28.

  2. Bibliotheke 3,14,1: Athena und Poseidon in Attika

    Pseudo-Apollodor; englische Übersetzung James G. Frazer · antiker Erzähltext; Frazer-Übersetzung 1921

    Abschnitt 3,14,1 und unmittelbar anschließende 3,14,2 vollständig gelesen: Cecrops, zwei Ortszeichen, Urteil, benannte Richtervarianten und Flutreaktion.

    Der Text nennt zwölf Götter und grenzt andere Richterangaben ausdrücklich ab. Weder eine Augenzeugenbeschreibung des Ereignisses noch ein Beleg für die exakte Entstehungszeit des Mythos. Abgerufen am 2026-09-28.

  3. Beschreibung Griechenlands 1,18 und 1,24–27: Athener Heiligtümer und Ortszeichen

    Pausanias; englische Übersetzung W. H. S. Jones · antiker Reisebericht; historische englische Übersetzung

    1,18,3; 1,24,3–5; 1,26,5–6 und 1,27,2 gelesen: Hestia im Prytaneion, Athena Ergane, Oliven-/Wellenbild, Parthenon-Westgiebel, Erechtheion und Athena Polias.

    Pausanias' eigene Orts- und Kunstbeschreibung von seinen ausdrücklich als Legende gekennzeichneten Ursprungsbehauptungen trennen. Einzelne athenische Beobachtungen beweisen keine universale griechische Kultpraxis. Abgerufen am 2026-09-28.

  4. Beschreibung Griechenlands 2,30,5–6: Athena und Poseidon in Troizen

    Pausanias; englische Übersetzung W. H. S. Jones · antiker Reisebericht; historische englische Übersetzung

    2,30,5–6 vollständig gelesen: Pausanias' Markierung der troizenischen Überlieferung, gemeinsamer Ortsanspruch, Athena Polias/Sthenias, Poseidon Basileus und alte Münzbilder.

    Pausanias berichtet eine örtliche Version und einen Kultbefund; die gemeinsame Herrschaft von Athena und Poseidon ist nicht ohne Weiteres auf Athen übertragbar. Die Münzangabe wurde nicht numismatisch an Originalen überprüft. Abgerufen am 2026-09-28.

  5. Attische Kylix des Amasis-Malers mit Poseidons Pferden und Kriegern, 1989.281.62

    The Metropolitan Museum of Art, Department of Greek and Roman Art · Objekt ca. 540 v. Chr.; laufender Museumskatalog

    Katalog zu zwei Seiten des attischen schwarzfigurigen Trinkgefäßes gelesen: Poseidons Stall und Pferde auf einer, Poseidon unter griechischen Kriegern auf der anderen; Open-Access-API und beide Originalansichten geprüft.

    Die Bilder folgen laut Met Ilias 13, nicht der athenischen Konkurrenzgeschichte. Die Pferde sind hier keine Gabe Poseidons an Athen. Die Zuordnung der Figuren folgt dem Museumskatalog. Abgerufen am 2026-09-28.

  6. Homerischer Hymnus an Aphrodite, Verse 1–35

    Homerischer Hymnus; englische Übersetzung Gregory Nagy, Center for Hellenic Studies · antiker Hymnus; moderne Onlineübersetzung

    Verse 1–35 sowie zugehörige sichtbare Anmerkungsverweise gelesen: Athenas Krieg und Kunstfertigkeit, Hestias Weigerung und Ehrenanteil. Keine Lektüre des gesamten Aphrodite-Hymnus behauptet.

    Nagy-Übersetzung und Erläuterungen sind eine moderne Vermittlung; die beiden Ausschnitte belegen keine vollständige Athena- oder Hestia-Überlieferung. Abgerufen am 2026-09-28.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-17. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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