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MythaneumDas Museum der Mythologien

Exponat

Athena und Poseidon: Wem gehört die Stadt?

Ein Ölbaum und eine salzhaltige Quelle begründen konkurrierende Ansprüche auf Athen. Erzählung, Akropoliszeichen und Skulptur zeigen, wie ein Ort seine Schutzgottheit erinnert.

4–5 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Ein Felsen, zwei Ansprüche

Pseudo-Apollodor beginnt seine athenische Erzählung bei Kekrops, dem mythischen ersten König Attikas. In seiner Zeit wollen Gottheiten Städte mit eigener Verehrung für sich gewinnen. Poseidon kommt zuerst auf die Akropolis: Ein Schlag mit dem Dreizack lässt dort ein Meer entstehen. Athena pflanzt einen Ölbaum und ruft Kekrops als Zeugen.

Die beiden Zeichen sind mehr als nützliche Geschenke. Sie stellen vor Ort einen Anspruch auf die Stadt. Der Text nennt das Meer Erechtheis und den Ölbaum im Pandroseion; damit verankert er die Erzählung in benannten Akropolisorten.

Zwei Gaben als heutige Vorstellung

Auf felsiger Höhe steht links ein Olivenbaum; rechts tritt Wasser aus einem dreifach markierten Stein in ein Becken. Im Hintergrund liegen eine gedachte attische Stadt, die Akropolis und die Küste.
Heutige KI-Illustration des athenischen Streits: Olivenbaum und salzhaltige Quelle sind die beiden Gaben nach Pseudo-Apollodor. Gebäude, Blickpunkt, Felsformen und genaue Anordnung sind freie Gestaltung, keine Rekonstruktion der antiken Akropolis.

Das Urteil dieser Fassung

Zeus beendet den Streit nicht allein. Pseudo-Apollodor lässt ihn zwölf Götter als Richter einsetzen. Der Erzähler nennt zugleich andere Angaben zu Kekrops, Kranaos oder Erysichthon ausdrücklich als abweichend. In seiner eigenen Fassung erhält Athena das Land, weil Kekrops bezeugt, sie habe zuerst den Ölbaum gesetzt.

Athena gibt der Stadt daraufhin ihren Namen. Poseidon reagiert wütend und überschwemmt nach dieser Erzählung die Thriasische Ebene und Attika. Das macht aus seinem Wasser keine harmlose Gabe: Der umstrittene Ortsanspruch hat für die Landschaft Folgen.

Pausanias geht durch ein Erinnerungsland

Jahrhunderte später beschreibt Pausanias auf der Akropolis ein Bild von Athena mit der Olive und Poseidon mit der Welle. Im sogenannten Erechtheion nennt er einen Altar des Poseidon, ein Becken mit Meerwasser und einen Umriss des Dreizacks auf dem Felsen. Dass diese Zeichen Poseidons Anspruch bezeugen sollen, weist er ausdrücklich als Legende aus.

Über den Ölbaum berichtet Pausanias, er werde als Athenas Beweis im Wettbewerb verstanden. Auch seine Nachricht vom schnellen Wiederwachsen nach der persischen Zerstörung ist als überlieferte Geschichte formuliert. Der Ort trägt die Erzählung weiter; das ist keine Bestätigung, dass die mythische Handlung historisch stattfand.

Der Stadtgöttin gehört nicht jede Kultstelle

Pausanias nennt Athen und das Land Athena heilig, merkt aber zugleich an, dass in den örtlichen Bezirken andere Götter verehrt werden. Schon im Erechtheion beschreibt er Poseidons Altar. Die Entscheidung einer Erzählung löscht die Verehrung des unterlegenen Gottes also nicht aus dem beschriebenen Stadtraum.

Die Bindung Athenas an die Polis ist eine politische und religiöse Ortsbeziehung, keine einfache Behauptung, Athen habe nur eine Gottheit gekannt.

