Die Geschichte beginnt bei ihr
Der Falkentraum und Utas Deutung eröffnen Kriemhilds Lebensbogen. Sie möchte die Liebe vermeiden, weil sie Leid erwartet. Später beobachtet sie Siegfried, erkundigt sich nach dem Feldzug nach ihm und begegnet ihm beim Fest. Das ist mehr als eine nachträgliche Belohnung für seinen Sieg: Die Erzählung macht ihre Wahrnehmung, Freude und Befürchtungen zu einem eigenen Zugang.
Eine Königin verlangt einen eigenen Anteil
Ihre Ehe wird mit Gunthers Werbung verknüpft; bei der öffentlichen Befragung stimmt sie Siegfried zu. Vor der Abreise fordert sie einen Anteil an Besitz und Gefolge. Als Siegfried den Landanteil nicht braucht, besteht sie weiterhin auf Menschen, die mit ihr ziehen. Später regiert sie an seiner Seite und hat einen Sohn, Gunther. Dieser Sohn ist von ihrem gleichnamigen Bruder zu unterscheiden. Auf der letzten Reise nach Worms bleibt er zurück.
Was sie weiß und was sie behauptet
Im Rangstreit widerspricht Kriemhild der Behauptung, ihr Mann sei ein bloßer Gefolgsmann. Doch ihr Gegenangriff verletzt Brünhild öffentlich. Ring und Gürtel dienen ihr als Beweis einer sexuellen Beziehung zu Siegfried. Die Erzählung hatte deren Erwerb anders gezeigt: durch verborgene Überwältigung, ehe Gunther an Siegfrieds Stelle tritt. Kriemhilds Aussage und die vorher erzählte Szene sind deshalb keine austauschbaren Berichte.
Eine Bitte um Schutz wird missbraucht
Kriemhild erzählt Hagen von Siegfrieds verletzlicher Stelle und markiert sie, weil er Schutz verspricht. Diese gezielte Täuschung ist von der rückblickenden Schuldzuweisung an die Vertrauende zu unterscheiden. Ihr Bericht, Siegfried habe sie geschlagen, zeigt zudem Gewalt in der Ehe. Vor der Jagd warnt sie ihn. Nach seinem Tod hält sie die Nibelungen vom sofortigen aussichtslosen Angriff ab, gestaltet den Abschied und verteilt Spenden.
Ein Zeichen aus Vertrauen

Kriemhild näht ein Zeichen an die gefährdete Stelle von Siegfrieds Kleidung. Sie glaubt, Hagen könne ihren Mann dadurch besser schützen. Die Lesenden wissen bereits vom Mordplan: Dieselbe kleine Handlung bedeutet für sie deshalb etwas anderes als für Kriemhild.
Bleiben, geben, wieder verlieren
Siegmund bietet ihr eine Rückkehr mit Herrschaft und Schutz an; ihre Herkunftsfamilie bittet sie zu bleiben. Sie bleibt in Worms und vertraut den Sohn den Heimreisenden an. Mit dem herbeigeholten Hort verfügt sie später über ein Mittel, Gefolgschaft zu gewinnen. Hagen nimmt ihr diese Verfügung und versenkt den Schatz. Das ist ein weiterer Eingriff in ihr Leben nach dem Mord. Wie daraus die spätere Vergeltung entsteht, erschließt der zweite Erzählkomplex.
Das Angebot ist mehr als ein neuer Ehemann
Kriemhild widersetzt sich zunächst der Werbung Etzels. Rüdigers Versprechen, ihr Unrecht zu vergelten, eröffnet schließlich die Aussicht auf Schutz, Gefolgschaft und Gaben. Dass sie dabei an Siegfrieds Tod denkt, macht nicht jede andere Bindung bedeutungslos. Auf der Reise wird sie von Verwandten und Gastgeberinnen begleitet; am neuen Hof gewinnt sie Ansehen, während die Erinnerung an Siegfried bleibt.
