Der ewige Schlaf ist hier seine eigene Wahl
Die Bibliotheke führt Endymion zunächst als Sohn des Aethlios und der Kalyke ein; daneben nennt sie eine andere Überlieferung, die Zeus zu seinem Vater macht. Er führt eine Gruppe nach Elis. Seine Schönheit weckt die Liebe der Mondgöttin. Dann bietet Zeus ihm eine Wahl an.
Endymion entscheidet sich für ewigen Schlaf, während er unsterblich und ohne Alter bleibt. In dieser Fassung ist der Schlaf weder eine ausdrücklich von Selene verhängte Strafe noch eine von ihr gegen seinen Willen getroffene Entscheidung. Das Geschenk ist ungewöhnlich: Endymion bewahrt Leben und Jugend, verzichtet aber auf das Wachsein. Was Selene in anderen Erzählungen mit ihm verbindet, ist dadurch noch nicht vollständig erklärt.
Elis erzählt auch von Familie und Herrschaft
Pausanias berichtet eine elische Version, in der Selene fünfzig Töchter von Endymion hat. Er stellt andere Partnerinnen daneben: Asterodia, Kromia oder Hyperippe. Die Versionen mit einer menschlichen Frau hält der Autor für wahrscheinlicher. Für die Söhne Paion, Epeios und Aitolos sowie die Tochter Eurykyda nennt er einen gemeinsamen Überlieferungskern. Ein Wettlauf der Söhne in Olympia entscheidet über die Herrschaft; Epeios gewinnt.
Auch Endymions Ende bleibt örtlich verschieden. Die Eleer zeigen nach Pausanias ein Grab. Die Menschen von Herakleia bei Milet erklären dagegen, er habe sich zum Latmos zurückgezogen, und ehren ihn dort mit einem Heiligtum. Pausanias hält diese Ansprüche nebeneinander. Ein erzähltes Grab, ein Verehrungsort und die Schlafwahl der Bibliotheke ergeben keine lückenlos ergänzbare Lebensroute.
Selene macht Endymion zum Teil ihrer eigenen Rede
In den Argonautika sieht die aufsteigende Selene Medea auf der Flucht. Die Mondgöttin spricht zu sich selbst über ihre Liebe zum schönen Endymion. Sie erinnert daran, wie Medeas Zauber sie ablenkten, und erkennt nun eine ähnliche Leidenschaft bei Medea. Endymion wird zum Bezugspunkt, von dem aus Selene eine andere Figur beurteilt.
Wir hören hier die Perspektive Selenes. Der kurze Abschnitt lässt Endymion selbst nicht antworten und erklärt auch nicht die Entstehung seines Schlafs. Selenes Begehren ist eine andere erzählte Stimme als seine ausdrücklich benannte Wahl in der Bibliotheke. Es darf nicht nachträglich für jede Begegnung als Aussage über seine Zustimmung verwendet werden.
Selene besucht Endymion auf einem römischen Sarkophag

Am Grab bekommt die Begegnung einen weiteren Zusammenhang
Auf einem römischen Marmorsarkophag des frühen dritten Jahrhunderts n. Chr. erscheint Endymion rechts in einer gelagerten Gestalt. Der Met-Katalog deutet die ankommende Wagenfigur als Selene. Das dicht gearbeitete Relief setzt die Begegnung in einen Bestattungskontext. Auf dem Deckel stehen eine Inschrift und ein Porträt; der Katalog nennt Arria als Verstorbene und ihre Tochter Aninia Hilara als Stifterin.
Die Aufnahme zeigt die ganze Front mit Deckel, nicht sämtliche Seiten des Sarkophags. Kleine Figuren sind im schmalen Webbild schwerer zu erkennen; die Originalansicht ermöglicht einen genaueren Blick. Das römische Grabobjekt ist eine eigene Bildgestaltung. Es entscheidet weder über Endymions elische Familie noch über den konkurrierenden Grab- und Verehrungsort bei Pausanias.
Die Figur in ihren Quellen
Eine Gestalt, verschiedene Textrollen
Der ewige Schlaf ist hier seine eigene Wahl
Bibliotheke 1.7.5
Elis erzählt auch von Familie und Herrschaft
Pausanias 5.1.3–5
Selene macht Endymion zum Teil ihrer eigenen Rede
Argonautika 4,55–65
Am Grab bekommt die Begegnung einen weiteren Zusammenhang
The Met 47.100.4a, b: Objektbeschreibung und betrachtete Frontaufnahme
Belegte Beziehungen
Texte und ihre Zugänge
Werke, Fassungen und verwendete Zugänge
Überlieferter Text
Bibliotheke des Pseudo-Apollodor
Werkbezeichnung für die mythographische Sammlung. In diesem Museum sind nur ausgewählte Ausschnitte erschlossen; die einzelnen Editionsdatensätze benennen die tatsächlich gelesenen Stellen.