Nachlesen: [2] 1,26,5–6

Athena und der Ölzweig auf einer antiken Lekythos

Kleine schwarze attische Ölkännchen mit rotfiguriger Büste der behelmten Athena neben einem Olivenzweig auf hellem Studiohintergrund.
Antikes Bildzeugnis: attische rotfigurige Lekythos, 5. Jahrhundert v. Chr. Athena und Olivenzweig stehen nebeneinander; der vollständige Wettstreit ist nicht dargestellt. The Met, 75.2.22, Public Domain / CC0. Originalfoto unbeschnitten. Bildnachweis Bildlizenz

Ein Bild verdichtet, was die Erzählung ausbreitet

Auf der kleinen attischen Ölkanne stehen Athenas Büste und ein Olivenzweig nebeneinander. Der Met-Katalog deutet beide als Zeichen des klassischen Athen. Das Objekt zeigt weder Poseidon noch das Urteil. Gerade diese Auswahl macht sichtbar, wie ein einziges Motiv die Beziehung zwischen Stadt und Göttin tragen kann.

Das Gefäß stammt nach dem Museum aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. Seine Datierung ist eine Datierung des Bildträgers, nicht der Entstehung aller Fassungen des Mythos.

Ein großer Giebel, nur teilweise erhalten

Pausanias erkannte am Westgiebel des Parthenon den Streit der beiden Gottheiten um das Land. Das Akropolismuseum erklärt heute die erhaltenen Teile der Skulpturengruppe und macht auf große Verluste und beschädigte Figuren aufmerksam. Eine vollständige antike Bildfolge liegt dort nicht mehr vor.

In der heutigen Museumserläuterung erscheinen Kekrops, Erechtheus und weitere örtliche Gestalten als Richter. Pseudo-Apollodor setzt in seiner Textfassung zwölf Götter ein und weist andere Richterangaben zurück. Die Unterschiede sind keine Fehler, die ein moderner Mischtext beseitigen sollte. Sie zeigen, dass Stadtbild, lokale Erinnerung und Erzähltext eigene Wege gehen.

Was im Stadtbild bleibt

Die Akropolis verbindet in diesen Zeugnissen Erzählung, Kultort und Kunstwerk. Ölbaum, Wasserbecken, Dreizackspur und Giebel sind verschiedene Arten, sich an einen Anspruch zu erinnern. Keines davon beweist für sich die Handlung eines Gottes; zusammen zeigen sie, wie Athener ihren Ort deuteten.

Wer nun Poseidon oder Athena einzeln begegnet, sieht deshalb nicht dieselbe Geschichte noch einmal. Poseidons Profil fragt nach Meer, Erde, Pferden und lokalen Ansprüchen; Athenas nach Stadtschutz, Krieg, Kunstfertigkeit und der Wirkung ihres Namens auf die Polis.

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Bibliotheke des Pseudo-Apollodor

Werkbezeichnung für die mythographische Sammlung. In diesem Museum sind nur ausgewählte Ausschnitte erschlossen; die einzelnen Editionsdatensätze benennen die tatsächlich gelesenen Stellen.

Antike mythographische Zusammenstellung; genaue Entstehungszeit und Autorschaft aus dieser Lektüre nicht bestimmt.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Bibliotheke Buch 3 nach Frazer · athenischer Konkurrenzstoff

3,14,1–2 tatsächlich gelesen, vor allem Gabe, Richtervarianten und Flut; keine Gesamtlektüre des Buchs.

Frazer-Übersetzung 1921; kein unmittelbar gelesener griechischer Handschriftentext.

Sprache: Englisch

Überlieferter Text

Pausanias: Beschreibung Griechenlands

Werkebene der Beschreibung Griechenlands. Die einzelnen Museumseiten nennen ihre tatsächlich gelesenen Ausschnitte in den zugehörigen Ausgabenkarten; daraus folgt keine vollständige Erschließung des Werks.