Herrschaft, Mutterschaft und die vorbereitete Einladung
Herrat unterstützt Kriemhild bei den neuen Gebräuchen. Mit Etzel bekommt sie Ortlieb und setzt seine Taufe durch. Erst nach Jahren führt die Erzählung zur Einladung ihrer Brüder. Sie möchte vor allem Hagen erreichen; Etzel freut sich dagegen auf die Verwandten, und die Spielleute kennen den verborgenen Zweck nicht. So entsteht erneut ein Geschehen aus ungleich verteiltem Wissen. Kriemhild führt nun selbst die Täuschung, deren Folgen der weitere Erzählweg zeigen wird.
Die Reichweite der Vergeltung
Kriemhild fordert von Hagen zunächst den Hort und sein Eingeständnis. Als ihre Leute vor dem Angriff zurückschrecken, sucht sie andere Wege. Dietrich verweigert Hilfe, Blödel nimmt die Aussicht auf Besitz und Nudungs Witwe an. Der Angriff trifft die getrennt untergebrachte Gefolgschaft. Hagens folgende Tötung Ortliebs ist seine Handlung; die Erzählstimme hatte Kriemhilds Herbeibringen des Kindes zuvor bereits als Teil ihrer Rachegestaltung verurteilt. Beide Ebenen gehören sichtbar auseinander. Später bietet sie den Brüdern das Leben gegen Hagens Auslieferung an und befiehlt nach deren Weigerung den Brand.
Am Ende erhält sie weder Sicherheit noch den Hort
Kriemhild besteht mit Etzel auf Rüdigers Hilfe und verliert mit ihm einen eigenen Verbündeten. Als Dietrich die letzten beiden Gegner besiegt, bittet er um ihr Leben; sie sagt dies zu. Dennoch lässt sie Gunther töten, um Hagens Bedingung für die Hortauskunft zu beseitigen. Er verweigert sich weiter. Sie nimmt Siegfrieds Schwert und tötet Hagen; Hildebrand erschlägt sie darauf. Der Lebensbogen endet weder mit erfolgreicher Heilung noch mit der Wiedergewinnung ihres Besitzes. Kriemhild ist als Opfer früherer Gewalt und als später verantwortlich Handelnde zu lesen, ohne einen dieser Teile auszulöschen.
Die andere Fassung bleibt erkennbar
Sigurd, Gudrun, Brynhild und Högni der Völsunga saga sind keine nachträglich austauschbaren Namen für alle Ereignisse dieses Profils. Das Quellenporträt vergleicht den Vergessenstrank, den Gestalttausch, den Streit und Guttorms Mord mit der hier gelesenen Nibelungenerzählung.
Deine Frage an die Erzählung
Welche Möglichkeiten gewinnt und verliert Kriemhild, bevor sie selbst Gewalt gegen andere richtet? Wähle eine konkrete Textstelle und unterscheide die Aussage der Figur vom zuvor erzählten Geschehen.
Die Figur in ihren Quellen
Kriemhild
Eigenständiges Hauptprofil der Gestalt in der gewählten Nibelungenlied-Ausgabe. Verwandte Seyfrid-, Saga- und Wagnergestalten nur als ausdrücklich getrennte Werkprofile; keine verschmolzene Genealogie.
Nibelungenlied nach Shumway 1909
Ganze Erzählung I–XXXIX; perspektivisch erschlossen.
Weitere Rollen im Quellenregister: Benannte und unbenannte Beteiligte bleiben als getrennte Referenzen sichtbar.
Texte und ihre Zugänge
Werke, Fassungen und verwendete Zugänge
Überlieferter Text
Nibelungenlied
Anonymes mittelhochdeutsches Werk; nicht identisch mit Völsunga saga oder Wagners Opernzyklus.
Um 1200 nach Badischer Landesbibliothek.
