Wasser ohne festen Boden
Bei Nun beginnt die Schwierigkeit schon vor jedem Bild: Das Wort kann eine ungegliederte Wasserweite bezeichnen, und Nun kann zugleich als benannte Größe in einer Gruppe göttlicher Gestalten erscheinen. UCL führt Nun mit Nunet auf das ägyptische nnw zurück und erläutert das Paar als Wasserweite beziehungsweise fehlende Festigkeit vor der Schöpfung.
Das ist nicht einfach ein anderer Name für den sichtbaren Nil. UCL erinnert zwar an das jährlich wiederkehrende Auftauchen von Land nach der Nilflut als starkes Schöpfungsmotiv. Die in der Paarliste gedachte Abwesenheit festen Grundes ist aber eine Aussage über den Zustand vor der geordneten Welt, nicht die Beschreibung eines bestimmten Hochwassers.
Nun und Nunet innerhalb der vier Paare

Ein Name innerhalb einer wandelbaren Gruppe
In UCLs früher Liste steht Nun nicht allein: Neben Nunet folgen drei weitere Paare, die Dauer, Dunkelheit und fehlende Richtung ausdrücken. Die Grafik zeigt diese Zusammenstellung als heutige Lesehilfe. Sie liefert weder ein antikes Porträt Nuns noch einen Ablauf, in dem Nun zuerst handelt und die anderen Gestalten nacheinander erscheinen.
UCL verbindet die frühe Liste mit einem Ausschnitt aus Sargtext 76. Ohne eigene Prüfung der altägyptischen Edition bleibt das hier eine attribuierte Einordnung. Auch die Herkunft dieser Zusammenstellung aus der Stadt Khemenu ist laut UCL nicht gesichert, obwohl deren Name und der spätere griechische Stadtname Hermopolis häufig dazu verleiten.
Eine spätere Erwähnung ist keine frühe Bildvorlage
Frankfort paraphrasiert in seiner 1948er Studie einen Abschnitt des Amduat: Nun und Naunet begegnen dort zusammen mit Kuk und Kauket im Zusammenhang der Wiedergeburt der Sonne. Das zeigt einen anderen Gebrauch der Namen. Auf den hier gelesenen Seiten benennt Frankfort keinen einzelnen Amduat-Träger, dessen Bild wir Nun zuordnen könnten.
Für dieses Profil steht daher die Textunterscheidung im Vordergrund. Ein konkretes, frei nachnutzbares Nun-Objekt wurde in diesem Quellenpaket nicht geprüft; die moderne Paar-Grafik wird ausdrücklich nicht als historisches Nun-Bild ausgegeben.
Die Figur in ihren Quellen
Eine Gestalt, verschiedene Textrollen
Wasserweite und benannte Gestalt
UCL, ‘Before creation’, Paar Nun/Nunet; keine eigene Sargtextedition.
Späterer Amduat-Bezug
Frankfort 1948, gedruckte S. 156, nur seine Paraphrase.
Welche Zeit ist gemeint?
- Die frühe Paarliste ist bei UCL dem Sargtext 76 zugewiesen; der Wortlaut und ein einzelner Träger wurden hier nicht selbst geprüft.
- Frankforts Amduat-Paraphrase steht in seiner Studie von 1948 und ist hier nur eine historische Forschungsschicht.
Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.
Der Weg zum Beleg
Quellen und Einordnung
- Überlieferung
- Nun/nnw als von UCL erläuterte Wasserweite und als Gestalt der Achtheit; spätere Amduat-Paraphrase nach Frankfort separat
- Verwendeter Ausschnitt
- UCL Digital Egypt, ‘Before creation’, Nun/Nunet und methodische Warnung; Frankfort 1948, gedruckte S. 156, nur als späterer Vergleich.
- Gods and goddesses in Ancient Egypt: creation
University College London, Digital Egypt for Universities · Institutionelle Digitalseite, 2002
Vollständige öffentliche Übersicht zu unterschiedlichen Schöpfungsmetaphern, Gruppierungen der Gottheiten, Osiris-Horus-Seth-Bezügen und ausdrücklicher Warnung vor einer einzigen kombinierten altägyptischen Gesamterzählung gelesen.
UCL synthetisiert viele Textsorten und Epochen; die Übersicht ist kein antiker Einzelzeuge. Konkrete Handlung nur aus jeweils einzeln benannten Texten oder Objekten ableiten, insbesondere Horusformen und Seths Sonnenbarkenrolle nicht aus der genealogischen Übersicht einebnen. Abgerufen am 2026-09-29.
- Frankfort 1948: Nun und die Acht im Amduat-Kontext
Henri Frankfort; Institute for the Study of Ancient Cultures · Chicago 1948; Phoenix-Ausgabe 1978
Henri Frankfort, Kingship and the Gods (1948), gedruckte S. 154–156 (PDF-S. 192–194): historische Forschungsdeutung zu Nun/Naunet und der Acht; auf S. 156 paraphrasiert er einen Abschnitt aus dem Amduat über Nun/Naunet und Kuk/Kauket bei der Wiedergeburt der Sonne.
Frankforts 1948er Synthese ist keine eigene Hieroglyphenlektüre und nennt für den Amduat-Auszug hier keinen konkret autopsierten Träger. Seine Bedeutungszuordnung zu Kuk/Kauket und Huh/Hauhet widerspricht der späteren UCL-Einordnung; nicht als sichere Etymologie übernehmen. ISAC-PDF CC BY-NC-ND: nur eng paraphrasieren und offiziell verlinken. Abgerufen am 2026-09-30.
Redaktion und Bearbeitungsstand
Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-30. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.
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