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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Hermes: Zwischen List, Tausch und Botengang

Der Hermes-Hymnus zeigt einen erfinderischen und streitbaren Sohn von Maia und Zeus. Er gewinnt Aufgaben durch Verhandlung; eine spätere attische Lekythos zeigt ihn mit Reisegewand und Botenstab.

3 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Der Hymnus beginnt mit einem Boten und erzählt einen Dieb

Schon die Anrufung des vierten Homerischen Hymnus nennt Hermes den Sohn von Zeus und Maia sowie einen Boten der Unsterblichen. Danach erzählt der Text seine Geburt und überraschend schnell seine Taten: Leierbau, Rinderraub, Spurenlist und Leugnen. Der Bote am Anfang und das erfinderische Kind sind Rollen derselben Dichtung, aber nicht jeder Abschnitt zeigt dieselbe Tätigkeit.

Hermes will nicht mit Maia allein und ohne Gaben in der Höhle bleiben. In seiner Rede fordert er Teilhabe an göttlicher Ehre. Das erklärt seine Tat innerhalb des Hymnus, rechtfertigt den Raub aber nicht als allgemeine Eigenschaft aller Überlieferungen.

Eine ausgehandelte Rolle hat Grenzen

Im Streit mit Apollon macht Hermes die selbstgebaute Leier zum Angebot. Apollon gibt ihm dafür die Betreuung der Herden; später versprechen sie einander Freundschaft. Der Hymnus verbindet Hermes ausdrücklich mit Tausch. Zeus bestätigt außerdem eine Botentätigkeit zum Hades. Diese Passage erlaubt die Aussage, dass er Grenzen zwischen göttlichen Räumen überschreitet. Sie erzählt noch keine bestimmte Begleitung eines verstorbenen Menschen.

Apollon gibt Hermes einen Stab und spricht über Zeichen und Weissagung. Zugleich behält er die Kenntnis von Zeus’ Beschlüssen für sich. Der Hymnus verteilt Zuständigkeiten, statt Hermes uneingeschränkte Macht über jede Botschaft und jedes Orakel zu geben.

Hermes als Bote – attische Lekythos

Schwarzgrundige attische Lekythos mit laufendem Hermes; Flügelsandalen und Botenstab sind zu sehen.
Antikes Bildzeugnis: attische Lekythos, dem Tithonos-Maler zugeschrieben, ca. 480–470 v. Chr. Hermes als Bote mit Reisegewand und Kerykeion; keine Illustration seiner Geburt oder des Rinderdiebstahls. The Met, 25.78.2, Public Domain / CC0. Bildnachweis Bildlizenz

Das Gefäß zeigt den reisenden Gott

Auf einer dem Tithonos-Maler zugeschriebenen Lekythos läuft Hermes mit kurzem Mantel, Hut, geflügelten Sandalen und Kerykeion. Der Met-Katalog deutet ihn als Boten auf einem Auftrag für Zeus. Die bemalte Oberfläche belegt, dass diese Reisezeichen in der attischen Bildkunst um 480–470 v. Chr. lesbar waren.

Die Lekythos zeigt keinen Säugling, keine Schildkröte und keine Rinder. Sie ist darum ein anderes Zeugnis als die Hymnenerzählung, kein Standbild aus ihr. Auch wenn beide dieselbe Gestalt benennen, wird aus dem späteren Gefäß keine zusätzliche Szene des früheren Gedichts.

Was der Vergleich offenlässt

Der Hymnus kann Hermes listig, wortgewandt und musikschaffend zeigen, während das Gefäß seine bewegliche Botenrolle hervorhebt. Beides gehört in ein Profil, aber nicht in eine glatte Charakterformel. Vor allem sagt der eine erzählte Auftrag zum Hades noch nicht, wie Hermes in jeder lokalen Jenseitsvorstellung handelt. Dafür wären jeweils eigene Texte und Orte zu prüfen.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Hymnus 4
Leier, List, Tausch und zugeteilte Aufgaben.

Attische Lekythos
Spätere Darstellung des reisenden Boten mit Kerykeion.

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Homerischer Hymnus 4 an Hermes

Eigenstaendige Erzaehlung von Hermes’ Geburt, Leier, Rinderdiebstahl und Ausgleich mit Apollon.

Antiker Hymnus; Verfasser und genaues Entstehungsjahr hier nicht festgelegt.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Homerischer Hymnus 4 an Hermes nach Evelyn-White

Verse 1-580 vollstaendig gelesen; Textluecken und Uebersetzeranmerkungen kenntlich halten.

Historische englische Uebersetzung von 1914; nicht die antike Entstehungszeit.

Sprache: Englisch nach altgriechischem Text

Welche Zeit ist gemeint?

  • Die attische Lekythos wird vom Met auf ca. 480–470 v. Chr. datiert; das datiert weder die erzählte Geburt noch alle Hermes-Vorstellungen.

Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Homerischer Hymnus 4 an Hermes und attische Lekythos Met 25.78.2
Verwendeter Ausschnitt
Ein Hymnus und ein späteres Bildzeugnis; keine zeitlose Gesamtliste seiner Ämter.
  1. Homerischer Hymnus 4 an Hermes: List, Leier und Ausgleich

    Homerische Hymnen; englische Uebersetzung Hugh G. Evelyn-White · antiker Text; historische englische Uebersetzung

    Hymnus 4, Verse 1-580 vollstaendig gelesen: Schildkroete und Leier, Rinder und Spuren, Streit mit Apollon und vor Zeus, Lyra-Tausch, neue Aemter und Grenzen der Weissagung.

    Dichterische Erzaehlung in historischer englischer Uebersetzung; Hermes’ Luegen sind Figurenrede. Die Opferportionen belegen keinen zeitlos festen Olympierkreis. Kein Beleg fuer alle lokalen Hermes-Kulte. Abgerufen am 2026-09-28.

  2. Met 25.78.2: Hermes als Bote auf attischer Lekythos

    The Metropolitan Museum of Art, Department of Greek and Roman Art · laufender Museumskatalog; antikes Objekt

    Die Met-Objektseite und Open-Access-API zur Lekythos ca. 480–470 v. Chr. gelesen: Hermes mit Chlamys, Petasos, Flügelsandalen und Kerykeion; Public-Domain-Metadaten geprüft.

    Späteres antikes Bild der Botenrolle, keine Illustration des Hermes-Hymnus und kein Beleg für alle Hermes-Funktionen. Abgerufen am 2026-09-28.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-28. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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