Die vereinbarte Teilung wird zum Streit
Iokastes Prolog in den Phönizierinnen erzählt, dass die Söhne des Ödipus die Herrschaft jährlich wechseln wollten. Eteokles erhält das erste Jahr, gibt die Macht danach aber nicht an Polyneikes ab. Der Bruder kommt mit einem Heer aus Argos zurück. Ein durch die Mutter vermittelter Waffenstillstand ermöglicht ihr Gespräch.
Die Bibliotheke überliefert schon für den Beginn andere Angaben: Nach einer Fassung regiert Polyneikes zuerst und übergibt an Eteokles, nach einer anderen beginnt Eteokles und verweigert die Übergabe. Die verabredete Ordnung und ihr Bruch sind wichtig; wer zuerst herrscht, ist dennoch keine über alle Texte hinweg feste Einzelheit.
Er verteidigt die Macht, nicht die Gleichheit
Im Gespräch mit Mutter und Bruder erklärt Eteokles, für die Herrschaft möglichst hoch und weit gehen zu wollen. Gleiche Wörter bedeuteten noch keine gleichen Ansprüche; er wolle seine Stellung behalten. Wenn Unrecht geschehe, dann erscheine ihm die Herrschaft als der lohnende Zweck. Diese Rede macht seinen Entschluss deutlicher als eine bloße Streitigkeit über den Vertrag.
Iokaste widerspricht. Sie beschreibt Gleichheit als Grundlage von Freundschaft und Städten und verweist auf wechselnde Ordnungen wie Tag und Nacht. Sie fragt, ob er lieber allein herrschen oder die Stadt retten wolle. Eteokles wirft seinerseits Polyneikes vor, mit fremden Waffen die eigene Heimat zu bedrohen. Das Stück lässt Machtgier und militärische Bedrohung zugleich auftreten, ohne die eine durch die andere auszulöschen.
Ein vorzeitiger Sieger stirbt ebenfalls
Im späteren Botenbericht treffen die Brüder zum Zweikampf aufeinander. Eteokles verletzt Polyneikes tödlich und beginnt, dessen Rüstung abzunehmen. Er glaubt den Kampf gewonnen, doch der noch lebende Bruder trifft ihn ebenfalls tödlich. Iokaste und Antigone erreichen beide zu spät.
Die Toten lassen keinen eindeutigen Sieger des Duells zurück. Die Heere streiten sogar darüber, wem der Erfolg zuzurechnen sei; der anschließende Sieg Thebens hebt den Tod der Brüder und der Mutter nicht auf. Eteokles’ Verteidigung der Stadt endet daher nicht als persönlicher Triumph. Der Bericht führt gerade vor, wie sein sicher geglaubter Sieg in den eigenen Tod umschlägt.
Nach dem Tod entscheidet ein anderer über die Ehre
In Sophokles’ Antigone beurteilt Kreon Eteokles als Verteidiger Thebens und gewährt ihm ehrenvolle Bestattung. Polyneikes soll als Angreifer unbestattet bleiben. Diese Wertung erklärt den neuen Konflikt des Dramas; sie ist nicht Eteokles’ eigene Rede und macht dessen Herrschaftsanspruch bei Euripides nicht ungeschehen.
Ein weiterer Name darf hier nicht hineinrutschen: Die Bibliotheke nennt in einer abweichenden Liste der sieben Angreifer Eteoklos, einen Sohn des Iphis. Er ist nicht Eteokles, der Sohn des Ödipus. Ähnlich geschriebene Namen und derselbe Kriegsschauplatz reichen für eine gemeinsame Identität nicht aus.
Die Figur in ihren Quellen
Eine Gestalt, verschiedene Textrollen
Die vereinbarte Teilung wird zum Streit
Die Phönizierinnen, Iokastes Prolog; Bibliotheke 3.6.1
Er verteidigt die Macht, nicht die Gleichheit
Die Phönizierinnen, Dreierstreit zwischen Iokaste, Eteokles und Polyneikes
Ein vorzeitiger Sieger stirbt ebenfalls
Die Phönizierinnen, Botenbericht über Bruderduell, Iokastes Tod und Streit der Heere
Nach dem Tod entscheidet ein anderer über die Ehre
Antigone, Schwesternprolog und Kreons Antrittsrede; Bibliotheke 3.6.3
Texte und ihre Zugänge
Werke, Fassungen und verwendete Zugänge
Überlieferter Text
Sophokles: Antigone
Eigenes Drama um Bestattung, Herrschaft und die Folgen des Verbots.
Tragödie des 5. Jahrhunderts v. Chr.