Sprache: Mittelhochdeutsch
Überlieferter Text
Völsunga saga
Anonyme Prosa mit Versen; unterschiedliche Kapitelzählungen der Ausgaben bleiben sichtbar.
Zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts nach Gottfried-Portal; kein Datum der erhaltenen Haupthandschrift damit gleichgesetzt.
Sprache: Altnordisch
Benutzte Ausgabe
Shumway 1909: alle 39 Aventiuren
Ganze Erzähllektüre I–XXXIX mit Endnoten. Die heutigen Museumstexte sind eigene Paraphrasen; keine Einzelhandschrift als Grundlage behauptet.
Druck von 1909; Endnoten in der elektronischen Ausgabe bei den Kapiteln.
Sprache: Englische Prosaübersetzung
Benutzte Ausgabe
Morris/Magnússon: begrenztes Vergleichsfenster
XXVI–XXX hier neu verbunden; kein vollständiges Sagakorpus oder unabhängig gelesenes Edda-Lied.
Digitale Grundlage nach dem Druck von 1888.
Sprache: Englische Übersetzung mit Versen
Überlieferter Text
Das Lied vom hürnen Seyfrid
Eigener strophischer Text mit anderer Jugend-, Befreiungs- und Hortgeschichte als das Nibelungenlied.
Im gewählten Digitalzugang um 1530 eingeordnet.
Sprache: Frühneuhochdeutsch
Benutzte Ausgabe
Hürnen Seyfrid: digitale Textfassung nach King 1958
Alle 179 Strophen auf drei Teilseiten und die transkribierten Bildbeischriften gelesen. Abweichendes Label 4 statt 5 in Teil 1 bewahrt. Keine Bildautopsie oder Übernahme moderner Kolorierungen.
King 1958 nach Druck K; digitale Version laut Kolophon von 2007.
Sprache: Frühneuhochdeutsch in moderner digitaler Edition
Überlieferter Text
Richard Wagner: Götterdämmerung
Eigenes Musikdrama; hier ein Vergleichsfenster auf Grundlage institutioneller Werkvermittlung, keine neu gelesene Librettoedition.
Uraufführung am 17. August 1876 in Bayreuth laut Werkdarstellung.
Sprache: Deutsch
Welche Zeit ist gemeint?
- Nibelungenlied um 1200; kein Datum der erzählten Handlungen.
- Shumways englische Prosaübersetzung von 1909.
Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.
Der Weg zum Beleg
Quellen und Einordnung
- Überlieferung
- Kriemhilds eigener Lebensbogen im Nibelungenlied; getrenntes Vergleichsfenster zur Saga.
- Verwendeter Ausschnitt
- Shumway 1909, ganze Erzählung I–XXXIX. Gudrun der Völsunga saga nur im eigenen Vergleich, nicht als austauschbarer Name aller Handlungen Kriemhilds.
- Nibelungenlied: vollständige Erzählung in Shumways Prosaübersetzung
Daniel Bussier Shumway, 1909; elektronische Ausgabe Project Gutenberg 1151
Alle 39 Aventiuren I–XXXIX und ihre Endnoten vollständig gelesen; außerdem elektronische Herkunft und vollständiges Übersetzervorwort.
Keine Handschriftenkollation. Historische Einleitung, Bibliografie und Gutenberg-Nachspann nicht vollständig gelesen; die Deutungen von 1909 gelten nicht ungeprüft als heutige Forschung. Abgerufen am 2026-10-16.
Zur Textstelle: Die Geschichte beginnt bei ihr Zur Textstelle: Eine Königin verlangt einen eigenen Anteil Zur Textstelle: Was sie weiß und was sie behauptet Zur Textstelle: Eine Bitte um Schutz wird missbraucht Zur Textstelle: Ein Zeichen aus Vertrauen Zur Textstelle: Bleiben, geben, wieder verlieren Zur Textstelle: Das Angebot ist mehr als ein neuer Ehemann Zur Textstelle: Herrschaft, Mutterschaft und die vorbereitete Einladung Zur Textstelle: Die Reichweite der Vergeltung Zur Textstelle: Am Ende erhält sie weder Sicherheit noch den Hort Zur Textstelle: Deine Frage an die Erzählung - Das Lied vom hürnen Seyfrid: Strophen 1–15
Anonym; digitale Textfassung der Bibliotheca Augustana nach K. C. King, 1958
Alle Strophen und transkribierten Bildunterschriften von Teil 1 gelesen.