Werkebene; hier kein exaktes Entstehungsjahr festgelegt.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Pausanias 1,18 und 1,24–27 nach Jones · athenische Orte

Benannte Abschnitte 1,18,3; 1,24,3–5; 1,26,5–6 und 1,27,2 tatsächlich gelesen. Pausanias’ Ortsbeschreibung und berichtete Legende getrennt.

Historische englische Übersetzung; antiker Reisebericht.

Sprache: Englisch

Welche Zeit ist gemeint?

  • Die im Met dokumentierte Athena-Lekythos stammt aus dem 5. Jahrhundert v. Chr.; sie datiert weder Pseudo-Apollodors Textfassung noch den behaupteten mythischen Vorgang.

Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Athenischer Konkurrenzstoff um Athena und Poseidon nach Pseudo-Apollodor und Pausanias; antike Bildzeugnisse und heutige Museumserläuterung getrennt
Verwendeter Ausschnitt
Pseudo-Apollodor, Bibliotheke 3,14,1; Pausanias 1,24,3–5; 1,26,5–6; 1,27,2; Met 75.2.22 und Akropolismuseum Westgiebel. Keine zeitlose Einheitsfassung.
  1. Bibliotheke 3,14,1: Athena und Poseidon in Attika

    Pseudo-Apollodor; englische Übersetzung James G. Frazer · antiker Erzähltext; Frazer-Übersetzung 1921

    Abschnitt 3,14,1 und unmittelbar anschließende 3,14,2 vollständig gelesen: Cecrops, zwei Ortszeichen, Urteil, benannte Richtervarianten und Flutreaktion.

    Der Text nennt zwölf Götter und grenzt andere Richterangaben ausdrücklich ab. Weder eine Augenzeugenbeschreibung des Ereignisses noch ein Beleg für die exakte Entstehungszeit des Mythos. Abgerufen am 2026-09-28.

  2. Beschreibung Griechenlands 1,18 und 1,24–27: Athener Heiligtümer und Ortszeichen

    Pausanias; englische Übersetzung W. H. S. Jones · antiker Reisebericht; historische englische Übersetzung

    1,18,3; 1,24,3–5; 1,26,5–6 und 1,27,2 gelesen: Hestia im Prytaneion, Athena Ergane, Oliven-/Wellenbild, Parthenon-Westgiebel, Erechtheion und Athena Polias.

    Pausanias' eigene Orts- und Kunstbeschreibung von seinen ausdrücklich als Legende gekennzeichneten Ursprungsbehauptungen trennen. Einzelne athenische Beobachtungen beweisen keine universale griechische Kultpraxis. Abgerufen am 2026-09-28.

  3. Parthenon: Westgiebel, Athena und Poseidon

    Acropolis Museum, Athen · antike Skulptur des 5. Jahrhunderts v. Chr.; laufender Museumskatalog

    Objekt- und Westgiebel-Erläuterung gelesen: Athena, Poseidon, lokale mythische Richter sowie Verlust- und Fragmentzustand der Skulpturen.

    Die Richtergruppe in der Museumsrekonstruktion entspricht nicht den zwölf Göttern bei Pseudo-Apollodor. Wegen Bildrechten wird eine Museumsabbildung nicht ohne separate Freigabe selbst gehostet; der Text ist eine heutige Katalogdeutung. Abgerufen am 2026-09-28.

  4. Attische Lekythos mit Athena und Olivenzweig, 75.2.22

    The Metropolitan Museum of Art, Department of Greek and Roman Art · Objekt 5. Jahrhundert v. Chr.; laufender Museumskatalog

    Katalog zu Datierung, Herkunft, Technik und Athena-/Olivenzweigmotiv gelesen; Open-Access-API mit Public-Domain-Flag und Originalbildadresse geprüft; Originalfoto betrachtet.

    Das Gefäß ist ein eigenständiges Bildzeugnis der Verbindung Athenas mit dem Ölbaum, keine erhaltene Darstellung des gesamten Wettstreits oder Datierung seiner Erzählung. Abgerufen am 2026-09-28.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-17. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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