Antike mythographische Zusammenstellung; genaue Entstehungszeit und Autorschaft aus dieser Lektüre nicht bestimmt.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Bibliotheke: Endymions Wahl und Tyros Söhne
Bibliotheke 1.7.5 sowie 1.9.8–11: Endymions Schlafwahl, Tyro/Poseidon und die daran anschließenden Genealogien. Die jeweils benannten Textstellen in historischen englischen Übersetzungen; weitere Werkteile und Überlieferungen sind hier nicht vollständig erschlossen.
Antikes Werk in historischer englischer Übersetzung
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Überlieferter Text
Pausanias: Beschreibung Griechenlands
Werkebene der Beschreibung Griechenlands. Die einzelnen Museumseiten nennen ihre tatsächlich gelesenen Ausschnitte in den zugehörigen Ausgabenkarten; daraus folgt keine vollständige Erschließung des Werks.
Werkebene; hier kein exaktes Entstehungsjahr festgelegt.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Pausanias 5,1,3–5 nach Jones
Endymion-Fassungen und zwei örtliche Ansprüche in begrenzter Passage.
Historische Übersetzung
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Überlieferter Text
Apollonios Rhodios: Argonautika
Erzählgedicht um die Argo und ihre Fahrt. Die benutzten historischen Übersetzungen nennen ihre tatsächlich gelesenen Fenster in eigenen Editionskarten; kein vollständig erschlossenes Gesamtwerk.
Hellenistische Dichtung; hier keine genaue Entstehungsdatierung
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Argonautika 4,55–65 nach Seaton
Selene beobachtet Medeas Flucht und erinnert sich an Endymion.
Historische Übersetzung
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Der Weg zum Beleg
Quellen und Einordnung
- Überlieferung
- Die jeweils benannten griechischen Überlieferungen; spätere römische und italienische Fassungen ausdrücklich getrennt.
- Verwendeter Ausschnitt
- Bibliotheke 1.7.5; Pausanias 5.1.3–5; Argonautika 4,55–65 und Met 47.100.4a, b als eigene Bildfassung.
- Bibliotheke: Endymions Wahl und Tyros Söhne
Bibliotheke unter Apollodors Namen; englische Übersetzung J. G. Frazer · Antikes Werk in historischer englischer Übersetzung
Bibliotheke 1.7.5 sowie 1.9.8–11: Endymions Schlafwahl, Tyro/Poseidon und die daran anschließenden Genealogien.
Die jeweils benannten Textstellen in historischen englischen Übersetzungen; weitere Werkteile und Überlieferungen sind hier nicht vollständig erschlossen. Abgerufen am 2026-10-01.
- Pausanias 5,1,3–5: Selene und Endymion in lokalen Varianten
Pausanias, Beschreibung Griechenlands; englische Übersetzung W. H. S. Jones · Antiker Reisebericht; historische englische Übersetzung
5,1,3–5: Endymions Abstammung; Selene als eine Mutter von fünfzig Töchtern in einer lokalen Erzählung; Pausanias stellt Ehefrauen-Alternativen daneben und unterscheidet elischen Grabanspruch von der Verehrung bei Latmos.
Pausanias meldet und bewertet lokale Aussagen, ohne eine einzige verbindliche Endymion-Biografie zu sichern. Die fünfzig Töchter gehören nicht zum Homerischen Selene-Hymnus. Ortstraditionen und römisches Bildobjekt später getrennt ausweisen. Abgerufen am 2026-09-29.
- Argonautika 4,55–65: Selene spricht über Endymion
Apollonios Rhodios, Argonautika; englische Übersetzung R. C. Seaton · Hellenistisches Epos; historische englische Übersetzung
4,55–65: Die aufsteigende Mondgöttin beobachtet Medeas Flucht, spricht in innerer Rede über ihre Liebe zu Endymion und Medeas Zauber. Unmittelbarer Medea-Kontext mitgelesen.
Selene spricht als Figur eines hellenistischen Epos; ihre Bemerkung ist kein Bericht über tatsächlich beobachtete Zauberpraxis. Endymion wird geliebt, aber der Vers erklärt keine einheitliche Version seines Schlafs. Abgerufen am 2026-09-29.
- Römischer Selene-Endymion-Sarkophag, Met 47.100.4a, b
The Metropolitan Museum of Art; römische Werkstatt unbekannt · Frühes 3. Jahrhundert n. Chr.; heutiger Sammlungskatalog
Objektseite und API: Severischer Marmorsarkophag, Inventar 47.100.4a, b; Katalog zu Selene, Endymion, Schlafmotiv, Helios und der Inschrift für Arria; individuelle Public-Domain-Angabe und API-Flag geprüft. Bilddetails erst nach Originalsichtung.
Römisches Grabobjekt, kein griechisches Originalbild der Selene-Hymne. Relief, Grabinschrift und Katalogdeutung unterscheiden; die dargestellte ewige Jugend nicht Pausanias 5,1,4 zuschreiben. Abgerufen am 2026-09-29.
Redaktion und Bearbeitungsstand
Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-01. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.
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