Sprache: Griechisch
Benutzte Ausgabe
Jebb: Antigone, ausgewählte Szenen
Schwestern, Bestattung, Verhör, Haimon, Abschied, Teiresias und Schlussberichte.
Historische Übersetzung; digitale MIT-Lesefassung.
Sprache: Englisch
Überlieferter Text
Euripides: Die Phönizierinnen
Eigenes Drama, hier in benannten Szenen; kein rekonstruierter Urtext.
Tragödie des späten 5. Jahrhunderts v. Chr.; Überlieferung mit umstrittenen Zusätzen.
Sprache: Griechisch
Benutzte Ausgabe
Coleridge: Die Phönizierinnen, ausgewählte Szenen
Prolog, Vermittlung, Herrschaftsstreit, Menoikeus und Duellbericht. Umstrittener Schluss nicht eigenständig rekonstruiert.
Historische Übersetzung; digitale MIT-Lesefassung.
Sprache: Englisch
Überlieferter Text
Bibliotheke des Pseudo-Apollodor
Werkbezeichnung für die mythographische Sammlung. In diesem Museum sind nur ausgewählte Ausschnitte erschlossen; die einzelnen Editionsdatensätze benennen die tatsächlich gelesenen Stellen.
Antike mythographische Zusammenstellung; genaue Entstehungszeit und Autorschaft aus dieser Lektüre nicht bestimmt.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Frazer: thebanische Varianten der Bibliotheke III
3.5.7–9, 3.6.1/3/7–8 und 3.7.1; zugeschriebene ältere Autoren nicht selbst kollationiert.
Historische Frazer-Übersetzung; Theoi-Digitaltext.
Sprache: Englisch
Der Weg zum Beleg
Quellen und Einordnung
- Überlieferung
- Thebanische Erzählungen in getrennten Epos-, Tragödien- und mythografischen Fassungen
- Verwendeter Ausschnitt
- Euripides, Die Phönizierinnen; Sophokles, Antigone; Bibliotheke 3.6.
- Euripides: Die Phönizierinnen – Vermittlung und Bruderkrieg
Euripides; englische Übersetzung E. P. Coleridge · Antikes Drama; historische Coleridge-Übersetzung, digitale MIT-Lesefassung
Iokastes Prolog; Exilgespräch mit Polyneikes; Dreierstreit um Herrschaft und Gleichheit; Eteokles/Kreon zur Verteidigung; Teiresias, Kreon und Menoikeus; Botenbericht über Bruderduell und Iokastes Tod.
Benannte englische Übersetzung gelesen; keine griechische Vollkollation oder Handschriftenprüfung. Szenenfenster, keine behauptete Volllektüre des Werks. Abgeschnittenes HTML durch vollständigen Textendpunkt für benannte spätere Szenen ergänzt. Umstrittener Schluss nicht zu einer einheitlichen thebanischen Biografie gemacht; keine eigene Rekonstruktion des Urtexts. Abgerufen am 2026-10-01.
- Bibliotheke III: thebanische Namen und Varianten
Pseudo-Apollodor; Übersetzung J. G. Frazer · Antike Mythografie; historische Frazer-Übersetzung, Theoi-Digitaltext
Bibliotheke 3.5.7–9; 3.6.1 und 3; 3.6.7–8; 3.7.1.
Benannte englische Übersetzung gelesen; keine griechische Vollkollation oder Handschriftenprüfung. Szenenfenster, keine behauptete Volllektüre des Werks. Angaben über Hesiod und Pherekydes sind Zuschreibungen dieses Mythografen, keine eigene Lektüre verlorener Originale. Varianten nicht vereinheitlicht. Abgerufen am 2026-10-01.
- Sophokles: Antigone – Schwestern, Herrschaft und Bestattung
Sophokles; englische Übersetzung R. C. Jebb · Antikes Drama; historische Jebb-Übersetzung, digitale MIT-Lesefassung
Schwesternprolog; Kreons Antrittsrede; Wächterbericht und Antigones Verhör; Ismenes Beteiligungsangebot; Haimon-Streit und Verschonung Ismenes; Antigones Abschied; Teiresias und Kreons Umkehr; Botenberichte zu Antigone, Haimon und Eurydike.
Benannte englische Übersetzung gelesen; keine griechische Vollkollation oder Handschriftenprüfung. Szenenfenster, keine behauptete Volllektüre des Werks. Nicht jede Chorstrophe oder Rezeptionsfassung geprüft. Keine spätere Lebensgeschichte Ismenes aus dem Schweigen abgeleitet. Abgerufen am 2026-10-01.
Redaktion und Bearbeitungsstand
Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-01. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.
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