Keine Autopsie des Drucks K und keine Bildrechtefreigabe. Die zweite mit 4 nummerierte Strophe entspricht Position 5; die sichtbare Abweichung bleibt erhalten. Abgerufen am 2026-10-16.
- Das Lied vom hürnen Seyfrid: Strophen 16–172
Anonym; digitale Textfassung der Bibliotheca Augustana nach K. C. King, 1958
Alle Strophen und transkribierten Bildunterschriften von Teil 2 gelesen.
Keine Autopsie des Drucks K. Moderne Kolorierungen sind weder als historische Originalbilder geprüft noch zur Nutzung freigegeben. Abgerufen am 2026-10-16.
- Das Lied vom hürnen Seyfrid: Strophen 173–179
Anonym; digitale Textfassung der Bibliotheca Augustana nach K. C. King, 1958
Alle sieben Schlussstrophen gelesen.
Knapper Mordschluss und Verweis auf eine Hochzeitsgeschichte; keine hier ausgeführte Racheerzählung daraus ergänzt. Abgerufen am 2026-10-16.
- Hürnen Seyfrid: digitale Editionsangaben
Bibliotheca Augustana; digitale Edition Angus Graham
Gesamte Titel- und Editionsseite gelesen.
Text folgt King 1958. Die genannten kolorierten Holzschnitte sind eine gesonderte moderne Bildvermittlung; keine Rechtefreigabe daraus abgeleitet. Abgerufen am 2026-10-16.
- Hürnen Seyfrid: Quellen und Kolophon
Bibliotheca Augustana; digitale Version Ulrich Harsch, 2007
Gesamter Kolophon gelesen.
King 1958 nach Druck K, Golther 1889/1911 nach Druck N. Diese Angaben ersetzen keine eigene Kollation beider Drucke. Abgerufen am 2026-10-16.
- Völsunga saga: Heirat, Täuschung und Sigurds Tod
William Morris und Eiríkr Magnússon; digitale Fassung nach dem Druck von 1888
XXVI–XXX vollständig mit Endnoten erneut gelesen; Bereich 162508:194431 der vorhandenen Textaufnahme.
Begrenztes Fenster in der Kapitelzählung dieser Übersetzung. Keine neue Ganzlektüre der Saga, Handschriftenkollation oder unabhängige Edda-Edition. Abgerufen am 2026-10-16.
- Götterdämmerung: Werkdaten und Handlung bei den Bayreuther Festspielen
Bayreuther Festspiele; Synopsis mit Nachweis auf den Harenberg Kulturführer Oper
Werkdaten, Personenliste und gesamte Handlung von Vorspiel bis zum dritten Akt gelesen.
Institutionelle Werkvermittlung. Keine vollständige Libretto-, Partitur- oder Inszenierungslektüre. Keine Bildübernahme. Abgerufen am 2026-10-16.
- Nibelungenlied: Werkentstehung und überlieferte Handschriften
Badische Landesbibliothek Karlsruhe
Hauptabsatz unter UNESCO-Weltdokumentenerbe Nibelungenlied und Links zu Handschriften A, B, C gelesen.
Benutzt für die Einordnung des Werks um 1200 und die Unterscheidung von Werk und Handschriften. Kein Digitalisat kollationiert, keine eigene Zuordnung von Shumways Text zu einer Einzelhandschrift. Abgerufen am 2026-09-27.
Redaktion und Bearbeitungsstand
Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-16. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.
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